raum für notizen

14. September 2006 - 03:58

vor einer woche saß ich im alten büro in wtal, genaugenommen hinten in der küche. es hat sich wenig geändert, zwei neue studentinnen, eine davon natürlich an meinem platz. in den büros wird nicht mehr geraucht, eben deshalb hockt die letzte mohikanerin mitsamt ihren unterlagen kettenrauchend in der küche. (wie unpassend, wenn mans genau betrachtet.) sonst ist alles beim alten. wenig los an donnerstagen, kurz nach der letzten erscheinung. (ebenfalls ein irgendwie unpassendes wort für die veröffentlichung einer zeitung, ich weiß. wurde von der kettenraucherin geprägt: wir haben da wieder eine erscheinung! ;-)
und ein kleiner junge ist gestorben, vor ca. zwei monaten. der jüngste der büronachkommenschaft, gerade sechs jahre alt. das ist erschreckend, ich weiß, aber man kann es relativieren. wenn man will. er hätte auch am ersten tag sterben können, ich erinnere mich gut. nur mit mühe und wochenlanger intensivstation ging es doch noch weiter. sechs jahre lang also. nicht unbeschadet nach der tortur gleich zu anfang. vermutlich taub und ganz sicher hirngeschädigt, habe ich ihn nie anders als auf den rücken liegend gesehen. meistens schweigend oder schlafend. ein unendlich dünner, kleiner körper, zart und zerbrechlich. mit riesigen augen und wunderbar langen wimpern. voller freude und glück, jedesmal, wenn irgendetwas in sein gesichtsfeld trat. ein licht, eine farbe, ein mensch. zufrieden mit dem zufall, zumindest solange keine körperlichen bedürfnisse oder beschwerden anstanden.
gestorben ist er auf seiner ersten reise. niemals zuvor von den eltern getrennt, nutzt er die letzte nacht, um schlicht zu entschlafen. (eigentlich ja ein blödes wort.) damit es denen, die zurückbleiben nicht zu schwer wird vielleicht. aber das ist meine interpretation, zugegeben. denn die eltern kämpfen jetzt mit der entstandenen leere, der zeit und der energie, die freigesetzt ist. und die so gar nicht genutzt werden kann. auch nicht für den älteren bruder, der, als er kurz darauf seinerseits seine erste klassenreise antreten soll, in panik verfällt, weil er glaubt, daß er dann womöglich auch nicht zurückkommen wird. außerdem wird gerade jetzt, wie bereits lange geplant, endlich das haus behindertengerecht umgebaut.
mitunter paßt einfach nichts mehr im leben, kein gedanke und kein plan. dann ist es einfach so wie es ist. und es ist scheiße.

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