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mitmenschen

11. November 2017 - 22:34

in der wohnung nebenan sind menschen. wenn sie reden, verstehe ich jedes wort. am nachmittag haben sie darüber diskutiert, ob grelle socken zu grauen schuhen passen. dazwischen rauschten dusche und toilette, auch der fön lief mehrfach. darüber die stimmen. dann auf einmal war ruhe, sie sind wohl ausgegangen. später wird dann sicher wieder geschnarcht, so wie gestern.

am nachbartisch im café sind auch menschen. es sind frauen und männer, und sie haben kinder dabei. kleine kinder. kleine wesen, wie der eine mann sie nennt. kleine wesen, die doch noch gar nichts von der welt wüßten und daher am liebsten bei mama und papa seien. also nix mit tagesmutter oder kindergarten, das könne man ihnen doch später nicht erklären. seine tochter versucht derweil, ihrer mutter zu entkommen, die ihr auf schritt und tritt hinterherlangt. moment, sagt sie zu der anderen mutter, deren wesen noch ein säugling ist und mehr oder weniger auf ihr liegt. moment, ich muß grad mal mein wesen vorm tod bewahren. und lacht.

das kind bemüht sich zu der zeit tatsächlich, das kleine podest hinter sich zu lassen, auf dem der caféhaustisch steht. nur wenig höher als eine normale treppenstufe, ein wagnis also, ein abenteuer. natürlich kommt das wesen nicht weit, es klebt schnell wieder an seiner mutter.

manchmal sind mir meine mitmenschen einfach zuviel. ich wende mich ab, lese in einem unverständlichen buch. wenigstens ist es darin leise. nach einer weile kommt mein frühstück. die kellnerin kündigt es an mit: sie haben zuwachs bekommen. ich verstehe meine mitmenschen manchmal wirklich nicht. und tatsächlich ich bin doch nicht immer zu hundert prozent überzeugt, daß es wie selbstverständlich an mir liegen muß. warum ist ein frühstück zuwachs?

dann erst sehe ich die kleine, die sich irgendwie von ihrer mutter losgeeist hat. zwischen zwei stuhllehnen hindurch sieht sie mich an.


  1. Barbara:

    Da bist du ja noch gut dran, wenn dir die Mitmenschen nur manchmal auf den Keks gehen.

    Gerhard Polt bezeichnet die Menschen in seinem wunderbaren Programm “Ekzem Homo” als Juckreiz. Und er kommt zu der Erkenntnis: “Der Mensch als Geräusch ist unterschätzt”.

    Noch gute Zeit in der ansonsten durchaus gemütlichen Klause.