raum für notizen

abschied, von der kleinen stadt

17. Oktober 2022 - 21:38

unverschämt, so ein sommertag mitte oktober. ich habe ihn genossen, ich gebe es zu. wie geplant war ich mit dem rad unterwegs, habe dabei auch noch teile der kleinen stadt gefunden, von denen ich wusste, die ich aber bislang nicht gesucht habe. das, und die tatsache, dass die aktuelle unterkunft mir derart wunderbar behagt, mich produktiv nahezu beflügelt hat, macht es mir gerade nahezu unmöglich, mich von der kleinen stadt zu verabschieden. wie ich es eigentlich schon im letzten jahr vorhatte, bis ich dann kurzfristig schwach geworden bin, im sommer, auf der suche nach einem schreibdomizil. und dann eben doch wieder hier gelandet bin.

es war schön dort, wo ich heute zufällig geladnet bin, überraschend auch. angenehm und absurd, wie es hier eben ist. ein wenig zu sehr vergoldet, mitunter, aber ich möchte doch wiederkommen. das steht so gut wie fest, vielleicht im frühjahr schon. vielleicht erst im herbst, der sommer ist ja anderweitig verplant. (nein, ich sage dazu nichts. noch nicht.) aber ich möchte ganz sicher wieder hier mit meinem rad unterwegs sein können. hier ist alles wunderbar einfach erreichbar, und ich habe so gut wie nie den motor einschalten müssen.

und schreiben will ich wohl wieder hier, auch das. aber wer weiß …

im ernst, das weißt ich derzeit wirklich nicht. und es könnte verwirrung sein, nichts anders. denn geschrieben habe ich immer. und wenn ich nicht mehr schreibe, was bleibt dann noch. alles andere leben ist verschwunden, spätestens mit corona. und da kommt nichts zurück, wenn denn da jemals etwas gewesen ist. vermutlich nicht, ich muss ehrlich sein.

ich lebe mein leben in die enge hinein, in die altersarmut, irgendwann. das ist unvermeidbar. es gibt keine familie, kein geld und keine erfüllung, letztendlich. das schreiben hat gereicht bislang, immer so gerade. das allein ist ein wunder, ohne jeden zuspruch über jahre, jahrzehnte.

daran glaub ich nicht mehr, auf lange sicht. dabei bin ich durchaus nicht pessimistisch. ich bin und war schon immer in der lage, die realität zu erkennen. und zu benennen.

es ist ganz einfach: im nächsten jahr werde ich sechzig. ich hebe den kopf, ein wenig nur. und sehe das ende.

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schreibzeit/69

16. Oktober 2022 - 22:01

der plan für morgen, den letzten tag der geplanten, ausschließlichen schreibzeit: nichts!

nur sonne und hitze, wie mir scheint. 24° sind angesagt. holla! runter in die stadt werde ich fahren, in einem café sitzen oder ein restaurant suchen, vielleicht ein steak? hatte ich ja lange nicht mehr. vielleicht auch nicht. aber den rechner werde ich nicht mitnehmen. den text auch nicht, durch das kapitel bin ich ja durch. das macht also keinen sinn. später ein bisschen die wohnung putzen und zurückbauen, den müll raustragen, packen. den wecker stellen für dienstag.

zu hause werde ich in der restwoche sicherlich noch das angefangene kapitel abschließen können. trotz anderer aufgaben, die steuern, das bad und das bauen. so richtig viel ist es nämlich nicht mehr, nach der vorarbeit.

viel wird es auch danach nicht mehr sein, ich kann es kaum glauben. weniger als fünfzig seiten. sieht aus, als könnte ich doch noch fertig werden in diesem jahr. vielleicht sollte ich noch meiner agentin schreiben, ihr bescheid sagen. gleich morgen.

ich glaube, diese schreibzeit war mal so richtig ein voller erfolg. gute idee.

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bonding/169

16. Oktober 2022 - 20:34

tatsächlich heute wenig gemacht, ohne eile und ohne ziel. aber nicht nicht gearbeitet, das weiß ich wohl nicht mehr, wie das geht. also das nächste kapitel eingepackt und mit ins café genommen, die papierversion mit den anmerkungen meiner agentinund meinen eigenen.

vorher eine kleine runde durch den park gefahren, ich wollte ja unbedingt auch noch ein bisschen urlaub unterbringen. dort dann von einer diesen preußischen parkranger*innen angegangen worden, dass man rad nur am wasser entlang fahren darf. ich war zwar gar nicht gefahren, ich hatte geschoben, wegen des grauengaften kopfsteinpflasters. aber das galt auch nicht. in preußischen parks darf man fahrräder nicht einmal schieben, das hatte ich völlig vergessen. und die rangerin fuhr mit dem auto, naja.

das kapitel ist komplex, das war mir schon vorher klar. aber ruhe und zeit haben geholfen, eine gute, eine (hoffentlich) passende struktur zu finden, besonders für den holperigen anfang. drei, vier seiten oder so, der rest fließt ganz gut, muss nur versäubert werden. anders gesagt: gekürzt.

bei der arbeit ziemlich viel konsumiert, erst ein fettes brot mit tomate, mozarella, pesto und zeug, dann noch ein riesiges schokomoussetortenstück, verdammt lecker. gut, dass ich keine waage dabeihabe.

zu hause dann gleich an den rechner, in den text, um wenigstens ein bisschen an dem chaos der ersten vier seiten zu bauen. nichts entgültiges, mehr so mit der axt rein, an drei vorab ausgemachten stellen. das hat funktioniert, glaube ich. dabei auch gleich schon gute zwei seiten gestrichen.

funktioniert hat auch der vorsatz, danach dann nicht weiterzumachen. nicht an die feinarbeit zu gehen, nur weil es so schön daliegt. alles bereit ist. ich kenne das, ich kenne mich. dieser übergang ist so gut wie immer anstrengend, und für heute zuviel.

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schreibzeit/68

16. Oktober 2022 - 12:24

lange geschlafen, fast bis zehn, und dann auch noch einfach liegen geblieben. aber es ist ja sonntag. vom bett aus den glocken gelauscht, die hier wirklich lang schlagen. kein übler klang eigentlich, glocken sind ja im grunde so etwas wie große gongs. es ist nicht schlecht, sich da hineinzubegeben, sich darin zu verlieren auch. die hiesigen allerdings produzieren eine eigenartige obertonsoße, in der ich die ganze zeit lautsprecheransagen vermute, menschenansammlungen, freibadgetöse vielleicht. auf dauer schmälert das den genuss erheblich. ich warte udn warte, dass die glocken aufhören, um endlich den rest des geschehens zu identifizieren, der irgendwo dahinter zu passieren scheint. da ist dann aber nichts.

obertöne halt. man sollte mehr darauf achten, statt immer nur einen unteron überall und in allem zu vermuten. und den dann herausstreichen zu wollen, in die eine oder andere richtung.

noch im bett musste ich an andere glocken denken. vielleicht auch nur eine einzige, eine glocke also, die mich als kind bei meiner oma immer so genervt hat. das ist lange her, aber ich denke, sie wird noch die stunden geschlagen haben, und natürlich alle möglichen andachten und gottesdienste dazu. mir war immer, als schlüge sie in meinem zimmer, auf dem sofa oben unter dem dach, bis in meinem körper. die entfernung war auch gering, ein paar hundert meter vielleicht. (sollte ich mal nachsehen.)

diese glocke hing in der kirche, in der meine eltern geheiratet haben. diese kirche steht ziemlich genau am niedrigsten punkt der stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin. unter meerespiegel, das habe beim letzten mal herausgefunden, als ich nachgeshene habe.

es wohnt doch immer eine poesie im alltäglichen erleben und erinnern. im hören und sehen, im denken und spielen. auch in google maps, übrigens.

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bonding/168

15. Oktober 2022 - 21:51

heute gab es wirklich nicht mehr viel arbeit in dem kapitel. den ersten durchgang der letzten paar seiten habe ich im café erledigt. da war mir schon klar, dass im grunde alles relativ gut dastand. es waren keine großen änderungen in der konstruktion nötig, nur ein wenig fluss musste in alles gebracht werden. also kürzen, nicht großflächtig, aber durchgehend. mal hier ein wenig, dann anderswo. und konkretisieren mithilfe von einzelnen wörtern.

eigentlich war ich hochzufrieden, aber weil ich mich kenne, meine aktibische art, meine korithenkackerei, hab ich mich gleich am abend noch einmal drangesetzt. so vergehen stunden um stunden, obwohl ich vergleichsweise wenig tue. (haha) noch ein ganzer tag.

natürlich war da noch einiges, das sich im zweiten angang polieren ließ, verschieben oder verbessern. verdeutlichen vor allem, ich bin froh, dass ich das noch gemacht habe. jetzt erst bin ich wirklich zufrieden und mache einen haken dahinter.

kapitel erledigt, das vierte seit ich hier bin. in einer woche nur, letzte samtag nachmittag bin ich angekommen. am sonntag habe ich losgelegt. was soll ich sagen?!

morgen noch und montag, dann geht es zurück nach berlin. eigentlich könnte ich jetzt mal wochenende machen. oder urlaub, zwei tage urlaub. das nächste kapitel hat sechundzwanzig seiten, das schaffe ich doch sowieso nicht in zwei tagen. oder!?

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geschafft

15. Oktober 2022 - 19:51

ein tag, wie ein früher frühlingstag. recht bewölkt allerdings, deshalb eher kühl, trotz angekündigten 18°. was so ein bisschen direkte sonneneinstahlung ausmacht, auch für den körper.

noch vor elf endlich mal auf dem hiesigen samstagsmarkt gewesen, seit ich herkomme, in die kleine stadt. all die anderen male hatte ich das tatsächlich jedesmal verpennt. dort ein schönes, kleines kümmelbrot erstanden, sehr lecker und für nur 2,50. dann ein paar stunden in einem café gesessen und am pc direkt in den text gearbeitet. und deutlich gefroren dabei. der laden hat vorne und hinten alles offenstehen, also quasi durchzug.

ja. ich weiß, ist sicher sinnvoll, das alles. mein rücken, mein nacken, meine schultern mögen es allerdings nicht. bis zum abend gibt das schmerzen, meistens kopfschmerzen, stelle ich fest. und das arbeiten ist so auch keine freude.

die sonne kam dann erst, als ich wieder in der wohnung war. zu spät, um noch ein bisschen wärme zu spenden. trotzdem stand ich eine weile auf dem balkon, um mit einer der beiden hofkatzen zu flirten, die mich lautstark rausgerufen hatte. ein richtiger schreihals, wenn ich es recht bedenke. also vermutlich ein kater, auch vom gesicht.

kurz vor dunkelheit zurück an den rechner, an die arbeit, in den text. ich schaffe das.

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(k)eine freude

14. Oktober 2022 - 23:09

manchmal stehe ich in der kleinen stadt nachts am fenster und schaue in das dunkel, in die stille, die mir auch diesmal wieder unfassbar scheint. da ist nur hier ein kleines klappern aus der benachbarten küche, in der ferne ein rauschen, das von einer großen straße stammt, vermutlich, von der anliegenden straße hier kommt nichts, nur ein schein. ich weiß, es gibt mehr, aber mir ist das genug. es kommt nichts zurück. es bleibt alles bei mir.

wie sehr ich mir wünsche, etwas wie das hier für mich haben zu können, jetzt und für alle tage.

wie schnell diese sehnsucht verschwimmt, weil ich doch weiß, dass es nicht sein kann.

(ich kann es nicht bezahlen.)

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bonding/167

14. Oktober 2022 - 22:36

das war abzusehen. ich mache weiter, ich arbeite, ich schreibe. jetzt ist die zeit. egal, was passiert. in weniger als zwei wochen bin ich wieder im geschirr, und was dann? zwei jobs, drei jobs und ganz am ende der text und das schreiben. wenn ich nicht mehr kann, nichts mehr weiß. ach, zur hölle!

heute also den gestern radikal heruntergekürzten text durchgegangen, geglättet, alle ideen eingearbeitet und mehr noch. und besser auch. (sogar etwas auf dem folgenden kapitel genommen und zu mir gezogen, weil es da besser passt.) und dann nochmal alles durchgegangen.

jetzt bleiben sieben oder acht seiten rahmenhandlung, die in dem kapitel mitten drinstecken. das hatte ich erstmal ausgelassen. das muss also noch, da hilft nichts. und das ist nicht ohne, diesmal.

aber wohl doch nicht mehr jetzt. das kommt dann morgen.

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rustikal

14. Oktober 2022 - 22:21

so ein tag beginnt blöd, wenn man wie gewohnt bei geöffnetem fenster geschlafen hat, und dann kurz nach dem aufstehen gesagt bekommt, dass die heizung nicht mehr funktioniert. gut, es ist okay, draußen sollte es im laufe des tages zirka siebzehn grad werden. und ich habe hier, wenn überhaupt, nur am abend und nur in einem zimmer ein wenig geheizt. aber die letzten nächte hatten den innenraum dann doch ziemlich runtergekühlt, so auch heute morgen.

schlimmer fand ich die botschaft, dass auch duschen nicht möglich sein würde. die tatsache, dass heizung und warmes wasser oftmals zusammenhängen, die ist mir ein wenig verloren gegangen, weil es bei mir nicht so ist. spontan dachte ich also: den raum nicht wärmen zu können, ist eine sache. den körper nicht wärmen zu können, ist etwas ganz anderes.

soviel persönliche erkenntnis in bezug auf den kommenden winter. es könnte eine äußerst unschöne, rustikale erfahrung werden. das sage ich, die ohnehin meist nur einen raum heizt und das nicht über nacht oder wenn ich aus dem haus bin. ich, die ich mitunter auch sehr wenig heizmaterial hatte, den einen oder anderen winter. aber heißes wasser gab es immer, zur not.

ps: inzwischen geht alles wieder. die heizung war ein bisschen an, heute abend, als ich hier saß und gearbeitet habe. jetzt ist sie aus, und ungeduscht bin ich heute auch geblieben.

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bonding/166

13. Oktober 2022 - 23:18

erst gegen eins saß ich mit dem rechner im café und bin ein letztes mal durch das anstehende kapitel, das letzte von den dreien, die ich mir für diese schreibzeit vorgenommen hatte. es war ein bisschen seltsam, diesen teil der arbeit in einem café zu erledigen. das mache ich nicht oft. da ich mir spätestens in der phase, alles halblaut selbst vorlese, kommt das ein wenig seltsam. meistens versuche ich es mit der bauchrednertechnik: möglichst wenig den mund bewegen. heute wollte mir das irgendwie nicht recht gelingen, also habe ich nach einer weile die hände vor den mund genommen. das hat geholfen.

lange hat das nicht gedauert, vielleicht zwei stunden. dennoch habe ich noch ein paar nuancen setzen können, die vorher nicht da waren, und mich um den sprachrhytmus gekümmert.

zurück in der wohnung habe ich erst alle fenster aufgerissen, so schön was es draußen. die sonne stand mir direkt gegenüber.

dann habe ich mich an das nächste kapitel gemacht, was sonst soll ich hier tun. ein ziemliches durcheinander, das ich erstmal großflächig gekürzt habe. um beinah fünf seiten, das ist in der phase immer eine große freude. dabei bin ich auf eine mögliche linie gestoßen, die ich verfolgen kann, die ich verfolgen sollte, um das kapitel besser auszurichten. mehr als so etwas kann ich nicht verlangen, das ist wirklicher fortschritt.

eine erleichterung auch, eine bestätigung. dass es (noch) geht, dass ich es kann. immer. (solange ich ein hirn habe mit sprache drin.)

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