raum für notizen

#insight

05. Mai 2020 - 10:09

egal, was gelockert oder geöffnet wird in nächster zeit. das mit der distanz wird bleiben, überall.

da habe ich jetzt also ein buch geschrieben, über nichts anderes als nähe. davon geträumt in der nacht, wort um wort in den text hineingeatmet. in die denk- und zwischenräume, in das elende gestrüpp dieser welt.

und am ende bleibe ich außen vor.

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bonding (109)

03. Mai 2020 - 11:14

immer noch alles ganz ruhig und weit weg, so weit, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. noch vor ein paar wochen. aber es ist ja so, dass alles von vor ein paar wochen jetzt lange vergangen scheint. nicht nur dieser text.

das schöne ist, dass er dennoch bleibt. das weiß ich. das wusste ich vorher, aber jetzt ist es sicher. er steht allein da, und die geschichte läuft. er ist also ausgewachsen. irendwie. er kann gehen.

seltsam, dass das der erste arbeitstitel: gehen. jetzt ist es gegangen.

hier und da erreichen mich erste kleine rückmeldungen über den anfang der lektüre. mich selbst beschämt es ein wenig, aber um des textes willen ertrage ich die scham.

es liest sich, leicht sogar, von anfang an. wer anders dagegen, dass es im zweiten kapitel schwer wird mit den vielen namen usw. gut so, das will ich wissen. das muss er aushalten, der text. dann wieder überwältigt die schönheit, was wiederum mich ein wenig überwältigt. aber genau so etwas wollte ich, leicht sein und reich und dicht. es ist großartig, dass es zu funktionieren scheint.

im nächsten projekt kommt noch tiefe dazu, dachte ich gestern. ein gewagter ansatz.

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03. Mai 2020 - 01:10

es ist so viel zu tun, immerzu. ich weiß gar nicht, wie das mit der langeweile geht. selbst jetzt nicht. den halben tag bin ich durch die wohnung geflitzt, weil eines sich aus dem anderen ergab.

fensterputzen, so richtig hardcore, zum beipiel. mit extra fensterrahmen scheuern, nach jahren das erste mal. so sieht es jetzt richtig sauber aus, fast überall. der letzte raum, die küche kommt dann morgen. weil ich noch diese stange im bad angebracht habe, an der ich im hochsommer das handtuch in den wind hängen können werde. mit bohren und schrauben und so, ordentlich viel dreck auch. dazu hab ich zweimal aus versehen ganz durchgebohrt, das muss ich dann morgen erstmal wieder flicken. zwischendurch musste natürlich immer wieder geputzt und gesaugt und überflüssiges zeugs in den müll verbracht werden. so ist das eben, wenn man einmal wo anfängt.

anschließend einen ordenlichen batzen der übersetzungsarbeit erledigt, morgen geht es weiter, letzte korrekturen, dann gleich weiter zur dokumentenerstellung. nervige fleißarbeit, ich hoffe auf gutes beiprogramm. radio oder fernsehen, mir egal.

schreiben will ich auch bald wieder, hat ja sonst alles keinen sinn, so allein zu hause. mich also bis gerade eben noch, bis spät in der nacht, mit dem neuen schreibprogramm anzufreunden versucht. was nicht so leicht war, neue programme neigen dazu, mich zu beginn heftigst zu verärgern. war dann aber doch recht erfolgreich zuletzt, ein neues projekt ist immerhin aufgesetzt.

ganz ehrlich muss ich aber erstmal mal sehen, was mich da morgen noch für überraschungen erwarten. ich hätte da bereits die eine oder andere idee, vor allem bezüglich der grundlegenden festlegung von schriften und schriftgrößen in kopfzeilen, kapitelüberschriften und textkörper. alles nicht so einfach.

das war also ein reicher tag heute, durchaus. ohne ein einziges wort zu jemandem gesprochen zu haben oder auch nur jemanden getroffen zu haben, sei es auch nur im vorbeigehen. das nicht.

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#insight

30. April 2020 - 14:00

innen ist immer alles gut, das muss man wissen. auch allein ist inzwischen alles gut, bestens sogar. ich gehe einfach dahin, wo ich hergekommen bin. das ist nichts, da kenne ich mich aus. und manches ist sogar besser. ich bin nicht nur allein, es ist auch niemand hier. das ist das beste.

ich folge den dingen, ihnen bin ich nah. seit jeher. ich baue nicht nur, ich spüre, ich forme. manchmal ist es liebe. und es ist schönheit, das auf jeden fall.

alles wird immer schöner.

möglich, dass ich noch einmal beginnen werde. alles, nur anders. klarer und ohne die angst des ungewissen.

den weg will ich gehen.

ps: es ist beltane heute, jetzt. die nacht der körper, der liebe. der nähe auch, das ist normal. nichts anderes gilt.

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bonding (108)

27. April 2020 - 22:29

das ist seltsam, das buch ist weit weg. ganz schnell ging das, kaum mehr als eine woche. spätestens als ich es de facto vertraulich in ein paar ausgewählte leser*innenhände gegeben hatte, da war es dann auch wirklich weg. aus dem hirn, aus dem herzen sogar. das klingt schlimm, aber das ist gut.

auch an die agentur ist das manuskript inzwischen gegangen, das kratzt und juckt ein wenig im himntergrund. doch auch das ist noch nicht dran, jetzt gerade. überhaupt gar noch nicht.

stattdessen arbeite ich viel, wie immer, im brotberuf und im freiberuf, und beides zu hause derzeit. exakt an dem platz, an dem ich über jahre an diesem buch gesessen habe. seltam auch, dass ich mir in dieser lage gerade gar nicht mehr vorstellen kann, wie ich das schreiben eigentlich geschafft habe. all die zeit. heute habe ich fast zehn stunden in all dem anderen zeug gewühlt, und zwar nicht zu schlecht.

also wann denn bloß?

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#insight

21. April 2020 - 22:37

zu hause bleiben ist kein problem, zu hause arbeiten auch nicht. es ist lästig und unkomfortabel. das ist alles.

was mich zerstört sind am ende doch immer die worte. erst ist es „kontaktbeschränkung“, dann „kontaktsperre“ und schließlich „kontaktverbot“. es nähert sich, immerhin.

doch wenn isolation die absicht ist, sollte man das auch genau so nennen; und nicht anders. dann ist klar, worum es geht.

es ist nicht menschlich, menschen den kontakt zueinander zu verbieten. es bricht die kraft, die die menschheit trägt, ihre eigentliche macht. das ergänzende miteinander, ohne das kein mensch je in einer höhle hätte überleben können.

das ist normal. es gibt kein neues, kein anderes nah.

wenn auch menschen mit laptopkamera und headset bewaffnet, wie ich selbst mitunter. oder zu zweit im abstand von zwei metern, gesichtslos hinter masken. wie auch ich, doch das ist nicht normal. also soll es nicht so heißen.

das ist kein tango, kein tanz. das wird es nie sein.

menschen sind körper und gesicht, selbst ihre stimmen im luftraum, von einem zum anderen, kehle, mund und hirn, und wieder zurück.

wenn es das ist, was auf einmal gefährlich wird. dann will ich tun, was ich tun will, was immer es kosten mag. aber niemals die lüge.

eine höhle für mich allein.

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das neue normal

19. April 2020 - 21:56

auf einmal habe ich stunden-, ja sogar tagelang frei. wirklich frei. nicht nur frei von irgendwelcher arbeit, um dann sofort mit der schreibarbeit zu beginnen. wobei: ganz so frei ist es aktuell natürlich auch wieder nicht. weltweit. aber ich kann in der wohnung sitzen und mir in aller ruhe überlegen, was ich tun könnte. oder denken. und ich kann sie auch spüren, dieses wohnung, sie sehen sogar. sie wieder bewohnen, nach all der zeit. all die ideen, die überall hier hocken und warten. völlig verstaubt. wie auch das denken, es spüren und sehen. es wieder bewohnen, irgendwann.

das, was ich schließlich tue, das sind dann nahezu ausschließlich kleinigkeiten. bügeln zum beispiel oder blumen gießen. dass ich letzteres im winter immer so sträflich vernachlässige, ist eine schwere sünde, bei der jedes jahr etwas stirbt. besonders die eingelagerten balkonpflanzen, die auf der fensterbank zu stehen kommen. das kann ja gar nicht gutgehen. da ist für nächstes jahr an abhilfe gedacht, muss ich nur noch bauen. aber nicht heute. da muss ich auch noch so viel, also auch nicht in den kommenden wochen. eines nach dem anderen.

ein paar schuhe habe ich gerichtet heute, nur je eine lasche gekürzt, mehr nicht. dann das holz bereitgelegt, das schon sei monaten wartet. aber schleifen am heiligen sonntag? stattdessen ein wenig an den anstehenden übersetzungen gesessen, also doch wieder arbeit. arbeit ist ja immer, auch morgen gleich wieder. mit der in berlin weiterhin besehenden menschlichen distanzanordnung wieder von zu hause und allein. ich weiß nicht, ob das noch lange so gut ist.

aber was sonst?

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bonding (107)

19. April 2020 - 20:34

damit hätte ich nicht wirklich gerechnet, dass ich tatsächlich keinen einzigen blick mehr in das manuskript tun würde. nachdem ich mir am karfreitag das zumindest einstweilige ende der schreiberei erklärt hatte. aber es ist so. dabei weiß ich genau, wieviel da noch im argen liegt, doch darum geht es derzeit nicht.

jetzt ist erstmal fertig. tatsächlich.

als nächstes wird an unterschiedlichen orten und aus unterschiedlichen positionen testgelesen. kann sein, dass mich das ein wenig ängstigt.

vielleicht.

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