raum für notizen

umwege. schottmüllers katze

01. Juli 2009 - 13:18

als alte wuppertalerin hat mich der tod von pina bausch gestern natürlich wie der blitz getroffen. (who the fuck ist michael jackson?) einmal nur habe ich sie selbst tanzen gesehen. unauffällig fast, beinah am rand, einer, ihrer gruppe verbunden. wenn ich mich recht erinnere. aber in diesen stücken war und ist ja immer jedeR solistisch am werk, selbst in den massenszenen. irgendwie. wie könnte oder sollte man das beschreiben? und warum?

es gibt wege, umwege und bögen zur kunst. wozu braucht es da worte? unser täglich brot.

stücke von pina bausch habe ich einige gesehen, mal die mit, manchmal auch die ohne namen. nein, es ist nicht ganz so schwer, wie es immer heißt, an karten zu kommen. es kommt auf das timing an, das ist alles. in wuppertal ist das natürlich bekannt. man notiert sich einfach den vorverkaufsbeginn im kalender. obwohl es sicher auch geholfen hat, daß die beiden hunde einer arbeitskollegin in einem stück als darsteller auftraten und eine andere kollegin hin und wieder die kinder einer tänzerin gehütet hat.

eigentlich wollte ich ja ende des jahres versuchen, noch einmal die sieben todsünden zu sehen, die dann nach berlin zu den berliner festspielen kommen. sieht aber so aus, als wäre es dazu dann doch zu spät. ausverkauft. außerdem hätte ich mir das auch kaum leisten können.

in die trauer mischt sich die schmutzige traurigkeit dieser seltsame stadt, wuppertal, das so viel zu bieten hatte, als ich 1987 dort hinkam. und das mir so sehr im sterben zu liegen schien, als ich das letzte mal dort war. und das sehe offensichtlich nicht nur ich so, sondern zum beispiel auch rainer grassmuck:

Wuppertal — was ist los? Taumelst seit Jahrzehnten unkontrolliert durch die Städtelandschaft des Bergischen Landes. Bekommst nichts mehr richtig auf die Reihe, deine Bevölkerung kehrt dir langsam aber stetig den Rücken.
So stirbst du.

wobei ich zugeben muß: ja, auch ich bin gegangen. fort aus diesem kleinen, eigentlich großartigen ort.

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  • Christoph:
    01. Juli 2009 - 23:18

    als alte wuppertalerin hat mich der tod von pina bausch gestern natürlich wie der blitz getroffen. (who the fuck ist michael jackson?)

    Das sollte Frau nicht tun. Leben gegen Leben – Tod für Tod – aufzurechnen, macht keinen Sinn. Beide haben – und dabei waren sie sich sehr nah – ausgelotet, Grenzen überschritten, Musik und Tanz neu definiert und gegen alle Widernisse getan, was sie als Künstler/in glaubten, leben zu müssen. Wir sind in ihrer “Schuld”. Machen wir was draus.

  • engl:
    02. Juli 2009 - 11:20

    nein, nicht aufrechnen, aber wahrnehmen, ganz egal ob lebend oder tot.

    wer, verdammt nochmal, ist oder war denn michael jackson? keine ahnung, irgendein popprodukt, soweit ich weiß. vielleicht sogar ein popproduzent, aber das läßt sich schon nicht mit sicherheit sagen. wer da was produziert hat. und warum.

    michael jackson als person ist und bleibt ein rätsel, eher eine witzfigur, denn ein mensch. pina bausch dagegen…

    aber gut, das mag daran liegen, daß man ihre tänzer in wtal einfach so auf der straße treffen konnte und in kneipen. oder sie selbst beim spanier in unterbarmen, überraschend klein und leise, ein lächeln um die augen, und immer mit zigarette.

  • Christoph:
    04. Juli 2009 - 11:41

    Ich meinte es so: Wenn wir, wie etwa Susan Sontag, die Kunst „als eine Form der Schulung unserer Gefühle und der Programmierung unserer Sinneswahrnehmung“ verstehen, macht die Unterscheidung zwischen >hoherniederer< Kultur – wie sie insbesondere in Deutschland nach wie vor gepflegt wird – keinen Sinn mehr. Der Blick gilt dem Objekt, der Inszenierung, dem Bild, der Komposition etc. Dies setzt Maßstäbe in Kraft, nach denen Güte, Gehalt, Qualität, Sinn – was auch immer – beurteilt und über die sicher gestritten werden kann. Vorausgesetzt ist eine „offene Betrachtung“ der Welt. „Dieser neuen Erlebnisweise ist die Schönheit einer Maschine oder der Lösung eines mathematischen Problems, eines Bildes von Jasper Johns, eines Films von Godard (und) der Persönlichkeit wie der Musik der Beatles,“ – ich ergänze – das Tanztheater einer Pina Bausch und die Choreographien und die Musik eines Michael Jackson, „gleichermaßen zugänglich“*. Was entfällt, sind Distinktionsgewinne. Aber, brauchen wir die?

    * Susan Sontag, Kunst und Antikunst, Frankfurt a.M. 2006, S.354

  • engl:
    05. Juli 2009 - 11:34

    die unterscheidung in hoch und nieder, kunst und kommerz, e und u – und wie das sonst noch heißen mag – ist mir ebenfalls zuwider. ein seltsames, tatsächlich sehr deutsches phänomen, wie mir scheint. in england z. b. ist davon wenig zu spüren.

    aber das ist die metaebene, die hier ja zunächst einmal nicht das thema war.