raum für notizen

bonding (126)

14. September 2020 - 00:46

ein eigenartiges gefühl beherrscht mich. als hätte ich gar nichts getan, nichts geschafft in den letzten vier tagen. dabei habe ich nächtliche debatten über die egozentrik meiner erzählerin geführt. über meine eigene egozentrik wohl auch, wobei ich beides zunächst nicht so recht gelten lassen wollte. alles eine frage der perspektive. und der ebenen. ich habe zwei passagen nicht umgeschrieben, sondern grundlegend neu konzipiert, eine grob gerichtet für den feinschliff später. und ein paar neue aspekte, die ich noch nicht so recht weiß. außerdem eine bestehende szene um etwas ganz neues ergänzt.

das ist nicht wenig, fast zwanzig seiten, zum teil komplett neu. außerdem war ich paddeln gestern, fast den ganzen tag. mit einem geliehenen seekajak auf der dahme, mal so richtig mit speed. endlich habe ich es begriffen. das ein- und aussteigen macht mich aber immer noch so richtig satt nass, da hilft nix. und heute dann schnitzel essen und eis im park, am letzten sommertag. menschen treffen, die ich umständehalber lange nicht gesehen habe. man weiß ja auch nicht, wie der winter werden wird. ob man da wieder lange keine menschen mehr sehen können wird.

ich. ich meine ich. (ist sie das, meine egozentrik?)

im grunde kann ich zufrieden sein. all die angefangenen stellen sitzen noch nicht, sind keinesfalls fertig. aber jetzt ist ohnehin zeit, sie erst einmal ruhen zu lassen. alles gut also.

unzufrieden bin ich trotzdem.

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bonding (125)

10. September 2020 - 01:22

zurück im text, wie versprochen. nur ein bisschen, heute war arbeitstag, anschließend stand eine kleine übersetzung an, die morgen fertig sein muss. eigentlich wollte ich nicht mehr, bin dann aber doch noch durch ein paar frisch geschriebende dialoge vom wochenende. gar nicht so schlecht, alles in ordung eigentlich. ein paar feinheiten, die die energie steuern. bis es wehtut.

der text hat mich überwältigt, übrigens. er hat angefangen, mich zu fragen, verlangt von mir, was ich bislang verweigert habe. er will mein leben. ich bin kein mensch, ich bin das material. ich koche die substanz, ich spüre es. körperlich.

vor etlichen jahren zehn oder fünfzehn vielleicht, habe ich die kiste der eigenen kindheit geschlossen. nicht zwanghaft und nicht vernagelt, sie hat sich eher von selbst geschlossen. nach all dem reden und suchen, den wiederholungen bis zur erschöpfung hat sich der deckel langsam geschlossen. und ich war einverstanden, nicht mehr zu fragen, obwohl längst nicht alles ergründet ist, und nach und nach zu vergessen. irgendwann muss man aufhören damit, ganz egal, wann. fertig wird man nie damit, ein natürliches ende gibt es für diese dinge also nicht.

jetzt hat der text danach gefragt, nach mir und meinen erfahrungen. er hat kontakt aufgenommen, weil er einen abgrund will, der unter alles gelegt ist. das fundament. gedacht habe ich es immer schon, eigentlich ohne jeden zweifel vorausgesetzt. aber nur wenig formuliert, um es nicht zu übertreiben. mich nicht darin zu verlieren. das war gut, glaube ich. sonst wäre all das andere, das darüber nicht gelungen.

die kiste steht also offen, mitten im raum, weil der text es so will. nicht ich. ich erkenne es wieder, alles. ich erkenne mich wieder. ich spüre den sog, die verzweiflung, körperlich. ich bin fassungslos, dass ich so gelebt habe, so lange. in so engen schleifen zu anfang, dass es nichts anderes zu geben schien.

ich weiß wirklich nicht, wie das kind, das ich war, überhaupt zu leben in der lage war. wie es weiterleben konnte, immer wach und klar. und immer am abgrund. dass es mich heute gibt, wie mich gibt. kein monster und kein mörder, ein erzähler. (und manchmal ein trampeltier, aber eher selten.)

das ist so lange her, vierzig jahre, fünfzig oder noch mehr. trotz allem ist das alles ist nicht mehr ich. ich kann damit arbeiten, ohne mich oder das, was damals war, zu verraten. ich kann es nutzen, wie der text es fordert. das tue ich jetzt. und es gelingt.

persönlich ist wenig übrig, was noch zu erledigen ist. das aber sollte ich tun, ganz bald.

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09. September 2020 - 07:10

nachts ist alles gut. im schlaf bin ich ganz. ich darf nur nicht mehr träumen.

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#insight

09. September 2020 - 01:22

ich verlerne es tatsächlich, das mit den menschen. heute bei einer lesung gewesen, irgendwie die erste veranstaltung seit februar. für mich. das war auch eine lesung, und das war toll. wenn auch schwierig, es ist immer schwierig mit menschen.

heute war es ein elend. als einzelperson allein auf einen platz ganz hinten, hinter eine säule gewiesen worden. so ist das ja jetzt, man bekommt einen platz zugewiesen. ganz am arsch, sage ich. tatsächlich. das war nicht nett. ich habe mich nicht im griff. ich entschuldige mich auch nicht, es ist mir zuviel, alles. dass ich allein sitze, wie alles an mir allein ist seit mitte märz. viel mehr plätze gibt es für zwei, bessere plätze. aber ich bin allein, ich liebe nicht, ich tanze nicht, und meine katze ist auch tot. schon lange.

niemand ist, wo ich bin. außerdem ist es ja womöglich die letzte veranstaltung, in diesem jahr oder im nächsten, oder was-weiß-ich. ich will einfach nur da sein, nicht auffallen und still nach innen weinen. oder hoffen vielleicht, obwohl ich alle hoffnung langsam aufgegeben habe. ich will nur noch schreiben. und hören, was andere schreiben. manchmal. mehr will ich doch nicht.

dann kommt der platzzuweiser zu mir, informiert mich, dass vorn jetzt doch noch ein einzelplatz wäre. eigentlich will ich gar nicht. ich hab es ja nur vergessen, dass ich irgendwo nach hinten gehöre. dahin, wo man nicht gesehen werde. dass ich von allein genau dort hingegangen wäre. ich gehe dann aber doch. ich muss meinen helm beiseite räumen und die schwere jacke, damit ich das nicht alles mit mir schleppe. auch dazu werde ich angewiesen. dann lande direkt vor der kleinen bühne. ein guter platz, aber den hätte ich mir selbst nie ausgesucht, wenn ich ehrlich bin. da bin ich viel zu sichtbar.

hinter mir sitzt die inhaberin meiner agentur. (nicht meine agentin.) ich drehe mich ein paarmal um, sie erkennt mich nicht. was kein wunder ist, wir sind uns nur zweimal kurz begegnet. einen moment lang denke ich über höflichkeit nach, statt der lesung zu folgen. soll ich auf mich hinweisen, später? mich vorstellen? oder ist es höflicher, es einfach dabei zu belassen? ich weiß es nicht. mir ist unbehaglich, und ich weiß nicht, warum.

am ende der verstaltung erzählt mir der platzzuweiser dann etwas von meinem „großen auftritt“, und ich bin sofort erschrocken. meine schuhe haben wohl derart auf dem boden gequietscht, dass ich mächtig gestört habe bei meinem platzwechsel mitten im programm. das ich als trampeltier, und ich habe es nicht gemerkt. ich hab es ja noch nicht einmal gewollt. das ist genau, was ich mir wünsche im leben. jetzt.

ich verlerne alles, was ich mühselig gelernt habe, in vierzig, fünfzig jahren. nach knapp sechs monaten nur kann ich innen und außen nicht mehr auseinanderhalten, verliere die gewalt über meine präsenz und beleidige menschen mit meiner verwirrung. ich verliere das kleine bisschen sicherheit, das ich mir in jahrzehnten erobert habe. vor allem verlerne ich, dem zu folgen, was ich weiß und will. wenn menschen da sind. ich degeneriere zu einem kind, offensichtlich, das vor angst alles falsch macht.

jetzt ich denke nach über einsiedelei. nicht das erste mal in den letzten monaten. alles aufgeben, was ich besitze. ein einzelnes zimmer mieten, irgendwo, nur mit netz für die arbeit. mehr nicht. keine menschen mehr sehen, all das austrocknen lassen in mir. ehe es mir völlig entgleist. die sehnsucht langsam verhungern lassen. es hilft ja nichts.

aber was mache ich dann mit dem buch, das schon so weit, so gut wie fertig ist? beenden und dann vernichten? wie ein mandala?

oder will es leben? und ich habe nicht das recht, es zu töten. aber kann es leben, ohne mich?

das alles ist ein wenig theatralisch, ich weiß. ich will das auch nicht, leben ohne menschen. ohne schreiben. und ich will bei meinem schreiben bleiben, mit meinem gesicht, meinem leben.

aber ich weiß nicht, ob es nicht einfach nicht sein soll. so wie ich will. und ich mich nicht einfach nur einverstanden erklären muss. endlich. denn eigentlich war es doch nie anders.

kein mensch will mich. (hat schon meine mutter immer gesagt: glaubst du, dich will wer?) ich bin allein.

(jammermodus: aus. morgen wieder in den text. der wird so gut, den überlebt dieses ich sowieso nicht.)

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schreibzeit (50)

07. September 2020 - 23:58

ich tue, was ich kann. alles ist aufgerissen. der text frisst an meinem leben, ich habe das erlaubt. es muss. ich schreibe nicht über mich, aber ich schreibe von mir. auch.

so ist das.

mein hirn kommt an seine grenzen. vierhunderziebzig seiten, alle im kopf. ich finde nicht mehr alles, was ich suche. ich vergesse, welche kleinigkeiten ich erledigt habe. das ist nicht so wichtig, aber störend. das größere immerhin, das habe ich noch im blick, im kopf und im gemüt.

geht schon.

das umschalten auf die arbeit fällt schwer. auch das umschalten auf menschen. das umschalten auf die welt sowieso. trump first, oder wie heißt das? das ist etwas, das ich einfach nicht packe. es packt mich an, aber: macht doch euren dreck allein! (macht ihn weg!)

es ist alles zu viel.

aber es geht weiter. natürlich tut es das.

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oh, mann!

07. September 2020 - 00:53

ich schreibe mich in den wahn, und alles wird klarer dabei. ich tue fast nichts anderes. aber eben nur fast.

gestern zum beispiel war ich im baumarkt, das erste mal seit jahren. naja, monaten, aber egal. war ziemlch leer dort, ich hatte abr dennoch nicht wirklich die ruhe weg. immerhin weiß ich jetzt: es geht. durchaus auch öfter mal, wenn es dann wieder ans bauen geht. hoffentlich bald.

neue raspeln und feilen habe ich aber bei ebay bestellt. cooles zeug, profiqualität, nur ein wenig abgewrackt. zu lange lagerung vermutlich, aber das macht natürlich überhaupt nichts. werkzeug wird ja mit der zeit noch abgewrackter. als ich dann aber auf der homepage des anbieters war, man muss sich die guten verkäufer ja auch mal merken, da hat es mich dann doch mächtig ausgehebelt.

da steht: WERKZEUG FÜR ECHTE MÄNNER

im jahr 2020! ernsthaft?!

naja, dann eben nicht. die wollen mich derart überhaupt gar nicht als kundin. das können sie haben.

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06. September 2020 - 11:03

von einem bahnhof zum nächsten, dazwischen straßenstaub und dreck, überall sind baustellen. ich weiß nicht, ob ich nicht immer im kreis, ich weiß es wirklich nicht. ich sehe mich nicht um.

dann sitze ich am bahnsteig und nähe die haut an meinem arm. es ist eine lange naht, aber es ist eine naht. keine wunde. was? und warum?

ich höre auf damit, bevor ich aufwache.

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bonding (124)

06. September 2020 - 01:14

weiter, immer weiter. ich aufpassen, dass ich nicht zu hetzen anfange. es ist zeit, und es geht um etwas. gerade jetzt im moment, an dieser besteimmten stelle im text.

seit zwei wochen ziehe ich die abgründe unter die geschichte. das, was ich zuvor ohne not weit außen platziert hatte. in einer seitenlinie, die nicht konkret wird, und auch nie konkret werden kann. auch das ist es, was es so schwer macht.

ich sitze und kämpfe um die räume in der tiefe, stundenlang. das, was dort wartet, öffnet sich nicht so leicht. ich weiß. ich kann also nur einen anfang machen, jetzt. und hoffen, dass es riecht.

lustig ist, dass ich heute endlich den sinn einer anmerkung meiner agentin verstanden habe. also: richtig verstanden! bislang fand den hinweis okay, wollte mich aber nicht so recht darauf einlassen. irgendetwas stimmte nicht.

eben dann ging mir ein licht auf, endlich. die bemerkung, die da steht, zielt in eine ganz und gar andere richtung. und zwar besagt sie genau das, was ich seit zwei wochen in den text einziehe.

was für ein zufall. was für ein glück.

aber ich glaube ja ohnehin, dass das mit der agentin und mir ziemlich gut passt. so darf das gerne weitergehen. und eine bestätigung plötzlich, mitten unter der last der arbeit, das ist ja schon auch ganz schön viel wert.

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bonding (123)

05. September 2020 - 01:03

schreiben ist ein wahnsinn, das ist alles, was ich derzeit sagen kann. keine ahnung, ob ich jemals so wir gegangen, so tief gegraben habe. und dabei so satt und voll erzählt. ohne schnörkel, ohne kunstgriffe. einfach nur den menschen entlang.

deshalb reiße ich jetzt den text auf, lasse alles fliegen und versuche, es irgendwie wieder einzufangen. was anders werden muss, ist im grunde nur eine gewichtung von inneren geschichten und äußeren. (nein, ich mache das nicht, weil es jemand von mir verlangt. es ist der text, der das fordert.) und es wirft alles durcheinander, zumindest in dem einen strang. wirklich alles, so ungefär ab der hälfte. aber zum glück wirklich nur in dem einen stang, alles andere steht stabil. da tupfe ich nur hinein, hier und da.

ich komme voran, das ist gut. zwei drittel werden ende der woche durchgearbeitet sein. hoffentlich. allerdings bin ich auch so weit vorgedrungen, dass ich jetzt absehen kann, wie sehr ich das letzte kapitel ändern werden muss. oder gleich ganz neu schreiben?

so weit bin ich noch nicht, um das beurteilen zu können. schreiben ist eine elende hölle. will ich hier wirklich sein?

dazu kommt, das die innere geschichte, an der ich dieser tage vor allem sitze und sitze und sitze, mir persönlich sehr viel abverlangt. nicht immer erreiche ich die ebene, die offenheit und bereitschaft. nicht immer bin ich auf empfang. und ein bisschen habe ich angst, dass es vielleicht nicht klappen wird. dass doch noch alles kaputt gehen könnte.

dabei ist es nicht so, dass nicht alles schon angelegt gewesen wäre. es steht alles da, im bereits bestehenden text. ich muss nichts mehr finden oder erfinden. ich muss es beleben. es muss gefüttert werden, und das ist manchmal das schwerste.

himmel, so schwer war es noch nie. und so schön zugleich.

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