so vergeht die zeit. zum beispiel, indem ich mir einfach mal eine erkältung einfange, die sich über satte drei wochen zieht. die erste davon habe ich tatsächlich nicht gearbeitet, rein gar nichts. offiziell krankgeschrieben, herr kanzler. in der annahme, dass so eine sache üblicherweise kaum länger als ein paar tage dauert, habe ich esd ann dabei belassen. herr kanzler! auch, weil es in der firma tatsächlich zeitnahe dinge zu erledigen gab. das kommt recht selten vor, aber wenn es mal si ist, dann ist es so. also durch und gut, kein problem.
viel mehr als diese arbeit war allerdings kaum möglich vor lauter rotzerei und husten, husten, husten vor allem. keine weiteren aktivitäten, nicht einmal kleinzeug, das zu erledigen gewesen wäre. keine ideen, nichts. nur arbeiten, trinken und essen, schlafen dagegen ging nicht besonders gut. sehr schlechte träume gehabt, und das ohne das gefühl, wirklich zu schlafen. alles in allem kein besonders erfreulicher gesamtzustand.
der dann bis letzten donnerstag angehalten hat. da erst dachte ich am morgen nach dem aufstehen plötzlich, dass ich nun doch wieder gesund sein könnte. trotz ein bisschen restrotz und gelegentlichem trockenhusten. reine gewohnheit, vermute ich. alles wieder gut. auch das übliche erledigen von zeug, immerzu, ist wieder voll da.
viele meiner schlaflosen träume in dieser zeit drehten sich um eine vielzahl von arztbesuchen, wie sie mir ja nun irgendwie zwangläufig immer mehr passieren in letzter zeit. das rheuma, die zähne und alles möglich, was womöglich damit zusammenhängt. es ist nicht so wirklich mein ding, beständig begutachtet und anhand von studien und statistiken kategorisiert zu werden. im gegenteil, es ist mir zuwider, und ich möchte es nach kräften vermeiden. es kostet zeit und, mehr noch, nerven. ich bemühe mich, mein vorgehen entsprechend in balance zu halten, aber die medizinmaschine erwischt mich doch immer wieder. und ärgert mich, verwirrt mich, macht mich wütend.
IN DEN AUGEN DES PERONALS VERLIEREN DIE PATIENTEN IHRE EINZIGARTIGKEIT
das hat eine mir persönlich bekannte, leider weitgehend unbekannte* malerin und dichterin einmal formuliert. so in etwa, ich finde das originalzitat leider nicht mehr. und leider habe ich jetzt gerade erfahren, dass RUTH VELSER vor etwa einem jahr bereits gestorben ist. da war ich gerade in wien, hatte eine gute zeit. wenn ich diesem blog hier glauben kann.
ruth hat auch mich gemalt, das ist sehr lange her. das bild ist nicht wirklich gelungen, was durchaus an mir gelegen hat. ich habe das gemalt werden nicht verstanden, damals. im grunde habe ich mich schlecht benommen, nur weil es in ihrem atelier so unglaublich kalt war. das war mir im nachhinein oft peinlich. aber ich erinnere, dass ich die leinwand sehen konnte, und das war eine art wunder. dass ich zusehen konnte, wie aus der leeren fläche langsam etwas erwächst. und dabei nicht im geringsten, also überhaupt gar nicht zu verstehen, wie sie das macht. ein wirkliches wunder.
außerdem habe ich einmal eine lesung mit ihr – nein, eigentlich für sie – bestritten. weil ihre angst zu groß war, allein mit ihren texten auf der bühne zu sein. habe also ich neben ihr gesessen, und ebenfalls ihre texte sprechen dürfen. das war an meinem geburtstag, ich weiß nicht mehr welcher, es ist lange her. doch es war ein großartiges geschenk. im grunde das größte, das ich an diese tag jemals erhalten habe.
und jetzt habe ich völlig den faden verloren, und das ist gut so. eigentlich hatte ich den textbogen noch hin zum altern schlagen wollen. meinem altern, aber nein. wozu?
* beinah so unbekannt wie ich.
