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archiv: write-insight


arbeit. und zeit.

25. August 2017 - 19:58

in einem englischen café sitzen, bei cream tea und ginger beer, eins nach dem anderen. dann noch salat.

aber eigentlich den text aufgeschlagen und seite für seite gelesen. langsam gelesen, beinah schon durchgegangen. also gearbeitet, mit bleistift.

alles ist gut.

ich weiß zwar nicht mehr genau, welche kapitel ich schon mehrfach überarbeitet hatte und welche noch ganz roh sind. aber ich kann es sehen. da sind etliche seiten, die mich beim lesen ziemlich zerfasern. wenig klar, viel gefasel. das ist es, genau da muß überschrieben werden. aber sonst nichts, das braucht nur arbeit. und zeit.

also nichts ist kaputt, kein schwachsinn oder irreführendes. auch die weitere geschichte tut sich schon auf. wo es hinmuß. wo es hinwill. was noch fehlt. wird sich finden.

wie auch der titel, es gibt schon ideen. ein wichtiger neuer name ist auch gefunden und, bislang, ausreichend gut. weitere bloginfos zum romanfortschritt wird es unter dem titel „bonding“ geben.

(blöd, daß mir immer soviel englisches einfällt. bei der titelfindung hilft es nicht, aber für hier passt es gut in die nachfolge von „going“. finde ich. natürlich ist es auch ein wenig zwiespältig, ich weiß. aber das will ich auch so. nur halt nicht für den titel, logisch.)

wer hätte das gedacht.

morgen noch einmal das letzte drittel, gründlich. da habe ich heute geschludert. dann sollte alles bereit für aktive arbeit sein.

also: schreiben.

verbunden

24. August 2017 - 20:18

erst dachte ich, das essen wäre nicht gut und mir würde schlagartig schlecht davon. ein gutes zeichen für die schlechte wahl, die ich getroffen hatte. dann wurde mir klar, daß es der papierberg war, den ich wirkmächtig neben dem essen hingestapelt hatte.

mit den handschriftlichen notizen war ich schnell durch. überraschend viel war durchaus lesbar, dafür aber inhaltlich kaum noch nachzuvollziehen. die digitalen notizen dagegen, extra ausgedruckt: durchdacht und brauchbar. basiszeug, daten und namen, konstruktionsideen. das ist wichtig, sonst komme ich da gar nicht mehr rein.

dann war da noch das grüne buch, das ich fast vergessen hatte. notizen von unterwegs. so etwas braucht man, wenn zwischendrin noch andere arbeiten anstehen, nicht nur die schreibarbeit. ich zumindest brauche das, muß es immer in der nähe wissen. um die kleinen ideen und einsichten zu notieren, textpassagen auch. so etwas behalte ich einfach nicht im hirn. im hirn behalte ich nur, daß mir etwas eingefallen war. nicht aber was. auch das grüne buch ist ebenfalls weitgehend lesbar, aber viel anfangen kann ich erst einmal nicht damit. vielleicht ist es auch nicht mehr wichtig.

insgesamt unbefriedigend. der text ist außerdem der text, auf den kommt es an. also die notizen zusammengefaltet und eingesteckt. und an den text.

ich habe nicht alles gelesen, das war zu aufregend. das mache ich morgen, vielleicht. ich sollte es tun. ich habe also nur in dem ordner herumgeblättert. ich habe vorne angefangen, aber das war ernüchternd. ich habe weiter hinten ein paar zeilen gelesen, das war noch schlimmer. dann habe ich den bleistift herausgeholt, um gleich mal die nötigsten streichungen vorzunehmen. ab da wurde es besser.

dann kamen die zwei seiten, die mich umgehauen haben. ich wußte zwar, daß ich sie geschrieben hatte. aber nach über drei jahren wußte ich es auch irgendwie nicht mehr. und es hat mich gepackt. da paßt fast alles. ein paar worte nur, ein oder zwei stellen, die mehr genauigkeit brauchen.

es ist, was ich will, daß es ist.

überhaupt stimmt der ton, im großen und ganzen zumindest. kürzen muß ich und putzen. kitsch und ramsch muß weg. die dinge müssen klarer werden, die sprache auch. dabei ist sie für meine verhältnisse schon relativ knapp. das alles ist arbeit, aber das war wohl klar. zum teil ist der text noch roh, erstniederschrift, ohne jegliche bearbeitung. das kann also noch gar nicht stimmen. bei mir nicht, niemals.

randnotizen: die namen stimmen nicht alle. besonders der der erzählerin ist falsch, und obwohl der natürlich am wenigstens auftaucht, stört es mich immens. es gibt auch keinen titel, der bisherige war ja auch nur ein arbeitstitel, und der liegt inzwischen vollkommen falsch. die story hat sich verändert, das war mir gar nicht so recht bewußt. obwohl ich es natürlich wußte.

es geht im kern gar nicht (mehr) darum, daß jemand geht. im gegenteil, es geht um verbindung, um familie eben. obwohl auch das wieder nicht stimmt, es geht gar nicht um eine familie. oder doch? heißen mütter und väter und kinder zusammengenommen nicht familie? ach, was weiß denn ich. das umfasst soviel mehr, und am ende ist es hoffentlich nicht nur diese eine geschichte. eines wächst aus dem anderen, das ist derzeit meine hoffnung.

genug der rätsel. keine ahnung, ob mir ein guter titel gelingen wird. ich bin skeptisch, will aber auch nichts konstruieren. auf jeden fall jetzt noch nicht. also muß ich damit leben. und arbeiten, irgendwie.

den weg gehen.

papierkram

24. August 2017 - 13:08

nachzulesen, was ich vor jahren unter dem titel „going“ als schreibreflexion über dieses projekt zu verkünden hatte, scheint mir zunächst einmal sinnlos. zuerst kommt die papierarbeit, der mehr oder weniger sorgfältig zusammengeheftete ordner mit bereits bestehendem text, ausgedruckt und vollgekritzelt mit blei. das erinnere ich noch. dazu die notizen, zum größten teil wohl auch handgeschrieben. das werde ich kaum noch lesen können.

abgesehen davon, daß „GEHEN“ nicht der titel sein kann, das immerhin ist klar. GEHEN muß gehen. selbst „going“ funktioniert nicht mehr als blogbegleitung, bewegt sich beides in die völlig falsche richtung mittlerweile. das weiß ich. aber weiter weiß ich nicht.

am besten, ich nehme den packen mal mit raus und suche mir irgendwo ein café, in dem ich es zwei, drei stunden aushalten kann. wasser hätte ich gern dazu, klar und ruhig. seen gibt es ja hier genug.

darf ich das? haben, mir wünschen? darf ich mich trauen?

arbeiten will ich

23. August 2017 - 22:35

aller anfang ist schwer. noch schwerer aber ist es, verlorene, fast vergessene, womöglich längst verrottete fäden wieder aufzunehmen. doch genau das steht jetzt an, dafür bin ich hier. eigentlich. der griff nach etwas, das vor fast genau drei jahren in sich zusammengefallen ist. dazu sind blogs gut und schrecklich zugleich, um solche fakten glasklar nachschlagen zu können.

vom 17. august 2014 stammt der letzte eintrag, auch das war bereits ein anschlussversuch. ein gescheiterter, wie ich heute weiß. am 2. november 2014 dann eine affirmation, die verzweifelt klingt. und am 15. februar 2015 eine eher schlichte arbeitsnotiz über das erstellen eines exposés. mehr nicht. das ist alles.

bislang traue ich mich nicht, sämtliche einträge nachzulesen. vielleicht sollte ich das auch gar nicht, das ist schnee von gestern. vorvorgestern, wenn man es genau nimmt. womöglich ist es wichtiger, einfach den text aufzuschlagen, der griffbereit neben mir liegt. 59 seiten, plus notizen bezüglich personal, konstruktion und weiterentwicklung und verschränkung der story.

so sieht es aus. das steht an.

05. März 2017 - 18:42

von den dingen möchte ich schreiben, ihnen folgen zunächst. ihren mustern und strukturen, in sie hineinkriechen. weil da die geschichten leben, die die menschen nicht erzählen. weil sie es nicht können, weil sie nicht wollen vielleicht. das kommt vor. meistens aber wissen sie nichts davon, sehen die zusammenhänge nicht. mir selbst geht es so, wenn ich mich betrachte. wenn ich das versuche. dann weiß ich nur, was ich längst schon weiß. je älter ich werde.

die dinge aber, die sprechen einen andere sprache.

ist so

18. Februar 2017 - 22:40

ich gehöre nicht zu denjenigen, die schon vor schuleintritt lesen und schreiben konnten. das ist mein bruder. er ist die entscheidenden vier jahre jünger als ich, für ihn gab es die sesamstraße. die originale, sychronisierte, bei uns noch in schwarzweiß. damals. ich dagegen hatte keine gelegenheit, niemand saß je neben mir und hat mir vorgelesen. nicht so zumindest, daß ich mit ins buch hätte sehen könnte. kann sein, daß ich das nicht wollte, diese nähe. durchaus möglich. auch einen kindergarten oder eine vorschule gab es für mich nicht. als ich klein war, war ich meistens allein mit mir.

irgendwann in dieser zeit saß ich hinten in unserem opel kadett, als dieser aufgetankt wurde. ich erkannte das schild, rot und blau mit einem tiger. dort fuhren wir immer hin, gegenüber der gebrauchtwagenhandlung von helmut rahn. immer zu esso. ich wußte das und wagte auf einmal zu behaupten: das heißt esso, ich kann lesen. ich kann jetzt lesen! stolz war ich, doch auf den vordersitzen wurde gelacht. ich weiß nicht, warum. ich weiß auch nicht, ob ich in folge tatsächlich aufgefordert wurde, zum beweis die einzelnen buchstaben korrekt zu benennen. erinnerungen sind trüb, mitunter schon nach kurzer zeit. und diese episode liegt an die fünfzig jahre zurück. aber ich habe das nicht in guter erinnerung.

wie auch immer. sicherlich kannte ich damals die buchstaben noch nicht, in diesem sinne konnte ich also wirklich nicht lesen. (das habe ich de facto erst in der schule gelernt, allerdings in wenigen wochen. endlich.) ich kannte die uhr, die eine form hatte. die konnte ich lesen. daher wußte ich. oder glaubte zu wissen, bis sie darüber gelacht haben. dieses lachen hat mir den augenblick gelöscht.

heute weiß ich, daß ich im grunde recht hatte. man kennt die formen und zeichen, erkennt sie wieder, und glaubt, ihnen einen sinn zuordnen zu können. eine bedeutung sogar, einen zusammengang mitten in einem wachsenden und wuchernden chaos. einen anker setzen.

das ist lesen, das ist schreiben. es liegt eine gewisse unzulänglichkeit und not darin.

kleinklein

21. Januar 2017 - 01:32

mehr lesen, ein 50-seiten-tagespensum, wie frau casino es sich vorgenommmen hat. das wäre schön, aber das schaffe ich derzeit nicht. die fast 500 seiten fallada, seit weihnachten immerhin, gehen nahezu ausschließlich auf das konto der neuen gewohnheit des ausgedehnten u-bahnfahrens. (zur arbeit nach charlottenburg.)

kleiner mann – was nun?, die originalfassung, ist ein fröhlich dahingeschriebenes, hochaktuelles und dabei todtrauriges berliner volksstück, das nicht zu unrecht ein welterfolg ist. oder war, das weiß ich gerade nicht. pinneberg, der held, der eigentlich ein antiheld ist, erinnert mich darüber hinaus immens an meinen vater. lässt sich treiben und schubsen und niedermachen. wehrt sich nicht, gegen nichts, wütet nur in sich selbst. und verkommt und verottet dabei, eher innerlich als äußerlich. ein schweiger, ein denker, ein versager. mein männerbild im grunde.

das wäre das.

als nächstes käme dann wohl nicht nur das nächste buch, sondern auch das schreiben. die grundvoraussetzungen entwickeln sich positiv. die lang ersehnte finanzielle entspanntheit ist auf einmal unübersehbar, das ist ausgesprochen beruhigend, vielversprechend sogar. das konzept lauert dicht an der oberfläche, da bin ich sicher. so lange schon, ein treues stück. doch fürs schreiben braucht es mehr als das, mehr als nur zeit. oder geld. oder ideen. dafür braucht es leere, und es bräuchte raum. beides zugleich.

und ich weiß nicht mehr wie.

sportlich

08. Juni 2016 - 13:08

zum frühstück im radio hören, wie zwei schriftsteller (ja, männlich.) zu ihrem sportlerdasein befragt werden. mehr als fünf stunden am stück intensiv schreiben könne man gar nicht, sagt der eine*, der offensichtlich zum ausgleich (oder was auch immer.) diverse olympischen disziplinen ausübt. man müsse ja auch das, durch das man sich da hindurchschreibt, irgendwie verarbeiten, sagt der andere.*

sie haben recht, beide. die fremden welten, in die man abtaucht, die bizarren situationen, die intensive erfahrung, jenseits des alltags, des eigenen ichs auch. ich kenne das. durchaus.

dennoch frage ich mich natürlich, wann und ob diese (mehr oder weniger, ich weiß auch das.) abgesicherten schreiber – elitäre schöngeister oder was? –  (noch?) daran denken, wie es ist, mit all dem nach der arbeit anzufangen. nach der fremdarbeit, wo der geist stundenlang durchgetaktet wird, was auch immer zu tun sein mag. nach der heimarbeit, die sich (wie das schreiben.) in den privatbereich, ins wohnbüro frißt, dort vor allem die schreibzeit ruiniert. nachhaltig. (schönes wort!)

wenn ich träume, träume ich von arbeit. von buchungssystemen und kreditkartendaten, vom schreiben über fremdthemen und dem ständigem kümmern und bekümmern. die miete, der strom, das netz. energie. essen und trinken nicht zuletzt. oder doch zuletzt? wenn ich nicht essen müßte, nicht schlafen …

jeden monat aufs neue. es gibt kein geld, nicht genug zumindest. es bleibt keine zeit für die ausweitung, die es zum schreiben bräuchte. die zeit vor dem schreiben. über wochen und monate ohne den eigenen geist, der (dennoch!) schreiben will. das ist eine ganz andere (sportliche?) herausforderung.

* grob aus dem gedächtnis zusammengefaßt.

08. Mai 2016 - 22:45

nachdenken über geld und zeit. und über die unfähigkeit, mein leben so zu organisieren, daß ich meine arbeit machen kann. trotzdem schreiben.

so gehen die jahre.

über das achtsame weglassen von objekten *

06. Januar 2016 - 23:48

ich interessiere mich nicht.

* aus der heimlichen reihe: schreibspiele sind denkspiele.