raum für notizen

das lisatier. nachtrag.

29. September 2004 - 05:08

es war nicht das heimweh, es war das alter, ein krebs, irgendwo im bauchraum, wie es viele greise hauskatzen trifft.
bis sonntag war alles in ‘ordnung’, sie hat gefressen, sich in der wohnung umgetan, sogar vom küchentisch auf das waschbecken ist sie noch gesprungen. ganz vorsichtig und konzentriert, immerhin mehr als ein meter, aufwärts noch dazu. aber sie hat sich nicht geputzt und ‘literweise’ wasser gesoffen, wo auch immer es zu kriegen war. sogar in den putzeimer hat sie ihren hals gehängt.
es ist nicht so, daß mir das nicht zu denken gegeben hat. ich wollte nicht dazu schreiben, es nicht manifestieren, aber beim abtasten war es im grunde eindeutig. wenn ich ehrlich bin, auch mir.
am montag hat sie angefangen alles, was sie gefressen hat mit unmengen von flüssigkeit gleich wieder von sich zu geben. dementsprechend radikal hat sie abgebaut, plötzlich war sie wieder leicht wie eine feder. zum ersten mal hat sie nicht geschnurrt, beim hochnehmen, sondern andere, merkwürdige geräusche gemacht. nie zuvor gehört, von ihr, vielleicht vor schmerzen.
am dienstag sind wir früh losgefahren, um die sache in ordnung zu bringen. diagnose: 1,7kg katze, untertemperatur, dehydriert und apathisch. die entscheidung fiel nicht schwer, im grunde war es ihre eigene entscheidung, innerhalb von einem tag. ich als ihr mensch mußte es nur für sie erledigen.
während die tierärztin die erste spritze aufzieht, hockt das lisatier auf der pritsche, zitternd und angestrengt. sie sabbert aus dem maul, ihr fell ist entweder stumpf oder naß, ihr blick geht nach innen. da ist keine kraft mehr. das ist es vielleicht, was tiere vom tod begreifen. daß die kraft nicht mehr reicht.
dann auf einmal bemerkt sie die vögel, die in einem käfig in der ecke schon die ganze zeit herumspringen. der blick wird wieder wach, und sie will los, tatsächlich, halbtot, am ende ihrer kräfte, will meine lisa vögel fangen. (nicht, daß sie weit gekommen wäre, selbst wenn ich sie nicht festgehalten hätte.)
zehn minuten später ist sie tot.
aber so ist sie, so war sie. trotz wohnungsleben, zentralheizung und täglichem dosenfutter. ein raubtier, durch und durch.

(im nächsten leben wird sie ein puma, wetten, so wie zum schluß gestunken hat.)

das lisatier | 0 » | plink
  • Mo:
    30. September 2004 - 9:57

    “ich als ihr mensch mußte es nur für sie erledigen.” So klar das im auch Kopf ist, so schwer ist es, dieser traurigen Pflicht dann auch wirklich nachzukommen. Jetzt springt sie wieder rum, schmerzfrei und quicklebendig, irgendwo. Auch schön.

  • simon:
    30. September 2004 - 10:29

    Es fällt einem so schwer, ehrlich zu sich selber zu sein.Wie gut tut die Lüge, wenn sie einem noch ein paar Jahre verschaffen kann.
    “Bloß nicht daran denken.Es ist alles ganz anders.”
    Als mein CLiff beim Tierarzt auf mich zugekrochen kam,sah ich es in seinen Augen:
    “Es geht nicht mehr, hör´auf zu lügen. Mir zuliebe!”

  • Liisa:
    30. September 2004 - 10:46

    Ich kann mich Mos Kommentar nur anschließen, mag aber gar nicht daran denken, wenn es mal für meine sechs so weit sein wird … und die Lücke die bleibt ist schmerzlich, auch wenn man weiß, daß es so das Beste war für das Katzentier.