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disziplin: alle tage

schreibzeit (59)

06. Januar 2021 - 23:51

manchmal ist schreiben die hölle, eigentlich sogar ziemlich oft. dann gibt es tage, da will es mich fressen, auf immer vernichten. das gibt es nicht zu oft, zum glück, aber gestern war so einer.

keine ahnung, ob es an meiner körperlichen verfassung lag, bedingt durch die last des letzten jahres. corona-jahr nummer eins. bedingt auch durch die viele arbeit in den letzten fünf jahren, nahzu nahtlos, ohne wochenenden oder urlaub. dazu die monatelangen rheumaschmerzen, die unfähigkeit zu schlafen, gefolgt von der trennung vor nunmehr bald zwei jahren. alles das vielleicht.

aber eigentlich wohl doch nur das material, dieses eine kapitel, reichlich verzockt, dabei aber ziemlich wichtig. das war klar, in dem moment, in dem ich es durchsah. und erst recht, als ich angefangen habe, es zu bearbeiten. diese wucht, die mich zu erdrücken drohte. gruselige erinnerungen auch an MEMORY, damals. den text, den ich kaputtgeschrieben habe, letztendlich. der über wochen, wenn nicht monate, in der art auf mir lag. bis ich abgebrochen habe, ihn begraben, irgendwo in mir. und auf der festplatte natürlich.

am morgen habe ich angefangen, den tag über fast nichts geschafft und nichts verstanden. nicht gewusst, was ich tun sollte. bis weit in die nacht dann aber doch gearbeitet, überarbeitet, geschreiben halt. weil es dann auf einmal doch ging. bis tief in die nacht im text, bis tief in die erschöpfung, physisch wie kongnitiv. das ist keine hölle, das ist vernichtung.

am morgen dann festgestellt, dass es so schlecht gar nicht geworden ist. zwei oder drei stellen, die sich festgehakt hatten und nicht so leicht gelöst sein wollten. aber eigentlich nur kleinigkeiten. anschließend gleich das nächste kapitel, ein kleines zum glück. jetzt bin ich zuversichtlich, dass es morgen weitergeht. recht flüssig sogar, hoffe ich.

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06. Januar 2021 - 23:21

zwei wirklich schlimme tage. gestern war alles eine einzige schreibqual, unerträglich. ein unglaublich schwieriges kapitel. dazu die sich immer weiter zuspitzende corona-situation, die mich wieder tiefer in die isolation treibt. was nicht das schlimmste ist. schlimm ist die vergangenheit, die mir von allen seiten getriggert wird, dass ich mich kaum retten kann. ich sitze hier, allein zu hause, und kämpfe um meine integrität.

heute wieder etwas, das ich früher migräne genannt hätte. nicht wirklich genau so, aber vom gemüt her passt es. darüber hinweg das schreiben, immerhin, das hat ganz gut funktioniert. das geburtskapitel. (ist echt nicht leicht.) als es dunkel wurde, wurde es besser. noch besser, nachdem ich ein bisschen was gebaut habe. eine kleinigkeit nur, aber fein. ein bisschen ibu war auch mit im spiel.

dann die bilder vom trump mob vor dem capitol. ich meine, im capitol. jetzt bin ich müde.

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05. Januar 2021 - 00:59

noch so ein trüber tag. dunkelgrau bis grottenschwarz, auch tief in mir.

ich sitze da und arbeite, ein bisschen an den übersetzungen, eine rechnung schreiben, dann im roman. nichts funktioniert so richtig. kurz, sehr kurz öffnet sich dieses fenster, dahinter das land, in dem ich all das einfach seinlassen würde. ausgerechnet mitten im romantext passiert das. dieses absolutes: ich will nicht mehr. nichts. und das macht auch nichts, es hat ja doch keinen wert.

zum glück bin ich zu alt, um so etwas ernst zu nehmen. ich weiß, dass unlust die qualität meines schreibens nicht beeinflusst. also schreibe ich, wühle mich durch den totel verdreheten text, den es durchzukämmen gilt. das dauert und dauert, aber es funktioniert. letztendlich.

darüber hinaus habe ich nur das vor langer zeit schon abgefallende frontschmuckteil wieder ans rennrad geklebt und ihm außerdem etwas luft gepumpt. damit wäre es fahrbereit. ich mag es so sehr, es ist ein echt schönes teil. leicht wie ein hüpfer, aber auch unglaublich hektisch. immer noch macht es mir eine heidenangst. dennoch werde ich es ab dem frühjahr oder so endlich auch mal wieder ausfahren. hoffe ich.

raus aufs feld.

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#insight

04. Januar 2021 - 00:51

am samstag den ganzen tag so ein montagsgefühl gehabt. kein wunder natürlich, wenn der freitag ein feiertag nach einem halbtag ist. silvester und heligabend sind ja irgendwie zwischentage, wie normalerwesie nur der samstag. und rosenmontag auch, wenigstens früher. im westen.

seit einiger zeit sage ich das so: im westen. damit bin ich dermaßen berlin, dass mir das ein bisschen peinlich ist. wo ich doch eigentlich immer mehr den eindruck habe, dass ich durch bin mit dieser stadt. durch und durch, irgendwie.

2021 beginnt mit miesester stimmung. zwar hat es geschneit heute, es ist sogar ein wenig davon liegengeblieben. das könnte das gemüt aufhellen, sollte man meinen. doch die welt ist, was sie ist, seit fast einem jahr. und es wird schlimmer.

ich mag keine illusionen mehr stemmen. vor wochen schon ist mir die zeit gebrochen, tief in mir habe ich den zusammenhang verloren. alles, was vorher war, ist verbrannt. ich bin noch da, doch mir bleibt nur noch, was früher war.

mein elender grund, über den ich nun doch wieder etwas lerne. ich dachte, damit sei ich durch, so weit es nur geht. jetzt weiß ich, dass es immer weitergeht. es hat mich nie verlassen hat. und wird mich nicht verlassen, wobei ich das durchaus begrüße.

das macht mich seltsam, vielleicht. so wie früher, doch da wusste ich von nichts. diese zeit dagegen, jetzt. macht mich ganz unten, ganz tief verzweifelt klar.

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2021

02. Januar 2021 - 00:54

um mitternacht war es recht still. wir haben schnaps getrunken, draußen, und wunderkerzen geschwenkt. wir haben auf ein neues angestoßen, uns kein gutes neues gewünscht. wir haben uns nicht berührt, nur das anwesende ehepaar hat ein bißchen geküsst.

wir haben viel gelacht, und es war sehr traurig. ein leerer sog, von tief unten, auch der unheimlich still. ich sage nichts darüber, nie, wenn ich unter menschen bin. das habe ich verstanden, dass sie davon nichts wissen wollen. höchstwahrscheinlch ist es sowieso nur mein ganz persönlicher sog, und alle anderen haben rein gar nichts davon.

also verschweige ich, was ich weiß. nur in meinem schreiben komme ich vor. (wieder dieses glück, dass das jetzt absehbar nicht mehr ins leere läuft.) so war es schon immer, nur habe ich es in letzter zeit nicht mehr so recht glauben können. 2020 hat alle illusionen zerstört.

und 2021 wird das jahr der bewussten leere. vielleicht.

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#insight

30. Dezember 2020 - 23:31

gestern zum ersten mal tief innen dieses bild, das eigentlich gar kein bild ist. ich kenne es, es ist vage und dumpf. es ist nicht in mir, aber auch nicht imaginiert. es ist erinnerung vielleicht, womöglich aber trügerisch.

es ist die sehnsucht danach, gehalten zu werden. nicht immer nur zu fallen, zu verlieren. es ist verzweiflung in reinform. kein gefühl, das sich durch eine umarmung besänftigen ließe. es ist immer. gefühle dagegen sind immer nur jetzt, und dann im grunde schon vorbei. das ist es nicht, es ist ewig.

mein grund und der boden, auf dem ich lebe. dass mich niemand halten konnte, auch nicht zu anfang. dass ich es allein schaffen musste, so schnell wie möglich. dass ich es geschafft habe, irgendwie. ich oder das kind, das ich war. dass ich somit selbst die schuld trage, an allem.

das ist es, was corona macht. es kocht mich klein. reduziert mich, auf das, was ich früher war. nur ohne angst. es macht aus mir die substanz, die in dieser welt nur für wenig taugt. so muss ich sein.

alles andere war illusion.

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schreibzeit (58)

30. Dezember 2020 - 01:24

wie gern wäre ich über weihnachten raus aus berlin, in die kleine stadt geflüchtet. hier ist es so anders, sich voll konzentriert in die schreibarbeit zu stürzen. ich brache länger, bin trotz allem abgelenkt. zerfasert, wie es mein wesen ist. und ich gehe nicht raus zwischendrin, weil mich da draußen nichts ruft.

seit ein paar tagen bin ich aber angekommen im text. ein eigenartiger flow, der nicht so sehr auf den inhalt ausgerichtet ist. vielmehr geht es um struktur und stil, sogar grammatik. was aber andererseits nicht bedeutet, dass ich bei der arbeit eben damit beschäftigt bin. ganz im gegenteil. ich schaue auf die geschichte, die ganze zeit. nur daran arbeite ich.

im grunde heißt das, dass jetzt nichts mehr mir gehört. meinem willen oder meiner macht unterworfen. keine ahnung, wirklich nicht.

ich mache weiter, ohne zu machen.

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30. Dezember 2020 - 00:32

dienstage sind auch nicht so schlecht, eigentlich. allerdings musste ich heute kurz mal raus, einkaufen. für silvester muss ich die pizzatomatensauce machen. sonst war alles wie gestern: arbeiten und schreiben. weniger pause gab es heute, aber mehr zu essen.

ich bin zufrieden.

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rauh

29. Dezember 2020 - 01:46

heute war ein montag. naja, eigentlich gestern, aber egal. bei mir ist noch heute. und es war ein überraschend guter montag. keine ahnung, was mich die letzte woche so gequält hat, der nacken, der rücken, der unterleib. heute war es auf jeden fall deutlich besser.

die rauhnächte vielleicht, die zeit zwischen der zeit, mit der nicht zu spaßen ist. obwohl ja das ganze jahr so eine zeit war. kein spaß und keine weite, kein hoffnung. da ist spannung, überall, ich sagte es gestern schon. ich spüre das, obwohl ich seit tagen die wohnung nicht verlassen habe. das nächste jahr wird wohl keinen guten anfang nehmen, fürchte ich. und ich weiß noch nicht, wie ich dem aus dem weg gehen könnte.

aber der tag heute war gut, fast gelungen. obwohl meine laune beim aufwachen eher übel war. dann aber hat er sich sortiert, wie von selbst. das ist selten.

erst ein paar stunden gearbeitet, übersetzen text in eine webseite eingepflegt. das ist eine so superblöde arbeit, dass ich dabei manchmal in einen wirklich guten flow gerate. so auch heute. anschließend eine pause, oh wunder. das vergesse ich ja oft, eigentlich immer. wunderbares brot gegessen. vor weihnachten war ich endlich mal wieder in dieser wirklich guten bäckerei, wo tatsächlich noch von hand gebacken wird. das mache ich ab jetzt immer. gleich danach ins wasser, mitten am tag. eine wonne.

das schreiben wollte erst nicht so recht funktionieren, aber das ist ja nichts neues. mal so und mal anders. so ist das eben. umso überraschender, dass es dann auf einmal doch ging. noch bin ich nicht fertig mit dem kapitel, aber selbst das macht mir nichts, heute. alles in der zweiten hälfte liegt unaufgeräumt herum, und es ist mir egal. das wird schon noch in diesem jahr. da bin ich sicher.

das war wirklich ein eigenartiger tag, mir unbegreiflich.

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#insight

28. Dezember 2020 - 00:58

es wird immer enger, das ist deutlich zu sehen. fast alle stehen nicht unerheblich unter spannung, auf die eine oder andere art. das alles wächst auf überforderung und verzweiflung, ich weiß. aber es ist mitunter schwer zu ertragen.

die meisten besserwissern herum, bemühen sich, ihr persönliches erleben in ein umfassendes wir zu gießen. das ist respektlos. andere suchen nach der schuld und den schuldigen, legen oben auf die besserwisserei noch eine schicht wut, verachtung und unflätigkeit. das ist unverschämt und arrogant, dass ich mich kaum halten kann. doch ich sage nichts, ich weiß ja. das ist auch nut not.

sicher gibt es noch unzählige viele andere strategien, die im grunde alle ihre berechtigung haben. weil sie helfen, vermutlich. aber diese beiden nerven am schlimmsten. mich zumindest. die verursacher sortiere ich weitgehend weg aus meinem engeren netzumfeld. zum glück gibt es solche kaum in meinem lebensnahen umfeld.

überhaupt ist es viel leichter, direkt zu kommunizieren. das eigene mag sich verlieren, dafür wird alles lebendig. wenn begegnung möglich ist. zum glück gibt es keine leugner in meinem umfeld, weder im netz noch sonst. das wär grad echt mir zuviel.

was alle gemein haben ist, dass sie jetzt rechnen und zählen. seit die impfpläne bekannt sind. alle reden nur noch in wochen oder monaten, die sich noch zu warten haben. bis alles wieder normal ist. ha!

wenn eines zerstört worden ist in diesem jahr, dann sind es wohl die illusionen. die träume und vorstellungen von der welt. an dem punkt höre ich nur gelächter, das ist alles. und das wird sich nicht rückbilden. dagegen hilft keine impfung, nur blindheit.

ps ich rechne auch, ja. vermutlich bin ich etwas früher an die reihe als die sogenannten normalen. vielleicht im mai, aber auch das dauert noch. wenn da draußen nicht langsam alles ein wenig zur ruhe kommt, dann sitze auch ich noch monate hier. allein, bei allem, was ich tue. oft tagelang. mein ganzes leben ist leergefegt, seit mitte märz 2020. angst macht mir aber vor allem die vorstellung, dass vielleicht in drei monaten oder so überall wieder die post abgehen könnte. weil dann die alten nicht mehr sterben und die jungen den mist ja locker wegstecken. wenn in dem moment alles in taumel verfällt, dann könnte es für mich zum ersten mal richtig eng werden. weil es draußen womöglich doch zu gefährlich, drinnen aber absolut nicht mehr auszuhalten sein könnte. nach über einem jahr.

was dann?

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