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ein hoch auf die türkischen gemüsehändler in neukölln

24. September 2010 - 22:05

es wird wohl zeit, dieses lied einmal zu singen, wo doch in letzter zeit derart viel dreck über die türkischen vertreter dieses wohl schwierigsten einzelhandelszweiges ausgeschüttet wurde. nachts auf dem großmarkt sein, pünktlich und wach, damit die ware rechtzeitig im laden liegt. jeden deutschen jungen würden sie dafür in den himmel loben.

arm wäre es hier, ohne die türkischen händler. armselig, auf das ewig gleiche angebot der discounter, abgepackte massenware stapelweise, angewiesen zu sein. der türkische supermarkt dagegen funktioniert noch wie ein markt. das gemüse sucht man sich selbst zusammen, genau so viel, wie man braucht und möchte. es gibt kartoffeln, zwiebeln und knoblauch einzeln, das ist wichtig in einem einpersonenhaushalt. es gibt drei sorten knoblauch, wenigstens. der ingwer ist frisch, und es gibt ihn, immer. ebenso die frische minze. kein discounter hat das. die fleischtheke, gut, die ist gewöhnungsbedürftig. kennt man ja heute kaum noch, so unabgepacktes rohes fleisch. nur früher, mit meiner oma beim metzger, da gab es noch diese schalen in der theke. und das blut, das sich darin sammelte. also, für eine hühnersuppe ist der türkische händler auf jeden fall immer gut. im winter finde ich dann dort, und nur dort, meine liebste salatbeilage: maronen. ohne würmer. naja, die meisten jedenfalls. in deutschen läden liegen die dinger, wenn es sie überhaupt gibt, meistens so lange, daß man die hälfte wegwerfen muß, weil sie schon zerfressen ist. kein spaß, bei dem preis.

überhaupt der preis. es ist nicht immer a-ware, das stimmt. aber wer braucht die schon? meine gurken müssen nicht gerade sein und kleine kartoffeln sind schneller gar. das preis-leistungs-verhältnis ist ohne zweifel auch besser als im discounter. zumindest beim gemüse, aber darum geht es hier ja.

nicht zu vergessen auch die brote. kaum zu glauben, daß ich ohne fladenbrot aufgewachsen bin.

berlin | 0 » | plink
  • Käthe Feinstrick:
    24. September 2010 - 22:47

    Stimmt, das muss auch mal gesagt werden! Ich kaufe sehr regelmäßig bei türkischen Gemüsehändlern – eben weil sie eine Auswahl haben, die ich selbst auf dem Wochenmarkt nicht finde. Und ich bin immer wieder davon beeindruckt, mit was für einer Energie die ihre Läden betreiben. Allerdings, auch das soll nicht unerwähnt bleiben, fühle ich mich in keinem dieser Läden wirklich willkommen. Die Mitarbeiter sind immer unfreundlich und reden nur mit ihresgleichen mehr als das Nötigste. In einem Laden (den ich schon darum nicht mehr aufsuche) wird man sogar grundsätzlich erst mal auf Türkisch angesprochen – und das nicht etwa aus folkloristischen Gründen, wie es etwa die Italiener gerne machen. Das finde ich immer schade, und oft ärgert es mich auch. Wenn nicht an solchen Orten, wo dann könnten beide Seiten zeigen, wie viel sie voneinander profitieren?

  • engl:
    24. September 2010 - 23:03

    echt? das ist mir hier noch nie passiert. gut, ich gehe meistens auf den markt am maybachufer und der ist inzwischen nahezu touristisch. oder ich gehe in einen türkischen supermarkt in der nähe, da sitzen meisten junge frauen (mit kopftuch) an der kasse. die sprechen in fröhlichem wechsel mal türkisch und mal deutsch, übrigens auch mit ihren türkischen kunden. und ich werde jederzeit sehr freundlich und gleich auf deutsch angesprochen. mein türkischer zeitungsgetränkesüßigkeiteneckladenhändler verabschiedet mich sogar mit einem schrecklichen berliner „tschüssi“.

    das alles ist natürlich nicht wirklich repräsentativ. sicher gibt es da auch hier andere beispiele. und in die brautmodengeschäfte oder männercafés gehe ich natürlich nicht, da besteht kein bedarf. mir scheint aber, daß eine grundvoraussetzung im einzelhandel eine grundsätzliche offenheit dem kunden gegenüber sein muß.

  • Sammelmappe:
    25. September 2010 - 9:06

    Es ist wie immer im Leben: Es kommt auf die Menschen an. In Mannheim kenne ich ein paar Geschäfte, da werde ich sehr freundlich behandelt. Als ich eine zeitlang in Frankfurt wohnte, ist es mir auch ein paar Mal sehr übel ergangen. Da ging es eindeutig darum, dass ich Frau und Deutsche war. Mein Freund wurde nicht ganz so höflich behandelt.
    Aber bei mir waren sie schon manchmal krass.

    Übrigens könnte man auch ein Loblied auf die türkischen Konditoreien halten. Die sind auch traumhaft. Vorallem die, die die deutschen Spezialitäten wie Rührkuchen und Mürbegebäck und den ganzen Kram noch machen, den es in deutschen Bäckereien schon lange nicht mehr gibt.

  • Sammelmappe:
    25. September 2010 - 9:07

    Sorry.

    Nicht ganz so unhöflich, wollte ich schreiben. Er wurde auch nicht gerade höflich, aber eben nicht so krass ignorierend behandelt.

  • Julia:
    25. September 2010 - 13:03

    Türkische Lebensmittelläden sind super, keine Frage. Kaufe ich auch gerne ein. Allerdings scheinst Du keine guten Supermärkte in Deiner Gegend zu haben, so wie Du wetterst. Abgesehen von sehr speziellen türkischen Lebensmitteln bekomme ich z.B. ein super Sortiment an frischem Obst und Gempüse bei Rewe, Edeka oder Kaiser’s. Und zwar auch einzeln, nicht nur abgepackt. Augen auf, dann findest Du das auch. ;)