raum für notizen

voll auf lyrik

08. Dezember 2011 - 00:42

gegen mittag, ich sitze gerade mitten in der zweiten miettextschreiberei des tages, klingelt auf einmal der hausmeister sturm.  er hat ein aufgerissenes päckchen in der hand und stellt mich zur rede. ob das meines wäre? blöde frage, weil ja mein name draufsteht. leider ist es bis jetzt aber nicht bei mir angekommen. ob ich denn nichts gemerkt hätte letzte nacht? nö, hab ich nicht. dann muß ich mir schuhe anziehen und mit ins treppenhaus kommen, bis nach ganz oben zum dachboden.

da hat sich offensichtlich jemand sämtliche fußmatten des hauses und die große matte aus dem eingangsbereich hingeschleppt und zu einem nachlager arrangiert. es finden sich diverse süßigkeitenpapiere, taschentücher, leere medikamentenverpackungen, kerzenreste und wachs. außerdem zwei euro, eine benutzte einwegspitze und den lyrikband, der in meinem päckchen gewesen ist.

ob ich hier heute nacht, fragt mich der hausmeister. wie bitte? ja sicher, ich schlafe gern mal im treppenhaus, statt in meinem eigenen bett. besonders, wenn ich vollgedröhnt bin und bei kerzenlicht noch ein paar gedichte lesen möchte. zum glück kann ich dem mann dann glaubhaft versichern, daß ich mit dem geschehen nichts zu tun habe. im gegenteil, mir wurde auch noch meine post entwendet. und die vorstellung von offenem feuer im treppenhaus finde ich alles andere als behaglich. das bekräftige ich gleich mehrfach. vorsichtshalber.

dennoch: es ist eine eigenartige vorstellung, daß gestern nacht möglicherweise jemand auf fußmatten gelegen und in meinem lyrikband geblättert hat. das buch jedenfalls ist an einigen stellen ziemlich angekokelt. kann natürlich auch sein, daß es nur die unterlage für irgendetwas war. ist wohl auch wahrscheinlicher.

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