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the wtal memories (1)

15. August 2019 - 13:11

wuppertal, wie ich es kenne. es ist kühl, und es regnet. um die 200 regentage gibt es hier im jahr. das heißt nicht, dass es an diesen dann permanent schüttet, das nicht. es gibt durchaus deutsche städte mit mehr regenaufkommen, wenn man die dabei gemessene wassermenge zugrundelegt. jetzt ist es also schon wieder trocken. nur pfützen überall, nasse straßen und feuchte luft. wolken.

überhaupt wolken! dass man auch aus den wohnungen von fast überall himmel sieht und die bewaldeten hügel des bergischen irgendwo hinter oder zwischen den häuserzeilen. das war das erste, was mir gefehlt hat in berlin, wo man nur auf häuser sieht, in wohnungen hinein. aber niemals ins weit. wie konnte ich vergessen?

von meinem schreibplatz damals habe ich von der südstadt aus bis zur hardt auf der anderen talseite geschaut. und an nebeltagen, wenn es keine sicht gab, war ich irritiert.

diese sichtweite wäre ein guter grund, irgendwann wieder zurückzukehren, dachte ich gerade. warum nicht. aber dann regnet es auf einmal wieder, nur so leicht, und alles ist nass. eben das gibt es so gut wie nie in berlin. so richtig verregnete tage, wo man nie weiß. (ich hab aber eine jacke mit, mit kaputze. natürlich.)

aus der aktuellen wohnung in steinbeck kann ich hochschauen zur uniburg. nachts ist sie beleuchtet, allerdings nicht blau, wie ich gehofft hatte. direkt vor dem haus verläuft eine, für wuppertaler verhältnisse fette straße, die auch ich jeden tag nach der arbeit gefahren bin. damals. außerdem der bahnhof mit s-bahn- und güterverkehr, etwas seitlich. und ein gebrauchwagencenter, direkt vor den fenstern, das die ganze nacht über in hellstem licht erstrahlt. zum glück hat der wohnungsbesitzer blickdichte rollos angebracht.

bodentiefe fenster gibt es hier auch, das ist keine berliner erfindung. auch keine aus den nullerjahren oder so. das gebäude wurde, schätze ich, in den 70ern errichtet. von solchen fenstern kann man wunderbar auf die menschen unter hinabsehen, habe ich festgestellt. da es aber gegenüber meines schlafzimmers in der alten wohnung hier auch solche fenster gab, eingebaut in einen 50er-jahre-bau, weiß ich, dass man ebenso gut und tief in derart ausgestattete zimmer hineinsehen kann.

der regen hat aufgehört, einstweilen. ich weiß nicht nicht, ob ich jetzt gleich arbeiten soll. oder lieber raus in mein liebslingscafé, das leider erst kurz vor meinem wegzug im zentrum eröffnet hat.

der kurze weg zur bank gestern hat bereits viel erinnerung aufgerührt. ich bin und bleibe ein elefant, erinnere bruchteile bis ins detail, aus denen sich dann die geschichten vervollständigen. farben oder gerüche, wege oder begegnungen. all das wächst mir überall. die exfrau, der ich all das erzählt habe, gestern, obwohl sie ja gar nicht hier ist, hätte es gehasst. dieses durcheinander in mir, dieses rücksichtslose geplapper. aber das ist es, was mich das chaos eines romans tragen und ertragen lässt. es ist schrecklich.

vieles ist auch anders. das damalige gelände der wuppertaler werkstatt ist längst platt und mit einem parkhaus oder ähnlichem bebaut. wie unverschämt, dachte ich, das waren doch nur 15 jahre. aber es war mitte der 80er, das ich dort mit dem trommeln begonnen habe. also eher 30 jahre. über 30 jahre!

jetzt scheint übrigens gerade wieder die sonne, während alles noch ganz nass schimmert. so ist wuppertal.

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