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she:publica 2010?

23. Januar 2010 - 18:55

der blogbeitrag im freitag – über mögliche notwendigkeit von wichtigtuerinnen – bringt mich darauf. außerdem der dort verlinkte beitrag Ich! Ich! Ich!, der mir in vielem sehr bekannt vorkommt. wenn auch nicht in allem, schon gar nicht in den beklagten grabenkriegen oder dem offensichtlich nicht auszurottenden mannweibvorwurf. das ist einfach nur ermüdend.

vom 14. bis zum 16. april ist es wieder soweit, die re:publica 2010 steht auf dem programm. geliebt und gescholten aus vielerlei richtungen und gründen, das kann man so oder auch anders sehen. ich sehe bislang keinen grund, dem spektakel fernzubleiben, nur weil es ein spektakel ist und zwangsläufig reichlich geschwätz enthält. nö, dazu mag ich das treffen von angesicht zu angesicht einfach zu sehr. und der eine oder andere kluge austausch findet auf jeden fall immer statt. also.

eines allerdings steht mit jetzt schon glasklar vor augen. auch in diesem jahr wird wieder ein mehr oder weniger eklatanter frauenmangel zu beklagen sein, sowohl auf den podien als im umherschleichenden fußvolk. indiz wird einmal mehr die fehlende schlange vor dem damenklo sein. wetten!?

das ist ein trauerspiel, keine frage. und es gibt keine lösung. klar, man könnte an der struktur drehen. mehr frauen aufs podium setzen, zum beispiel. vielleicht sogar eine quote einführen. oder eine ganze vortrags-, workshop-, themenreihe mit frauenthemen anschieben, quasi die she:publica parallel zum bekannten männergemacker zwischen schwanzvergleich und irokesenpräsenz. nur für frauen natürlich, alles klar!?

nix ist klar. ich weiß auch keine antwort auf diesen bedauernswerten zustand. und nur für frauen geht gar nicht, das steht fest. ehrlich gesagt fand ich selbst das immer schon ziemlich gewöhnungsbedürftig und nur in einem gewissen themenspektrum wichtig und fruchtbar. (da allerdings war und ist es bis heute hochnötig.) ansonsten tut es einfach nur weh, ich spreche da aus erfahrung.

also was? schweigen und zwischendrin ein bißchen jammern und klagen? den call for papers mit feministischen manifesten bombadieren? leise seufzen, wenn auf jede andeutung dieses leidigen themas in der immer selben leier gekontert wird: na, dann macht doch endlich was. wir warten, wir wollen das auch, gerne sogar. aber es kommt ja nichts, was sollen wir da machen. wenn ihr nicht wollt. das ist schuldverschiebungsniveau, das bringt gar nichts.

ich würde mich ja schon freuen und wundern, wenn ich einfach mal einen mann verzweifelt auf den tisch schlagen sähe. einer, der es auch sieht, daß es so doch einfach nicht sein kann. da reden wir alle über dieses ach so basisdemokratische instrument, mit dessen hilfe jeder und jede sich äußern, in dem nichts ausgeschlossen wird und alles seinen platz findet. und es stimmt ja, genau so ist es doch (noch), dieses internet. wir leben und arbeiten damit und freuen uns daran. wir wissen, wie viele frauen hier ganz selbstverständlich unterwegs sind.

trotzdem ist es einfach ein fakt, daß in der öffentlichen präsenz der frauenmangel auf dem gebiet internet und neue medien größer ist, auffallender vor allem, als auf den meisten anderen gebieten privater, beruflicher oder kultureller natur, die öffentlich verhandelt werden. und das ist nicht nur lächerlich, weil es (vermutlich) nicht stimmt. das ist scheiße!

p.s. echtzeitweb! finde ich übrigens irgendwie gruselig. oder eine ulknummer vielleicht. ich weiß noch nicht so genau. ;-)

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  • Irene:
    23. Januar 2010 - 21:27

    “Frauen strickbloggen” (Nico Lumma auf blogosfear.org)

    Hallo erstmal, ich habe diesen Eintrag über Twitter gefunden.

    Dass im Internet nicht alle gleich sind und sich Machtstrukturen herausbilden, die nicht unbedingt anders sind als im Real Life, weiß man schon länger, wenn man es wissen will. Was Geschlechterrollen angeht, gibt es dazu einen Text von Valie Djordjevic. Internet gleich Basisdemokratie, das war jedenfalls eine Illusion.

    Es liegt zwar überwiegend, aber nicht ausschließlich an den um sich und ihresgleichen kreisenden Männern. Auch manche Frauen, die es zu irgendeinem Alphastatus gebracht haben, grenzen sich gegenüber den restlichen Frauen ab. Das ist wie Abgrenzung nach unten, die man von manchen sozialen Aufsteigern kennt, oder von integrierten Türken, die gegen weitere Zuwanderer sind. (Bei mir gibts zwei nackerte Links dazu. Vielleicht sollte ich wieder bloggen.)

    Vorhin habe ich auf Antville zufällig eine uralte ironische Umfrage von mir wiedergefunden. Sie lautete: “Welches Männerblog ist anspruchsvoller – Blogosfear oder Feinripp?” Feinripp (das echte Männerblog :o)) gibts noch. Aber kennt Blogosfear noch wer? Die haben sich damals irre wichtig gefühlt mit ihrem Metabloggen übers Bloggen… schau mer mal, was man in fünf Jahren über die Eierschaukel Republica sagen wird.

    Wenns Dich sehr frustriert oder aufregt, dann mach doch eine kreative Störaktion. Ich neige eher zum Spott. Und vielleicht hab ich in der Ära Strauß einen Langmut entwickelt, den man im heutigen Internet noch ganz gut zweitverwerten kann ;-)

  • Sammelmappe:
    23. Januar 2010 - 21:36

    Eine Lösung für dieses Problem kenne ich leider auch nicht. Aber ich finde es wichtig, das Thema immer und immer wieder anzusprechen. Denn irgendwo harkt es. Das steht fest. Denn die Frauen sind ja da. Es gibt sie und sie stellen sich auch nicht tot. Sie sind hier und überall, nur nicht dort wo mehr oder weniger langweilig und doch ruppig die Ellenbogen rausgeschoben werden.

  • Robert:
    23. Januar 2010 - 22:47

    Hmm … hmm … mir fehlt das Insiderwissen sowohl zur Blogosphäre als auch zur Republica nur komme ich irgendwie nicht darum herum das Problem der mangelnden weiblichen Vertretung mit anderen Bereichen in Verbindung zu bringen. Zu wenig Frauen in der Informatik, zu wenig Frauen in der Piratenpartei, zu wenig Frauen veröffentlichen ….

    Auf die Frage warum das so ist habe ich bis heute noch keine zufriedenstellende Antwort bekommen / finden können. Frauen die auf einer Veranstaltung / bei der Partei waren konnten mir die Frage auch nicht beantworten – “Ich weiss es nicht, ich bin ja da”. Ich halte es daher für wenig hilfreich hier von Schuldverschiebung zu sprechen und mal wieder die Schuld bei den Männern zu suchen denn ich bin mir sicher das eine vermehrte weibliche Teilnahme auch die Veranstaltung verändern würde.

  • Irene:
    23. Januar 2010 - 23:17

    > Auf die Frage warum das so ist habe ich bis heute noch keine zufriedenstellende Antwort bekommen / finden können.

    Schon mal mit Soziologie versucht?

  • Twitter Trackbacks for engl @ absurdum » Blog-Archiv » she:publica 2010? [light-inside.de] on Topsy.com:
    24. Januar 2010 - 6:30

    […] engl @ absurdum » Blog-Archiv » she:publica 2010? light-inside.de/weblogs/2010/01/republica-2010.html – view page – cached der blogbeitrag im freitag – über mögliche notwendigkeit von wichtigtuerinnen – bringt mich darauf. außerdem der dort verlinkte beitrag Ich! Ich! Ich!, der mir in vielem sehr bekannt vorkommt. wenn auch nicht in allem, schon gar nicht in den beklagten grabenkriegen oder dem offensichtlich nicht auszurottenden mannweibvorwurf. das ist einfach nur […]

  • uberVU - social comments:
    24. Januar 2010 - 14:19

    Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by engl: she:publica2010? http://light-inside.de/weblogs/2010/01/republica-2010.html #rp10…

  • engl:
    24. Januar 2010 - 16:08

    @ irene

    frustriert und aufgeregt bin ich immer nur temporär. ich weiß ja auch, wie es ist. daß sich machtgefüge quasi zwangsläufig nahezu überall wie von selbst bilden. ich weiß aber auch, daß es das nicht ist, was die welt zusammenhält. pathetisch geprochen.

    spaßguerilla wär vielleicht wirklich eine schicke idee. ;-)

    und die soziologie liefert zumindest ansätze auf das dauernde warum. fragt sich nur, was sich damit dann anfangen läßt. separierung? quote? oder was?

    @ sammelmappe

    eben drum mußte es mal wieder gesagt sein. und jetzt mal weitersehen. (wie sieht es aus mit deinem aprilkalender? ;-)

    @ robert

    ja, hallo. nett, sich mal wieder zu sehen/lesen. wie gehts?

    aber zu den stichworten schuldverschiebung und schuldzuweisung und überhaupt schuld? das steht ja schon in meinem text, daß ich davon rein gar nichts halte. weder auf der einen noch auf der anderen seite. dann reden man nämlich gleich wieder von zwei verschiedenen seiten und so.

    verwirrend, das alles.

  • Irene:
    25. Januar 2010 - 13:57

    Die Piraten könnten sich ruhig mal bisschen über gesellschaftliche Themen kundig machen.

    Die Piraten schätzen es ihrerseits auch nicht, wenn einer daherkommt und fragt, wofür dieser komische Datenschutz überhaupt gut sein soll. Aber von Feministinnen wird erwartet, dass sie immer wieder alles von vorne erklären.

    Wie sagte Bov so schön? RTFM!

  • ryuus Hort» Bloggerinnen!:
    17. Februar 2010 - 8:04

    […] auf? Richtig: Alles Männer. engls “Was tun” kann ich indessen voll zustimmen: she-publica 2010? Auch ich schwanke angesichts dessen immer wieder zwischen Ratlosigkeit und dem oben beschriebenen […]