home




archiv: April 2013


28. April 2013 - 22:32

ich und noch wer, wir warten auf unsere letzte folter. wir wissen, beide, daß die welt draußen längst wieder in ordung, der krieg lange vorbei ist. nur wir hier unten, auf der letzten etage des parkhauses. wir wurden vergessen. wir warten noch, wir vergessen nicht. ich bereit mich vor. ich wühle in dem trog mit dem morast, ich schiebe die körperteile darin auf die seite. die hand meines vaters zum beispiel. und all das andere, undefinierbare zeug, das ich mir nicht nahe wissen möchte. nicht näher als an meine hände zumindest. dann warte ich wieder.

menschen fahren in ihren autos davon, aber niemand kommt bis zu uns. nur ihre hunde kommen und pissen uns an. es wird dunkel im dunkeln, bald ist nirgends mehr ein geräusch. ich schleiche ins büro und schreibe eine nachricht an den rand einer autowerbung. die schußwaffen sind nicht mehr intakt, schreibe ich. dafür werde ich ausgelacht.

als ich zurückkomme ist die andere nicht mehr da, ich bin nur noch für mich. ich warte und mit mir ist die angst, die wächst. ich denke an die menschen, nur wenige etagen über mir, die von all dem nichts mehr wissen. ich bitte und bete, daß ich nicht zu guter letzt noch sterbe. nicht so kurz vor dem ziel, vor dem ende. ich will das überleben, auf einmal. ganz am rand der hoffnung, der größten aller ängste, höre ich auf einmal nur noch mein flehen.

doch da ist kein gott, da ist nur schweigen. da ist nichts.

es dauert, bis ich begreife, daß es auch für mich vorbei ist. daß niemand mehr kommt, mich zu prüfen, mich zu richten. zuzurichten. daß die tür offen ist und ich gehen kann. gegen könnte. wenn ich nicht wüßte, daß ich nackt bin, nur mit einer dünnen schlafanzughose bekleidet. außerdem verdreckt und bepisst, völlig verkommen. und ich kann das nicht ändern. nicht hier unten.

wie lächerlich ich wirken werde, da oben, wo längst alles wieder in ordnung ist. wie unwirklich, auch für mich selbst, eine illusion. alles nur einbildung, ein schlimmer traum. so werde ich gleich mit ihnen. so vergesse ich mich.

so werde ich wach, und es ist ein sonntag. ein sonniger sonntag. fast schon mai, mein monat. mein mai.

würgen und brechen

28. April 2013 - 01:16

zwischen räumen und bügeln, was gelegentlich zum samstäglichen haushaltsalltag gehört, ein bißchen was zum thema kinder und häusliche gewalt (pdf) gelesen. wie immer würge ich an der überrepräsentation der väter als täter. mag sein, daß das durch statistik belegt ist. vermutlich, solange es um einigermaßen klar definierte körperliche gewalt geht. alles andere gibt es auch, natürlich, aber doch mehr so am rande.  es spielt halt mit, aber kaum eine rolle. offensichtlich.

wenn das mal so einfach wäre, denke ich. während ich am feminismus würge, der im grunde so viel so kluges und gutes zum thema zu sagen hat. ich erkenne mich darin, und komme dennoch nie vor. kaum ein wort, in über dreißig jahren. also würge ich nicht zuletzt am eigenen feminismus. oder an dem, was davon noch übrig ist. damit will ich brechen.

ich lese auch über symbiose und gewalt in (lesbischen) paarbeziehungen (pdf), über nähe, die illusion von gleichheit und brutale überforderung zuletzt. darüber, wie die romantische vorstellung von intimität mitunter täterinnen zeugt, verzweifelte nichtliebende. damit muß ich nicht brechen, das war niemals meins. wie anders ich bin. anders noch als sowieso schon anders. und wie wenig das zu verheimlichen ist, je älter ich werde.

aber wie ich gesucht habe nach dem fehler in mir, nach dem hindernis, das das so nachdrücklich verlangte nie zulassen konnte. wie ich schuld war, immer, wer sonst, wenn meine vereinnahmung nicht funktionieren wollte. wie mich mich gewehrt habe, auf die art vernichtet zu werden. wie ich dafür bewundert wurde und verachtet, zugleich und zu gleichen teilen. und wie nichts bleibt am ende, mir nicht, dir auch nicht. kein leben, keine liebe. kein entkommen. damit muß ich brechen.

über all dem ein schweigen. das ebenfalls gebrochen werden sollte.

frühlingsgefühle

24. April 2013 - 12:35

nachdem die maschine vorgestern, quasi, noch schneebedeckt war und die batterie hier oben im wohnbüro lagerte und lud, war sie natürlich gestern bereits eingebaut und durchgetestet. läuft! und die sitzbank ist heute schon pollenbestäubt. so fix geht das mit dem frühling in berlin.

tangopein

23. April 2013 - 00:24

das mit dem tango ist so eine sache. die brustwirbelsäule zeigt sich erheblich überrascht von den ersten vorsichtigen ochos, nach kurzer zeit dann schmerzhaft überfordert. ganz abgesehen davon, daß stabilität im sinne von balance eine kniffelige sache ist, insbesondere zu zweit ausgeführt.

noch schlimmer ist nur die sich stetig steigernde schlagzahl von partner – und rollenwechseln. nicht, daß ich nicht folgen und führen lernen möchte, nein. gerne auch im wechsel. aber bitte nicht nach gefühlten 2 minuten gemeinsamen tanzens. danke.

zusammen genommen hat mich der unterricht heute grundlegend erschöpft. nach einer stunde war ich urplötzlich am ende meiner kräfte, hätte auf der stelle gehen mögen. konnte mich vor allem auf keine neue „begegnung“ mehr einlassen, nichts mehr sehen, kaum noch hören oder verstehen. langsam fängt das ganze an, mir peinlich zu werden. beinah wie damals bei den bandproben, wo ich vor anstrengung und lärm tatsächlich mitunter flüchten mußte.

fazit: neues scheitern in aussicht. schade.

sunday

21. April 2013 - 23:44

viel herumgeräumt und an den blogs gebastelt heute. geschrieben auch, ein paar stunden. und ganz zu anfang des tages fast eine stunde meditiert. (wie schnell manchmal die zeit vergeht.) aber nichts wirklich gearbeitet heute, alles anstehende auf morgen verschoben.

darf ich das so? sagen und leben.

lebensmuster

21. April 2013 - 16:16

nicht weit von hier, ein paar straßenecken weiter nur, wurde vor kurzem ein kind weggeworfen. in einem altkleidercontainer ist es gelandet und dort gestorben. vielleicht war es auch schon tot, ich weiß es nicht genau. ich mag das nicht nachsehen in diesem internet, in dem diese information ohne zweifel zu finden sein wird. ich will es gar nicht wissen. besser nicht.

gehe ich dieser tage vor die tür, zur u-bahn, zum einkaufen, zum luftholen, werde ich ständig daran erinnert. an hauswänden und in ladenfenstern sehe ich die polizeiplakate, überall, die um mithilfe der bevölkerung bitte. diese vielen menschen in neukölln. wer kann helfen? wer hat etwas beobachtet, was ist passiert. als wäre etwas besonderes daran, wenn jemand ein bündel in einen container wirft. dazu gibt es nichts zu sagen, auch nicht mitten in der nacht. so ist das hier, alles ganz normal. ich gehe daran vorbei, ich habe nichts gesehen und nichts zu sagen.

so ist das. die kindergeschichten, die tödlich enden, bleiben am leben, werden besprochen und beschrieben. sie werden auf plakate gedruckt und kommen in die zeitungen. sie legen sich in schleifen um die kehlen. an die vor ein paar jahren entdeckten, in blumenkästen vergrabenen neugeborenen wird man sich erinnern, an die zerschlagenen und verhungerten kleinen toten, für die es zu spät ist. die bleiben haften im allgemeinen schreckensgedächtnis.

wie kann man nur, fragt die moral. wie ist das möglich? wie geht das?

ein kind wegzuwerfen ist unter umständen vermutlich nicht besonders schwer, ob es nun tot ist oder noch lebt. man muß ja nicht hinsehen, man muß es nicht merken, nicht spüren. in einer welt, in der gewalt ohnehin ein gängiges lebensmuster ist, das sich insbesondere in notlagen als überaus hilfreich erweist. so ehrlich sollte man sein, bei aller moral. und in einem moment, in dem es einfach nur einen ausweg braucht, ein schnelles ende. damit bald wieder alles so ist, wie es immer ist, alles ganz normal. der schrecken kommt später, das bewußtsein. wenn es wieder funktioniert. wenn es überhaupt funktioniert. vielleicht, vielleicht auch nicht. vielleicht kommt auch einfach nur die polizei.

ich bin nicht zynisch, nein. weder das noch moralisch. ich weiß einfach nur, wie der weg bereitet wird. ich weiß es an leib und seele, jahre und jahrzehnte hatte ich zeit, mir darüber klarheit zu verschaffen. über mich und über die anderen beteiligten. und über das schweigen, das so gern über alles ausgebreitet wird, das nicht tödlich endet.

wie viele betroffene sollen noch feststellen, egal ob öffentlich oder privat, daß langfristig betrachtet schläge bei weitem nicht das schlimmste sind. haut heilt schnell und hämatome verschwinden von allein. ich selbst verschwende seit jahrezehnten kaum noch einen gedanken daran. das hat sich erledigt, beinah wie von selbst, in einer nacht, mit einem traum. es sind die worte, die verachtung darin und die nichtkörperliche vernichtung, die nachhaltig wirkt, wie nichts sonst. das ist es, aus dem es lange keine rettung zu geben scheint, weil es im nachhinein allzu leicht mit jedem x-beliebigen aber verknüpft werden kann. aber die erwachsenen hatten es doch auch nicht leicht, damals. aber du warst auch ein so eigenartig bockiges kind, damals. aber das war doch alles gar nicht so gemeint, damals. aber das mußt du doch verstehen, heute.

ja, ich weiß. ich bin selber schuld, sowieso. so einfach ist das. (nicht.) dieses aber und das schweigen, das damit kreiert wird, macht wütend mitunter, unendlich wütend.

dennoch, ich lehne das verstehen nicht ab. wie könnte ich, ich bin ein geborener denker. nur so habe ich überlebt. immerzu denkend und begreifend habe ich meinen verstand beieinander gehalten und alles sehen, hören, speichern können, was ich wissen mußte. auch das radikale wechseln der position ist von entscheidender bedeutung. irgendwann, wenn man sich selbst dazu entscheidet. andere verstehen zu können, sei ihr verhalten auch noch so absurd, verletzend und vernichtend, ist eine unglaubliche erfahrung. den gegner verstehen zu lernen, den langjährigen freßfeind, kann eine offenbarung sein. letztendlich zerbricht es die vorstellung von schuld.

vieles, vermutlich das meiste, verstehe ich immer noch viel zu wenig. emotional bin und bleibe ich minderbemittelt, das wird sich womöglich nicht mehr reparieren lassen. doch es ist (mir) möglich, mit diesem menschen zu fühlen, dem es seinerseits möglich war, ein bündel kind in einem container zu entsorgen. so groß die sorgen und die not. kaltblütigkeit existiert so gut wie nie, auch das habe ich verstanden. verstehen macht dieser tage, daß ich mit schrecken durch die straßen gehe, von plakat zu plakat. weil ich von einem sinnlos toten kind weiß, nicht weit von mir, für das es zu spät ist.

verstehen will ertragen sein. verstehen, ohne verschleiernde moral und schützenden zynismus, kann sich äußerst schmerzhaft gestalten.

p. s. auch mit mir selbst bin ich heute (meistens) nicht mehr zynisch. nein, ich möchte nicht tauschen mit dem kind im kleidercontainer. ich behaupte nicht (mehr), daß es besser wäre, das leben möglichst schnell hinter sich zu bringen. ganz egal, auf welche widerliche art und weise. nichts in mir muß noch herumwüten, daß ich das alles schließlich nicht gewollt hätte. nicht diesen körper, nicht diese stimme, kein herz, keinen verstand und keinen atem. viel zu sehr mag ich die sonne, die wärme,  das licht. die dinge und die musik, die versteckten strukturen in allem. ich liebe die schwingungen und muster in den dingen dieser welt, wie sie wachsen, in allem. wie sie werden, die form wechseln, immer wieder, um letztendlich wunderbar zu verderben.

harmoniehölle

20. April 2013 - 23:07

hölle harmonie

mein balkon ist ja ein wenig eigenartig, so gar nicht wie ich. mein schönstes zimmer, eigentlich, aber so rund und in sich einig. ich weiß doch auch nicht. so absolut harmonisch und, nun ja, schön eben. gut, daß er sich wenigstens in neukölln befindet und sich deshalb regelmäßig von herzen dreckig macht.

wp frust

20. April 2013 - 22:39

samstagabendfrust mit wordpress. noch nicht einmal die permalinks eines frisch aufgesetzten blogs krieg ich technischer trottel auf anhieb umgestellt. meine laune spricht auch nicht gerade dafür, jetzt noch zu googeln oder bücher dazu zu wälzen. um es dann einfach mal zu probieren, irgendwie. oder? was also mach ich nun mit dem fahrlässig an- oder besser eingefangenen frust?

tomaten 2013

20. April 2013 - 00:57

tomaten 13

am anfang ist doch alles nur dreck.

20. April 2013 - 00:52

schreibkrise, obwohl ich an gar nichts schreibe derzeit. also schreibzweifel, grundlegend. alles wie gehabt, wie in den letzten jahren. verbunden mit leiser verzweiflung, schweigend, alles verschweigend. nach der überwältigenden anstrengung des letzten jahres, finde ich jetzt, seit wochen schon, das rechte ende nicht mehr, um wieder anzufangen. um weiterzumachen.

endlich. alles ist endlich. dabei erledige ich doch immer alles, all die listen. nur nicht meine arbeit. meine sinnlose, dumme existenz. ich weiß, irgendwann erledigt sich das von selbst.