raum für notizen

neues von der arbeitssuchfront

19. Oktober 2004 - 09:41

inseriert war: nebenberuflich, 25€/h, für leichte datenerfassung, handynummer. beim ersten anruf gab es keine auskunft, um was für eine tätigkeit es sich handeln könnte. nun gut, es könnte eine sekretärin oder eine aushilfe gewesen sein, die keine ahnung hat. beim rückruf, wieder von einem handy, gab es einen termin, eine adresse, eine genaue wegbeschreibung, aber keine weitere info. nicht einmal den firmennamen. es sei denn, der wäre ‘ergeschoß’, was ich aber auf anhieb zu bezweifeln wußte. auf spekulationen meinerseits, ob den daten pc-gerecht aufbereitet werden müßten, kundennummern, bestellisten usw. bekam ich – wie ich meinte – eine zustimmende resonanz.
dachte ich.
die veranstaltung heute, zu der ich im übrigen 1 3/4h mit der s-bahn nach schöneiche hinausfuhr, war im grunde eine verkaufsveranstaltung. der ‘financial consulting services’ – wie gut, daß ich ein bißchen englisch kann – stellte sich mithilfe einiger recht agressiv vorgetragener rechenbeispiele zum thema krankenversicherung, kfz-versicherung, rentenversicherung vor und scheute sich nicht, gleich auch ein paar daten der ‘bewerber’ abzufragen. versicherungen, banken usw. wurden schlechtgemacht, dafür aber das hauseigene (?) intranet und die dazugehörige software aufs schönste präsentiert. so einfach ist das mit den finanzen.
vor der pause, nach der dann (endlich) etwas zu dem job (leichte datenerfassung, you kow) gesagt werden sollte, wurde noch dazu aufgerufen, doch gleich mal für sich einen beratungstermin zu machen. selbstverständlich auch dann, wenn man dann vielleicht gar nicht für den ‘financial consulting services’ tätig werden sollte.
bitte jetzt nicht fragen, was das denn für eine tätigkeit gewesen wäre. erstens ist das nicht schwer zu erraten. und zweitens bin ich, nachdem ich in der pause – einmal bevor und einmal nachdem ich aufs klo geflüchtet war – natürlich noch aufs übelste (‘ach, dann sind sie also schon aufs beste versorgt?’) persönlich auf einen beratungstermin angehauen wurde, nach hause gefahren.
fazit: ???
oder doch, vielleicht: diese leute verstehen weder was von geld, obwohl sie sicherlich den zinseszins auszuwerten in der lage sind. noch verstehen sie etwas von menschen. als würde ich solchen leuten freiwillig auch nur einen hauch meiner finanziellen lage offenbaren.
aber ich fürchte, das gesamtkonzept reicht um reichlich abzusahnen. angst liegt ja genug in der luft.

schichtarbeit | 0 » | plink
  • fragmente:
    20. Oktober 2004 - 11:01

    Bei 25 €/ Stunde hätte ich ja vermutet, man muß strippen oder anschaffen gehen. Aber ehrlich gesagt läßt sich heute wahrscheinlich noch nicht mal mehr mit Prostitution/ Pornographie Geld verdienen.

    Zumindest hatte die Veranstaltung einen gewissen Unterhaltungswert für Dich, oder?

  • Georg:
    21. Oktober 2004 - 6:54

    Also von Geld und von “Mitarbeitern” verstehen sie wohl doch sehr viel!
    Dass du darauf nun nicht hereinfällst, heißt eignetlich nur, dass du noch mehr davon verstehst als sie. Glückwunsch!
    Und wie meine Vorschreiberin schon trefflich erwähnte, hat diese Veranstaltung dir hoffentlich unterhaltungsmäßig viel Freude bereitet :-))

  • engl:
    21. Oktober 2004 - 11:42

    @ fragmente: meinst du wirklich, daß huren keine 25€/h verdienen? wieviel freier schafft man denn wohl so pro stunde?
    @ georg: tatsächlich hatte das ganze im nachhinein eine gewisse komik. und natürlich auch die freudige selbsterkenntnis, doch nicht allzu blöd zu sein, selbst wenn es um geld geht. währendessen allerdings war ich eher wütend ob dieser zumutung, dieser anmaßung, mich erst anzulügen und dann allen ernstes über meine finanziellen verhältnisse ausfragen zu wollen. die tatsache wiederum, daß ich mich vornehm zurückgehalten und kein sinnloses wortgefecht mit einem der grobstrukturrhetoriker angezettelt habe, ist ebenfalls überaus zufriedenstellend.