raum für notizen

zahnfleisch

17. November 2019 - 23:07

jeden sonntag, woche für woche inzwischen, gehe ich gegen nachmittag zugrunde.

vier seiten geschrieben an diesem wochenende. dazwischen übersetzt, da steht halt auch viel an derzeit. ein klein wenig haushalt noch, nur den müll und ein bisschen sägen. mehr nicht.

vier seiten. aber nicht nur geschrieben, auch umsortiert und neu durchdacht. alles, nicht nur dieses kapitel. es geht aufs ende, ich sagte es, da will alles bedacht sein. und alles ist viel.

sonntag dann, am frühen nachmittag, diese woche, letzte woche und auch die davor, schaltet alles ab. plötzlich geht gar nichts mehr, nur ein großer frust macht sich breit. eine erschöpftheit bis auf den grund, für die ich keine lösung sehe. mich nur noch frage, ob nach dem kriechgang auf dem zahnfleisch das feuer folgt. das ausbrennen, innen.

die leere. endlich. das nichts.

aber war es immer, wenn ich mich recht erinnere. gewesen. dass ich substanz verliere mit allem, was ich schreibe. besonders aber in einem roman lasse ich all meine kraft, verliere ich mich letztendlich. wohlwissend, das nichts davon zu mir zurückkehren wird.

träume habe ich gelassen in jeder kurzgeschichte vor dreißig, fünfunddreißig jahren. wünsche und welten sind mir vor zwanzig in dem roman verschwunden. wünsche, von denen ich heute nichts mehr weiß. welten, die mir seither nicht mehr gehören.

diesmal ist es schlimmer, das spüre ich. jeden sonntag nachmittag, am ende meiner kräfte. wenn ich genau weiß, dass ich weiter muss, weitermachen. noch wenigstens bis januar, vermutlich aber februar oder märz. dann ist alles gut.

dann habe ich meiner hauptfigur über zwanzig jahre durch eine reichhaltige familie geführt und ihr am ende womöglich eine neue liebe geschenkt.

während ich selbst, kaum noch mitte fünfzig, eher so auf die sechzig, ich fasse es nicht. ich schaue auf die substanz des alleinseins, immer schon. so bin ich geboren, so bin ich gemeint.

ohne familie. und ohne liebe.

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