home




archiv: über tage


07. Januar 2018 - 21:30

der körper zieht sich genüßlich eine grippe rein, die erste seit jahren. nicht einmal bei erkältungen bin ich allzu oft dabei, nur einmal im winter vielleicht. früher machten die sich eine nach der anderen in mir breit, manchmal sogar im sommer. doch das ist lange her. im dezember dann diese eigenartige nebenhöhlenverbetonierung, die nicht richtig da war, aber auch nicht wirklich wegging. und gestern mittag dann fieber und geschüttel, kopf- und gliederschmerzen von einem moment auf den anderen.

irgendwo in diesem geschmadder wabere ich seitdem umher. quasi schlaflos tauche ich nur ein wenig unter die oberfläche, weiß immer, wer ich bin und was ich bin, während ich doch träume. und dadurch eine ganz andere bin, als ich denke, daß ich bin.

da. einfach nur da.

verorten

05. Januar 2018 - 22:31

das neue jahr ist nun schon fünf tage alt, und ich mag nicht zurückblicken. wozu? 17 war ein gutes jahr. ein volles, ein reiches. jetzt ist es vorbei, das ändert gar nichts. ich stehe nämlich auch nicht auf vorsätze, so etwas kann doch nur schiefgehen. daran sind doch die meisten jetzt schon gescheitert.

doch ich mag mir einen ausblick gönnen auf die 18. denn die 18 wird gut, das weiß ich. die kraft meiner jahre geben mir ein gutes gefühl, die erinnerung. die 18 wird ein starkes jahr, ein jahr zwischen traum und illusion. das gefällt mir. viel zu selten habe ich in dem letzten jahren, wenn nicht jahrzehnten, die räume in aller stille entfaltet. in ruhe und langsamkeit die erfahrung ausgeschöpft, alle erfahrung. zu selten habe ich die luft sich bewegen sehen, um die menschen herum und durch sie hindurch. mitunter. reden kann ich nicht darüber, wer will das schon hören. wer versteht? in dieser einsamkeit wachsen die worte, und manchmal träumen sie wahr. dann wieder lügen sie sich in die illusion. ich kenne das, alles.

möge der traum das spiel gewinnen, aber wenn es anders kommt. was könnte ich dagegen sagen oder schreiben.

der erste traum betrifft einen ort, der ein ort der gestaltung sein muß. mein ort, wie eine werkstatt vielleicht, eine leiter oder flügel. denn auf lange sicht kann ich nicht bleiben, wo ich gerade bin. nicht mehr hier. es hebt sich auf, alles, ganz langsam. auch wenn ich noch nicht weiß, wie es weitergehen wird. oder wohin. was noch möglich ist. kann ich? soll ich?

ein bißchen mag ich noch bauen, wo ich jetzt zuhause bin. das licht vor allem und das bett. die garderobe im flur, da hat sich lang schon alles überholt. doch die wände sind tabu. und es wird sich auch verlaufen, vielleicht. ich werde papier kaufen müssen, um es aufzuzeichnen. träume und die illusion des neuen. werkzeug zu ebener erde, dazwischen das andere, die menschen und die angst. ganz oben der wortraum, nur für mich.

betreten verboten. selbst für mich, wo nur schweben und vergessen zählt.

bett und schreibtisch

31. Dezember 2017 - 20:43

in letzter zeit, wenn ich mal ein paar tage nicht zu hause bin oder auch nur eine nacht bei der fRau schlafe, kommt es immer häufiger vor, daß ich mich an meine wohnung nicht erinnern kann. das heißt, im großen und ganzen schon, aber insbesondere mein schreibtisch und mein bett bereiten mir schwierigkeiten. dann liege ich da, in einem fremden bett und sehe vor mir meinen eigenartigen wohnschlafraum in wuppertal. über dreizehn jahre her. oder eben meinen schreibtisch dort in der küche, mit blick über das gegenüberliegende haus ins tal. und zu silvester dann in die farbigen lichter auf der anderen seite.

mir ist dann schon klar, daß das nicht die aktuell gültige vorstellung von bett und schreibtisch ist. das weiß ich genau, aber dennoch ist es mir sekundenlang nicht möglich, das vertraute gefühl von bett und schreibtisch mit der aktuellen version zu überschreiben. die wand am bett bleibt auf der falschen seite und der schreibtisch, naja. der ist noch anders, wie in einer glocke. einer anderen atmosphäre. als würde er schweben.

was das bedeutet? keine ahnung. auf jeden fall ist es irritierend, die eigene vorstellung nicht beherrschen zu können. sondern beherrscht zu sein von diesem hirn, das die arbeit verweigert, und zuzusehen, wie die sekunden vergehen.

was will es? was sagt es? oder ist das schon alzheimer?

kopf hoch

18. Dezember 2017 - 22:53

da sitze ich jetzt, doch ziemlich erschöpft zum jahresende.  nicht nur heute abend ist das so. und wenn ich den kopf hebe und nach vorn sehe, warten da drei unglaublich arbeitsreiche monate. ein anstehender spurt im brotberuf, eine weitere buchübersetzung und der roman natürlich, der – endlich – mit einer gewissen kontinuität auf sich aufmerksam macht.

puh! (mal so vorab.)

krank, vielleicht

11. Dezember 2017 - 14:31

okay, das sollte man nicht machen, blogbeiträge mit den worten „krank. vielleicht“ am ende. überhaupt sollte man immer vorsichtig sein mit den dingen die man sagt, aber noch vorsichtiger mit dem, was man schreibt. manchmal stimmt es nämlich.

minuten nach dem letzten eintrag bin ich dann also unter übelkeit leidend ins bett gekrochen, habe dort stunden weiterhin leidend verbracht, ohne viel zu schlafen, nur um mich im morgengrauen demütig von meinem mageninhalt zu trennen. also nix mit arbeiten gestern, stattdessen in einem fremden bett rumliegen und den vögeln beim fliegen zusehen. auch schön, zuhause geht das nicht. da ist vorm fenster kein himmel.

keine ahnung, was der sinn von krankheit ist. immerhin, die aktion hat mich über drei kilo gekostet. und das imunsystem hatte mal was anderes zu tun, als sich permanent mit dieser blöden rheumaidee zu beschäftigen.

die sprengkraft des tango

09. Dezember 2017 - 11:46

gestern wurde irgendwo auf facebook diskutiert, ob beim tango die frau größer sein kann als der mann. ich will da nicht weiter mitmischen, weil die dortige gastgeberin eben diese diskussion nicht wünscht. sie will für sich einen großen mann, und das ist okay.

aber!

ich platze fast vor irritation ob der dadurch produzierten ausgrenzungen, einschränkungen, bedingungen. große frauen kriegen nie einen passenden tänzer, kleine männer haben eh keine chance, schon gar nicht bei 8cm-gestöckel, wenigstens. überhaupt macht der mann alles, die frau nichts, außer die augen zu und fallenlassen. (also, wenn die augen eh zu sind, wozu ist dann die größe wichtig? aber egal.)

ginge es tatsächlich danach, hätte ich kaum eine chance, jemals tango zu tanzen. zunächst einmal: ich stöckele nicht. nie. ich bin eine schlechte folgende, führe aber immerhin ein wenig besser. hin und wieder. und finde das im grunde auch spannender, weil musikverbundener. ich bin aber nur 168cm groß, wenn das so überhaupt noch stimmt. viele, die ich führe, sind größer als ich. eine der tangofreundinnen ist noch kleiner als ich. und sie ist sicherer und präziser, also deutlich besser als ich, als die meisten.

ich könnte noch bände reden oder schreiben. das tut nicht not, klar ist sowieso: auf einer normalomilonga würde sich niemand (der männer) jemals mit mir abgeben, mich überhaupt nur wahrnehmen. und auf einmal verstehe ich das. ich bin zu groß oder zu klein, zu häßlich oder zu plump, zu unpassend auf jeden fall und ganz und gar falsch. und das ist gut so.

an dieser stelle also ein kleines hoch auf den queer-tango, wo im übrigen, das muß hier wohl mal gesagt werden, nicht etwa nur schwule, lesben, transmenschen und anderes gesocks auch mal miteinander tanzen. so unter sich, schön sauber aussortiert. das wohl auch, das ergibt sich zwangsläufig. die welt ist so, sie macht das nötig, immer noch. aber queer-tango ist das nicht, nicht nur. vor allem werden rollen gewechselt, ständig. führen oder folgen, sich vorwärts- oder rückwärts bewegen. auf die musik hören oder auf die musik und den tanzpartner. folgen ist schwerer, das nur am rande. die erste frage, die geklärt wird, ist nicht die nach der größe, sondern die nach der der aktuellen rollenpräferenz.

und was mich am anfang schwer gebeutelt hat, dieses ständige wechseln, das ist wirklich anstrengend, aber hallo, besonders im kopf, man möchte es nicht glauben. heute ist mir genau das salz und pfeffer im tango, sprengkraft im schädel. mitunter weiß ich sowohl beim zusehen als auch beim selber tanzen nicht mehr so genau, wer folgt und wer führt, weil alles ein gemeinsames wird. was es ja ohnehin ist.

eine musik, eine bewegung. ein scheitern und glücklich retten, so gerade eben noch. ein kurzes gelingen und dann doch gleich wieder scheitern. alles eins, ein glück.

ps: warum also um himmels willen den vielleicht besten tanz des lebens verpassen, drei minuten, mehr ist es doch nicht, weil irgendetwas am körper des gegenübers nicht durch die schablone paßt?

raum

06. Dezember 2017 - 23:03

ich sehe aus den fenstern, die den raum in drei verschiedene richtungen öffnen. draußen ist es still und dunkel. man entgeht, wenn man berlin verlässt, ja nicht nur dem stadt- und menschenlärm. auch der lichtlärm verringert sich erheblich.

ich sehe aus allen fenstern und suche. mein leben.

toter sonntag

27. November 2017 - 00:20

am morgen einfach liegen geblieben und das buch zuende gelesen. ich weiß nicht, wie lange ich so etwas nicht gemacht habe. ich kam mir vor wie das kind, damals, das den ganzen tag dalag und las. und sich dafür beschimpfen ließ, weil doch draußen die sonne. lesen, bis da nichts mehr zu lesen ist.

dann in den tag, den sonntag, der frei sein sollte. frei sein konnte, nach dem überraschend umfangreichen arbeitspensum am donnerstag und freitag in leipzig. also ein bißchen räumen hier und da, die getrocknete wäsche verstauen, entweder in die bügelkisten oder in den schrank, und aussortiertes papier in den container tragen. darüber hinaus habe ich das haus nicht verlassen.

ach, und die neue lampe aufgehängt, retrostyle aus china. aber hübsch und erschwinglich, außerdem vor allem ein testobjekt für ähnliche lampen, die ich selber zu bauen gedenke. mal sehen.

neues licht also.

gerade eben schnell noch die umsatzsteuer 2016 überwiesen. meine verzweifelten steuerbemühungen im oktober haben sich überraschend schnell in einem überaus erträglichen steuerbescheid niedergeschlagen. keine ahnung, ob ich es irgendwie richtig gemacht habe. alles bestimmt nicht, aber zumindest dann doch nicht so falsch, daß es zu größeren verzögerungen durch einen berechtigten bedarf an unbequemen nachfragen gekommen wäre.

ich bin zufrieden mit diesem tag. aber doch nicht so richtig. etwas fehlt ja immer. besonders, wenn man auf anhieb nicht weiß, was.

mitmenschen

11. November 2017 - 22:34

in der wohnung nebenan sind menschen. wenn sie reden, verstehe ich jedes wort. am nachmittag haben sie darüber diskutiert, ob grelle socken zu grauen schuhen passen. dazwischen rauschten dusche und toilette, auch der fön lief mehrfach. darüber die stimmen. dann auf einmal war ruhe, sie sind wohl ausgegangen. später wird dann sicher wieder geschnarcht, so wie gestern.

am nachbartisch im café sind auch menschen. es sind frauen und männer, und sie haben kinder dabei. kleine kinder. kleine wesen, wie der eine mann sie nennt. kleine wesen, die doch noch gar nichts von der welt wüßten und daher am liebsten bei mama und papa seien. also nix mit tagesmutter oder kindergarten, das könne man ihnen doch später nicht erklären. seine tochter versucht derweil, ihrer mutter zu entkommen, die ihr auf schritt und tritt hinterherlangt. moment, sagt sie zu der anderen mutter, deren wesen noch ein säugling ist und mehr oder weniger auf ihr liegt. moment, ich muß grad mal mein wesen vorm tod bewahren. und lacht.

das kind bemüht sich zu der zeit tatsächlich, das kleine podest hinter sich zu lassen, auf dem der caféhaustisch steht. nur wenig höher als eine normale treppenstufe, ein wagnis also, ein abenteuer. natürlich kommt das wesen nicht weit, es klebt schnell wieder an seiner mutter.

manchmal sind mir meine mitmenschen einfach zuviel. ich wende mich ab, lese in einem unverständlichen buch. wenigstens ist es darin leise. nach einer weile kommt mein frühstück. die kellnerin kündigt es an mit: sie haben zuwachs bekommen. ich verstehe meine mitmenschen manchmal wirklich nicht. und tatsächlich ich bin doch nicht immer zu hundert prozent überzeugt, daß es wie selbstverständlich an mir liegen muß. warum ist ein frühstück zuwachs?

dann erst sehe ich die kleine, die sich irgendwie von ihrer mutter losgeeist hat. zwischen zwei stuhllehnen hindurch sieht sie mich an.

moin

10. November 2017 - 23:40

wieder mal auf reisen, und ich weiß nicht genau warum. es geht um geist und seele, es geht ums reden und ums schreiben. soviel ist klar. die dinge finden sich, mitunter bekomme ich es auch mit. wie aus den augenwinkeln, dann ist es augenblicklich wieder verschwunden. keine ahnung, ob ich darauf vertrauen sollte. oder könnte. oder kann.

die gemietete kleine wohnung ist wirklich klein. eigentlich nur ein raum, aber der paßt. im großen und ganzen. auf dem tisch stehen blumen und eine flasche wasser. es gibt tee, zucker und salz, dazu einen wasserkocher. im kühlschrank liegt ein kühlpack. alles wie für mich bestellt. die hochbettkonstruktion habe ich bereits genau studiert, für den fall, daß ich mal ein solches bauen möchte. könnte ja sein.

nur der schreibplatz liegt mit dem fenster im rücken, im erdgeschoß auch noch, schon wieder. schreibklausurorte im erdgeschoss scheinen meine neue spezialität zu werden. ich weiß nicht, was das soll, aber unangenehm ist es. die eingangstür, aus metall übrigens, ist gleich neben mir, dahinter das treppenhaus, unmittelbar dahinter haustür. einen flur gibt es nicht, ist ja nur ein raum. das ist laut, alles ist laut. und der tisch ist aus glas, das ist scheußlich.

aber man könnte was draus machen. so etwas in der art, vielleicht, irgendwann, in der nähe von berlin. als ständige schreibklause. oder pendlerbutze. oder was auch immer, je nachdem wie sich die dinge finden.

das ist ein komischer tag heute. ich bin eine schlechte reisende.