raum für notizen

musik? na gut…

08. Februar 2005 - 08:04

frau modeste, obwohl es gar nicht stimmt, daß ich nie über musik schreibe.

1. Wieviel gigantische Bytes an Musik sind auf deinem Computer gespeichert?
derzeit etwas über 4,5. der rechner ist alt, die festplatte auch, ich muß immer wieder radikal ausmisten.

2. Die letzte CD, die du gekauft hast…
ghost dog, the way of the samurai, soundtrack, aber das sagte ich ja bereits. ;-)

3. Welches Liedl hast du gerade gehört, als dich der Ruf ereilte?
gar kein liedl, der fernseher lief.

4. Fünf Lieder, die dir viel bedeuten oder die du oft hörst.
ach lieder, das ändert sich doch ständig, stündlich sozusagen, da gibt es doch kein ende. und überhaupt – konserven… das ist doch alles pfusch, second hand, mehr nicht. ich erzähle lieber von fünf liveerlebnissen.

4.1. oh! that chello – thomas beckmann spielt charles chaplin – ca. 1989/die börse wtal
eigentlich mein erstes konzert ever, zumindest das erste ansatzweise klassische. ich schätze, daß ich etwa 24 gewesen sein muß. ich hatte keine ahnung, im familiären haushalt gab es seinerzeit ganze drei klassische platten. die kleine nachtmusik, die moldau und rigoletto. der rest war operette und schlager. (was ich heute gehässigerweise – immer noch – als grundsätzlich naheliegend möchte.)
zum ersten mal erkenne ich die qualität von performance. und zwar im gesicht von beckmann. wenn er spricht und erklärt, und das tut er viel an diesem abend, dann sieht er aus wie zwölf. er grinst und feixt, die ganze zeit.
zwei sekunden später, wenn er spielt, ist er ein anderer mensch. und instrumente atmen, als würden sie singen. auch das lerne ich an diesem abend.

4.2. sainkho namtchylak u. a. – im rahmen von unter wasser fliegen – 1993/die börse wtal
mein vater stirbt. nicht am tag des konzertes, tatsächlich erst ca. vier monate später. aber es ist der tag, an dem es klar ist. obwohl es auch vorher schon klar war, trotzdem macht das einen unterschied. vor oder nach der operation, vor oder nach der endgültigen ärztlichen diagnose. den ganzen tag telefoniere ich mit irgendwelchen verwandtschaften, fünf stunden, ohne unterbrechung. mitunter habe ich meine mutter und meines vaters freundin im direkten wechsel am höhrer. beide lüge ich an. die freundin weiß von meiner mutter, meine mutter weiß von nichts. sie lebt aber auch nicht mit meinem vater, also was solls. vielleicht wird das ja wieder, sagt sie. ich weiß nicht warum sie das sagt. die sorge um meinen vater kann es nicht sein. den würde sie am liebsten eigenhändig, immer schon. oder auch nicht, was weiß denn ich, in diesem moment. vermutlich ist es die plötzliche präsents von sterblichkeit. ich könnte meiner mutter die wahrheit sagen, die hoffnung nehmen, oder was auch immer. ich tue es nicht, und das wird sich in den nächsten monaten als eine grundlegende fehlentscheidung herausstellen. aber mein onkel hat mich darum gebeten, und ich muß mich entscheiden, wie immer, zwischen der einen und der anderen seite. vermutlich will mein onkel sich so lediglich meine mutter vom leib halten. und er nutzt mich als werkzeug, heute weiß ich das. damals war ich jung.
als ich in die börse komme, bin ich leer wie selten zuvor. ich bin spät, einiges ist schon gelaufen. es ist brechend voll, und ich winke bekannten gesichtern nur von weitem. ich bin zu müde für jedes weitere wort. und das ist erst der anfang, das weiß ich. i was born near a river, that does not exist any more, sagt sainkho als sie die bühne betritt, kurz vor ihrem auftritt.
frage mich jetzt bitte niemand, wie es war. ich weiß es nicht, es geht durch mich hindurch. aber es ist gut, auch so.
später habe ich die cs lost rivers gekauft, aber da ist nichts von diesem abend drauf. logisch.

4.3. mari boine – 1996/die börse wtal
2 ½ stunden dynamik pur, ohne den geringsten spannungsverlust. und das meine ich so! mari kommt auf die bühne, beginnt mit einem der schwersten gesangspassagen, die, wie schon auf der cd deutlich ist, fast jenseits ihres kapazität liegt. aber eben nur fast. nachdem in den höhen zunächst nur luft kommt, hat sie sich schnell freigesungen. was für ein ansatz, so zu beginnen.
wie gesagt, 2 ½ stunden wird durchgearbeitet, ohne jeglichen verlust. präzise percussion, von einem jungen trommler, dessen grandioser spaß an der sache bis in die letzte reihe blüht. bis ins letzte ausgespielte soli, freudig und leicht begleitet. überhaupt, eine bühnenkommunikation, der man euphoriert zusieht. dazu eine fantastische technik, ein derart transparenter sound, daß man hineingreifen könnte. mitten ins geschehen, in den klang. lediglich die geige geht hier und da unter. drei zugaben, nach satten zwei stunden. und dann, als sogar ich schon gehen will. da kommt mari noch einmal, allein, für eine letztes akapellastück.
leider ist die combo von damals weitgehend nicht mehr zusammen. heutige konzerte klingen anders. auch nicht schlecht, aber anders. wer hören will, versuche es mit den ersten drei cds (Gula Gula, Goaskinvella, Leahkastin). die klingen, muß ich entgegen meiner konserventhese leider sagen, absolut so, wie dieses konzert. (nur daß man beim dritten mal hören eben sämtliche feinheiten auswendig kennt, die live dann doch immer wieder anders sind.)

4.4. mi querida – sephardische lieder – ca. 1999/bücherladen wtal
(linkhinweis: 4. punkt von oben, eine eigene seite gibt es offensichtlich nicht)
das sollte man nicht machen, den verkaufsraum des bücherladens als konzertraum umzufunktionieren. es ist ein riesiges geräume, nach feierabend, und außerdem, wenn eine percussionistin ihr equipment ausbreitet, dann braucht das – eigentlich – viel platz. aber was soll der geiz, das publikum steigt freudig über tische und stühle, vorbei an den ausgebreiteten glocken, rasseln und waterdrums.
auch die drei musikerinnen haben es infolge der enge nicht leicht, zwischen den stücken sortieren sie sich nur umständlich an die richtige stelle. (percussionisten, you know! immerzu muß alles komplett umgebaut werden.) es ist ein ziemliches gelächter, immer wieder. ich denke an die schönen anekdoten von hinterrücks abstürzenden schlagzeugern. (nicht sehr lustig, ich weiß.) zum glück ist das in diesem fall nicht möglich, weil hinten die fest installierten bücherregale stehen.
schluß mit internen den boshaftigkeiten. eine sängerin mit klasse, dazu die ungekrönte königin der smallpercussion und dann noch die harfe. das hab ich vorher auch noch nicht gewußt, wieviel raum eine harfe füllt. sie ist es, die alles klanglich zusammenhält. mal abgesehen vom phantastischen chorgesang und einem exzellenten programm.
ich weiß nicht, ob es aufgrund der enge des raumes ist oder warum. die musik ist überall, vorne und hinten. und innen irgendwann.

4.5. DASKwartett (speakers on! und klick!) in ‚die hamlettmaschine’ – 2003 in einem theater in köln, obwohl eine produktion des bochumer prinzregenttheater/ musik:eckard koltermann.
eigentlich eine theateraufführung, was soll das also hier? auch bin ich nicht gerade ein leidenschaftlicher fan von heiner müller. (bitte keine diskussion!) zu allem überfluß verläßt eine befreundete kölnerin, mit der ich die vorstellung besuche, nach ca. 10 minuten angewidert das geschehen. wie gesagt, heiner müller… (nein, keine diskussion! ;-) es ist ein abend, an dem ich theater an sich studiere. sprechtechnik hier, bühnenbild da, inszenierungseinfälle. ist es zuviel, neben text und musik, auch noch videosequenzen einzuspielen? usw.
ansonsten höre ich musik und ich sehe auch musik, denn die vier sind sozusagen lebender bestandteil des bühnenbilds, darüber hinaus auch in die inszenierung integriert. die videosequenzen der spielerinnen sind die einzig lohnenden, soweit ich mich erinnere. die musik ohnehin. auch alles andere, was ich von ihnen aus anderen zusammenhängen kenne.
anschließend erzählt mir die erste geige ihre wahrnehmung des stückes. es ist immer wieder ein genuß, herauszukriegen, wie verschieden die bühnenperspektive ist. das stück hat sie erst vor kurzem überhaupt zu lesen gekriegt, sagt S. nur auf nachfrage. gut, die musikerinnen hatten natürlich auch und vor allem separat geprobt. aber ganz ohne textzusammenhang? (na ja, heiner müller…) die videoprojektionen kennt S überhaupt nicht, sie guckt ja ständig nur in die noten. überhaupt hat sie nicht den geringsten gesamteindruck. ganz am schluß steht sie für bestimmt zehn minuten im hintergrund auf einem podest, während vorne monologisiert wird. (verzeihung!) da hat mein knie so geknackt, sagt sie. konnte man das hören?
im übrigen ist DASKwartett mein derzeitiges lieblingsensemble, das ich, leiderleider weit weg im westen, nur wehmütig zurückgelassen habe. (die erste geige kommt mich im übrigen bald besuchen. wer hinweise für auftrittsmöglichkeiten, festivals, jazzorte o.ä. hat… dann kommen sie vielleicht alle!)

5. Wem wirfst du dieses Stöckchen zu (3 Personen) und warum?
eigentlich mag ich so was ja nicht. aber als angebot vielleicht: elsa laska und daily mo, und dann noch mamassiv, weil ich schon auch irgendwie neugierig bin.

(nachtrag: die börse wtal googeln gilt nicht, es ist längst nicht mehr derselbe ort.)

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  • Elsa:
    08. Februar 2005 - 9:54

    Stöckchen? Wo? Wie?
    Was muss ich machen?

  • engl:
    08. Februar 2005 - 10:58

    frage 1 – 5 in deinem blog beantworten. (wobei du frage 4 besser wörtlich nimmst, das macht nicht soviel arbeit.) oder denk dir sonst was nettes aus. ;-)

  • engl:
    09. Februar 2005 - 1:46

    sind wir nicht alle ein bißchen… zwanghaft?!

  • Modeste:
    09. Februar 2005 - 9:37

    Ach was. Kennt einen doch keiner. Ich habe mich auch öffentlich zu meinem öden Mädchengeschmack bekannt. Und der Udo vom Lawblog hört gar keine Musik und hat zuletzt “Best of Beatles” gekauft. Also – raus mit der Sprache, Frau Elsa!

  • Elsa:
    09. Februar 2005 - 12:03

    Au nee. Das ist so zwanghaft. Man muss möglichst rare Künstler und seltene Raubkopien nennen, die kein Mensch kennt. Nie darf man zugeben, dass man vielleicht immer noch Franky goes to Hollywood hört. Mir hat neulich Anobella vorgeworfen, ich würde ja nie über Musik sprechen und hätte deshalb keine Ahnung – jedenfalls deutete sie das an, daraufhin hab ich ihr folgendes geantwortet:

    “Ich belästige nun mal niemand gerne mit völlig unrelevanten Mitteilungen darüber, dass ich 20 Jahre gebraucht habe, bis ich endlich Morning After von Duran Duran auf CD hatte oder mir das Om Namaha Shivaya in drei verschiedenen Versionen live aufgenommen in einem Ashram in San Francisco reinpfeife, während ich Auto fahre. Oder mir die russisch-orthodoxe Messe aufgenommen im Kloster Sagorsk zu Weihnachten anhöre.

    WO!-ZU!-DE!-NN!-AUCH?!!!”

    :))))))))))))))

  • engl:
    10. Februar 2005 - 1:10

    aber sicher seh ichs nach, ich bin ja selbst – normalerweise – eine kettenbriefverachterin. dieses war eine absolute ausnahme, muß ja auch mal sein. daß die regel sich betätigen darf.

  • Mo:
    10. Februar 2005 - 1:15

    Hach. Ich kann mich mit diesem Frage-Spiel nicht anfreunden, sieh’s mir nach. Und wen interessiert schon eine GB-Zahl auf meiner Festplatte?
    Trotzdem danke für die Neugier. :)