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archiv: write-insight


verschrieben

09. September 2017 - 11:56

an schreiben ist auf einer solchen reise nicht zu denken. ich weiß das, ich hätte es wissen sollen. trotzdem habe ich natürlich alles mit, die unterlagen den rechner, die dateien. nur wozu?

hier ist weder ruhe um mich herum, noch ruhe in mir selbst. hier sind menschen, die mich freudlich beherbegren. die sind toll, das ist toll. doch ich habe angst, immerzu, daß ich sie störe wie si mich stören. trotz allem. ihre dinge sind wie gedanken für mich, wie fremde welten.

oder ich bin unterwegs, werde verpackt und befördert. muß beständig achtsam sein, mich nicht zu verlaufen, zu verlieren. dazwischen warten, unendliches warten.

ich bin wahrlich keine gute reisende. reisen befreit mich nicht, wie es bei anderen der fall zu sein scheint. reisen nimmt mich gefangen, sperrt mich ein in den schmerz der körperlichkeit. reisen nimmt mir, mehr als alles andere, die träume. eine kombination, die mir seit jeher fürchterlich ist.

dazu kommt, daß in den kommenden wochen auf allen ebenen absehbar die arbeit mit voller wucht einschlagen wird. also wieder und weiterhin kein schreiben in sicht, keine zeit.

das ist übel. hätte nicht gedacht, daß das so schnell geht. nach diesem wunderbar gelungenen ansatz. es ist ein elend, und genau so fühlt es sich an.

bonding (3)

03. September 2017 - 23:37

der schreiburlaub ist vorbei, das schreiben natürlich nicht. im moment arbeite ich nach der einfachen devise: immer am text entlang. denn es gibt ja einen text, es gibt viel text. das ist ein glück, so kann ich gleich in die feinheiten einsteigen. die sprache selbst, da ist noch viel drin. es dauert aber auch, es braucht seine zeit. drei seiten heute, immerhin. aber da muß ich noch mal ran, das weiß ich jetzt schon. dabei ist das erste kapitel das noch am gründlichsten überarbeitete.

daran denk ich besser nicht, was da auf mich zukommen mag. stattdessen die devise: erstmal durch den text, komme was da wolle. schritt für schritt. gründlich, anders geht es nicht.

was außerdem unmittelbar wieder auf den plan kommt, ist die arbeit, die brotarbeit. gleich morgen, da hilft nix. hinzu kommt also jetzt wieder das timing, die handhabung des ständigen wechsels. dabei müssen entscheidungen getroffen werden, die winzig erscheinen, es aber nicht sind. hinter ihnen lauert das vergessen und damit das versanden, das scheitern.

was ich brauche ist also eine gelungene balance zwischen brot und kunst. anders gesagt: ein leben.

fazit (2)

03. September 2017 - 13:42

schwer, aber gut. ich sollte zufrieden sein. ich sehe, was geschafft ist, und es ist viel. mehr als ausreichend auf jeden fall. wenn auch nicht alles, was ich mir vorgenommen und was zusätzlich an mir vorbeigeschwebt ist in den letzten 14 tagen. natürlich nicht. denn da ist noch mehr, viel mehr zu tun.

ich erkenne mich wieder im schreiben, das ist das wichtigste. ich erinnere mich, wie es war, als das ganz selbstverständlich im zentrum von allem stand, ohne große mühe, ohne zweifel. und ich erkenne damit, wie weit ich mich davon entfernt hatte, wie tief eingesunken ich war in die reine vorstellung von kreativität. mein leben war erledigung und erschöpfung. von schöpfen keine rede.

völlig vergessen hatte ich in der weitgehehend wortlosen zeit, daß mit dem schreiben immer auch das bauen kommt. wenn die türen der wahrnehmung und intuition sich öffnen, dann auf ganzer ebene. mein spektrum ist weit, so habe ich also nun eine liste mit wohnunginternen umbauideen. oder ansätzen zumindest, die auch noch entwickelt und umgesetzt sein wollen. das ist gut, es darf nur nicht zum schreibersatz verkommen. das wäre gewissensberuhigung und selbstbetrug, was es tatsächlich schon allzuoft war. in wuppertal bereits, wo ich zuletzt die gesamte wohnung, jedes stück wand, sämtliche decken und alles, alles, alles andere renoviert habe. statt zu schreiben.

doch ich bin handwerk, das ist klar. ich sollte mich ab sofort endlich so nennen. ich bin das ewige zwischending: nicht wirklich frau, aber auch kein mann, nicht ganz und gar prolet, aber auch nie und nimmer intellektuell. ich lebe in einer werkstatt. ich bin mein werkstoff solange ich lebe. das ist der nährboden, in dem ich die dinge pflege, die meine welt bevölkern. das ist meine arbeit.

wirklich nicht gelungen ist mir in der vergangenen woche, den aspekt der meditation zu integrieren. allerhöchstens ansatzweise, mit anstrengung und unlust. das geht so nicht. ein guter geist, mehr bekannt und vertraut als beherrscht, ist zwingender bestandteil einer jeden werkstatt.

es braucht intuition und traum. für alles.

bonding (2)

02. September 2017 - 00:16

einfach anfangen ist leicht gesagt, aber gar nicht so einfach. bis es dann getan ist. dann ist es am ende doch eher harmlos gewesen, eine handbewegung nur. und schlagartig ist alles, was zuvor möglich erschien, gar nicht mehr so einfach.

eine seite, die erste. ein bereits gut durch- und bearbeitetes stück text, wie mir schien. hat sich dann doch in seiner ganzen vielschichtigkeit aufgefaltet, die ich nicht erwartet hatte. so kommt es, daß eine seite auch mal zwei stunden aufmerksamkeit fordert und morgen sicher noch einmal durchgelesen werden möchte.

danke, gern geschehen.

fazit (1)

29. August 2017 - 00:21

es war eine gute idee, diese woche der romanwiederfindung nicht weit von berlin, aber eben nicht zuhause zu verbringen. es hat funktioniert, besser sogar, als ich zu hoffen gewagt hatte.  keine andere arbeit, kein reparieren, kein planen oder putzen, keine bauprojekte sind mir dazwischen geraten. auch keine paddel- oder motorradtour, obwohl ich auf beides eingerichtet war. hätte vermutlich sogar spaß gemacht, doch die kiste stand die ganze woche da. und ich bin bei meinem papier geblieben, habe ein erstes ziel mehr als erreicht.

der ort war angemessen und schön, gerade eben ausreichend urban. im zentrum auf jeden fall, ich war aber sehr am rand. meistens. da war es geduckt, ruhig und nieder durch und durch. entspannt und freundlich, die menschen vor allem. nicht so wild und wütend wie berlin sich mehr und mehr gebärdet. so scheppernd laut und rücksichtslos, nicht nur in der nacht. dort war es richtig dunkel und still, nachts quasi menschenleer. daß das rascheln direkt vor dem geöffneten schlafzimmerfenster, zum greifen nah, ebenso seltsam wie mächtig erschreckend wirkt. (vermutlich ein tier.)

die wohnung war okay, passte aber wenig zu mir. ebenerdig in einer wohnanlage, ich hätte aus dem fenster hüpfen können. das level hatte ich als kind schon, das brauche ich nicht mehr. obwohl es für diesmal irgendwie richtig war. dunkel ist es in solchen wohnungen, eng und hellhörig. gruselig eben. vor dem fenster dagegen, viele große, hohe kiefern, deren wunderbare gegenwart all das auszugleichen wußte.

nach einer woche ist mir vieles klar, nicht nur in bezug auf den roman. klar ist vor allem, daß die beständige innere hektik nicht nur situationsbedingt ist, überarbeitungsiniziert. sie ist auch in mir, wenn außen gar nichts überdreht. und das steht dem schreiben schwer im weg. nach einer woche endlich, kamen auch innen die rasenden räder zum stillstand. und kaum zurück in berlin drehten sie wieder auf. als erstes mußte der schreibtisch reinstalliert werden, da ich ja vor der abfahrt die platte geölt hatte. wo aber schon mal alles abgeräumt war, bot es sich quasi an, schnell auch noch das fenster zu putzen. endlich. und dann dies noch und das noch, brooks-sättel zu spannen ist auch irgendwie eine kunst für sich.

für alles, was jetzt kommt, braucht es einen plan. für diese woche und die zeit danach. fürs schreiben. fürs leben. diese art von selbstverordnetem schreibexil werde ich beibehalten, in zwei oder drei monaten vielleicht, wenn auch vermutlich nicht gleich wieder für eine ganze woche.

das wäre ein zwischenziel. damit ich es nicht vergesse, das schreiben.

bonding (1)

27. August 2017 - 12:22

papierarbeit beendet. gestern nacht dann schnell noch die datei geöffnet, einfach um zu sehen. um sie überhaupt zu finden auch. um den titel zu ändern, obwohl ich nicht weiß in was.

darin ein weiteres fertig geschriebenes kapitel gefunden. und ein rudimentär angefangenes. beide nicht besonders gelungen, irreführend und überarbeitungbedürftig. natürlich auch bearbeitungswillig, wie überhaupt alles. mir zugeneigt.

das grüne buch

26. August 2017 - 19:05

durch alles durch, gesichtet und gelesen. text, randnotizen und das grüne buch. das wichtigste überhaupt, denn darin schreibt sich die geschichte fort. ab sofort.

ich habe ein verstanden, was ich vor drei jahren wollte. und ich habe verstanden, was daran nicht funktioniert. was fehlt vor allem, deutlicher und klarer als ich es damals formulieren konnte. ich weiß, wie es weitergeht.

es gibt einen plan, ein stück weit zumindest. nicht bis ans ende, durch alle ansätze und ideen hindurch. dazu ist es zu viel. aber das muß auch nicht, so ist es noch nie gewesen. das steht der kreativität im weg. sowieso.

der anfang war schwer. die kraft zu finden, da wieder hineinzuspringen, aber so richtig. oder den mut. der weg führte, wie immer im grunde, über erinnerungen, über die eigene familie. auch das ist nicht leicht. aber wenn die art von familiengeschichte/n schreiben will, wie ich es vorhabe, dann kann ich die eigene nicht zugrunde legen. nur die erfahrung vielleicht, das wissen. hinter den rest muß ein punkt. wobei alles auch offen bleiben muß, für die erfahrung eben. das erleben der fiktion.

die vergangenheit ist kein problem, nicht jetzt, nicht für sie arbeit. das kommt später vielleicht, doch daran ist im moment nicht denken. das darf nicht mitspielen, nicht im geringsten.

zweifeln läßt mich die leichtigkeit, von der ich aktuell ausgehe. weiterarbeiten, ab morgen oder montag, spätestens. losschreiben. mehr als drei oder vier stunden am stück braucht es dafür vermutlich nicht, und die habe ich. die nehme ich mir. dazu das eine oder andere verlängerte wochenende. zusammen mit den techniken der meditation und imagination, über die ich durchaus verfüge. eigentlich.

doch schreibprozesse sind fragil, sie zerbrechen oder verschwimmen allzuleicht. sie ertrinken in alltag und angst. oder sie steigern sich in übermächtiges chaos, das nicht mehr zu bewältigen ist. ich kenne das. und das darf nicht, nicht mehr.

das war schon zu lange.

arbeit. und zeit.

25. August 2017 - 19:58

in einem englischen café sitzen, bei cream tea und ginger beer, eins nach dem anderen. dann noch salat.

aber eigentlich den text aufgeschlagen und seite für seite gelesen. langsam gelesen, beinah schon durchgegangen. also gearbeitet, mit bleistift.

alles ist gut.

ich weiß zwar nicht mehr genau, welche kapitel ich schon mehrfach überarbeitet hatte und welche noch ganz roh sind. aber ich kann es sehen. da sind etliche seiten, die mich beim lesen ziemlich zerfasern. wenig klar, viel gefasel. das ist es, genau da muß überschrieben werden. aber sonst nichts, das braucht nur arbeit. und zeit.

also nichts ist kaputt, kein schwachsinn oder irreführendes. auch die weitere geschichte tut sich schon auf. wo es hinmuß. wo es hinwill. was noch fehlt. wird sich finden.

wie auch der titel, es gibt schon ideen. ein wichtiger neuer name ist auch gefunden und, bislang, ausreichend gut. weitere bloginfos zum romanfortschritt wird es unter dem titel „bonding“ geben.

(blöd, daß mir immer soviel englisches einfällt. bei der titelfindung hilft es nicht, aber für hier passt es gut in die nachfolge von „going“. finde ich. natürlich ist es auch ein wenig zwiespältig, ich weiß. aber das will ich auch so. nur halt nicht für den titel, logisch.)

wer hätte das gedacht.

morgen noch einmal das letzte drittel, gründlich. da habe ich heute geschludert. dann sollte alles bereit für aktive arbeit sein.

also: schreiben.

verbunden

24. August 2017 - 20:18

erst dachte ich, das essen wäre nicht gut und mir würde schlagartig schlecht davon. ein gutes zeichen für die schlechte wahl, die ich getroffen hatte. dann wurde mir klar, daß es der papierberg war, den ich wirkmächtig neben dem essen hingestapelt hatte.

mit den handschriftlichen notizen war ich schnell durch. überraschend viel war durchaus lesbar, dafür aber inhaltlich kaum noch nachzuvollziehen. die digitalen notizen dagegen, extra ausgedruckt: durchdacht und brauchbar. basiszeug, daten und namen, konstruktionsideen. das ist wichtig, sonst komme ich da gar nicht mehr rein.

dann war da noch das grüne buch, das ich fast vergessen hatte. notizen von unterwegs. so etwas braucht man, wenn zwischendrin noch andere arbeiten anstehen, nicht nur die schreibarbeit. ich zumindest brauche das, muß es immer in der nähe wissen. um die kleinen ideen und einsichten zu notieren, textpassagen auch. so etwas behalte ich einfach nicht im hirn. im hirn behalte ich nur, daß mir etwas eingefallen war. nicht aber was. auch das grüne buch ist ebenfalls weitgehend lesbar, aber viel anfangen kann ich erst einmal nicht damit. vielleicht ist es auch nicht mehr wichtig.

insgesamt unbefriedigend. der text ist außerdem der text, auf den kommt es an. also die notizen zusammengefaltet und eingesteckt. und an den text.

ich habe nicht alles gelesen, das war zu aufregend. das mache ich morgen, vielleicht. ich sollte es tun. ich habe also nur in dem ordner herumgeblättert. ich habe vorne angefangen, aber das war ernüchternd. ich habe weiter hinten ein paar zeilen gelesen, das war noch schlimmer. dann habe ich den bleistift herausgeholt, um gleich mal die nötigsten streichungen vorzunehmen. ab da wurde es besser.

dann kamen die zwei seiten, die mich umgehauen haben. ich wußte zwar, daß ich sie geschrieben hatte. aber nach über drei jahren wußte ich es auch irgendwie nicht mehr. und es hat mich gepackt. da paßt fast alles. ein paar worte nur, ein oder zwei stellen, die mehr genauigkeit brauchen.

es ist, was ich will, daß es ist.

überhaupt stimmt der ton, im großen und ganzen zumindest. kürzen muß ich und putzen. kitsch und ramsch muß weg. die dinge müssen klarer werden, die sprache auch. dabei ist sie für meine verhältnisse schon relativ knapp. das alles ist arbeit, aber das war wohl klar. zum teil ist der text noch roh, erstniederschrift, ohne jegliche bearbeitung. das kann also noch gar nicht stimmen. bei mir nicht, niemals.

randnotizen: die namen stimmen nicht alle. besonders der der erzählerin ist falsch, und obwohl der natürlich am wenigstens auftaucht, stört es mich immens. es gibt auch keinen titel, der bisherige war ja auch nur ein arbeitstitel, und der liegt inzwischen vollkommen falsch. die story hat sich verändert, das war mir gar nicht so recht bewußt. obwohl ich es natürlich wußte.

es geht im kern gar nicht (mehr) darum, daß jemand geht. im gegenteil, es geht um verbindung, um familie eben. obwohl auch das wieder nicht stimmt, es geht gar nicht um eine familie. oder doch? heißen mütter und väter und kinder zusammengenommen nicht familie? ach, was weiß denn ich. das umfasst soviel mehr, und am ende ist es hoffentlich nicht nur diese eine geschichte. eines wächst aus dem anderen, das ist derzeit meine hoffnung.

genug der rätsel. keine ahnung, ob mir ein guter titel gelingen wird. ich bin skeptisch, will aber auch nichts konstruieren. auf jeden fall jetzt noch nicht. also muß ich damit leben. und arbeiten, irgendwie.

den weg gehen.

papierkram

24. August 2017 - 13:08

nachzulesen, was ich vor jahren unter dem titel „going“ als schreibreflexion über dieses projekt zu verkünden hatte, scheint mir zunächst einmal sinnlos. zuerst kommt die papierarbeit, der mehr oder weniger sorgfältig zusammengeheftete ordner mit bereits bestehendem text, ausgedruckt und vollgekritzelt mit blei. das erinnere ich noch. dazu die notizen, zum größten teil wohl auch handgeschrieben. das werde ich kaum noch lesen können.

abgesehen davon, daß „GEHEN“ nicht der titel sein kann, das immerhin ist klar. GEHEN muß gehen. selbst „going“ funktioniert nicht mehr als blogbegleitung, bewegt sich beides in die völlig falsche richtung mittlerweile. das weiß ich. aber weiter weiß ich nicht.

am besten, ich nehme den packen mal mit raus und suche mir irgendwo ein café, in dem ich es zwei, drei stunden aushalten kann. wasser hätte ich gern dazu, klar und ruhig. seen gibt es ja hier genug.

darf ich das? haben, mir wünschen? darf ich mich trauen?