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keine klagen (48)

08. Juli 2017 - 08:44

das war wirklich schön gestern nacht. alles sein lassen, nur herumsitzen wie angenagelt. am richtigen ort, mit den richtigen menschen. kein programm, keine peer group, kein verlangen danach. nur text im kopf. so ist es gut. mehr brauche ich nicht.

ich bin kein betrieb.

(das ist jetzt hermetisch, ich weiß. aber gar nicht so schwer.)


keine klagen (47)

07. Juli 2017 - 17:08

nach den lesungen ist draußen wieder regen, wenn auch nicht so stark wie gestern. alles naß, also kein so rechtes seewetter. auch diesbezüglich ist es ein schlechtes jahr bislang. die texte dagegen wurden heute besser. oder sie lagen mir näher. oder ich habe mich einfach nur eingehört. kann alles sein.

ich bin auch friedlicher oder versöhnlicher oder wie sagt man. mit allen, nicht nur mit den texten, den lesenden. auch mit den jurorInnen, die sich gleichwohl verzetteln, verreden und irren. ist alles nur literatur, hätte ich fast geschrieben. ist aber alles tv, fällt mir in dem moment ein. tv und show und wettbewerb. also was?!

die arbeit, das handwerk, das wunder des schreibens, des lesens lebt dann doch noch ganz woanders. es kommt recht nah, aber es bleibt nicht, wohnt nicht in klagenfurt. nicht einmal hier. es wohnt eigentlich nie. auch nicht so neu, diese erkenntnis. daß das schreiben getan sein will, um nah zu sein.

und weil es mit dem baden nichts wird, nehme ich mir die zeit, den kopf aus der blase zu stecken und nach hamburg zu sehen. looks like hell!


keine klagen (46)

07. Juli 2017 - 09:08

nach dem hagelgewitter gestern nachmittag war es dann aber doch ganz schon draußen am see. ein wenig naß der rasen, nicht ganz so viele menschen wie üblich. überhaupt: es ist ein schlechter jahrgang irgendwie. womit ich nicht (nur) die texte meine. viele inzwischen bekannte gesichter des literaturproduktionsbetreibs sind einfach nicht da. nix mit betriebsausflug und so.

ich bin dennoch zufrieden mit den spannenden begegnungen und gesprächen am rand. den sehr entspannt wirkenden heutigen erstlesenden getroffen. dingen über die mir völlig fremde österreichische literaturlandschaf gelauscht. (als wüßte ich auch nur einen hauch mehr über die deutsche.) und zu später stunde die grundlegende kaffeesituation in leipzig, die doch nicht sooo schlecht sein soll, erörtert.

außerdem wurde ich einer jurorin vorgestellt, ein flüchtiges geschehen. und von einer anderen im vorbeigehen gegrüßt, was wohl ein versehen oder eine verlegenheit war. ist halt doch ein betriebsausflug, da will man ja nichts falsch machen. oder ich habe mir nach sieben jahren anwesenheit eine art nichtssagende präsenz erarbeitet. ein gesicht, das man kennt, von dem man aber nichts weiß. das gefällt mir.


keine klagen (45)

06. Juli 2017 - 16:48

in meiner #tddl-blase gerät mir wie von allein alles rund um das G20-spektakel aus dem blick. das ist mir nicht recht so, und dennoch ist es irgendwie gut. rein subjektiv, versteht sich.

also ob nun eigenlöblerisch oder oberflächlich, wie man über die eröffnungsrede von franzobel gestern lesen konnte. besser ist es schon, man erinnert sich: wie viele autorinnen und autoren weltweit für ihre arbeit in gefängnissen sitzen. nicht weit, in der türkei zum beispiel. (#freedeniz und alle anderen.)


keine klagen (44)

06. Juli 2017 - 16:17

am nachmittag wird es mir am lendhafen zu warm, dann kann ich nicht mehr denken. deshalb weiß ich nicht so recht, wie die letzten beiden texte bei mir angekommen sind. eher nicht so, aber das ist eine vermutung. die ersten drei waren mir auch nix, obwohl es natürlich unterschiede gab. morgen nachmittag wechsle ich also ins studio, hoffentlich klappt das. und das platzreservierungsgehabe mithilfe von programmheftchen wurde irgendwie eingedämmt. sonst nehme ich einfach ein handtuch mit. mal sehen, wie das kommt.

am lendhafen ist heute eine gelbe tasche aus dem jahr 2013 herumgelaufen. oder war gelb 2014? ich weiß nicht mehr, aber meine ist jedenfalls weg. dachte ich. zwei jahre hat sie mich in den höchst ungeliebten nebenjob begleitet und ist dabei ziemlich heruntergekommen. so richtig kaputt war sie aber noch nicht, also habe ich sie an meinem letzten arbeitstag dort nicht in, sondern auf den müllcontainer im hof gelegt. irgendwer wird sie sich nehmen, dachte ich. oder der müllmensch ärgert sich über meine schlampigkeit, weil er selbst hand anlegen muß.

vor ein paar monaten hab ich sie dann kurz wiedergesehen, auf einem nahegelegenen u-bahnhof. ich bin ganz und gar sicher, daß sie es war, denn sie befand sich nun im besitz eines offensichtlich in der gegend lebenden wohnungslosen. und der besagte hof ist ein diesbezüglich durchaus bekannter aufenthaltsort.

da hat doch die literatur, der bewerb, die organisation mal was richtig handfestes bewirkt. ich wünsche dieser gelben tasche aus dem fernen klagenfurt noch ein gutes und langes leben in berlin oder sonstwo. möge sie all ihren besitzern und besitzerinnen immer gute dienste leisten. so wie eint mir.


keine klagen (43)

06. Juli 2017 - 09:02

früher war das anders. da war ich nicht vor 12 zurück in meiner unterkunft, an keinem abend. da hat mir das mobiltelefon beim einstellen des weckers die verleibende zeit genannt, oft wenig mehr als zwei stunden. heute werde ich vor dem wecker wach, wie zu hause, wenn ich zur arbeit muß. es bleint genug zeit für kaffee und honigbrot, das ist nicht wie zu hause, und die baustelle nebenan weckt mich kurz mal gegen sechs. dann schließe ich die fenster und die rolläden, ist eh besser bei dem wetter.

ich schaffe es, vor beginn des bewerbs zu bloggen, wie man sieht. auch den freitagtext von hans, den ich sicher gleich am lendhafen treffen werde (also den hans, nicht den text), den schaffe ich noch locker ohne probleme. er (der hans natürlich) wird die tage hier mit arbeit verbringen. ich zum glück nicht. und er ist sehr, sehr gut, sehr lesenswert. (der text. und die, die da noch kommen werden ohne zweifel auch.)

noch mehr menschen, die ich eigentlich hier vermutet hatte, sind heuer (verzeihung, das muß!) nicht da. claudia zum beispiel. und die maus und die kaltmamsell. wieder mal. ines und madame. frau travnicek. und all die, die sich schon seit jahren verabschiedet haben. und die, die ich zu erwähnen vergesse. meine schwimmassistenz natürlich, die ich auf twitter gerade nicht einmal mehr finden kann. auweia.

so mutiere wohl ich zur klagenfurtveteranin und werde den weg zum see erklären müssen. womöglich.

[ach so: die bilder gibts auf instagram, teuflswerk.]


keine klagen (42)

06. Juli 2017 - 01:16

ankommen, bevor es losgeht. das ist nicht falsch, das muß ich mir merken. ankommen am abend, fast schon in der nacht ist seltsam. doch durch die klagenfurter nach zu laufen, ist schön. aber es gibt (eigentlich) nichts mehr zu essen. nirgends. nur kebab und mcdonalds. und das schlechteste eis der stadt.

am vormittag das rad zu holen, das ist unschlagbar. mit wenig aufwand habe ich das bekommen, was ich wollte. kettenschaltung, viele gänge, freilaufnabe. ein damenrad, aber naja. ich schwinge das bein über den sattel, ich kann nicht anderns. das mit der rücktrittbremse, was man mir zunächst andrehen wollten, hat eine wesentlich dankbarere fahrerin erhalten, wie ich inzwischen festgestellt habe.

die wohnung ist bestens plaziert, exakt zwischen lendhafen und orf-studio. da muß ich mich nur kurz zuvor entscheiden. also an der haustür unten, im grunde. alles funktioniert so leidlich, der fernseher kaum, aber wer braucht den hier schon. das internet gar nicht, bis die netten nachbarn mir einfach ihres angeboten habe. es gibt eine halbe waschmaschine, aber kein waschmittel. auch kein spülmittel, handwaschzeug, salz, pfeffer, scharfes messer. egal, hab ich halt alles gekauft. außer das messer. ich hätte ein echtes taschenmesser mitnehmen sollen, nicht nur das kleine, das für mädchen. das weiß ich fürs nächste mal bescheid. denn es ist toll hier, absolut passend. der kühlschrank ist voll, es gibt wahnsinnig gutes brot. und käse und wurst.

und literatur.

am nachmittag zum literaturkurs, wie jedes jahr. scheint immer noch ein geheimtip zu sein. oder die letzen jahre waren derart abschreckend, daß keineR mehr kommen mag. dabei war es besser in diesem jahr. deutlich besser. nicht mehr so sehr diese art von ich, das kreist oder die kreist, um was auch immer. aber keinesfalls um eine geschichte. allen voraus olivia wenzel, die man sich merken sollte. ein text, der unsere zeit derzeit dermaßen entlarvt. mit dem ersten lachen bereits ahnt man den ekel. und der ekel kommt. diese bild von dem denkmal. ein denkmal für die arbeit schwarzafrikanischer sklaven, das dann als tisch genutzt wird. ich will das nicht weiter erklären, aber das sitzt. sitzt so fest. ein denkmal eben.

ich mache viele bilder, übrigens, und blase sie in alle kanäle. für alle, die nicht mehr da sind, nicht mehr herkommen wollen. damit sie neidisch werden, alle. oder mehr noch: sehnsüchtig. und vielleicht ist da noch anderes, noch mehr. vielleicht morgen.


02. Juli 2017 - 11:15

das haus, in dem ich mich befinde, versinkt im schlamm. ich stehe da, vor einem großen fenster, und sehe zu, wie wasser und erde, schlamm eben, langsam das licht löscht. die scheiben halten, so hält sich der schreck in grenzen. es ist kein schreien, keine todespanik, nirgends. alle sind ruhig, es nur verwunderung. dann eine schnelle wendung in die andere richtung. dahin, wo die tür ist. ich will es wissen. hinten raus ist alles normal, die tür wie immer, offen. das rufe ich den anderen schnell noch zu, bevor ich aufwache.


sexy

24. Juni 2017 - 12:41

die wege durch berlin sind grundsätzlich überraschend. und sie bleiben es, auch nach über zehn jahren. immer wieder ist es nicht nur ein bißchen, es ist grundlegend anders. anderswo, ein paar kilometer weiter mitunter. also nicht nur mal mehr und mal weniger verdreckt, mal mehr und mal weniger krumm und schief. das sowieso. berlin spricht viele sprachen, eine legt sich über die andere, dicht beieinander leben sie. durchlässig und durchscheinend, aber verwechseln sollte man sie nicht. die wohnungen in friedenau sind auch innen völlig anders (konzipiert) als die, in den mietskasernen in neukölln. arbeiterklassenblockbebauung aus den 20ern, 30ern, 40ern, dazwischen lückenfüller aus den 70ern. und in charlottenburg erst, wo festangestellte das unkraut aus den steinfugen zupfen. berlin bückt sich, das ist gängige praxis. berlin gibt sich die blöße. berlin ist arm, wie hoch auch immer grund und boden und immobilien gehandelt werden mögen. berlin ist dreck, egal wie und warum es sich putzt.

nicht geputzt wird am kotti, wohin mich meine wege seit einiger zeit einmal wöchentlich führen. der tango ist schuld, der nun in unmittelbarer nähe des kreuzberger traditionsbüros der grünen in der dresdener straße stattfindet. der kotti ist nicht meine lieblingsgegend, das muß ich zugeben. weder unterirdisch, noch obenauf, wie ich den vergangenen wochen erneut festgestellt habe. der kotti ist nicht zu bewältigen, nicht einmal verkehrstechnisch. nicht einmal zu fuß. es ist voll, noch voller als hier bei mir in meinem schicken, mir zugewachsenen szenekiez. direkt vor meinem fenster, wo das europäische und amerikanische jungvolk nacht für nacht herumhipst und seinen ganz eigenen dreck mit sich bringt. lärm und geschwätz vor allem, ignoranz.

der kotti dagegen ist ehrlich immerhin, undurchdinglich und offensichtlich wund. gehandelt wird mit allem: döner, blumen, drogen, dreck. polizei ist vor ort, permanent vielleicht, um zu helfen. oder um auch noch im weg zu stehen, ich weiß es nicht. alles nur gestalten, die einen wie die anderen. die vielen sprachen, die absichten, das getriebene, das nichtverstehen darin. all das. ich auch, wie ich mich irgendwie am rand durchzuschlawienern versuche. um möglichst unbeachtet zu dem schicken loft im vierten stock zu gelangen. nicht weit, wo der tango wartet. eine andere welt. überfordert bin ich, angewidert auch, ich gebe es zu. meine schuhe sind neu, das kommt mir seltsam vor. (vor allem, weil ich selbst lange keine neuen schuhe hatte. nicht solche zumindest, so richtige, aus leder.)

in der kleinen gasse zwischen reichenberger und dresdener, hinter dem geschäftskomplex, ist es immer dunkel, auch im hochsommer. und da ist ein garten, ein artig geharkter vorgarten, den ich noch nie gesehen habe. viel wächst dort nicht, dazu ist es zu dunkel. aber es gibt einen zaun, sicherheitshalber. maschendraht. etwas weiter steht ein mann in lumpen hinter einem transporter und wichst gegen eine wand.

ich bin nicht mehr vierzehn, als die erste begegnung dieser art mich noch geschreckt hat. ich bin vierundfünfzig, achselzucke und gehe weiter. ich ärgere mich höchstens, daß er von mir bekommen hat, was er wollte. ungefragt.

oder anders: ich sehe sie gerade noch, die kurze freude in seinem gesicht, als er sieht, daß ich ihn sehe. fast ein leuchten, das dann doch keines ist. das schreckt nicht, das öffnet einen abgrund an elend, an traurigkeit.

berlin ist nicht sexy, berlin ist gloomy. aber das versteht ja wieder keineR.


remember dümpeln

16. Juni 2017 - 12:55