raum für notizen

wip – endlich

14. Februar 2005 - 11:08

wenigstens die szene steht jetzt, von 4 1/2 seiten auf ca. 11 umgearbeitet. hilft ja nichts, mußte sein. bleiben am heutigen abend noch genau 21 seiten rohfassung, die in den nächsten tagen auf mich warten.
(sorry, mehr als zählen geht heute nicht.)

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  • Elsa:
    15. Februar 2005 - 2:24

    ich muss mal generell was fragen, weil mich das interessiert. wenn du einen roman schreibst, hast du die szenen/kapitelabfolge VORHER genau ausgearbeitet? oder legst du einfach los?

    oder arbeitest du irgendwo in der mitte von beiden extremen?

  • engl:
    15. Februar 2005 - 11:22

    mal so, mal anders. im allgemeinen also wohl zwischen den extremen. ;-)
    1. für LUCAS habe ich viel vorgearbeitet, kapiteleinteilungen, kapitelinhalte, sogar kapitelumfang. auch charakterisierungen habe ich ausgearbeitet, alter und geburtstage bis ins sternzeichen hinein festgelegt. viel zeug also, das im buch dann überhaupt nicht vorkommt.
    nach dem ersten geschrieben kapitel haben dann gleich zwei figuren ihre charakterisierung getauscht, ohne daß ich sie dazu animiert hätte. lediglich alter und name ist geblieben. nach dem zweiten kapitel hat sich eine ‘ausrangierte’ figur ganz von allein wieder eingebracht und damit alles über den haufen geworfen. nachdem etwa ein drittel der vorarbeit dementsprechend ‘ordnungsgemäß’ heruntergeschrieben war, haben sich dann ganz neue kapitel eingeschoben, ganze handlungsstränge verändert und das ende ist sowieso völlig anders geworden. wobei ich dazu sagen muß, daß ich das – wohlweislich – auch nicht zu eng vorgefaßt hatte.
    was dann nach lektorat usw. noch alles passieren kann, muß ich dir wohl nicht sagen. der anfang ist umgeschrieben, die kapiteleinteilung völlig verändert, …
    soll heißen, es geht, es hilft, aber man wird und darf sich nicht strikt dran halten.
    2. diesmal habe ich alles das nicht gemacht. ich habe mich hingesetzt und losgeschrieben, ohne genau zu wissen, wohin die reise geht. das heißt, eine vage ahnung hatte ich, die bald eine relativ konkrete vorstellung wurde, die ich dann verfolgt habe. die figuren haben sich daran entlang entwickelt. die konstruktion aber ist völliger zufall, und dennoch bin ich bislang einigermaßen zufrieden. wen interessiert schon chronologie? bislang erlaube ich es mir, zuerst das ende einer beziehung zu erwähnen, dann die innigkeit und zum schluß vielleicht noch die erste peinliche begegnung nach der trennung. warum nicht?
    aber förderlich ist sicher auch, daß die zentrale story in einer einzigen nacht spielt, lediglich rückblenden verweisen auf andere zusammenhänge. außerdem ist größtenteils in präsens erzählt, darüber hinaus in zum teil sehr kurzen szenen. deshalb sage ich ja auch immer ‘szenen’, denn sieben bis zehn zeilen mitunter, möchte ich einfach nicht kapitel nennen.
    soll also heißen, es geht auch, indem man einfach ins leere greift. da ist immer was, da ist viel, also keine angst.
    der rest ist montage. und das ist ja kein problem mehr heutzutage. wenn ich da an die feinen klebearbeiten zu schreibmaschinenzeiten denke…

  • engl:
    16. Februar 2005 - 11:04

    keine ursache, gern geschehen.
    ich glaube auch nicht, daß es an dem fehlenden dinA 4-blatt liegt, zumal ein solches wohl zu klein sein dürfte. ;-)
    ich kenne übrigens viele, die immer wieder mal anfangen, und dann nach 10 – 50 seiten aufgeben. so liegt dann haufenweise angefangenes auf den festplatten oder ausgedruckt ganz oben in den regalen herum. am besten noch in 8 – 12 verschiedenen versionen. meine these wäre ja, daß es das zuviel an ideen sein könnte. ich weiß aber natürlich nicht, ob es auch bei dir zutreffen könnte.
    ich weiß auch nicht, warum es mir nicht so geht wie offenbar allen anderen. ich mache fast alles zuende, ganz besonders die größeren sachen. ich speichere auch nur sehr selten versionen, ich mache immer nur eine datei. sogar bei hausarbeiten usw. war das so.
    wie sieht es denn mit deiner sonstigen arbeit aus? wie ist die strukturiert? wie kriegst du die fertig? ist es nur der äußere zwang?
    und was ist “wer ist amid kemal?”? nur das, was bei dir zu lesen ist? oder ist es größer? (verzeihung, ich hab nicht alles genau verfolgt…)

  • Elsa:
    16. Februar 2005 - 12:17

    danke für die antwort!
    ich habe einfach nicht den atem für großprojekte. ideen hätte ich genug, aber nach 10 seiten höre ich einfach wieder auf. ausnahme die “wer ist amid kemal?” sache, aber das ist natürlich auch nichts “ernsthaftes”. wahrscheinlich schreibe ich deshalb weiter – weil es SPASS macht und ganz unangestrengt und ohne anspruch ist.
    also jedenfalls gebe ich die schuld für meine mangelnde ausdauer immer meinem fehlenden Din A 3 schlachtplan, den ich mir VORHER ausklügeln sollte. ich probiere es jetzt mal MIT, d.h. ich mache mir richtig gedanken. vielleicht habe ich dann mehr ausdauer. aber ich glaube nicht. es scheint mit irgendwas anderem zu tun zu haben…
    wie auch immer: toll, dass du dranbleibst an deinem projekt.

  • Elsa:
    17. Februar 2005 - 4:04

    die kleine form liegt mir schon näher, aber das kann natürlich auch seinen grund darin haben, dass ich auf die deadline hin schreibe, dann aber auch in einem rutsch. meistens muss ich nur noch füllwörter und wiederholungen ausbessern, (sofern sie mir auffallen, ich lese fast immer laut, dann fällt es noch am ehesten auf).
    das könnte also der grund sein, warum ich keinen langen atem habe: wenn ich mir selbst deadlines setzen würde für kapitel oder teilkapitel, ginge es vielleicht. das wiederum setzt voraus, dass ich das berühmte din a 3 blatt bemühe:-)
    ich finde die herangehensweise beim sachbuch irgendwie praktischer. man präsentiert zuerst ein expose, bietet es an, macht eventuell den vertrag und muss sich ERST DANN hinsetzen und schreiben. das motiviert mich stärker, als mit einem roman zunächst ins blaue zu schreiben.
    nein, amid kemal ist amid kemal ín voller pracht und originalgröße, ein spaß-projekt, entstanden aus dem ernsthaften vorhaben, einen aussteiger-roman zu schreiben (ein fragment des “ernsthaften projektes” steht und prosaisches). dann aber kam anobella und pinselte mir einen kommissar amid kemal in mein expose (wir pinseln uns immer frisch, fromm und frei gegenseitig ins oeuvre) und es galt, herauszufinden, wer amid kemal sei. und dann verlor ich den ernsthaften ansatz irgendwie aus den augen:-)

  • engl:
    17. Februar 2005 - 7:38

    ich lese auch immer laut. das kann schon mal zu blöden situationen führen. zum beispiel als ich in meiner damaligen dachgeschosswohnung fröhlich und laut vor mich hinlas. aber dabei vergessen hatte, daß seit tagen die dachdecker vor meinen fenstern unterwegs waren.
    das mit den internen deadlines ist auch so eine sache. ich hatte mir seinerzeit exakt 10 seiten pro woche auferlegt, meistens mehr geschafft, aber die zeit durch nachkorrekturen auch gebraucht. es braucht wirklich langen atem und gutes timing, um dranzubleiben. das stimmt.
    von wegen sachbuch, exposé und dann losschreiben… ich hab da so eine idee, ich frag dich dann mal konkret was, wenn es soweit ist, ja?
    nie, nie, nie würde ich jemanden in mein exposé pinseln lassen. never ever! aber wenn ich von kemal höre und lese, dann kommen mir diesbezüglich zweifel.
    ernsthaftes und spaßprojekte derart scharf voneinander zu trennen, finde ich im übrigen auch nicht unbedingt hilfreich. ist das nicht etwas sehr deutsches?

  • Elsa:
    17. Februar 2005 - 11:25

    also man muss sich schon total vertrauen und sich etliche jahre kennen und es natürlich auch ausdrücklich wollen. natürlich will ich niemanden sonst in meinen texten haben, ich kann zwar mit korrekturen von anderen als anobella was anfangen, aber nur anobella schafft es meist, noch eine richtig schöne ergänzung irgendwo reinzubringen, wo es dann auch passt. wo sie eine idee hat, was da jetzt noch fehlt. amid kemal hat mir zwar NICHT eigentlich gefehlt, aber es war schon ulkig. nun ich trenne schon. so etwas wie amid kemal ist ja nichts, was ich irgendwo anbieten könnte, dafür fehlen viel zu viele aspekte einer wirklich guten geschichte und dafür ist es auch viel zu planlos geschrieben. ich schreibe ja wirklich online und weiß nicht, was dreißig zeilen später passieren wird. ich habe selbst keinen anspruch daran, außer den, zu unterhalten. wenn ich jetzt eine anspruchslosen unterhaltenden roman abfassen wollte, und den auch verkaufen wollte, müsste ich es auch ganz anders angehen. ich habe nicht das gefühl, dass ich da deutsch bin oder denke. es ist einfach pragmatismus oder realismus, meine ich. aber in einem bestimmten sinne bin ich dann vielleicht doch “deutsch” in dem sinne wie du es meinst, dass ich mich bei den projekten, bei denen ich einen anspruch an mich selbst habe, immer ziemlich anstrenge und verbeiße, statt es einfach locker laufen zu lassen. insofern ist amid natürlich einfach auch eine gute übung im fluss zu bleiben. und manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich mich für ihn entschuldigen zu müssen glaube, so wie grad jetzt. *lach*

  • engl:
    20. Februar 2005 - 8:16

    ich meinte die trennung zwischen E und U eigentlich auch nicht unbedingt auf die arbeitshaltung bezogen. für beides muß gearbeitet werden, das steht ja sowieso fest. und ob es verbissen ist oder leicht von der hand geht, das ist eine frage des persönlichen temperaments. oder der tagesform vielleicht.
    ich dachte mehr an das ansehen. U wird immer so runtergemacht, während alles was zu E hochgelobt wird gleich gnaz anders daherkommt. (ähnlich auch in der musik, wobei ich da nicht von populären hitlisten oder soetwas schrecklichem spreche.) ich denke, das ist was typisch deutsches, oder nicht?
    ach ja, U können eben die amis einfach besser. aber ernst nehmen kann man das natürlich nicht, wenn die mal E zu machen versuchen. ;-)