raum für notizen

archiv: Juni 2006

living in a box (8)

25. Juni 2006 - 03:49

im anschluß an eine kurze einkaufsabwesenheit meinerseits, bei der ich irrtümlicherweise der ansicht war, die arbeiter hätten endlich feierabend gemacht, schließlich ist doch wm und we sowieso, fand ich den balkon gestern komplett ruiniert vor, indem er offensichtlich mit schmutzwasser zunächst eingenebelt und anschließend geflutet worden war. einschließlich pflanzen und mobiliar. zum glück hatte ich aus angst vor illegalem betreten meiner wohnung zuvor alle fenster geschlossen, sonst hätte ich den dreck wohl in jedem einzelnen zimmer vorgefunden.
das ganze fand natürlich ohne ankündigung statt, und sicherlich bin ich selber schuld, denn – ganz ehrlich – meine handwerkerseele grinst seitdem ein wenig vor sich hin. was macht man wohl, wenn man losen putz abgeschlagen hat und die entstandenen löcher ohne zweifel wieder schließen muß, bevor man zur weiteren, vermutlich farblichen gestaltung übergeht, fragt sie. und ich weiß die antwort, natürlich weiß ich die. wasser! mit möglichst viel druck, um alle losen reste wegzuspülen. was denn sonst? also!
nach grinsen ist mir allerdings nicht, auch jetzt noch nicht. immerhin hat sich so die frage erübrigt, warum man meinen frisch renovierten balkon unbedingt schon wieder renovieren will. ich sehe um mich, und ich weiß warum. weiß war einmal, bis gestern um diese zeit etwa.
konstruktiv denken, denke ich jetzt schon den ganzen tag. ab nächster woche gehe ich also in die offensive. da nun ohnehin alles hinfällig ist, mache ich mich daran, das mauerwerk zu bearbeiten. das wird nicht überstrichen, das ist an der gesamten hausfront sorgfältig abgeklebt. das zu sehen war wahrlich eine große erleichterung. ich werde also die unsinnig überstrichene ecke abbürsten und die überflüssigen haken, ösen und nägel, die noch überall stecken, entfernen. der winkelschleifer die flex ist schon hervorgekramt, nur die trennscheibe hält sich noch versteckt. vielleicht besitze ich auch gar keine, keine ahnung. auf jeden fall ich werde ab sofort einfach selbst auch noch eine menge dreck und krach machen, wo sowieso schon mal alles um mich herum dabei ist. mal sehen, wer länger kann. nee, besser wer besser ist.
und dann mal sehen, was die mir für eine farbe hier andrehen wollen. die spannung steigt. ist ja nicht so, daß mir bislang offiziell irgend etwas konkretes verkündet worden wäre. kein bißchen. im schlimmsten fall fällt mir zur farbgebung sicher auch noch was schönes ein. wäre doch gelacht.

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living in a box (7)

24. Juni 2006 - 08:47

wochenende ist ein irrtum. gegen acht denke ich im halbschlaf, daß da jemand durchs gerüst schlurft. als es zu rumpeln anfängt, schrecke ich hoch und sehe nach. unten wird mit großen hartfaserplatten hantiert. eilig schließe ich alle fenster, stehe kurz danach im schlafanzug auf dem balkon, den ich gestern, in annahme eines wochenendes, für ein gemütliches frühstück wieder einigermaßen besitzbar arrangiert hatte. oder gar klagenfurt auf dem balkon, die letzten vier. vielleicht mal richtig, zuhören war irgendwie schwer in diesem jahr.
mittlerweile werde ich von allen seiten behämmert. die hartfaserplatten stehen vor den fenstern, zum schutz. als schmutz- und geröllrutsche. zum glück werden sie offensichtlich nicht fest angebracht. die arbeit, die mir gestern schon nicht gelungen ist, wird sich auch heute sicher nicht ohne weiteres einstellen. ich suche die liste, da könnte helfen. aber es gibt keine. verdunklung.
eine nachbarin meinte neulich, da müssen wir nun durch, danach sei das schlimmste vorbei. danach werde nur noch verputzt und gestrichen, das sie harmlos. recht hat sie, ich erinnere mich. aber wie weiß sie das?

p.s. der typ mit der weißen mütze, der gerade auf augenhöhe vor dem wohnbürofenster hockt und hämmert, daß es innen klirrt, grinst mir einen guten morgen. in klagenfurt liest katja huber über rußland. glaube ich.

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schöne neue worte aus den täglichen nachrichten (8)

24. Juni 2006 - 04:36

“Opposition ist Mist, sagt Müntefering. Falsch. Regieren ist Mist (machen).”

diese in aussicht gestellte senkung der krankenkassenbeiträge als ausgleich zu der angekündigten steuererhöhung. wieso kommt mir das bekannt vor? ach ja, das gab es doch schon einmal. bei der einführung der praxisgebühr usw., nicht wahr? eine riesige senkung, wenn ich mich recht erinnere. nein, ich will nicht übertreiben. riesig war sie nicht. allerdings eine zuwachssenkung, geringfügig im plusbereich. stimmts?!

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reflexe

23. Juni 2006 - 11:26

steinhagel. die männer draußen reißen die fensterbänke raus und schlagen den putz mit hämmern von den wänden. das klingt so nah, als grüben sie mir furchen in die haut. peinlich die panik, die ich schiebe. unangemessen. und dennoch unerträglich. gefangen zu sein, eingesperrt. ohne zu wissen, was draußen vor sich geht. ohne die möglichkeit einzugreifen, zu reagieren, etwas zu ändern. peinlich, dieses gehabe aus nichtigem grund. nahezu lächerlich. verdammte bunkermentalität.
dabei bin ich persönlich nur selten eingesperrt gewesen, allerhöchsten einmal in der woche. und nicht einmal im keller, immer nur in der kammer. dazu ängstigt mich dunkelheit nicht. die metaebene aber, das wissen um das spiel mit macht und vernichtung. die gewissheit, daß kinder es nicht gewinnen können, auch ich nicht. damals wie heute. statt dessen der blick, der bleibt, der sieht. wenn wenigstens das nicht geschehen wäre.
[und die frage: wie geht das, wie kann das ein, daß die, die im krieg in kellerlöcher geflüchtet ist, gefangen war, später ihr kind (genüßlich) einschließt?]
der mangel an gelassenheit aber, jetzt, hier in dieser wohnung, weit weg von damals, beschämt mich. ich könnte sein wie sie, die mir das vererbt hat. ich bin wie sie. nicht der lage, enge und lärm zu ertragen. und menschen dazu, die das nicht verstehen wollen. da hilft der tiefste todstellreflex nicht. ich habe keine nerven, ich bin blankgerieben. fertig.
vielleicht habe ich es aber nur erlernt, erdacht, mir erschrieben. in diesem merkwürdigen buch, das keines ist, keines sein wird. weil es nicht fertig wird, sich aber auch nicht mehr bewegt. eine lebende leiche, ein untotes in meinem gemüt. ich sollte es zerstören, endlich.

niemals hätte ich das schreiben anfangen sollen, niemals das denken, das leben. 1980 war ein fehler.

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