home




archiv: alle tage


schreibzeit (5)

05. August 2018 - 10:55

gestern nacht hat es tatsächlich ein wenig geregnet. erst blitzen und donnern aus der entfernung, dann auf einmal dieses wunderbare regengeräusch. erst so 45 bis 50 sekunden lang. wenig später noch einmal und diesmal länger, sicher drei oder vier minuten. vielleicht sogar fünf. nicht viel, wirklich nicht. aber es hat gereicht, danach wurde es merklich besser. ich weiß das, ich konnte nicht schlafen bis gegen vier. und jetzt ist es fast ein bißchen kühl, oh wunder. dazu kirchenglocken, es ist sonntag.

wenn schlafen ein problem ist. das hatte ich lange nicht, nur als kind und dann ein paar jahrzehnte danach. zur entwöhnung oder so. weil ich mich daran gewöhnt hatte, daß die nacht meine einzige zeit ist. zeit für mich, zeit allein. auch wenn ich da nichts tun konnte, ich war kind, ich mußte im bett liegen. doch ich durfte denken, ganz für mich, ungestört.

die nacht nach dem lcb war besser, wiewohl deutlich heißer. da war ich ganz bei mir, ermutigt vielleicht von den vielen verschiedenen menschen, alle irgendwie präsent. ich träumte sogar irgendetwas, obwohl ich nicht zu schlafen glaubte. etwas, das mich sehr zufrieden machte. mit meinem körper vor allem, der alt wird und anfängt, leise zu ächzen. zumindest bei so einem wetter. jemand hat ihn gemocht, in diesem traum, deshalb hab ich ihn auch gemocht. in diesem traum. ich war zufrieden.

heute morgen habe ich gekämpft. im traum immer wieder die gleiche schlacht geschlagen, immer ohne ausgang, ohne entkommen. und man muß doch vor den kriegen flüchten, dann sind sie hohl und leer am ende. auch die inneren.

beim kaffeekochen wurde mir klar: schreibzeit beinhaltet schreibarbeit. banal im grunde, ich weiß. doch schreibarbeit ist ein spiel mit knochen, ist magie. das fleisch der geschichte, die zu erzählen ist, schneide ich aus meiner eigenen substanz. das verrät mich, immer, auch mir selbst. viel mehr als so ein blogbeitrag, der doch auch schon einiges aussagt. doch im grunde ist das nichts. denn ich spreche hier nicht über das, was mir gestern nacht auf einem kleinen, hundemüden spaziergang begegnet ist. kein mensch, kein tier, kein ding. eher ein gedanke. etwas, das loszulassen ist. oder zu schlucken und zu verdauen. damit das ein ende hat.

was bleibt ist der wunsch nach einem schreibgegenüber. kein kurs, keine schreibspiele und kreativübungen. keine strategiespiele und mindmaps. das alles ist prima, mehr oder weniger. ich habe viel gelernt in solchen umgebungen, auf die eine oder andere art. was ich meine, ist etwas anders. eine wahre begegnung, die all das menschliche, das persönliche, das peinliche auch, das durch die schreibarbeit angestoßen wird, fraglos mit umschließt. in die arme nimmt, wie beim tango, fest und flexibel. die es betrachtet und achtet, alles, wie es ist. nicht aber bearbeitet, anzweifelt oder gar wertet. oder bewundert am ende, das ist die schlimmste aller verklärungen. das ist verachtung.

die verzweiflung an sich ist doch schon groß genug. es geht um das ganze, mit jedem wort, es geht ums leben. nicht nur beim schreiben.

seit ich kind bin schaue ich nachts in die welt, blicke in diese leere, die mich umgibt und suche. und hoffe auf begegnung jenseits der verachtung. vielleicht bin ich blind und unfähig, sie zu erkennen. unfähig auch, mich zu erkennen zu geben, das mag sein. ich verleugne mich nur allzu gern, ich weiß. doch das ist der nackte kern, auf den ich gestern nacht unvermittelt gestoßen bin. gewollt habe ich das nicht, aber das ist es eben, was passiert. wenn man schreibt.

mein nackter kern.

hochsicherheitssamstag

04. August 2018 - 19:51

am nachmittag plötzlich gejubel und getrommel in meinem kleinen berliner nachbarstadtstadtteil. ich erinnere mich, von hier ist es nicht weit bis zum stadion. beim anschließenden rumradeln zum nächsten lebensmittelladen stoße ich überall auf dezent schweigende blaulichter, massive absperrgitter und anderes schweres gerät.

eine kurze recherche ergibt: in der 4. liga ist schwer was los, und sowohl chemnitz als auch babelsberg machen auf den ersten blick nicht wirklich eine gute figur in diesem hochsicherheitsspiel der regionalliga nordost. hitlergruß und reichskriegsflagge auf der einen seite, und die 1. mannschaft des hiesigen clubs läuft immerhin mit einem (für mich ja immer noch recht zweifelhaften) sponsorlogo auf der laibchenbrust auf. ernsthaft?

wie erklärt sich das denn? wo ein stück weiter auf der clubseite mit #nazisrausausdenstadien ein klein wenig gezwungen vielleicht, aber letztendlich doch recht deutlich stellung bezogen wird.

nachtrag: erste erklärungsansätze in der taz. (schon was älter und auch über leipzig. tja, sowas geht an nichtfußballmenschen ja weitgehend vorbei.)

nochn nachtrag: und daß ich in dem zusammenhang nie an die britische skinheadbewegung, die mir durchaus geläufig ist, gedacht habe. das nehme ich mir ein wenig übel.

schreibzeit (4)

04. August 2018 - 13:03

nachts ist es heiß hier, ich schlafe nackt. ohne decke sogar und biete so den mücken ein großzügiges angriffsfeld. nach dem aufwachen ziehe ich mein schlafzeug an. (nackt umherlaufen schickt sich in einer ergeschoßferienwohnung nicht besonders.) dann öffne ich alle türen und stelle den ventilator an. beim kaffee schreibe ich dann die erste runde, so zwei stunden vielleicht.

dann frühstück. jetzt also frühstück, war spät heute, das aufwachen.

gestern bis nachts am wannsee gesessen und damir imamović zugehört. beeindruckend schön. (wenn ich je etwas singen wollen würde und könnte, dann so etwas. das weiß ich schon lange, aber ich kann ja nicht singen. auch ist es nicht meine tradition, also völlig außer reichweite.)

„nach hause“ waren es dann nur ein paar minuten, gut acht kilometer, z. t. durch den wald. auch schön.

schreibzeit (3)

03. August 2018 - 10:01

angekommen. das hoffe ich zumindest. gestern nacht zumindest fühlte es sich einen moment lang so an. bei einem kleinen rundgang durch die leere und stille da draußen. wobei das relativ zu denken ist. auch hier sitzen menschen draußen und lachen, man hört musik aus den wohnungen, fernsehdialoge und andere stimmen. es herrscht keine menschenleere stille. aber eine fast fahrzeugleere kurz vor zwölf, man hört die eigenen schritte, den boden. er spricht, er antwortet. die straßenlaternen sind auf all das gut eingestellt, sie spenden ein schickes, gelbliches licht. wie früher bei meiner oma. (boshamerweg 84, karnap.) wo mein onkel seinen käfer immer exakt unter eine dieser laternen gestellt hat, damit er das standlicht sparen konnte. damals.

tief in der hektik des alltag und der nicht zu verachtenden hektik, die beständig aus mir selbst resultiert, vergesse ich gern, wieviel leere und schweigen nötig ist, um etwas aus dem nichts in gang zu bringen. zwingend nötig. um raum zu schaffen für wachstum, ideen und konzepte nicht zuletzt. für kreativität eben.

und wie selten ich mir das schaffe. viel zu selten.

heute nur wenig in den text, am nachmittag dann rüber ins LCB. liegt ja quasi um die ecke von hier aus. aber erstmal frühstück jetzt.

guten morgen.

schreibzeit (2)

02. August 2018 - 14:02

bewölkt ist es, ein wenig windig sogar. der tag gestaltet sich angenehm, obwohl die 30° schon fast wieder geknackt sind. gleich muß ich ein wenig laufen und denken. und ein fahrrad besorgen vielleicht. mein altes schrottrad, das ich bei meinem ersten besuch in diesem jahr leichtfertig einfach am bahnhof hab stehen lassen, ist tatsächlich geklaut worden. kaum zu glauben eigentlich, das war wirklich kurz vor völligem vermurkst sein, mit rahmenschaden sogar. das ist schade, denn ich will auf keinen fall blöd mit dem motorrad umherfahren. wenn ich mal umherfahren mag.

stille orte übrigens, wenn dann der sägelärm von früh morgens verstummt ist, haben die eigenschaft, daß man die menschen viel deutlicher hört. einzelne menschen in der unmittelbaren umgebung. das ist mir ein wenig seltsam, verstörend fast. also passe ich sehr genau auf, was ich tue. welche musik ich in welcher lautstärke wähle zum beispiel.

schreibzeit (1)

02. August 2018 - 10:34

die nacht war stickig. regen gab es bislang nicht, aber eine nachbarin hat den rasen ausgiebig gesprengt. das hat ein wenig geholfen.

auch in potsdam, in idyllischer babelsbeger hinterhoflage, fangen einzelne menschen gegen sieben uhr an, mit sägen zu sägen. also nicht gleich hier im hof, zum glück. aber auch nicht weit. und dann ist man halt wach, früh wach.

beim duschen tatsächlich ein wenig geföstelt. wie schön. der untere rücken schmerzt noch, aber weniger als gestern immerhin. der nacken ist deutlich besser. mit rucksack motorrad zu fahren war ja noch nie so mein ding. und das hat sich im alter nicht geändert, muß ich jetzt mal sagen. (ich geh ja auf die sechzig, das flüstere ich mir selbst mitunter zu. und glaube es mir bislang kaum.)

ein wenig planlos bin ich noch was die arbeit angeht. alle türen zu, aber das wird schon. es ist ja zeit, ein klein wenig zeit, nur dafür. schreiben.

ver\reisen

01. August 2018 - 22:54

was für ein ermüdender tag. diese hitze, so langsam kann ich das wirklich kaum noch begreifen. es scheint immer mehr zu werden. gestern war es heißer, ich weiß. wenn man den messungen und ziffern vertraut. aber die fahrt heute, mit einem nicht voll aber doch ziemlich bepackten motorrad hat mächtig geschlaucht. zumal die kiste mir beinah hingeknallt wäre als sie schon fast vollständig bepackt war. das übliche, eine seite des hauptständers wollte gern im boden versinken, allen kleinen pflastersteinen zum trotz. das resultat sind 250 kilo in schräglage. kein schöner anblick und auch nicht leicht zu handhaben. geflucht und geschwitzt habe ich, noch bevor es überhaupt losging.

viel vergessen habe ich. also nicht nur das eine teil, irgendeines, das man halt immer vergißt. sonst klappt es ja nicht mit dem reisen. nee, diesmal fehlen die mehrfachsteckdose, die richtigen kopfhörer (dafür andere, geht ja auch), das opinel (denn in keiner ferienwohnung sind die scharfen messer wirklich scharf) und ein paar toilettenartikel. alles nicht schlimm, kann man alles besorgen oder drauf verzichten. aber komisch ist es schon. eigentlich bin ich anders.

vor allem aber müde jetzt.

die wohnung ist wird heiß, ausgerechnet am nachmittag steht hier voll die sonne. und es gibt nichts, um sie wenigstens ein bißchen auszusperren. außer einem riesigen ventilator. das heißt: arbeiten am morgen und dann später am abend wieder. so sieht es aus. und so wie jetzt geht es.

dazwischen ist paddeln angesagt. viel trinken, wenig essen. oderirgendsowasinderrichtung.

möglichkeiten

29. Juli 2018 - 23:10

vor zehn jahren oder so, kurz nachdem ich nach berlin gekommen bin, dachte ich eben. da hätte ich eine werkstatt mieten, ein auto kaufen und mich auf flohmärkten und bei trödelhändlern umsehen sollen. schicken schrott finden und in tolles zeug umbauen, tische, lampen, regale usw. möbel halt und dann verkaufen, das wärs gewesen. das wäre heute noch fein, eine werkstatt haben. das vor allem. und geld wär da wohl auch drin gewesen.

aber auf sowas kommt man nicht, wenn man so gar kein geld hat. nicht einmal auf die idee. und wenn, dann hätte ich mir vermutlich eingeredet, daß ich nicht ausreichend qualifiziert bin. eine dekorateurin ist ja keine schreinerin. oder? also hätte ich auch nie jemandem davon erzählt, der oder die vielleicht das hätte vorfinanzieren können, was so alles nötig gewesen wäre. und das wäre ja nicht wenig gewesen. ein unsichtbarer kreislauf, der ins nichts führt. nennt man auch armut.

heute machen das, was ich damals hätte beginnen können, alle möglichen heimbastler auf die unsinnigste art. und bilden sich was drauf ein, bloggen und twittern drüber und schreiben bücher am ende. (die ich dann übersetzen darf, immerhin.) das mit der qualifikation wäre damit also ausgehebelt, wenn nicht ohnehin. aber darum geht es gar nicht. es geht darum, einfach immer im leben zu tun, was man gut kann und gerne will. und eben das zu erkennen. ebenso zu erkennen, daß das nicht mehr funktioniert, wenn da so gut wie kein geld ist. armut macht immer auch das denken arm, die ideen und die kreativität und damit das schöpfen und schaffen. so sehr man sich dagegen wehren mag. das hätte ich nicht von mir gedacht.

heute ist alles anders, und so ist es auch gut. jetzt. denn mit der werkstattidee wäre auch gewerbe, steuern und marketing verbunden gewesen. letzteres vor allem, mächtig viel davon. und damit habe ich es ja nicht so gar nicht. schon die freiberuflichkeit verlangt mir diesbezüglich einiges ab, das mich an den rand der verzweiflung treibt, mitunter. also ist es gut, alles gut. nur ein wenig schade halt.

und überraschend, auf einmal glasklar vor sich zu sehen, was möglich gewesen wäre. (damals. und was ich wohl im moment alles übersehen mag?)

29. Juli 2018 - 12:43

neukölln ist laut im sommer, besonders in diesem sommer. menschen schreien herum, weil sie freude haben oder streit. das geht bis spät in die nacht, in der nacht wird es sogar besonders laut. ich habe große sehnsucht nach ruhe, immer mehr eigentlich. die kommende schreibzeit wird das beinhalten. das macht mir fast angst, denn es sind nur 10 tage. und das ist nichts. das wird sie seele nur noch sehnsüchtiger machen.

aber ruhe immerhin habe ich selbst. stille und schweigen ist mir zueigen, trotz aller inneren unruhe, die ich ebenso beherberge. das geht nicht verloren, es ist mir nicht fremd.

langsamkeit dagegen? langsamkeit ist eine andere welt. meine sehnsucht danach ist aber ebenso päsent und will befriedigt werden, so fremd mir langsamkeit an sich auch ist. und sie wird bereitstehen in meinem potsdamer schreibrefugium, in allen raumecken wird sie herumlungern, auf den wegen, die ich schon ganz gut kenne, und in der luft. ob ich sie erkennen werde? oder auch nur ertragen?

wo langsamkeit doch zum schreiben gehört, ganz und gar untrennbar damit verbunden ist. (für mich zumindest. andere sind da schneller, ich weiß.) schreiben ist vertrauen in die zeit, die vergeht. und auf die momente in der zukunft, die möglichkeiten, die in diesen augenblicken darin liegen und geschöpft werden können. könnten.

jetzt: an die arbeit, die koffer anschrauben und so weiter. zeugs regeln, keine langsamkeit vorschützen.

endlich

29. Juli 2018 - 01:39

viel zu tun, bis ich am mittwoch endlich wieder in schreibzeit gehen kann.

das boot mußte geflickt werden. tatsächlich. das soll mir erstmal wer nachmachen, so ein doch recht robustes packraft gleich bei der dritten fahrt zu perforieren. aber es war ein eisen, davor hatte man mich gewarnt. eine rostige winkeleisenstange, senkrecht am uferboden, im böschungsbewuchs versteckt. was will man da machen.

dann die beiden seitenkoffer fürs motorrad. seit über zwei monaten stehen sie hier herum, und genau so lange suche ich nach einer lösung, sie auch anzubringen. das heißt, die lösung war im grunde recht einfach, allein die umsetzung. es waren einfach die passenden eisenwarenteile nicht zu bekommen. nirgends, nicht einmal im exquisitesten fachhandel. von baumarkt ganz zu schweigen. fündig wurde ich schließlich in einem bootsgeschäft, zumindest geeignete haken gab es da. die u-form-schrauben allerdings waren tatsächlich nicht aufzutreiben, die mußte ich aus einer gewindestange selber biegen. schön sind sie nicht geworden. die schlosser haben mich damals in der lehre nicht wirklich haben wollen, obwohl die deko-auszubildenen eigentlich durch alle vorhandenen handwerke geschleust wurden. aber frauen in der schlosserei? damals wohl noch undenkbar. was ein schraubstock ist, weiß ich dennoch und besitze auch einen. mein opa hat mir das gebiet nicht vorenthalten. metall ist dennoch nicht so mein ding.

morgen dann nur noch festschrauben und gleich weiter im text. bügeln und dabei nachdenken, das hilft vielleicht weiter.

jemand im haus ist gestorben, vielleicht vor tagen schon. entdeckt wurde es erst gestern, die hitze hat dabei geholfen. ich habe nichts gemerkt, obwohl auch ich mehrfach an der tür vorbeigegangen sein muß. man wünscht es sich, das es anders wäre. daß menschen nicht einfach so sterben, während man selbst ein paar türen weiter ißt und trinkt und schlecht träumt. und dann tot sind, während man selbst trinkt und träumt und zur arbeit fährt. als wäre nichts. aber es ist so. das war mir klar als ich nachts, als die polizei den körper aus der wohnung holte, an der im treppenhaus bereitstehenden bahre vorbei einen blick in die offenstehende wohnung nicht nicht werfen konnte.

aber warum mußte ich auch noch einmal raus, um nach einem mond zu suchen, der eh nicht zu finden war. heute morgen war dann alles wieder (polizei)versiegelt.