raum für notizen

disziplin: alle tage

mistress

18. November 2019 - 23:37

verkackter tag, ganz wie berlin irgendwie. typisch. verzweifelte versuche, s-bahn zu fahren, noch vor acht. ebenso dann wieder am feierabend, es wollte einfach nicht. die summe der heutigen wartezeiten beläuft sich so in etwa auf fünfzig minuten. ich hasse warten. warten ist wut.

das tagesfazit lautet daher: zu spät beim arzt, zu spät auf der arbeit und viel zu spät wieder zu hause. hier dann nicht mehr viel zusammengebracht. nur leere, frust und rage.

morgen setze ich mich wieder aufs bike. heute war mir das irgendwie zu heikel. zu nass und zu viele frisch gefallene blätter, da muss man aufpassen. dazu hatte ich zu schlecht geschlafen, außerdem musste ich ziemlich durch die gegend. den stress und die spannung wollte ich einfach mal nicht.

im büro war gähnende leere, zum glück. also bei mir im raum, keine*r da, außer mir. da konnte mich also auch niemand anschnauzen, was durchaus von vorteil ist. so ganz in ruhe vor sich hinarbeiten zu können. (und zwischendrin schnell ein re:publica early bird ticket zu erwerben.)

etwas in mir geht kaputt, denke ich als ich nach hause komme. ich weiß es genau, ich weiß aber nicht, was es sein könnte. es interessiert mich auch nicht besonders. vielleicht ist es ja gut so. seit ich weiß, wie schnell es gehen kann, dass ich in einem fast vollständig funktionslosen körper verbleibe, ist mir so etwas von grund auf egal.

also lasse ich den gedanken fallen. und greife nach einem andern, ganz überraschend. verraten wird hier nichts, weder heute noch in den nächsten wochen. vermutlich nicht einmal in den kommenden monaten, und wenn es nicht klappt, dann sowieso überhaupt nie. nur soviel vielleicht: es hat etwas damit zu tun, vielleicht noch ein master zu werden in diesem leben. ein master of arts.

oder eine mistress. ja, das könnte mir gefallen, auch wenn es rein gar nichts in mir retten oder gar heilen wird. mal sehen …

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zahnfleisch

17. November 2019 - 23:07

jeden sonntag, woche für woche inzwischen, gehe ich gegen nachmittag zugrunde.

vier seiten geschrieben an diesem wochenende. dazwischen übersetzt, da steht halt auch viel an derzeit. ein klein wenig haushalt noch, nur den müll und ein bisschen sägen. mehr nicht.

vier seiten. aber nicht nur geschrieben, auch umsortiert und neu durchdacht. alles, nicht nur dieses kapitel. es geht aufs ende, ich sagte es, da will alles bedacht sein. und alles ist viel.

sonntag dann, am frühen nachmittag, diese woche, letzte woche und auch die davor, schaltet alles ab. plötzlich geht gar nichts mehr, nur ein großer frust macht sich breit. eine erschöpftheit bis auf den grund, für die ich keine lösung sehe. mich nur noch frage, ob nach dem kriechgang auf dem zahnfleisch das feuer folgt. das ausbrennen, innen.

die leere. endlich. das nichts.

aber war es immer, wenn ich mich recht erinnere. gewesen. dass ich substanz verliere mit allem, was ich schreibe. besonders aber in einem roman lasse ich all meine kraft, verliere ich mich letztendlich. wohlwissend, das nichts davon zu mir zurückkehren wird.

träume habe ich gelassen in jeder kurzgeschichte vor dreißig, fünfunddreißig jahren. wünsche und welten sind mir vor zwanzig in dem roman verschwunden. wünsche, von denen ich heute nichts mehr weiß. welten, die mir seither nicht mehr gehören.

diesmal ist es schlimmer, das spüre ich. jeden sonntag nachmittag, am ende meiner kräfte. wenn ich genau weiß, dass ich weiter muss, weitermachen. noch wenigstens bis januar, vermutlich aber februar oder märz. dann ist alles gut.

dann habe ich meiner hauptfigur über zwanzig jahre durch eine reichhaltige familie geführt und ihr am ende womöglich eine neue liebe geschenkt.

während ich selbst, kaum noch mitte fünfzig, eher so auf die sechzig, ich fasse es nicht. ich schaue auf die substanz des alleinseins, immer schon. so bin ich geboren, so bin ich gemeint.

ohne familie. und ohne liebe.

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raben und drachen

10. November 2019 - 23:41

eigenartige tage. überraschend war ich ab mittwoch, früher nachmittag, schon frei. dann aber doch nicht so richtig frei, weil ich seit dienstag abend bereits humpelnd unterwegs war. oder eher nicht so viel unterwegs, vorsichtshalber. alle tangoversuche gescheitert, früh ins bad, ins bett.

am donnerstag nach der physio, immer noch humpelnd, endlich mein hiesiges stammcafé klargemacht. lange hab ich gesucht, überall, nur nicht dort. ein jahr lang bin ich konsequent daran vorbeigelaufen, ohne auch nur auf den gedanken zu kommen, da einfach mal reinzulaufen. was soll ich sagen? bester kaffee, tee, scones und toller kuchen, mittagstisch, bezahlbar und lecker, nicht zu voll, gute musik und nette leute. das hat mich seltsam glücklich gemacht, weil ich dort für eine stunde oder etwas mehr vielleicht zur ruhe kommen konnte. und wieder kommen kann, und lesen und schreiben und sein.

ein wenig nervig vielleicht, dass da oft auch mal leute rumhängen, die meinen, lauthals verkünden zu müssen, dass sie ja gerade ein buch schreiben, weil mehrere literaturagenturen an sie herangetreten, und deshalb. dass sie außerdem jetzt endlich im eigentum wohnen, eine wirkliche erleichterung. na egal, das ist neukölln hier. ich bin ganz still. ohnehin sehe ich so aus, als gehörte ich nicht hier her. zu alt, zu verrockt, längst schon runter, irgendwie. die jungen menschen im café siezen mich, ungefragt.

und das ist alles richtig, genau so.

sonst ging nichts in diesen tagen.

ein gemeiner teufel besetzt mich, gleich danach, kaum dass ich wieder zuhause bin. ein hinterhältiges biest, erst grummelnd, dann tobend. ließ mich sachen fallen lassen, die daraufhin in tausend stücke. ließ mich erst nicht schlafen, dann träumen von äxten und messern, die mir vor die tür gestellt, zur freien verfügung. (ich lehne das ab.)

gewaltige bilder, die mich aushöhlen, bis weit in die lesungen des open mike. das auch noch, nicht vergessen. tolle texte, besser denn je. als doch das in mir kratzt mich leer, saugt mich aus. bis nichts mehr.

ich bleibe. für die nacht wünsche ich mir engel, raben und drachen in meinen sphären. die kleine und große kreise ziehen, immerzu. bis das licht wieder da ist. und klar ist.

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siedend

09. November 2019 - 00:33

alles ist arbeit. (ich wiederhole mich, ich weiß.) arbeit ist viel, immerzu, aktuell mehr noch als sonst. und am ende das schreiben. (oben, auf alles.) was auch arbeit ist, mir unverzichtbare arbeit. die einzige, die mich erfüllt und bereichert. die mir alles abfordert. (auch geld übrigens.)

ja, ich zahle drauf, mit meiner zeit und meinem geld. mit höchstpersönlicher substanz auch, das tun (fast) alle, die schreiben. alles.

gerade fällt mir ein, dass ich einen satten dreistelligen betrag bei der steuer anzugeben vergessen habe. eine schreibausgabe, eine investition, zu meinen ungunsten also. so ist das.

jetzt hab ich den faden verloren. betrunken bin ich auch, von einem winzig kleinen bisschen gin.

mehr hab ich nicht zu sagen.

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03. November 2019 - 22:40

tag ohne plan, ziemlich kaputt im grunde. hier ein bisschen, da ein bisschen, aber kein schreiben. das nicht. man muss atmen zwischen den kapiteln. eigentlich ja zwischen den zeilen, aber das gilt vielleicht doch eher fürs lesen.

gegen mittag eine kleine runde auf dem motorrad. die neuen winterhandschuhe testen, die heizgriffe auch, die mit den dicken handschuhen allerdings gar nicht nötig gewesen wären. noch nicht. neulich haben die dinger die hauptsicherung gesprengt, jedesmal beim einschalten. jetzt funktionieren sie, die griffe, und auch die handschuhe. zuletzt noch etwas luft in die reifen, alles gut.

es gibt immer noch balkontomaten, übrigens. die sollten nach dem ausflug (ausritt? igitt, nee … ) auf ein fladenbrot, zusammen mit mozzarella und basilikum. das lebt auch noch, kaum zu fassen eigentlich. also quasi: brotcalabrese zum vesper. beim brotrösten ist dann allerdings der toaster explodiert und die sicherung rausgeflogen. wie, das frage ich mich, ist da bloß ein kleiner metalllöffel hineingeraten, hat sich verkantet, verhakt und schließlich einen satten kurzschluss erzeugt. woraufhin der toaster mit einem kleinen, inwendigen feuerwerk den plötzlichen herztod starb.

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fertigmachen, mich

01. November 2019 - 01:14

zu müde für alles. kein tango zum beispiel, gestern nicht, heute nicht. ich bleibe zu hause und tue weiter nichts. ich glotze nur und warte, ich schlafe auch nicht.

ich bin einfach nur da, was ist das für eine krankheit?

oder ist das das schreiben?

wo will das hin?

mit mir.

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fieber vielleicht

26. Oktober 2019 - 02:58

zu müde, um zu schlafen. zu wach, um aufzugeben. schmerzen in der schulter, im rücken, bis runter ins bein. alles rechts, auch die rechte hand brennt wieder, die nerven. manchmal nachts, oder vielmehr morgens. seit ich beim schlafen die schiene ab und an weglasse, weglassen muss, weil meine haut das ding nicht mehr mag. sie brennt und juckt den ganzen tag, außerdem sieht es scheiße aus.

also bin ich wach, und ich weiß, dass all das harmlos ist. verglichen mit den wochen und monaten anfang des jahres. es ist nichts, im grunde. ich bin nur genervt, ob meiner kraftlosigkeit, meiner schwäche. wie kann das sein.

so erschöpft vom leben, von der welt, so angegriffen und angegangen. jetzt, wo der blick klarer ist denn je. ausgerechnet. alles aufgeräumt und fast schon fertig. ich verstehe das nicht. vielleicht werde ich krank, weiter nichts. vielleicht ist es ein fieber.

das geht vorbei, und weit ist es auch wirklich nicht mehr. ich kann das licht schon sehen. das nächste jahr, es wird besser. im frühen frühling, denke ich. dann ist alles besser, alles gut.

dann kann ich bleiben. dort.

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schreibzeit (29)

19. Oktober 2019 - 00:47

so sind die tage des schreibens. gestern fast den ganzen tag im text. erst im austausch mit anderen, dann allein bei der umsetzung des erfahrenen. zwischendrin ein bisschen pc-konfiguration und baumarkterledigungen. am abend dann stundenlange suche nach steuerunterlagen.

heute dringende übersetzereien, das heißt eigentlich nur einpflegefleißarbeiten in die webseite, zum glück. dabei ließ sich sehr gut radio hören, all die buchmessenthemen. ein kurzer schock dann am briefkasten, post vom bundesverwaltungsamt. amtliche schreiben muss man ja immer ganz lesen, eigentlich weiß ich das. mit den aus textbausteinen zusammengesetzten briefen geht überfliegen nicht, damit liegt man zu oft falsch und regt sich unnötig auf. diesmal stand der wichtige hinweis oben auf der zweiten seite, himmel!

danach noch ein bisschen die steuern, das nervt, und zur nacht hin in den text. endlich. nicht viel, nur eine übersicht im grunde. auf das, was im aktuellen kapitel noch ansteht. nicht viel im grunde, vor allem ist alles schon angesetzt. aber wissen kann man nie.

ein wenig mit abbeizer gespielt, das hätte ich vielleicht lassen sollen. das zeug stinkt, auch wenn es das eher harmlose ist. ab erich hatte da so eine idee, das  hab ich nun davon.

morgen korrekturlesen und die übersetzten webseiten online stellen. auch das wird dauern, nicht nur weil bei der masse immer fehler auftauchen. auch, weil alles vereinheitlicht. und vieles auf vollständigkeit geprüft, aufgelistet und weitergeleitet werden muss. quality management.

schreiben kommt aber auch. schreiben muss.

so sieht es manchmal aus, an den tage des schreibens. es bleibt kaum zeit, obwohl am ende zehn bis zwölf stunden arbeit zusammenkommen. das ist anstrengend und frustrierend, aber die nächste richtige schreibzeit ist erst an silvester. bis dahin muss es so gehen.

es ist ein elend. und ein glück.

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17. Oktober 2019 - 01:05

nicht nur der ekel steht dem schreiben im weg, auch die arbeit und andere verpflichtungen. arzttermine zum beispiel und finanzämter. alles, was meine zeit in kleine stücke sägt. zur hölle damit.

trotzdem ist natürlich so in etwa die hälfte des 19. kapitel jetzt fertig. und mir brennen vor müdigkeit die augen, das hört gar nicht mehr auf. aber es muss ja auch noch weitergehen. da ist das eben so.

oder anders. noch nie war ich so tief in einem buch und so weit weg von mir. vielleicht für immer. ernsthaft, ich weiß wirklich nicht, wo es mich hinführt. diesmal. wo ich sein werde, wenn das alles durch ist.

durch mich.

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13. Oktober 2019 - 22:37

heute den ekel mit präsenz bekämpft und zur demo auf den bebelplatz gegangen. mit anders und anderen, tausenden, wie ich später höre. das ist viel, zum glück, aber es ist nicht genug. denke ich jetzt. und den ekel hat es auch nicht ganz geschafft.

andererseits: welchen stellenwert hat schon mein persönlicher kleiner ekel. angesichts des themas, der lage, wie sie ist. für so viele auf der welt.

drumherum passiert das schreiben, davor und danach. im kopf auch, während ich laufe. wenn ich auf dem rad sitze, auf dem weg nach hause. und mich vielfach verfahre, in gedanken. weil das ja auch weitergehen muss, irgendwie. das schreiben, so kurz vor fertig, vor schluss.

selbst wenn mir der grund dazu verlorengeht, in diesen ekligen zeiten. fast alle hoffnung auch.

was soll da die kunst?

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