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bonding (23)

07. August 2018 - 21:47

seit gestern abend im zustand völliger schreiberschöpfung. dementsprechend nichts getan, nur gelesen. das immerhin geht. aber was sind all diese worte, traurig und leer. gegen die kraft und ausdauer meiner paddelschultern. kein muskelkater heute, nur aufrechte freude. und ein bißchen sonnenbrand und ehrliche, fette blasen an den fingern.

daß ich es womöglich nicht schaffen werde, in dieser ziemlich ausgedehnten schreibzeit ein einziges kapitel zu bewältigen, also zu überarbeiten, mehr nicht, beschämt mich. ja, es ist ein fettes kapitel, mehr seiten als sonst und außerdem ein bündel neuer aspekte. neues personal auch, menschen, von denen bislang nur die rede war, treten zum ersten mal in erscheinung. das ist nicht leicht. das braucht zeit. das weiß ich doch. alles, und nicht erst seit gestern.

vielleicht fehlt mir einfach nur die denkzeit, die ich zu hause am liebsten mit bauen verbringen. das ist so nah, so kreativ. auch da entsteht etwas. das tut gut. wenn beim denken die hände beschäftigt sind. das bringt auch das denken in bewegung.

hier hingegen hängt es sich in schleifen, das denken wie das zweifeln, bildet knitterfalten und produziert angst. lange lange zeit, bevor es mit erkenntnissen aufwartet. dann doch noch, irgendwann.

die bitterste davon: es fehlt ein schreibgegenüber, talentiert und herausfordernd, adäquat eben. und daraus folgend, glasklar und schnittscharf: es gibt keine lösung, derzeit. keine hoffnung. ich habe den anschluß verpasst, vor jahren, vor jahrzenten schon. vermutlich.

was in etwa der gegenteilige ansatz von dem ist, was mich an und nach dem abend im lcb erfasst hat. was war denn das? und wo ist es jetzt? dieses gefühl von zugehörigkeit, von heimat fast. in sprache, in büchern, in den narrativen der welt.

was für ein seltsames wechselspiel, diese woche, diese zeit. schreibzeit!


schreibzeit (7)

07. August 2018 - 12:24

auf dem wasser gestern dann doch noch einen kleinen moment von urlaub gehabt. gluckern und treiben lassen, dann wieder ein wenig gluckern. das war in der „alten fahrt“, nahe hauptbahnhof, also quasi in der innenstadt. paddeln durch die stadt, diese stadt, mit ihrem seltsamen protz. ein bißchen wie wien, marmor und gold. nur eben preußisch. dazu das gummiboot, meine (lahme) NTE. das passt schon so, gerade auch wegen seiner behäbigkeit. genau, was ich brauche auf dem wasser. nicht reingefallen diesmal, auch nicht beim aussteigen. dafür beim einsteigen sowohl angeschoben als auch gezogen worden, aber was solls. so ein boot zieht halt aufmerksamkeit auf sich, jemand wollte es sogar fotografieren.

übrigens aus versehen die hiesige freundschaftinsel umrundet. was ich gar nicht gedurft hätte, denn die „neue fahrt“ ist für paddelberiebenes verboten, wie umgekehrt die „alte fahrt“ für schrauben. hab ich aber erst hinterher gesehen. ich war also quasi mit dem fahrrad auf der autobahn, und es fühlte sich auch genau so an.

gern wäre ich noch in den kleinen stadtkanal gefahren, der nur ein stummel ist, wie ich später auf der karte gesehen habe. da ich das vor ort aber nicht wußte, hab ichs lieber gelassen. es war heiß da draußen, gestern schon. heute sicher noch mehr, jetzt zumindest. in der wohnung gehts noch, aber in der prallen sonne draußen. ich hätte früh aufstehen müssen, um gegen neun schon im boot zu sitzen. dann nach zwei stunden wieder zurück in den schatten. ich wollte aber lieber schlafen. und morgen geht das wohl nicht mehr, sagt die wetter-app. erst am sonntag wäre wieder ein schöner paddeltag. da bin ich dann aber schon wieder in berlin. leider.

die nuthe würd ich auch gern mal ein bißchen runter. nächstes jahr vielleicht, wenn sie nicht gar so veralgt ist wie in diesem. sieht idyllisch aus.

geschrieben habe ich auch, ja. viel!


07. August 2018 - 11:42

aufwachen und feststellen: ich muß mich nicht um die überschwemmung in der neuen wohnung kümmern, weil es sonst niemand macht. (überhaupt ist es unverschämt, daß es immerzu weiterspritzt, obwohl ich doch den haupthahn längst zugedreht habe.) ich muß auch nicht zur arbeit.


schreibzeit (6)

06. August 2018 - 12:15

seit tagen, eigentlich schon seit dem ersten tag nach meiner ankunft hier, quält mich der gedanke, bald schon wieder zurück zu müssen. dabei ist, wenn ich es an den fingern abzähle, was ich immer wieder tue, heute gerade erstmal halbzeit. (dann warten job und ein fetter übersetzungsauftrag, der noch in diesem monat zu bewältigen ist.) kein grund zur unruhe, aber so recht kann ich es nicht glauben. deshalb bin ich nicht entspannt, vergesse diesen aspekt des schreibens komplett.

die entspannung, das sein und werden lassen.

ich muss aufs wasser, denke ich, das boot steht ja bereit. damit die schultern mal was anderes zu tragen bekommen. heute ist ein guter tag.


bonding (22)

06. August 2018 - 00:05

unzufrieden bin ich, obwohl es dazu kaum einen grund gibt. nach ein fast durchwachten nacht erstmal gebloggt. dann ein wenig papierarbeit beim frühstück, dazu musik.

anschließen aufs rad und ins zemtrum, wo ich das englische café gesucht und schnell auch gefunden habe. leider hat es sonntags zu, also kein cream tea. zurück am ufer entlang, den blick immer auf gute ein- und ausstiegsmöglichkeiten für das boot gerichtet. morgen früh aufstehen, nur wenig arbeiten und dann aufs wasser. so ist der plan.

zurück am schreibtisch dann beinah nicht mehr in die gänge gekommen. schlimm! keine konzentration, nur erschöpfung im nacken. schmerz sogar, starre. dementsprechen keine lust auf schreibtisch, nicht die geringste, und, was am schwersten wog, auch keine motivation. also eine weile vor dem text gesessen wie blind.

mir hilft ja da oft, einfach irgendwo anzufangen, ohne rücksicht auf verluste. und hier, in meinem schreibexil, lag das besonder nahe. ohne die üblichen ablenkungen, die vielen todos und donots, die im heimischen umfeld für solche fälle lauern.

nach zwei stunden hat es dann sogar geklappt, ganz langsam kam ein bißchen was in fluß. wenig ausgereift und in keinster weise fertig, aber immerhin. fast vier seiten rohtext grob überarbeitet. besser als nix.


schriftstellerische randbemerkung

05. August 2018 - 12:40

auf seite 37 des rohmanuskripts lesen, daß meiner ich-erzählerin das fahrrad geklaut wurde, das sie über 30 jahre gefahren hat. und daß sie sich danach immer noch umschaut, wenn sie mit dem neuen, ungeliebten unterwegs ist. in der hoffnung, es doch noch wiederzufinden. in berlin!

ich fahre hier jetzt mit einem leihrad, weil das olle schrottrad, das ich im frühjahr wagemutig einfach hier stehen gelassen hatte, an einen richtigen fahrradständer gebunden, offensichtlich geklaut wurde. und ich schaue ebenfalls, das kann doch nicht wahr sein.

man sollte immer aufpassen, was man so schreibt. und es mit den jahren keinesfalls fahrlässig vergessen.


schreibzeit (5)

05. August 2018 - 10:55

gestern nacht hat es tatsächlich ein wenig geregnet. erst blitzen und donnern aus der entfernung, dann auf einmal dieses wunderbare regengeräusch. erst so 45 bis 50 sekunden lang. wenig später noch einmal und diesmal länger, sicher drei oder vier minuten. vielleicht sogar fünf. nicht viel, wirklich nicht. aber es hat gereicht, danach wurde es merklich besser. ich weiß das, ich konnte nicht schlafen bis gegen vier. und jetzt ist es fast ein bißchen kühl, oh wunder. dazu kirchenglocken, es ist sonntag.

wenn schlafen ein problem ist. das hatte ich lange nicht, nur als kind und dann ein paar jahrzehnte danach. zur entwöhnung oder so. weil ich mich daran gewöhnt hatte, daß die nacht meine einzige zeit ist. zeit für mich, zeit allein. auch wenn ich da nichts tun konnte, ich war kind, ich mußte im bett liegen. doch ich durfte denken, ganz für mich, ungestört.

die nacht nach dem lcb war besser, wiewohl deutlich heißer. da war ich ganz bei mir, ermutigt vielleicht von den vielen verschiedenen menschen, alle irgendwie präsent. ich träumte sogar irgendetwas, obwohl ich nicht zu schlafen glaubte. etwas, das mich sehr zufrieden machte. mit meinem körper vor allem, der alt wird und anfängt, leise zu ächzen. zumindest bei so einem wetter. jemand hat ihn gemocht, in diesem traum, deshalb hab ich ihn auch gemocht. in diesem traum. ich war zufrieden.

heute morgen habe ich gekämpft. im traum immer wieder die gleiche schlacht geschlagen, immer ohne ausgang, ohne entkommen. und man muß doch vor den kriegen flüchten, dann sind sie hohl und leer am ende. auch die inneren.

beim kaffeekochen wurde mir klar: schreibzeit beinhaltet schreibarbeit. banal im grunde, ich weiß. doch schreibarbeit ist ein spiel mit knochen, ist magie. das fleisch der geschichte, die zu erzählen ist, schneide ich aus meiner eigenen substanz. das verrät mich, immer, auch mir selbst. viel mehr als so ein blogbeitrag, der doch auch schon einiges aussagt. doch im grunde ist das nichts. denn ich spreche hier nicht über das, was mir gestern nacht auf einem kleinen, hundemüden spaziergang begegnet ist. kein mensch, kein tier, kein ding. eher ein gedanke. etwas, das loszulassen ist. oder zu schlucken und zu verdauen. damit das ein ende hat.

was bleibt ist der wunsch nach einem schreibgegenüber. kein kurs, keine schreibspiele und kreativübungen. keine strategiespiele und mindmaps. das alles ist prima, mehr oder weniger. ich habe viel gelernt in solchen umgebungen, auf die eine oder andere art. was ich meine, ist etwas anders. eine wahre begegnung, die all das menschliche, das persönliche, das peinliche auch, das durch die schreibarbeit angestoßen wird, fraglos mit umschließt. in die arme nimmt, wie beim tango, fest und flexibel. die es betrachtet und achtet, alles, wie es ist. nicht aber bearbeitet, anzweifelt oder gar wertet. oder bewundert am ende, das ist die schlimmste aller verklärungen. das ist verachtung.

die verzweiflung an sich ist doch schon groß genug. es geht um das ganze, mit jedem wort, es geht ums leben. nicht nur beim schreiben.

seit ich kind bin schaue ich nachts in die welt, blicke in diese leere, die mich umgibt und suche. und hoffe auf begegnung jenseits der verachtung. vielleicht bin ich blind und unfähig, sie zu erkennen. unfähig auch, mich zu erkennen zu geben, das mag sein. ich verleugne mich nur allzu gern, ich weiß. doch das ist der nackte kern, auf den ich gestern nacht unvermittelt gestoßen bin. gewollt habe ich das nicht, aber das ist es eben, was passiert. wenn man schreibt.

mein nackter kern.


bonding (21)

05. August 2018 - 00:18

nach fast vierzig jahren schreiberfahrung sollte ich es wirklich besser wissen. schreiben ist niemals leicht, selbst wenn es das sporadisch von sich behauptet.

heute flutschte natürlich nichts. jedes einzelne wort ist hart erkämpft, jeder gedanke heiß umstritten und mehrfach verworfen. dann doch wieder anerkannt, erweitert, vertieft. keine ahnung, wie lange ich hier gesessen habe. ein voller arbeitstag eben.

morgen soll es etwas kühler sein, habe ich gehört. nicht einmal dreißig grad. das kann ich mir kaum noch vorstellen. ich sollte früh beginnen, dann ein wenig ins zentrum fahren, etwas essen vielleicht. etwas denken. am abend dann wieder hier sitzen. und schreiben.


hochsicherheitssamstag

04. August 2018 - 19:51

am nachmittag plötzlich gejubel und getrommel in meinem kleinen berliner nachbarstadtstadtteil. ich erinnere mich, von hier ist es nicht weit bis zum stadion. beim anschließenden rumradeln zum nächsten lebensmittelladen stoße ich überall auf dezent schweigende blaulichter, massive absperrgitter und anderes schweres gerät.

eine kurze recherche ergibt: in der 4. liga ist schwer was los, und sowohl chemnitz als auch babelsberg machen auf den ersten blick nicht wirklich eine gute figur in diesem hochsicherheitsspiel der regionalliga nordost. hitlergruß und reichskriegsflagge auf der einen seite, und die 1. mannschaft des hiesigen clubs läuft immerhin mit einem (für mich ja immer noch recht zweifelhaften) sponsorlogo auf der laibchenbrust auf. ernsthaft?

wie erklärt sich das denn? wo ein stück weiter auf der clubseite mit #nazisrausausdenstadien ein klein wenig gezwungen vielleicht, aber letztendlich doch recht deutlich stellung bezogen wird.

nachtrag: erste erklärungsansätze in der taz. (schon was älter und auch über leipzig. tja, sowas geht an nichtfußballmenschen ja weitgehend vorbei.)

nochn nachtrag: und daß ich in dem zusammenhang nie an die britische skinheadbewegung, die mir durchaus geläufig ist, gedacht habe. das nehme ich mir ein wenig übel.


schreibzeit (4)

04. August 2018 - 13:03

nachts ist es heiß hier, ich schlafe nackt. ohne decke sogar und biete so den mücken ein großzügiges angriffsfeld. nach dem aufwachen ziehe ich mein schlafzeug an. (nackt umherlaufen schickt sich in einer ergeschoßferienwohnung nicht besonders.) dann öffne ich alle türen und stelle den ventilator an. beim kaffee schreibe ich dann die erste runde, so zwei stunden vielleicht.

dann frühstück. jetzt also frühstück, war spät heute, das aufwachen.

gestern bis nachts am wannsee gesessen und damir imamović zugehört. beeindruckend schön. (wenn ich je etwas singen wollen würde und könnte, dann so etwas. das weiß ich schon lange, aber ich kann ja nicht singen. auch ist es nicht meine tradition, also völlig außer reichweite.)

„nach hause“ waren es dann nur ein paar minuten, gut acht kilometer, z. t. durch den wald. auch schön.