raum für notizen

tv-flucht

04. März 2007 - 10:16

nebenbei lief bis eben der erste teil von die flucht. ich hab mich dabei erwischt, wie ich versehentlich zur zeitung gegriffen habe, die eigentlich schon ausgelesen war. zum gähnen, dieses hochgelobte ding. sorry. ich bin wohl instinktiv geflüchtet. innere emigration oder so ähnlich.
außerdem kommt mir das alles reichlich bekannt vor, die handlung, die figuren. vielleicht gibt das thema ja nicht mehr her, keine ahnung. aber ich kenne den grantiggütigen großvater, der sich erschießt, bevor die russen kommen. und den strammen schwiegersohn auch, der die uniform bis zum bitteren ende trägt. ich kenne das herrenhaus mit der reihe von bediensteten auf der treppe ebenso, wie die französischen zwangsarbeiter. und zwar aus poenichen, einem anderen fiktiven pommernkaff.
jauche und levkojen, eine wwf-serie aus den siebzigern. klingelt da was? ich persönlich muß leider sagen, daß mich das heutig gesehene remake nicht wirklich überzeugt. die figuren vor allem sind zu flach. und die geigen zu sehr im vordergrund. poenichen damals hatte witz, trotz allem. und kraft.
so steht also jetzt christine brückner gegen tatjana gräfin dönhoff. und ulrike bliefert gegen maria furtwängler. (die mit der langen nase.) die literarischen vorlagen kann ich nicht vergleichen, ich kenne nur die bücher von der brückner. solide arbeiten, von denen ich damals viel gelernt habe. aus heutiger sicht ein wenig kitschig vielleicht. dennoch, ein mir unvergessener impuls.
doch wer kann, erinnere sich bitte an die darstellung der maximiliane von quindt. die hat eine grandiose ulrike bliefert (deren page man leider überhaupt nicht verlinken kann, weil da sofort musik losdudelt, die nicht abzustellen ist. sowas mache ich nicht, sorry.) seinerzeit exzellent durch die jahre geführt. die hauptfigur wurde ab dem alter von ca. 16 bis in die 60 hinein von ihr dargestellt, ohne daß sie in irgendeinem alter an glaubwürdigkeit verloren hätte. weder als strammes bdm-mädel, noch später als fischbratbudenbesitzerin oder als späte cabriofahrerin in amerika. (oder war es schweden?) das hat doch was. das ist ziemlich unschlagbar, möchte ich meinen. (wen interessieren da noch die paar kilo, die de niro irgendwann mal zu- und wieder abgenommen haben soll, vor langer zeit.)

tv | 0 » | plink
  • Antiteilchen:
    05. März 2007 - 5:48

    Ach das war wirklich nix gestern. Irgendwie genauso wie du geschrieben hast. Alles schon mal gesehen irgendwo. Auch ich habe die Serie Jauche und Levkojen damals gesehen und die war handwerklich besser gemacht. Und Pardon, die Furtwängler spielt ja wohl grottig schlecht. Die hat ja überhaupt keine Mimik. Die kann nur ein Gesicht. Na gut, zur Vollständigkeit tue ich mir den zweiten Teil auch noch an.

  • arboretum:
    05. März 2007 - 7:52

    Die Großmutter Marion hatte auch selbst darüber geschrieben.

  • Georg:
    05. März 2007 - 8:10

    Oh ja, Jauche und Levkojen hatt ich schon fast vergessen. Und da behaupten sie heute, dass zum ersten Mal die Flucht Thema sei.
    Vielleicht ist das jetzt eine neue Generation von TV-Filmemachern. Die können es einfach nicht. Ich hab sonst keine Erklärung für den Müll, der seit ein paar wenigen Jahren für gigantisch viel Geld produziert wird.

  • engl:
    05. März 2007 - 10:02

    hab mir grad auch noch den zweiten teil reingetan. hat aber nicht geholfen, trotz angela winkler. die figur der alten morphinistin hätte immerhin für was getaugt, zumal in der besetzung. war dann aber nicht so, fand ich.

    stimmt, die gräfin selbst hat auch darüber geschrieben. über einen ritt gen westen, soweit ich weiß. doch da mag ich irren. inwieweit da übereinstimmungen vorhanden sein mögen?

  • arboretum:
    05. März 2007 - 11:25

    Das dürfte allgemein bekannt sein, dass sie gen Westen ritt, mithin auch in den Köpfen der Drehbuchschreiber gewesen sein.

    Zudem liegt es nahe, da die schöne Gräfin schon vorher dauernd auf ihrem stolzen Hengst (so eine schöne Gräfin reitet niemals nicht eine Stute. Wie hieß das Pferd gleich nochmals? Hector, oder?) durch die weite Landschaft geritten ist, um ihre Heimatliebe und -verbundenheit zu demonstrieren, damit es auch noch der letzte Zuschauer kapiert.

  • engl:
    05. März 2007 - 12:39

    der gerechtigkeit halber sollte man schon sagen, daß das thema flucht in der damaligen serie nur einen recht kleinen teil einnimmt. insgesamt betrachtet ist es ja eher eine familiensaga, die eine wesentlich größere zeitspanne umspannt.
    dennoch gebe ich dir recht. ich habe eine deutlich bessere qualität in erinnerung. kleiner gedacht und vielleicht dadurch größer gemacht.

  • neukoelln:
    06. März 2007 - 8:51

    Ich kenne diese Geschichte, wie sie mir meine Oma erzählt hat. Deshalb kein Film!

  • Georg:
    06. März 2007 - 9:15

    Ich bin auch ein Kind des Vaters aus dem Osten… und deshalb finde ich eins der besten Lieder überhaupt: Heinz-Rudolf Kunze “Ich bin auch ‘n Vertriebener” – aber den Film finde ich nach wie vor schrecklich blöde.

    Kunze reinhören: http://real.amazon-de.eu2.speedera.net/ramgen/real.amazon-de.eu2/phononet/B/0/0/0/0/0/A/R/B/H/01.02.rm

  • arboretum:
    06. März 2007 - 9:30

    Nanu, mein Kommentar von heute Nachmittag ist ja immer noch nicht freigeschaltet.

  • engl:
    06. März 2007 - 11:55

    heute nachmittag? oje, dann ist er im spam gelandet und leider inzwischen gelöscht. sorry. (waren viele links drin? das wäre der einzige grund, warum das passiert sein könnte. nochmals… vielleicht kriegst du ihn nochmal zusammen?)

  • kathleen:
    06. März 2007 - 12:21

    Habe das Ding noch nicht gesehen, aber aufgezeichnet (Ich hasse Zweiteiler über mehrere Tage. Will mir das in Ruhe und im Ganzen ansehen).
    Die Brückner – ungeschlagen – Film darf man mir schenken, ich meine die Bücher.
    Und doch. Und doch …
    Die Geschichte hinter der Geschichte: Meine Mutter bat mich, ich möge mir das aktuelle Ding ansehen, weil es sie berührt habe, und ihr an meiner Meinung gelegen sei. Meine Mutter nun ist einer der Menschen, die damals ganz und gar unfiktional übers (inzwischen sattsam klischeebehaftete) Haff geflüchtet sind. Die magische Grenze der Erinnerungsmöglichkeit liegt nach neueren neurologischen Forschungen etwa beim Lebensalter von drei Jahren, mitunter auch ein halbes Jahr früher. Meine Mutter war vier.
    Angestoßen durch die aktuelle filmische Bearbeitung und ihre Bitte kamen wir ins Quatschen – und ihre Kindererinnerungen stellten mir die Nackenhaare.
    Es wurde ein drei Stunden tiefes Telefonat, und ich bin nun endlich leidlich im Bild über meine/unsere Familiengeschichte, immerhin von Königsberg bis heute.

    Ein Lob an alle Leser, die den Sermon bis hierher durchgehalten haben, und endlich eine Conclusio, nein eher zwei:
    – die Beurteilung einer Bearbeitung dieses Themas ist bei den damals Betroffenen einzig richtig aufgehoben
    – selbst wenn diese Filme sonst nichts könnten, daß sie endlich überfällige Gespräche auszulösen im Stande sind, gehört auf die Plusrechnung.

  • arboretum:
    07. März 2007 - 8:35

    Ja, es waren zwei Links drin. Vielleicht bekomme ich es heute Abend nochmals zusammen.

  • arboretum:
    07. März 2007 - 8:52

    Sinngemäß schrieb ich gestern:

    Meine Mutter ist ebenfalls ein Flüchtlingskind, auch sie hat daher der Film berührt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er schlecht gemacht ist. Der Historiker Peter Reichel sprach heute im Deutschlandradio zu Recht von der Pilcherisierung des Themas.

  • arboretum:
    07. März 2007 - 8:53

    Aah, was ist das denn, diesmal war es nur ein Link, aber der erscheint dennoch nicht. Also noch einmal, das Interview im Deutschlandradio mit Peter Reichel.

  • arboretum:
    07. März 2007 - 8:54

    Jetzt ist es doppelt drin. Sorry.

  • engl:
    07. März 2007 - 8:57

    doppelt gebloggt hält besser. ;-)

  • Ulrike Bliefert:
    14. April 2007 - 10:45

    Hallo engl!
    Danke für die Blumen und: Ich habe die saudoofe Musik auf meiner Website abgeschaltet ;o)

    Herzliche Grüße Ulrike Bliefert