raum für notizen

volontaria

04. Oktober 2011 - 23:19

nach nun mehr bald drei jahren der organisation des HSB, inklusive der kommentarbändigung, die immerhin inzwischen ganz passabel möglich ist, würde ich mir diese zeit gern als onlinevolotariat gutschreiben. mehr über publikationgestammel und publikationsgeschwätz als in blogs kann man wohl nirgens einfach so mal lernen. gnaz und gar unabhängig und freiwillig.

andere haben das auch schon festgestellt, neulich erst in der süddeutschen. da schreibt leo lagercrantz über seinen kampf mit den trollen:

Es gibt mehrere Arten von Trollen. Viele überfluten die Kommentarfelder mit Propaganda, Hassreden und Verleumdungen – oder genauer: mit Texten, die von den meisten Menschen in unserer Gesellschaft für Hassreden gehalten werden.

Andere beschäftigen sich mit einem Gegenstand, der nichts mit dem Artikel zu tun hat, zu dem das Kommentarfeld gehört. Es wird eine lange Nacht.

Es gibt mehrere Arten von Trollen. Viele überfluten die Kommentarfelder mit Propaganda, Hassreden und Verleumdungen – oder genauer: mit Texten, die von den meisten Menschen in unserer Gesellschaft für Hassreden gehalten werden.

Andere beschäftigen sich mit einem Gegenstand, der nichts mit dem Artikel zu tun hat, zu dem das Kommentarfeld gehört. Es wird eine lange Nacht.

Der Troll selbst ist davon überzeugt, dass er oder sie ein mutiger Verfechter der Wahrheit ist, innerhalb einer Gesellschaft, die nach falschen Kompromissen strebt, in einer medialen Welt, die von “Feministinnen”, “Gutmenschen” oder “Zionisten” beherrscht wird, die – natürlich – insgeheim von den “Muslimen” übernommen werden.

Solche Menschen, die heute Trolle sind, hat es immer gegeben. Der Unterschied aber besteht darin, dass sie früher keine Machtbasis besaßen. Diesen oft einwandererfeindlichen und immer bitteren Stimmen die Seiten der Papierzeitung zur Verfügung zu stellen, dieser Gedanke war uns völlig fremd. Nicht einmal auf den Leserbriefseiten waren sie willkommen. Doch dann wurde das Kommentarfeld im Netz erfunden.

der norweger leo lagercrantz hat inzwischen aufgegeben, ist jetzt freier autor und zieht eine bittere bilanz:

Persönlich verstärkte das Massaker in Norwegen mein Gefühl, gescheitert zu sein. Nicht weil ich “zensierte”. Sondern weil ich es nicht früher und entschlossener tat.

ich tue das einstweilen (noch) nicht, ich arbeite an meiner haltung. wo weder amüsement noch zynismus hilft, ja nicht einmal minimalismus, da schwöre ich inzwischen auf fernando pessoa, der da schrieb:

Eine Meinung haben ist geschmacklos, auch wenn sie nicht aufrichtig ist.

jawohlja.

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