wenn wien nur in etwa eine schreibzeit war, dann ist plessa natürlich absolut und zu 100% so gedacht. dass solche dinge nicht immer aufgehen, wie sie sollen, das gehört dazu. in diesem fall ist es wohl einfach nur die grundlegend andere situation, im vergleich zu den letzten beiden teilnahmen am hiesigen schreibretreat, in der ich mich befinde. die erste lesefassung des letzten manuskripts ist lange fertig, die testleserschaft hat gelesen und fast alle rückmeldungen sind inzwischen eingetroffen. wie es aussieht gibt es viel zu tun, es stehen größere überarbeitungen an, als ich vermutet hatte. ich sortiere noch, aber das ist im grunde kein problem. dennoch dauert es, ich kann mich nicht entscheiden. anders: ich kann mich nicht überwinden, jetzt oder irgendwann damit zu beginnen. oder es vielleicht ganz zu lassen, jetzt und für immer. wie der buchmarkt aussieht hat all meine arbeit vermutlich wenig sinn. das sage nicht ich, das sagen mir andere, die es wissen müssen. und die eben das bedauern, ganz wie ich selbst.
dass in dieser lebenslage mein grundlegendes schreibselbstverständnis dennoch nicht zu ruhen vermag, lässt mich hiersein und ein kleines nebenprojekt konzipieren. wobei die idee schon an das vorherige manuskript anschließt, es ist eine art ausgeschiedenes thema. aber es ist heikel, das ist bereits klar. es ist zeit, über armut zu reden. und es ist auch eine unzeit dafür, gerade jetzt. man weiß nicht, was kommt, aber man sieht es doch kommen mitunter. und man kann bei diesem thema der opfer-täter-falle so gut wie nicht entkommen. ich weiß also nicht, ich weiß auch hier nicht. es gibt gutes feedback, oft mit „falschen“ ansätzen, einer hoffnung auf menschlichkeit zum beispiel. das ist unsinn, geht am thema vorbei, finde ich. aber es hilft natürlich, auch und gerade das. bei der entscheidung, was zu tun wäre. wenn ich es denn tue.
ich bin also hier und schreibe eher nicht. die imaginationsräume sind und bleiben verschlossen. das ist nicht gut, das ist unangenehm. aber ich spüre sie noch, mir bleibt ein wenig licht. das ist gut. und es ist verrückt, es macht mich wahnsinnig. nicht zu wissen, was ich soll. oder wie, während im grunde der körper es kann, das schreiben. das geht nicht mehr weg, bis zuletzt.



