raum für notizen

glück & vitamin

13. Oktober 2020 - 11:41

ich muss lernen zu begreifen, dass mein leben nie in ordnung kommen kann. kein leben ist ja je in ordnung, allen plänen und vorstellungen zum trotz. ordnung ist immer illusion, doch auch das ist kein trost. der riss ist zu alt, der kleine schnitt. das wächst sich nicht aus.

das alles ist mir nicht neu, nur diese zeit. dieses warten ohne blick, dieses verkriechen. ich schaue auf den boden, sehe die hilfskonstruktionen. gehen sie spazieren, jeden tag. telefonieren sie, das ist ungefährlich. oder zoom vielleicht, skype. gibt es ja auch noch. was wären wir, in dieser lage, ohne netz.

nein, das ändert nichts. das ist, als wollte man lebensglück erzeugen: durch vitaminzufuhr.

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#insight

11. Oktober 2020 - 21:02

dieses buch und dieses jahr, beides führt mich weit zurück, es infantilisiert mich nahezu. könnte man sagen. das eine mehr, das andere weniger produktiv. das eine wirkt auf mein denken, das andere löscht mein leben. das zusammenspiel ist kontraproduktiv. und ich bin nicht in der lage herauszufinden, was oder ob etwas davon gut sein kann. letztendlich.

als bewohnerin der alle rekorde brechenden neuköllner coronainfektionshochburg darf ich wohl in absehbarer zeit die stadt nicht mehr verlassen. um zum beispiel zuflucht in der kleinen stadt zu nehmen, keine drei kilometer hinter dem berliner stadtgrenzenschild. ich wäre dort allein, und auch hier sehe ich keine vier menschen regelmäßig und auf längere zeit. einmal die woche. darüber hinaus seit letztem märz höchstens fünf bis sieben weitere personen, privat oder sehr kurz mal im büro. doch für das, was ich nun bin, gibt es anderswo keine herberge mehr. einstweilen.

das ist wie damals. es gibt keine welt jenseits des eigenen elends. ich darf nicht, was auch immer. inzwischen begreife ich natürlich, dass ich nicht wirklich zurückmuss, dass das gar nicht geht. wo ich früher war, wo ich aufgewachsen bin. das alles gibt es nicht mehr, immerhin. oder eben nur noch in mir.

es ist erinnerung. die isolation, das immer nur selbst sein und immer alles allein bewältigen. die situation heute ist de facto nur ein abklatsch, denn jetzt gibt es ziemlich sicher eine welt. in greifbarer nähe sogar, das denke ich zumindest. wir werden sehen, irgendwann.

damals war da nichts, das ich kannte. das mir irgendwie vertraut gewesen wäre. das ist und bleibt schwer zu erklären. doch das ist es, mit dem ich spielen muss. dieser tage, dieses jahr. wie lange noch.

und wozu.

keine frage.

das leben ist niemals eine frage, noch weniger eine antwort. auch nicht das sterben, das schon gar nicht.

das versteht sich von selbst.

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#insight

29. September 2020 - 01:08

nein, es ist keine gute idee, dieses romanmanuskript an seinen endpunkt führen zu müssen, an den tiefsten fluchtpunkt, ausgerechnet in dieser unerträglichen zeit. die immer unerträglicher wird, jetzt, wo es kalt wird und dunkel. es ist nicht gut, wenn die kiste der vergangenheit sich öffnet, zwischen abstandhalten und gesichtsschutz. weil die erinnerung sich öffnet an die umfassende verlassenheit und den permanentem gesichtverlust. damals. ja, das war schlimmer, das war fundamental. und es war endlos. aber es hat mich auch alles gekostet, jahre und jahrzehnte vor allem, um ein wenig menschwerdung zu erreichen.

was aber soll ich tun, jetzt, wenn sich freunde lieber fernhalten, aus angst. und das dann auch noch fürsorglich finden. was kann ich tun, außer verzweifeln. ganz still für mich allein, weil die verachtung, diese unfassbare egozentrik, die dieser art altruismus zugrunde liegt, kaum zu vermitteln sein wird. was soll ich tun, außer zuzusehen, wie ich zerfalle. wie ich wieder das wrack werde, als das ich damals ins leben gerotzt wurde.

ich will das nicht mehr. es reicht, ich habe genug. es ist einfach zuviel verlangt. ich kann das nicht, noch einmal. also suche ich nach einem weg, das alles für mich zu beenden. einen ausweg, und finde keinen. ich sehe nur, dass es mir eine ewigkeit offeriert. im tausch gehen nichts.

die zeit werde ich nicht haben, noch einmal ein leben zu bauen. einfach so ins leere. auch die kraft wird kaum noch reichen. ich sehe, was ich damals gesehen habe, als kind. ich sehe mich verhungern.

das gute ist, ich weiß, wie es geht. und besser noch: es wird wieder niemand merken.

wie der mann auf dem fahrrad heute. fährt an mir und dem motorrad vorbei, hält dann an und dreht sich zu mir. seit zwanzig jahren oder so, sagt er, sieht er diese schöne, alte maschine. und jetzt, zum ersten mal, ihre besitzerin. ich korrigiere ihn auf sechszehn jahre, so lange bin ich jetzt in berlin. und wir reden ein bisschen, dreck und öl und wind und strecke. er fährt auch, nicht nur fahrrad. das war der erste fremde mensch, mit dem ich seit über einem halben jahr irgendwie persönlich gesprochen habe. das war schön, fast soetwas wie kennenlernen. es gibt ja seitdem keine gelegenheit mehr.

und er hat nichts gemerkt, glaube ich. wie weit ich schon weg bin. wie sehr es mich irritiert. dieses reden, dieses kennen. wie fremd, diese welt.

das muss ein ende nehmen. endlich.

nur eines noch: hört endlich auf zu predigen ihr moralapostel, ihr besserwisser, ihr elenden schwätzer. längst habt ihr alle idioten und leugner entfolgt, und euern ekel über sie ausgespuckt. ist das nicht genug? (ich stelle euch nur still und stumm auf facebook und sonstwo. das merkt ihr nicht einmal.) aber immer noch proklamiert ihr die wahrheit, maßregelt die dummheit der menschen, der meisten. als wärt ihr selbst keiner und nicht ebenso, mensch und dumm und überfordert. mit vorliebe verweist ihr auf andere besserwissenschaftler oder auf die wiederkehrenden schreckensberichte. zur ertüchtigung der anderen, die es noch nicht verstanden haben. oder es zu vergessen drohen. (wer denn? ich, die euch noch nicht entfolgt hat.) nur keine freude, keine erleichterung, so angebracht sie auch ein mag. das macht weich, das macht angst. ja. aber nicht mir.

wer seid ihr, dass ihr tut als wüsstet ihr mehr und sowieso bescheid. oh, ihr götter, ihr seid erleuchtet. richtig?!

doch auch ihr wisst nichts. ihr seid nicht anders als ich, als alle. ihr glaubt das nur. weil es hilft, für eine weile.

ha! da bin ich euch voraus. in diesem elend, das mir so vertraut ist.

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#insight

26. September 2020 - 00:57

zweiter versuch in sachen lesung, ich bin und bleibe ja mutig. diesmal alles okay mit den menschen, dafür habe ich höllisch gefroren, weil überall alle türen und fenster weit offen standen. was irgendwie zu erwarten war, ich weiß. aber am wannsee draußen ist es halt schon auch noch ein bisschen kälter zur nacht als hier im kuscheligen neukölln.

zum glück ist mir auf der hälfte der rückfahrt eingefallen, dass ich ja seit letztem jahr heizgriffe am motorrad habe. deren einsatz war zwar mehr eine psychologische unterstützung als wirklich vonnöten. aber so bin ich dann doch noch zu einer schönen nachtfahrt gekommen. einmal zurück vom lcb, das hat schon irgendwie gefehlt in diesem jahr. check!

durchweg gelungene texte übrigens, ganz besonders erzählerisch, nahezu alles, manches sogar ziemlich ausgezeichnet. auch dafür, ein lohnenswertes frieren. war mir eine freude.

ob es mehr davon geben kann in den nächsten monaten? ich weiß es nicht, das frieren war definitiv ungewohnt. und anstrengend. das kann ich nicht immer. aber vermutlich liegen die probleme ohnehin anderswo, ganz bald schon. meine ohnehin schon kleine welt wird wieder in die menschenleere schrumpfen. das ist bereits absehbar.

ich bin nicht einverstanden. das ist nicht gefragt, ich weiß. ich sage es dennoch. ich bin nicht einverstanden. das übersteigt womöglich meine kräfte. aber wer weiß?

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#insight

09. September 2020 - 01:22

ich verlerne es tatsächlich, das mit den menschen. heute bei einer lesung gewesen, irgendwie die erste veranstaltung seit februar. für mich. das war auch eine lesung, und das war toll. wenn auch schwierig, es ist immer schwierig mit menschen.

heute war es ein elend. als einzelperson allein auf einen platz ganz hinten, hinter eine säule gewiesen worden. so ist das ja jetzt, man bekommt einen platz zugewiesen. ganz am arsch, sage ich. tatsächlich. das war nicht nett. ich habe mich nicht im griff. ich entschuldige mich auch nicht, es ist mir zuviel, alles. dass ich allein sitze, wie alles an mir allein ist seit mitte märz. viel mehr plätze gibt es für zwei, bessere plätze. aber ich bin allein, ich liebe nicht, ich tanze nicht, und meine katze ist auch tot. schon lange.

niemand ist, wo ich bin. außerdem ist es ja womöglich die letzte veranstaltung, in diesem jahr oder im nächsten, oder was-weiß-ich. ich will einfach nur da sein, nicht auffallen und still nach innen weinen. oder hoffen vielleicht, obwohl ich alle hoffnung langsam aufgegeben habe. ich will nur noch schreiben. und hören, was andere schreiben. manchmal. mehr will ich doch nicht.

dann kommt der platzzuweiser zu mir, informiert mich, dass vorn jetzt doch noch ein einzelplatz wäre. eigentlich will ich gar nicht. ich hab es ja nur vergessen, dass ich irgendwo nach hinten gehöre. dahin, wo man nicht gesehen werde. dass ich von allein genau dort hingegangen wäre. ich gehe dann aber doch. ich muss meinen helm beiseite räumen und die schwere jacke, damit ich das nicht alles mit mir schleppe. auch dazu werde ich angewiesen. dann lande direkt vor der kleinen bühne. ein guter platz, aber den hätte ich mir selbst nie ausgesucht, wenn ich ehrlich bin. da bin ich viel zu sichtbar.

hinter mir sitzt die inhaberin meiner agentur. (nicht meine agentin.) ich drehe mich ein paarmal um, sie erkennt mich nicht. was kein wunder ist, wir sind uns nur zweimal kurz begegnet. einen moment lang denke ich über höflichkeit nach, statt der lesung zu folgen. soll ich auf mich hinweisen, später? mich vorstellen? oder ist es höflicher, es einfach dabei zu belassen? ich weiß es nicht. mir ist unbehaglich, und ich weiß nicht, warum.

am ende der verstaltung erzählt mir der platzzuweiser dann etwas von meinem „großen auftritt“, und ich bin sofort erschrocken. meine schuhe haben wohl derart auf dem boden gequietscht, dass ich mächtig gestört habe bei meinem platzwechsel mitten im programm. das ich als trampeltier, und ich habe es nicht gemerkt. ich hab es ja noch nicht einmal gewollt. das ist genau, was ich mir wünsche im leben. jetzt.

ich verlerne alles, was ich mühselig gelernt habe, in vierzig, fünfzig jahren. nach knapp sechs monaten nur kann ich innen und außen nicht mehr auseinanderhalten, verliere die gewalt über meine präsenz und beleidige menschen mit meiner verwirrung. ich verliere das kleine bisschen sicherheit, das ich mir in jahrzehnten erobert habe. vor allem verlerne ich, dem zu folgen, was ich weiß und will. wenn menschen da sind. ich degeneriere zu einem kind, offensichtlich, das vor angst alles falsch macht.

jetzt ich denke nach über einsiedelei. nicht das erste mal in den letzten monaten. alles aufgeben, was ich besitze. ein einzelnes zimmer mieten, irgendwo, nur mit netz für die arbeit. mehr nicht. keine menschen mehr sehen, all das austrocknen lassen in mir. ehe es mir völlig entgleist. die sehnsucht langsam verhungern lassen. es hilft ja nichts.

aber was mache ich dann mit dem buch, das schon so weit, so gut wie fertig ist? beenden und dann vernichten? wie ein mandala?

oder will es leben? und ich habe nicht das recht, es zu töten. aber kann es leben, ohne mich?

das alles ist ein wenig theatralisch, ich weiß. ich will das auch nicht, leben ohne menschen. ohne schreiben. und ich will bei meinem schreiben bleiben, mit meinem gesicht, meinem leben.

aber ich weiß nicht, ob es nicht einfach nicht sein soll. so wie ich will. und ich mich nicht einfach nur einverstanden erklären muss. endlich. denn eigentlich war es doch nie anders.

kein mensch will mich. (hat schon meine mutter immer gesagt: glaubst du, dich will wer?) ich bin allein.

(jammermodus: aus. morgen wieder in den text. der wird so gut, den überlebt dieses ich sowieso nicht.)

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#insight

14. August 2020 - 21:13

manchmal träume vor mich hin, als wäre alles wie immer. dann rede ich in meinem kopf mit menschen, die ich in echt noch nie getroffen habe. oder schon sehr lange nicht mehr.

dann fällt mir wieder ein, dass ich keine menschen mehr treffen darf. dann ist es wieder vorbei mit dem reden. dann schweige ich wieder.

so sterben in mir die welten.

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#insight

23. Juli 2020 - 00:46

doch kein tango, es funktioniert einfach nicht. selbst die kleine gruppe, vier personen, heute sogar nur drei, findet keine einigung. mein bedürfnis, nach all den monaten und in der momentanen einigermaßen entspannten situation, im ganz persönlichen bereich ausnahmsweise keine rücksicht auf distanz und schutz und angst womöglich zu legen, wie es so viele, vermutlich alle tun. mit familie oder engen freunden so umzugehen, wie es sein soll, mit nähe und berührung, in unterschiedlichen varianten der nacktheit. zwei oder drei wochen lang schien es möglich, ein ganz klein wenig tango. sogar über unterricht haben wir gesprochen.

jetzt aber trifft mein bedürfnis, mein verständnis der lage auf eine person mit einem vehement anders gelagerten bedürfnis. ihr scheint es um sicherheit und schutz zu gehen, um grenzen, um überhaupt tanzen zu können. das ist verständlich, durchaus. nur kann ich da nicht mit, wohl als bislang einzige. vermutlich ist es lächerlich, bin ich lächerlich, aber in meinem allerprivatesten bereich akzeptiere ich keine masken. überall sonst. es ist scheußlich, aber nötig und damit okay. wenn milongas erlaubt wären, aber nur mit maske, würde ich womöglich auch das tun.

aber nicht in meiner küche, soviel macht gebe ich dem virus nicht. in meinem ganz privaten leben kann und soll corona keine rolle spielen. niemals.

natürlich gibt es nur ein fazit: damit bin damit raus, während die anderen weiter tanzen. damit die anderen weiter tanzen. ich kann ja niemanden in die nacktheit oder mögliche gefahr zwingen. ich bringe aber auch tango nicht zusammen mit schutz und distanz, wie gewünscht. das ist es einfach nicht. das versuche ich gar nicht erst, das wäre verrat. es gibt wenig, das näher wäre. als tango, und dabei so unverbindlicht auch. was für eine mischung, ein glück.

also gebe ich auf an diesem punkt. so finden wir nicht zusammen. so finde ich mich allein, und das verstehe ich sogar. das ist nur logisch. corona ist die zerstörung jeglicher illusion.

also: tango ende! womöglich für immer, für mich.

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#insight

17. Juli 2020 - 00:08

nach und nach wird das leben wieder physisch. wie könnte es auch nicht? diese welt ist eine physische, diese kleine kugel im universum. sie ist aus erde gemacht.

gestern tango, zum ersten mal seit monaten. küchentango* in ganz kleiner runde. zu dritt nur, bei mir im wohnbüro, wie immer kurzfristig ausgeräumten. wir können es noch. wir wollen es auch, wir müssen.

heute dann den ersten physiotermin, auch seit monaten. da war ich skeptisch, weil an hinter der glastür ein martialisch formulierter zettel mit groben hinweisen an das klientel geklebt ist. wir seien alle risikogruppe und sollten uns überlegen, ob eine behandlung aktuell wirklich lebensnotwendig sei. es würde auch nur körperübugen vermittelt, keine handgreiflichen behandlungen. (handgreiflich stand da natürlich nicht, nein.) außerdem musste ich mich auf eine andere therapeutin einlassen, weil meine bisherige dort nicht mehr arbeitet. sowas ist mir immer scheiße, und es ist ja auch vor zirka eineinhalb jahren schwer daneben gegangen.

dann war aber alles super und ganz anders. die neue sehr freundlich und kompetent, ausgesprochen zupackend auch. nix mit nicht handgreiflich und so. für einegute stunde war ich völlig leicht und frei, jetzt habe ich schwer muskelkater. und morgen sicher noch mehr. eine supereinfache aber richtig gute übung zur brustkorbdehnung hatte sie auch parat. ich bin satt begeistert.

gleich danach noch ein treffen mit einer lange nicht gesehenen freundin, auch wenn sie gleich nebenan wohnt. so ist das mitunter. nur drei straßen weiter wohnt sie, unmittelbat neben der physiopraxis. ein öffentliches treffen war das, im öffentlichen raum. in einem café, innen, weil draußen alles belegt war. der innenraum war spärlich besetzt und ständig ging ein durchzugwind, das war ein bisschen unangenehmn. aber wohl angebracht.

begrüßt haben wir uns übrigens auch physisch, nach kurzem einvernehmen selbstverständlich. so war das heute. morgen sitze ich wieder den ganzen tag am schreibtisch. alleine.

* nicht fragen, das heißt so. immer mittwochs.

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#insight

04. Juli 2020 - 00:32

zurückgeworfen auf mich, ein selbst. das ist alles. ich sage nicht, dass es leicht ist. so klein zu sein, ein kern, ein korn. bereit zu wachsen. bereit auch zu warten, was mir allerdings nicht so behagt. nicht mehr, nicht noch mehr. davon hatte ich schon mehr als genug.

draußen geht alles mehr oder weniger wieder los. es sieht auch immer mehr danach aus, auch wenn ich mich an den berliner top-adressen nicht sinnlos herumtreiben mag. ich fahre nicht u-bahn oder bus und ich gehe nicht in kneipen oder bars. ich gehe auf den balkon. von da aus klingen die nächte immer noch anders als zuvor, leichter und leiser sind sie. mir gefällt das.

doch auch ich bin wieder häufiger unterwegs. da sind wieder menschen in keinem leben, echte menschen. nicht nur ihre gesichter auf dem bildschirm und ihre stimmen in meinem headset. das ist gut. und doch ist es auch seltsam. mehr als zuvor spüre ich, wie anstrengend mir menschen sind. immer noch, ganz egal, wie lieb sie mir sind oder wie sehr ich sie vermisse. anschließend kämpfe ich, immer, um mich. ich suche nach dem selbst, das ich bin. der kern, das korn. das gilt es zu schützen, dass es wachsen kann, irgendwann.

ich weiß nicht, ob das klug ist oder auch nur sinnvoll. denn im grunde hat sich noch nie jemand auch nur dafür interessiert. selbst die, die es fressen wollten, sch davon nähren, weil sie es besser nicht wusste. auch die hatten keine ahnung, was es ist. nur seine kraft, die kannten sie wohl, die fähigkeit zu wachsen. sonst hätten sie mich nicht brauchen können.

jetzt geht die zeit des rückzugs also vorbei, einstweilen zumindest. und ich will lieber bleiben, bei mir. ich will warten und wachsen, obwohl es kaum noch auszuhalten ist. nicht das mit dem virus, das ist wie es ist.

doch das selbst, das ich bin. die frage nach dem werden und wachsen. dabei möchte ich bleiben.

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