raum für notizen

small talk

11. Dezember 2006 - 02:03

neulich auf einer party ein wenig über selbstmord diskutiert, immer wieder ein dankbares thema. zum beispiel, ob man selbigen etwa im internet ankündigen könne oder gar solle. dieser spezielle bereich war schnell abgehandelt. natürlich kann und soll man das nicht. zumindest nicht, wenn man tatsächlich beabsichtigt, sich alsbald zu entleiben.
wesentlich länger dauerte die erörterung der frage nach der art und weise des vorgehens. einer der kollegen vertrat die ansicht, daß, mit reichlich alkohol im blut und guter musik auf den ohren, ein sprung vom fernsehturm die beste wahl sei. eine etwas romantische vorstellung, wie ich finde. vermutlich hat er noch nie irgendwo hoch oben gestanden und auch nur halbwegs ernsthaft darüber nachgedacht. sonst wüßte er, daß es da plötzlich ein unvermutetes hinternis gibt. der körper stellt sich dem vorhaben massiv in den weg, und das ist wirklich überraschend. hab ich mir sagen lassen. ein anderer vorschlag lautete, daß eine überdosis heroin sicher und darüber hinaus der grundstoff einfach zu beschaffen sei. ein schöner tod, so wurde mir versichert. lediglich am setzen der spritze würde es bei den meisten scheitern. noch so eine überraschung, die mich nicht wirklich überrascht.
um einen schönen tod geht es nicht, es geht um zerstörung. deshalb ist wohl auch das werfen vor einen zug eine recht häufig gewählte methode. sicher ist das allemal. außerdem ist es beinah, als würde man es gar nicht selbst tun, sondern vielmehr so, als würde man umgebracht werden. das hat fast etwas heroisches. daß letzteres natürlich ein trugschluß ist, wurde in der diskussion dann auch noch festgehalten. springen ist verboten, wegen der zugführer vor allem. und weil die fahrpläne der deutschen bahn unangemessen durcheinander geraten.
danach hatte sich das thema unvermittelt erschöpft. ich kam gar nicht mehr dazu, den anderen meine höchstpersönliche these vorzutragen. statt dessen redeten wir plötzlich über herrn mehdorn und die deckengestaltung des berliner hauptbahnhofes. auch interessant.

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  • Claudia:
    11. Dezember 2006 - 5:40

    Eine häufig gewählte Methode, das stimmt. Es sind ca. 1000 Menschen pro Jahr, die sich für die Züge der Bahn werfen. Wieviel sich noch vor S-Bahnen und U-Bahnen werfen weiß ich nicht.

    Aber die Zahl kommt mir immer wieder aufs Neue viel zu hoch vor.

  • engl:
    12. Dezember 2006 - 11:27

    interessant das mit dem kopf und dem herzen.
    ich hab mal einen film über das leben von van gogh gesehen. (nicht der mit kirk douglas! ein anderer.) beeindruckend, daß van gogh sich ins herz schießt. zumal er ja nicht richtig trifft, nicht sofort stirbt, sondern erst ein paar tage später. so geht er dann von dem feld, auf dem er sich erschossen hat, nach hause. blutend.
    ich dachte während der szene, daß ich niemals das herz wählen würde, immer den kopf. am besten hinten, wie andreas baader, damit bloß nichts bleibt.
    ob das aber mit dem denken zu tun hat?

  • affectionista:
    12. Dezember 2006 - 11:36

    während meienr recherche über serienkiller (fragen sie jetzt bitte nicht…) las ich, dass die art des selbstmordes unweigerlich auf die persönlichkeit rückschließen ließe. sogar, ob sich jemand in den kopf schießt (damit das denken aufhört) oder ins herz (damit das zerbrochene herz nicht mehr wehtut) ist eine aussage. deshalb ist ein solcher smalltalk ja so interessant, sofern man darüber redet, wie man sich selbst entleiben würde. abgesehen davon ist das ja schon alles makaber, aber das ist das leben an sich ja auch.

  • Claudia:
    13. Dezember 2006 - 7:08

    Das hat bestimmt viel mit dem Denken zu tun.

    Ich bin ein Weichei. Mir wäre lieber, ich setze mich in eine Ecke und sterbe dort still vor mich hin. Aber nur immer im absoluten Notfall.

  • engl:
    13. Dezember 2006 - 8:36

    das mit der stillen ecke ist so eine sache. da stirbt man ja nicht, da tut man nur so. ich kenne das. ;-)

  • Claudia:
    13. Dezember 2006 - 9:54

    Ich sag ja, ich bin eine Mimose.