raum für notizen

hartzer nachschlag

27. Dezember 2004 - 06:14

zeitunglesen macht keinen spaß in letzter zeit. hier zum beispiel handelt es sich um das arbeitsamt, von dem ich auch zu berichten hatte. dort. und auch hier bei mir, eine leicht modifizierte version.
kürzlich bekam ich diese reaktion darauf:
Was mir nicht gefällt, ist die schon beinahe klischeehafte Beschreibung der Arbeitsamt-Mitarbeiter. Am Ende des Textes bin ich eher sauer auf die Ich-Erzählerin als auf die Umstände, denn der Leser fragt sich schon, weshalb sie in ein Berlin mit einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent und einem Heer von arbeitslosen Journalisten zieht und dann auf Hilfe angewiesen ist, die ihr nicht zu passen scheint. Mehr noch: Sie projeziert ihren Ärger und ihre Angst unreflektiert auf eine Arbeitsamt-Mitarbeiterin. Aber Vater Staat ist nun mal nicht die große Mutti und wird es auch in Zukunft immer weniger sein. Für jeden Menschen ist nachvollziehbar, dass auch Arbeitsamt-Mitarbeiter keine Übermenschen sind, besonders nicht in Zeiten dieser komplexen Umstellung. Bei diesem Text fehlt der Abstand.
was mich einigermaßen überrascht hat, denn meiner meinung nach ist das nicht im geringsten das thema. vielmehr geht es um den offensichtlich manifestierten zustand, unter der last der derzeitigen bedingungen nicht einmal mehr in der lage zu sein, einander wahrzunehmen, um miteinander reden zu können. (wie auch der oben verlinkte artikel verdeutlicht.) dabei war mir erklärtermaßen eine parteinahme soweit als möglich unwichtig. wobei objektivität bei persönlich eingefärbten berichten sicherlich nicht bis ins detail eingehalten werden kann. aber wo ist sie das überhaupt?
seltsam also, was aus texten heraus- oder in diesem fall vielleicht besser hineingelesen werden kann. denke ich immer wieder.

tagebau | 0 » | plink
  • Petra:
    28. Dezember 2004 - 5:11

    Wo immer diese Reaktion stand, sie hätte auch von mir sein können.

  • engl:
    28. Dezember 2004 - 5:34

    es macht wohl wenig sinn, in die textanalyse einzusteigen, aber ich begreife nicht wieso. es scheint mir einfach nur aus standardisierter meinung und vorurteil zu bestehen. sorry.

  • Petra:
    28. Dezember 2004 - 6:03

    Wenn ich Dein Blog richtig verstehe, hast Du alles mögliche studiert ohne Abschluss. Dann hast Du Deinen Job hingeschmissen und bist ohne jede berufliche Vorsorge in eine andere Stadt gezogen und bloggst nun jede Menge über den Frust der Job- und Geldlosigkeit. Wenn man von seinem Hobby leben kann, ist es ja schön, wenn nicht, ist es allerdings nicht ganz normal, die kleine Sicherheit eines Jobs in der heutigen Zeit hinzuschmeißen und dann ausgerechnet übers Arbeitsamtpersonal und Geldmangel zu jammern.

  • engl:
    28. Dezember 2004 - 11:02

    das sind größtenteils mutmaßungen und oberflächlichkeiten. hobbys habe ich keine, keine zeit, und jammern liegt mir auch nicht besonders. der gröbste irrtum ist wohl, daß ich den schritt ohne berufliche vorsorge gemacht hätte. das risiko stand etwa 70/30. im moment ist es hart, aber nicht aussichtslos.
    aber darum geht es mir weniger als vielmehr darum, daß derzeit offensichtlich jegliches mitgefühl flöten geht. (nebenbei auch ein gewisses maß an sozialer gerechtigkeit, aber auch das nur am rande.) gefragt wird nur nach schuld, und das hilft erfahrungsgemäß sehr wenig.
    das alles zeigt sich eben auch im einzelnen. und das ist schlimm.

  • engl:
    29. Dezember 2004 - 3:12

    sicher ist wahrnehmung eine schwierige sache, besonders auch selbstwahrnehmung. dennoch bleibt das selbst das wichtigste medium für wahrnehmung an sich, da hilft nichts.
    selbst- und fremdwahrnehmung korrespondieren im übrigen nicht nur nicht immer, sondern sozusagen nie. das präsentierte wird interpretiert, und auch hier spielt die selbstwahrnehmung, wie die weltwahrmnehmung eine rolle. ebenso natürlich die persönlichen überzeugzeugungen und erfahrungen. ein ziemliches wirrwarr. so sagt mir auch das wort ‘heroisch’ z. b. wenig, zumindest in bezug auf mich. ich bevorzuge klarheit und widersprüche. (ein widerspruch, ich weiß ;-)
    von mitleid allerdings habe ich nicht im geringsten gesprochen, ich erwähnte mitgefühl als wichtige komponente, die wahrnehmung doch auch auf andere und deren wahrnehmung zu erweitern. dabei wiederum sprach ich nicht von mir und meinen kommentaren hier, sondern von gesellschaftlichen stimmungen. (kommentare jeglicher sinnvollen art sind hier immer willkommen. gelöscht wird nur spam, gewaltätiges und sonstiger schrott.)

  • RR:
    29. Dezember 2004 - 7:27

    Man soll die Kritiker nicht für Mörder halten, sie stellen nur den Totenschein aus.

  • Petra:
    29. Dezember 2004 - 10:54

    Die Menschen reagieren auf das, was ihnen präsentiert wird. Da können Sichtweisen nie etwas anderes sein, als Mutmaßungen. Die Oberflächlichkeit orientiert sich am Gegenüber. Selbst- und Fremdwahrnehmung korrespondieren nicht immer. Was die einen als heroisch sehen, erleben andere als Jammern.
    Wenn Du nicht kommentiert werden möchtest, außer es ist mitleidig, warum schaltest Du die Funktion bei Deinem Blog nicht ab?