raum für notizen

disziplin: alle tage

#insight

26. März 2020 - 22:49

wenn ich nur noch menschen treffen darf, die mit mir wohnen oder mit denen ich direkt verwandt bin. bei strafe, dann bin ich leer. hier in berlin ist es noch nicht so weit. vielleicht übers wochenende, wenn der frühling kommt. wenn die überfülle berlins sich in die parks und an die seen ergießt. vielleicht kommt es dann am montag, dass passierscheine eingeführt werden, mobile tracking oder gps chips. hundemarken, wie bei haustieren. oder soldaten.

das ist natürlich quatsch, weitgehend. hoffe ich zumindest. ich habe nachgesehen, heute gegen mittag. sehr schön draußen, alles still, alles gut. obwohl ich viel unterwegs war: eine apotheke, ein café, um kaffee zu kaufen, und zwie weitere geschäfte. komisch war nur der mensch mit op-maske, der sich dennoch in meinen zweimeterabstand in der kassenschlange drängeln wollte. und sich auf meinen zögerlichen hinweis dann unmittelbar hinter mir einreihte, den einkaufswagen hinter sich. statt zwischen uns. was ist das? dummheit?

zuletzt noch kurz zur bank, ein bisschen bargeld holen. das ich nicht brauchen werde. ich zahle mit karte, wo immer es geht. aber ganz ohne ist es doch komisch. auf dem weg zurück sehe ich zwei geöffnete läden. eines könnte ein café sein, das jetzt ein bäcker ist. das andere ist der blöde burgerladen, der mit seinen tischen seit über einem jahr fett den halben bürgersteig blockiert. auch jetzt, ich verstehe das nicht. we’re open steht dezent an der tür. die tür ist zu, drinnen ist es leer. doch das heißt nichts, das ist es immer. seit über einem jahr. mein innerer blockwart kocht, ist nur schwer zu bändigen.

die tägliche biergruppe ist gewachsen. heute waren sie zu acht, hatten drei hunde dabei und sind stunden geblieben. haben selfies gemacht. später standen an derselben stelle zwei menschen, die sich im abstand von sicher vier metern lange unterhielten.

ich rede nicht, mit wem auch. bei der freundschaftlichen telko gestern, da war es schon spürbar. dass ich das mit den menschen womöglich verlernen werde. von tango ganz zu schweigen.

erst regression, dann resignation. oder umgekehrt.

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#insight

24. März 2020 - 21:48

die sonne, das licht. ich wiederhole mich, doch was mehr gäbe es zu sagen. am sonntag beginnt die sommerzeit, vielleicht zum letzten mal. (dumme idee!) für mich ein tag zum jubeln, endlich licht bis in die nacht. endlich finden sich die enden und machen das unmögliche möglich.

und jetzt?

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schreibzeit (45)

24. März 2020 - 00:05

nach dem heimarbeitstag so müde, dass ich mehrfach im bad eingeschlafen bin. im wasser, in der wanne. da zeigt sich die erschöpfung, die sich schon seit monaten breitmacht. die jetzt irgendwie untergeht, im allgemeinen desaster vollkommen verschwindet. eine schreiberschöpfung, denke ich, die ich an und nach ostern auszuschlafen und zu verbauen beabsichtigte. wie das jetzt werden soll, werden kann.

nach dem bad immer noch müde. und nach dem anschießenden essen erst. bisschen salat, bisschen brot, die menge war sicher nicht ausschlaggebend. um nichts mehr auf die reihe zu kriegen, meine konzentration nicht mehr ausrichten zu können. das ist nicht leere, leere wäre gut. das ist gewirr. das ist verwirrung, wo ich mir offenheit wünsche. oder brauche, zum schreiben.

und ein bisschen was schreiben wollte ich ja schon noch. eigentlich. ich habe die tage gezählt, die zeit, die noch bleibt. vier oder fünf, je nach dem, wie ich den mittwoch rechne. am kommenden montag ist abgabe für die letzte feedback-möglichkeit. den rest muss ich dann alleine machen. das wird gehen, alles. aber es wird eng.

gegen zehn dann doch noch angefangen. die datei aufgemacht und das ende geschrieben. das wirkliche ende, tatsächlich. zumindest mal zügig runternotiert, das ist doch mal was. auch wenn es natürlich so nicht bleiben wird, bleiben kann. niemals. von dem all dem, was zur story noch fehlt, was vor diesem ende noch regulär aufgeklärt werden muss, habe ich bislang wenig ahnung. das gebiet ist abgesteckt, aber der raum noch weit und frei. das ist gut und das ist die hölle. für soetwas fehlte mir heute wohl der überblick. oder der mut vielleicht, was weiß ich. da habe ich mich heute wohl definitv nicht rangetraut.

stattdessen das ende. also die letzte seite, der letzte satz. was tue ich da. ernsthaft. und warum. im text vorspringen, das tue ich sonst nie.

aber jetzt falle ich erstmal um, das ist sicher besser.

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#insight

23. März 2020 - 21:11

wie die tage fliegen, auch diese. bin ich doch eben erst aufgestanden, so kommt es mir vor. es ist montag, einer meiner achtstundenarbeitstag. zum ersten mal zu hause heute. das ist steltsam. auch gut, natürlich. alles andere wäre dumm. es wird also gehen, irgendwie.

es gibt wichtigeres. die sonne draußen, wie gut sie ist. und wie böse.

ich bleibe in der wohnung, ich bin ja auf arbeit. ich sitze fest, vor meinen bildschirmen, wie immer eigentlich. ich stehe auf, mitunter, schaue hinaus. hinunter auf die straße, die ich schon so lange belebe.

die kleine bierguppe hat sich wieder vor dem spät formiert. vier oder fünf menschen, da ist sie immer. jeden tag, oft stundenlang. das ist familie. sie stehen auf abstand heute, ein kleines bisschen zumindest. nein, nicht wirklich. für einen augenblick regt sich der blockwart in mir, kein schöner zug. kurz danach sind sie schon wieder weg. sie alle mit ihren bieren, allein.

alles gut.

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schreibzeit, keine (44)

22. März 2020 - 22:30

heute nicht, kein einziges wort. obwohl der tag vielversprechend anfing, mit traum und sonne, mit dreißig minuten rolleradeln und dabei gut schwitzen. also offen im kopf, im gemüt und guter dinge.

jetzt mehr so in einem zustand, in dem ich darüber nachdenke, bald mal mein testament zu machen. also nicht jetzt sofort, am besten gleich heute noch. natürlich nicht, wie auch? aber so ganz grundsätzlich.

darüber nachzudenken, ist nicht leicht. und es muss gründlich sein, besonders wenn man arm ist und allein. sonst kommt alles in den müll. und meine festplatten sollten mich am ende vielleicht doch überdauern, denke ich manchmal. aber vielleicht ist auch das letztendlich egal.

zu solchen überlegenheiten habe ich derzeit überhaupt gar keine lust, wenn ich ehrlich bin. nicht im geringsten. ich sollte die letzten fünfzehn bis zwanzig seiten schreiben, und dabei den kopf nicht heben. und in die welt sehen.

das war mein tag, meine schreibzeit heute. nichts, nur ein ganz klein bisschen im aktuellen übersetzungsauftrag rumgebastelt. fazit: richtig schreiben wäre besser gewesen.

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#insight

22. März 2020 - 16:44

strahlend und noch kälter heute. sehr leer da draußen, bis weit in den tag. den sonntag. jetzt vereinzelt menschen mit und ohne hunde, lachen auch und bier. mir wär das ja zu kalt. ein kleines kind auf einem kleinen, bunten fahrrad strampelt los, wie irre, wie sonst nie. hinter ihm die familie, vermutlich. es spreizt die beine ab zuletzt, greift dann voll in die bremsen. begeistert.

nachts sind jetzt immer so viele fenster gegenüber hell erleuchtet. es wird gekocht, gespielt, gestreamt und gebeamt, soweit ich das erkennen kann. hier und da wird offensichtlich auch umgebaut. das verstehe ich gut, umbauen ist angesagt. ich will dann auch bauen, bald. bleibt aber alles im rahmen bei mir, ohne viel um. nur bauen.

einen moment lang denke ich darüber nach, was ich tun sollte, wenn das virus mich erwischt. heute morgen war das, kurz nach dem aufwachen. die antwort ist relativ einfach: abwarten. anrufen kann man schon jetzt kaum noch, lese ich. ich kann auch nicht allein durch die stadt laufen und mir eigenmächtig einen test suchen. wozu auch, hilft ja alles nichts. ich bin allein, das ist das einzige, was ich beachten muss. ich könnte regelmäßige anrufe oder emails mit jemandem verabreden, bis es mir wieder besser geht. ich sollte einen ersatzschlüssel irgendwo hinterlegen, für alle fälle. mehr fällt mir nicht ein, und der schlüssel ist schon wo, ganz in der nähe. also alles in ordnung.

ich denke über familie nach. seit jahren schon, seit ich an diesem buch arbeite. und jetzt, wo es überall heißt, man solle nur noch mit der häuslichen gemeinschaft – also der familie – nach draußen gehen. und auch sonst nur mit denen näher zusammensein. da ekelt es mich, wie lange nicht mehr. und ich weiß nicht, wie ich erklären soll, warum das so ist. vor allem verstehe ich nicht, warum das erklärt werden muss.

morgen versuche ich mal, wie und ob das mit dem homeoffice funktioniert. ich bin recht froh, dass ich das in der letzten woche doch noch alles zügig in die wege geleitet habe. mehr oder weniger eigenmächtig. homeoffice ist übrigens ein ziemlich deutsches wort.

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#insight

21. März 2020 - 17:28

draußen ist es strahlend und knackig kalt, schon den ganzen tag. es scheint sehr ruhig, die meisten menschen gehen oder fahren einzeln oder in kleinen gruppen. am morgen ein umzug, das ist sehr schlechtes timing. aber woher hätte man wissen sollen. und wegen der ansammlung der substitionierten vor der arztpraxis, wie jeden morgen, hat wohl jemand die polizei gerufen. oder sie ist einfach zufällig vorbeigekommen und wollte oder musste sich kümmern. vor dem späti bildet sich gelegentlich eine schlange, das gefällt mir. drinnen ist es eng, da passen jetzt höchstens zwei personen. besser nur eine. und die tür steht den ganzen tag offen. für die kleine biergruppe, vier oder fünf person, ein paar schritte abseits des spätis, kam keine polizei. obwohl die sich lange dort amüsierte, mehrere stunden. auch nicht neu, die sind dort zu hause.

ich war drinnen, den ganzen tag. und hier bleibe ich, ist ja auch kalt draußen. eigentlich hatte ich noch brot kauf wollen, ganz früh. aber ich habe noch sowas wie brot, ich muss also nicht. ich esse nicht viel. ich arbeite, ich schreibe. ich schlafe tief und selbstverständlich, das überrascht mich. ich träume nicht, weder schlecht noch gut. also vermutlich gut, sonst würde ich mich erinnern. ich will mich erinnern in den nächsten tagen und wochen, früher konnte ich das auch. ich will bei mir sein.

ich bin jetzt schon bei mir, wenn ich wach bin. wenn ich hier bin. sieht ganz so aus, als könnte ich die dinge mal zuende denken. ausnahmsweise.

in den staaten horten sie jetzt waffen, nicht klopapier. (oder whisky, wie in schottland.) habe ich eben gelesen und gestern schon gehört. was ist das für ein land, in dem die angst vor menschen, den mitmenschen, den nachbarn, größer ist als die vor dem rasanten virulenten programm, das sich der menschheit als transportmittel bedient.

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stayhome

20. März 2020 - 00:07

die letzten tage haben mich zunächst weitgehend sprachlos gemacht. nicht ganz schreibfrei, das nicht. immerhin. doch musste ich so manches lernen und organisieren, um mein leben irgendwie weiterzuleben, in den kommenden wochen und monaten. klar ist dennoch so gut wie nichts, das denken stößt schnell an ein ende dieser tage. oder das planen, das wünschen, das träumen. selbst das hoffen. der kalender ist plötzlich weitgehend leer. es ist keine zwei wochen her, da habe ich um jeden moment gehofft und gekämpft, der für mich allein und für mein schreiben geeignet sein würde. terminfreie wochenenden habe ich hier wie trophäen präsentiert. alles arbeit, arbeit, arbeit. immerzu.

jetzt sitze ich hier und versuche zu begreifen, dass ich womöglich die kommenden wochen hier bleiben werde. in meiner wohnung, allein. dabei habe ich arbeit, und auch sonst habe ich zu tun. viel zu tun, weit darüber hinaus. das ist gut. die voraussetzungen sind also so schlecht nicht. darüber hinaus kann ich mit mir umgehen, ganz für mich. ich kann mich ertragen, mich auf mich verlassen. ich verfüge über erfahrung und technik. lange ist es her, dass ich das gelenrt habe. lernen musste. und lieber bin ich mit mir allein eingesperrt, heute, als noch einmal mit denen, die damals meine meister waren. und ich die ihre, meisterin.

danach. gibt es ein danach? ich werde anders sein, wie alles anders sein wird. hoffentlich. oder auch tot, wie mir eben noch einmal vor augen geführt wurde. ich wünschte, ich könnte das vergessen. mich selbst davon überzeugen, dass ich ich nur am rand des risikos schwimme. statistisch gut aufgehoben, wenigstens heute nacht. doch natürlich bin ich auch als randerscheinung teil des risikos, das stimmt. alterbedingt und auch sonst. immunzeugs.

ich atme durch. ich atme. diese permanente risikokanalyse. das ist nicht wichtig, denke ich. es ist albern. selbst wenn es mich erwischen sollte, dieses risiko. auch diese technik beherrsche ich, letztendlich.

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schreibzeit (43)

14. März 2020 - 02:03

es ist seltsam. zu schreiben, während um mich herum alles wankt, auch in mich hinein natürlich. keine ahnung, wie die nächsten wochen aussehen werden. an monate vermag ich kaum zu denken.

seltsam auch, in diesem zustand in das letzte kapitel zu gehen. für das ich so ziemlich alles schon weiß, bis hin zum letzten satz. der steht nämlich bereits da, rein provisorisch natürlich. dazwischen ist wenig raum für improvisation, die dann aber dennoch geschieht, mitunter sogar massiv. da bin ich immer wieder überrascht.

schreiben ist so anders als das, was derzeit real geschieht. wo von stunde zu stunde sich immerzu alles dreht, verdreht und verwirrt. ich trau mich kaum hinsehen. wenn ich ins schreiben hinein versinke, verschwindet alles das. wie eben alles verschwindet, im flow oder strom. was immer es ist. auch eine welt, eine andere aber. eine ohne spuren, ohne macht und verzicht. eine gute welt, im grunde. einer verlorene, wenn das wort verklungen ist. leider.

wenn ich daraus wieder auftauche, dann lese ich und lerne. damit ich weiß, was ich tun sollte, in nächster zeit, was ich tun muss. und was nicht, das vor allem. ich denke darüber nach, ob ich wirklich am öffentlichen nahverkehr teilnehmen sollte. wie ich es im grunde gleich am montag wieder muss, wenn ich im büro erwartet werde. und dienstag und mittwoch auch. ich suche nach einer lösung und finde, dass ich mir so schnell wie möglich einen bürorechner für zu hause einrichten (lassen) sollte. für alle fälle, wer weiß schon, was in einer woche sein wird. oder in zwei oder drei wochen vielleicht.

na, mal sehen, was mein chef dazu sagt, gleich am montag. aber das machen längst schon einige in der firma, das sollte kein problem sein. hoffe ich zumindest, auch wenn es mir im grunde nicht gefällt. ich will nicht mein schreiben und meine sonstige arbeit vermischen mit dem brotbürojob. am selben ort, am selben tisch, mit demselben blick. das ist mir nix.

dann höre ich auf damit, dem lesen, lernen und denken. und ich schreibe wieder. und wundere mich, dass es überhaupt geht.

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abschlüsse, ausschlüsse, einschlüsse

13. März 2020 - 00:41

alles wird abgesagt. die buchmesse, konzerte und theater, kino vermutlich, die re:publica, tango und sämtliche irgendwie vorgemerkte milongas. mehr ist es ja für mich nicht. und seit jeher bin ich gut genug für mich, so bin ich geboren.

außerdem habe ich zu schreiben und nun also wirklich zeit genug für ein gutes ende.

dennoch bin ich ein wenig irritiert ob der bevorstehenden isolation. dass ich außerdem drei tage die woche s-bahn oder u-bahn zur arbeit fahre. das lässt sich eventuell lösen, indem ich den verbrennungsmotor alsbald aufleben lasse.

e-bike wäre natürlich schöner, ja. aber. auch nicht ungefährlich.

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