die sonne steht tief, und das tempelhofer feld ist richtig voll. wobei ich mir gar nicht vorstellen kann, dass es jemals wirklich ganz voll sein könnte. wie viele menschen braucht es wohl, um das gesamte feld zu füllen? keine ahnung. wahrscheinlich kann man das errechnen, aber ich kann das natürlich nicht.
ich stehe also neben meinem fahrrad auf einer wiese, habe die alte schutzbrille aus dem jahr 1999 über meiner korrekturbrille und schaue in die sonne. es ist keine totale sonnenfinsternis, zumindest hier in berlin nicht. das ist ein bisschen traurig, weil ich weiß, dass in diesem fall der echte, wirklich richtige effekt nur bei 100% eintreten wird. bei 80-irgendwas, selbst bei 90-irgendwas, bleibt es hell. man könnte es glatt verpassen, so hell.
andererseits verdeutlicht nun gerade das, wie unglaublich unsere sonne ist. mit weniger als 90% ihrer kraft, wird sie uns immer noch wärmen, kann uns immer noch blenden und die netzhaut nachhaltig verbrennen. es ist ein solcher unsinn, immer noch auf öl zu setzen, um energie daraus zu ziehen. statt die sonne zu nutzen, die ganz sicher noch da sein wird – trotz ihrer eigenen, unzweifelhaften endlichkeit – wenn es längst keine menschen auf der erde mehr geben. was für ein frevel.
so denke ich, während ich dastehe, und irgendwann fangen die menschen, viele menschen, an zu klatschen. eine art applaus mit ein klein bisschen jubel darin. ich weiß nicht genau, wem das gelten soll. einer 3-dimensionalen planetaren konstellation, die wir von einem winzigen punkt aus beobachten? das ist kein schauspiel, auch wenn es gerne so genannt wird. das ist wisschenschaft und geomentrie. das ist alltag des universums.
außerdem sind sie zu früh, die menschen. der kollege, der auch da ist, weiß genau, dass es bis zum höhepunkt noch 90 sekunden sind. und das ist auch zu sehen, exakt 90 sekunden später. da zeigt sich eine gleichmäßige lichtbrücke, ausgeglichen an allen seiten. jetzt ist es soweit. noch einmal wird ein wenig geklatscht. und so sinnlos das ist.
ich wünsche dieser welt, dass sie die sonne verstehen lernt. diese unglaubliche macht, die sich in der exakt richtigen entfernung zu uns aufhält. ohne diese sonne gäbe es hier nichts, aber mit ihr geht es weiter und weiter. millionen von jahren womöglich, der menschheit hier.

