raum für notizen

assindia

15. Mai 2008 - 11:14

gestern spontan nach blogs gesucht, die in (und über) meine(r) geburtsstadt geschrieben werden. was sich ein wenig schwierig gestaltete, weil die suchbegriffe ‘essen’ und ‘blog’ unabweichlich in richtung foodblogs weisen. also wirklich.

gefunden hab ich dann aber doch noch ein bißchen was. (ein hoch auf verlinkungen, insbesondere blogrolls. ist doch immer noch am besten.) eine liebeserklärung zum beispiel. die kann ich zwar nicht wirklich nachvollziehen, ich habe essen immer gehasst. oder zumindest verachtet. neben der verbundenheit, die natürlich auch besteht. das kann aber daran liegen, daß ich aus dem geschundenen norden stamme. außerdem bin ich in den sechziger, siebziger jahren dort aufgewachsenen. da war sicher noch einiges anders. da war zollverein noch zeche. (glaube ich.) mein opa ist da früher eingefahren. (oder irgendwo anders, was weiß ich. es gibt unzählige zechen. das heißt, es gab sie. damals.) da war noch dreck und ruß überall. im norden zumindest. die flüsse und kanäle waren tot und stanken. und der himmel war glühend rot, jeden abend. im osten, da wo in der kokerei die nächte durchgearbeitet wurden. sodaß ich mir bis heute nicht merken kann, ob die sonne tatsächlich im osten oder nicht doch vielleicht eigentlich im westen aufgeht.

eine metropole kann man essen ganz sicher nicht nennen, damals wie heute nicht. (das gilt ja kaum für berlin, finde ich. und auch sonst für keine deutsche stadt.) dieses verdammte verschlafene nest. na gut, das vielleicht am wenigsten verschlafene im pott, wo aber dennoch kurz nach zehn die bürgersteige hochgeklappt werden. mancherorts auch halb sieben, da bin ich sicher. auch heute noch. wo die häuser aussehen wie schuhkisten mit deckel. und mit rissen drin, manchmal durch alle geschosse. im norden zumindest, wo der berg noch arbeitet. wo er immer arbeiten wird. sodaß die gebäude schief stehen, seit jeher, und sich immer weiter absenken. weil der grund zutiefst durchlöchert ist, ein hohles fundament. das ist essen.

treu bin ich also ganz sicher nicht. aber das mit der skyline, das stimmt.

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  • Björn:
    15. Mai 2008 - 11:28

    Danke für deine kritische Auseinandersetzung mit meinem Artikel und unserer gemeinsamen Heimat.
    Auch wenn wir verschiedener Meinung sind, freue ich mich immer eine Resonanz zu bekommen.

    Vielleicht solltest du Essen mal wieder besuchen. Es hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan und mit ein bisschen Glück geht das auch noch weiter.

    Alles Gute aus Dortmund, das viel schlimmer ist als Essen ;)

  • engl:
    15. Mai 2008 - 18:48

    dortmund ist indiskutabel, das stimmt.

    in essen war ich allerdings ende november das letzte mal. rüttenscheid, altenessen, katernberg (also zollverein), bis rauf nach karnap sogar. gelsenkirchen, eine qual.

    bauliche veränderungen, ja. etliche. aber die stimmung? ich weiß nicht.

  • Björn:
    15. Mai 2008 - 23:19

    Hmmmm. Die Stimmung. Das mag ich zwar teils unterstreichen, aber denke, dass dies kein Problem der Stadt Essen ist, sondern unseres Landes.
    Der Punkt in Essen ist natürlich trotzdem, dass der nördliche Essener langsam wirklich Angst bekommt, mit leeren Händen dazustehen, während der Süden vollgestopft wird.
    Verhindern kann man dies aber nicht durch Trübsal blasen, sondern durch Mund aufmachen – das muss der Essener noch lernen. Leider habe ich nicht mehr die Möglichkeit die Politik Essens mitzubestimmen – wenn es nur nach mir ginge, hätte Dr. Reiniger die längste Zeit seinen Politikerhintern auf einem Wischertrecker geparkt um demonstrativ in die Kameras der WAZ und NRZ zu grinsen.
    Ich denke weiter, dass Essen nur durch eine ausgewogene Politik zu helfen ist und durch positives Denken des Einzelnen – und letzteres versuche ich mit meinem Artikel wenigstens bei einer kleinen Minderheit zu forcieren.

    Sollte dies nicht gelingen, so ist es aber auch gut, dass ein reflektierter Leser beginnt, sich seine eigenen Gedanken zu machen, was ja zumindest einmal funktioniert zu haben scheint.

    Mir als 82 geborenem liegt einfach zu viel an der Stadt, die ich toll kennengelernt habe und die ich noch immer als meine Heimat bezeichne – vielleicht bin ich ja auch nur etwas zu [naiv]… [bei nichtgefallen durch eigenes Wort ersetzen ;-)]

  • engl:
    16. Mai 2008 - 10:59

    das nord-süd-gefälle ist nun wirklich nicht neu, das gab es schon vor vierzig jahren. wir hier im dreck und auf den hügeln am see die kruppsche villa. und auch davor. im norden zechensiedlungen und einfamilienhäuser im süden. eigentum natürlich. gut, die zechenhäuser sind heute sicher auch eigentum, zumindest sehen sie so aus. aber im grunde war das doch schon immer so.

    über positives denken der essener und lokale politikerärsche vermag ich nicht viel zu sagen. dazu bin ich wohl zu weit weg. aber auch über neukölln bin ich diesbezüglich wohl eher ungeeignet. ;-)

    naiv? naja, das mit dem „zum nachdenken anregen” vielleicht. klingt schwer nach politikerfloskel. ;-)