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archiv: write-insight


bonding (5)

16. Oktober 2017 - 23:22

ich will. weiterarbeiten, weiterschreiben. und finde doch den weg nicht, die zeit. denn zeit ist noch lange nicht offen, selbst wenn sie frei ist.

deshalb zügig zwei weitere schreibzeiten außerhalb von berlin eingetütet. einmal wenig mehr als ein tag im november in hamburg, wo ich ohnehin sein werde. ein zusatztag sozusagen. anfang dezember dann noch einmal vier tage in der gegend meiner ersten klausur im sommer. eine andere unterkunft, schöner wie ich hoffe. aber auch teurer, naja. sollte es wert sein. hoffe ich.

16. September 2017 - 12:55

so spät mit der schreibarbeit zu beginnen, ist keine gute idee. das war es nie, aber früher fiel es mir doch ein wenig leichter, ganz am ende noch eine ladung drauf zu packen. jetzt ist es einfach nur erschöpfend und wenig befriedigend. obwohl es mir dennoch natürlich erscheint, die nacht dazu zu nutzen. was denn sonst?

so vieles, das überdacht und eventuell neu konstruiert werden möchte. ich weiß nicht. was mir fehlt, ist ein gegenüber, ein gesicht. und das geht tief.

bonding (4)

16. September 2017 - 01:31

dann doch noch die datei aufgemacht, die mappe mit den notizen hervorgeholt. und festgestellt, daß ich schon schleichend rausgerutscht bin aus dem text. nach knapp zwei wochen. nicht gut! aber auch nichts, noch nicht, was nicht zu beheben wäre. einfach machen, darauf kommt es jetzt an. weitermachen. selbst wenn es sich verdammt nochmal fürchterlich anfühlt. unsauber und unsinnig, alles, was da steht. figuren, die mir fremd sind, die ich fast vergessen habe. die ich nicht mehr kenne, nicht erkenne. von denen ich nichts zu wissen scheine.

das ekelt mich, so kann ich nicht arbeiten. das ist meine grundlage. die menschen und was sie sind, was sie tun.

heute also durch den dreck, das brackwasser, das sich gesammelt hat in der schreiblosen zeit. ohne rücksicht, ohne angst vor dem ekel. durch das erste kapitel, immerhin. nicht fertig, aber durch. so sieht es aus.

morgen wird es dann besser sein. so kenne ich das. ich erinnere mich, ein wenig zumindest.

verschrieben

09. September 2017 - 11:56

an schreiben ist auf einer solchen reise nicht zu denken. ich weiß das, ich hätte es wissen sollen. trotzdem habe ich natürlich alles mit, die unterlagen den rechner, die dateien. nur wozu?

hier ist weder ruhe um mich herum, noch ruhe in mir selbst. hier sind menschen, die mich freudlich beherbegren. die sind toll, das ist toll. doch ich habe angst, immerzu, daß ich sie störe wie si mich stören. trotz allem. ihre dinge sind wie gedanken für mich, wie fremde welten.

oder ich bin unterwegs, werde verpackt und befördert. muß beständig achtsam sein, mich nicht zu verlaufen, zu verlieren. dazwischen warten, unendliches warten.

ich bin wahrlich keine gute reisende. reisen befreit mich nicht, wie es bei anderen der fall zu sein scheint. reisen nimmt mich gefangen, sperrt mich ein in den schmerz der körperlichkeit. reisen nimmt mir, mehr als alles andere, die träume. eine kombination, die mir seit jeher fürchterlich ist.

dazu kommt, daß in den kommenden wochen auf allen ebenen absehbar die arbeit mit voller wucht einschlagen wird. also wieder und weiterhin kein schreiben in sicht, keine zeit.

das ist übel. hätte nicht gedacht, daß das so schnell geht. nach diesem wunderbar gelungenen ansatz. es ist ein elend, und genau so fühlt es sich an.

bonding (3)

03. September 2017 - 23:37

der schreiburlaub ist vorbei, das schreiben natürlich nicht. im moment arbeite ich nach der einfachen devise: immer am text entlang. denn es gibt ja einen text, es gibt viel text. das ist ein glück, so kann ich gleich in die feinheiten einsteigen. die sprache selbst, da ist noch viel drin. es dauert aber auch, es braucht seine zeit. drei seiten heute, immerhin. aber da muß ich noch mal ran, das weiß ich jetzt schon. dabei ist das erste kapitel das noch am gründlichsten überarbeitete.

daran denk ich besser nicht, was da auf mich zukommen mag. stattdessen die devise: erstmal durch den text, komme was da wolle. schritt für schritt. gründlich, anders geht es nicht.

was außerdem unmittelbar wieder auf den plan kommt, ist die arbeit, die brotarbeit. gleich morgen, da hilft nix. hinzu kommt also jetzt wieder das timing, die handhabung des ständigen wechsels. dabei müssen entscheidungen getroffen werden, die winzig erscheinen, es aber nicht sind. hinter ihnen lauert das vergessen und damit das versanden, das scheitern.

was ich brauche ist also eine gelungene balance zwischen brot und kunst. anders gesagt: ein leben.

fazit (2)

03. September 2017 - 13:42

schwer, aber gut. ich sollte zufrieden sein. ich sehe, was geschafft ist, und es ist viel. mehr als ausreichend auf jeden fall. wenn auch nicht alles, was ich mir vorgenommen und was zusätzlich an mir vorbeigeschwebt ist in den letzten 14 tagen. natürlich nicht. denn da ist noch mehr, viel mehr zu tun.

ich erkenne mich wieder im schreiben, das ist das wichtigste. ich erinnere mich, wie es war, als das ganz selbstverständlich im zentrum von allem stand, ohne große mühe, ohne zweifel. und ich erkenne damit, wie weit ich mich davon entfernt hatte, wie tief eingesunken ich war in die reine vorstellung von kreativität. mein leben war erledigung und erschöpfung. von schöpfen keine rede.

völlig vergessen hatte ich in der weitgehehend wortlosen zeit, daß mit dem schreiben immer auch das bauen kommt. wenn die türen der wahrnehmung und intuition sich öffnen, dann auf ganzer ebene. mein spektrum ist weit, so habe ich also nun eine liste mit wohnunginternen umbauideen. oder ansätzen zumindest, die auch noch entwickelt und umgesetzt sein wollen. das ist gut, es darf nur nicht zum schreibersatz verkommen. das wäre gewissensberuhigung und selbstbetrug, was es tatsächlich schon allzuoft war. in wuppertal bereits, wo ich zuletzt die gesamte wohnung, jedes stück wand, sämtliche decken und alles, alles, alles andere renoviert habe. statt zu schreiben.

doch ich bin handwerk, das ist klar. ich sollte mich ab sofort endlich so nennen. ich bin das ewige zwischending: nicht wirklich frau, aber auch kein mann, nicht ganz und gar prolet, aber auch nie und nimmer intellektuell. ich lebe in einer werkstatt. ich bin mein werkstoff solange ich lebe. das ist der nährboden, in dem ich die dinge pflege, die meine welt bevölkern. das ist meine arbeit.

wirklich nicht gelungen ist mir in der vergangenen woche, den aspekt der meditation zu integrieren. allerhöchstens ansatzweise, mit anstrengung und unlust. das geht so nicht. ein guter geist, mehr bekannt und vertraut als beherrscht, ist zwingender bestandteil einer jeden werkstatt.

es braucht intuition und traum. für alles.

bonding (2)

02. September 2017 - 00:16

einfach anfangen ist leicht gesagt, aber gar nicht so einfach. bis es dann getan ist. dann ist es am ende doch eher harmlos gewesen, eine handbewegung nur. und schlagartig ist alles, was zuvor möglich erschien, gar nicht mehr so einfach.

eine seite, die erste. ein bereits gut durch- und bearbeitetes stück text, wie mir schien. hat sich dann doch in seiner ganzen vielschichtigkeit aufgefaltet, die ich nicht erwartet hatte. so kommt es, daß eine seite auch mal zwei stunden aufmerksamkeit fordert und morgen sicher noch einmal durchgelesen werden möchte.

danke, gern geschehen.

fazit (1)

29. August 2017 - 00:21

es war eine gute idee, diese woche der romanwiederfindung nicht weit von berlin, aber eben nicht zuhause zu verbringen. es hat funktioniert, besser sogar, als ich zu hoffen gewagt hatte.  keine andere arbeit, kein reparieren, kein planen oder putzen, keine bauprojekte sind mir dazwischen geraten. auch keine paddel- oder motorradtour, obwohl ich auf beides eingerichtet war. hätte vermutlich sogar spaß gemacht, doch die kiste stand die ganze woche da. und ich bin bei meinem papier geblieben, habe ein erstes ziel mehr als erreicht.

der ort war angemessen und schön, gerade eben ausreichend urban. im zentrum auf jeden fall, ich war aber sehr am rand. meistens. da war es geduckt, ruhig und nieder durch und durch. entspannt und freundlich, die menschen vor allem. nicht so wild und wütend wie berlin sich mehr und mehr gebärdet. so scheppernd laut und rücksichtslos, nicht nur in der nacht. dort war es richtig dunkel und still, nachts quasi menschenleer. daß das rascheln direkt vor dem geöffneten schlafzimmerfenster, zum greifen nah, ebenso seltsam wie mächtig erschreckend wirkt. (vermutlich ein tier.)

die wohnung war okay, passte aber wenig zu mir. ebenerdig in einer wohnanlage, ich hätte aus dem fenster hüpfen können. das level hatte ich als kind schon, das brauche ich nicht mehr. obwohl es für diesmal irgendwie richtig war. dunkel ist es in solchen wohnungen, eng und hellhörig. gruselig eben. vor dem fenster dagegen, viele große, hohe kiefern, deren wunderbare gegenwart all das auszugleichen wußte.

nach einer woche ist mir vieles klar, nicht nur in bezug auf den roman. klar ist vor allem, daß die beständige innere hektik nicht nur situationsbedingt ist, überarbeitungsiniziert. sie ist auch in mir, wenn außen gar nichts überdreht. und das steht dem schreiben schwer im weg. nach einer woche endlich, kamen auch innen die rasenden räder zum stillstand. und kaum zurück in berlin drehten sie wieder auf. als erstes mußte der schreibtisch reinstalliert werden, da ich ja vor der abfahrt die platte geölt hatte. wo aber schon mal alles abgeräumt war, bot es sich quasi an, schnell auch noch das fenster zu putzen. endlich. und dann dies noch und das noch, brooks-sättel zu spannen ist auch irgendwie eine kunst für sich.

für alles, was jetzt kommt, braucht es einen plan. für diese woche und die zeit danach. fürs schreiben. fürs leben. diese art von selbstverordnetem schreibexil werde ich beibehalten, in zwei oder drei monaten vielleicht, wenn auch vermutlich nicht gleich wieder für eine ganze woche.

das wäre ein zwischenziel. damit ich es nicht vergesse, das schreiben.

bonding (1)

27. August 2017 - 12:22

papierarbeit beendet. gestern nacht dann schnell noch die datei geöffnet, einfach um zu sehen. um sie überhaupt zu finden auch. um den titel zu ändern, obwohl ich nicht weiß in was.

darin ein weiteres fertig geschriebenes kapitel gefunden. und ein rudimentär angefangenes. beide nicht besonders gelungen, irreführend und überarbeitungbedürftig. natürlich auch bearbeitungswillig, wie überhaupt alles. mir zugeneigt.

das grüne buch

26. August 2017 - 19:05

durch alles durch, gesichtet und gelesen. text, randnotizen und das grüne buch. das wichtigste überhaupt, denn darin schreibt sich die geschichte fort. ab sofort.

ich habe ein verstanden, was ich vor drei jahren wollte. und ich habe verstanden, was daran nicht funktioniert. was fehlt vor allem, deutlicher und klarer als ich es damals formulieren konnte. ich weiß, wie es weitergeht.

es gibt einen plan, ein stück weit zumindest. nicht bis ans ende, durch alle ansätze und ideen hindurch. dazu ist es zu viel. aber das muß auch nicht, so ist es noch nie gewesen. das steht der kreativität im weg. sowieso.

der anfang war schwer. die kraft zu finden, da wieder hineinzuspringen, aber so richtig. oder den mut. der weg führte, wie immer im grunde, über erinnerungen, über die eigene familie. auch das ist nicht leicht. aber wenn die art von familiengeschichte/n schreiben will, wie ich es vorhabe, dann kann ich die eigene nicht zugrunde legen. nur die erfahrung vielleicht, das wissen. hinter den rest muß ein punkt. wobei alles auch offen bleiben muß, für die erfahrung eben. das erleben der fiktion.

die vergangenheit ist kein problem, nicht jetzt, nicht für sie arbeit. das kommt später vielleicht, doch daran ist im moment nicht denken. das darf nicht mitspielen, nicht im geringsten.

zweifeln läßt mich die leichtigkeit, von der ich aktuell ausgehe. weiterarbeiten, ab morgen oder montag, spätestens. losschreiben. mehr als drei oder vier stunden am stück braucht es dafür vermutlich nicht, und die habe ich. die nehme ich mir. dazu das eine oder andere verlängerte wochenende. zusammen mit den techniken der meditation und imagination, über die ich durchaus verfüge. eigentlich.

doch schreibprozesse sind fragil, sie zerbrechen oder verschwimmen allzuleicht. sie ertrinken in alltag und angst. oder sie steigern sich in übermächtiges chaos, das nicht mehr zu bewältigen ist. ich kenne das. und das darf nicht, nicht mehr.

das war schon zu lange.