
sie lässt sich nicht fassen, diese ruhe und weite in wien. auch nicht im bild, natürlich nicht in bildern. oder anders: vermutlich nur für mich, in genau dieser gegend. also als erinnerung, mehr nicht.
gestern in konstanter hitze, schweißnass das wienmuseum betreten. ein schönes, wohltempriertes gebäude, in dem man sich gut aufhalten kann. gerne auch ein paar stunden, bevor die gebuchte führung beginnt. drei stunden später dann wieder ins freie treten, da ist es dunkel geworden und kühl. ganze 10° kühler.
weiter geht ein wind durch wien, so tut das gut. wien ist ja ohnehin recht windig, und zwar nicht im doppelten sinn. hier weht es oft und kräftig, ob fönwarm oder kühl. aber den rest der woche bleibt es unter 30°, so heißt es zumindest. ich hoffe sehr darauf.
ein guter tag also, um noch einmal nach und durch schönbrunn zu spazieren. das liegt ganz in der nähe, und ich wollte schon immer mal zur gloriette hochlaufen und schauen, wie sich wien von da aus macht. letztendlich war es mir aber immer zu warm, die breiten, schnurgeraden schotterwege sind im sommer wahre glutöfen. allerdings kann man sich auch durch die „wälder“ schlagen, kein problem. weniger grade, schmale und verschattete wege, treppauf, treppab dort hoch, die gibt es auch.
oben angekommen wird dann alles wieder weit, und es ist heiß. vor allem auch staubig, bei dem wind, der da geht. es ist richtig ein bisschen stürmisch. und der blick auf wien, der ist so lala. man sieht, wie übersichtlich die stadt im grunde ist. alles recht niedrig, wenige gebäude, die herausstechen. das muss aber auch alles nicht. da liegt eben eine stadt in einer senke. eine schöne, eine seltsame stadt, und so lange schon.
langsam wird mir klar, dass ich mich von wien nicht einfach so verabschieden kann. jeden schritt, den ich hier gehe, sagt mir, dass ich genau hier sein sollte. es sind reine sachzwänge, die mich davon abhalten. schwerwiegende sachzwänge. aber, wer weiß? irgendwann muss ich die geschichte des fräuleins finden, erfinden und erzählen, das hier um die ecke vermutlich jemandem zu diensten war. und dafür muss ich recherchieren, sehr viel mehr als ich das bislang musste.
das ist nirgends anders, das ist hier. das ist sicher.
ich habe nachgesehen und meinen erstern eintrag aus klagenfurt über klagenfurt gefunden. ja, im ersten jahr habe ich noch geklagt, danach erst gab es offensichtlich keinen grund mehr dafür. das ist also fünfzehn jahre her, die zwei corona-versionen abgezogen sind das dreizehn jahre. nicht eingerechnet all die fernsehjahre, seit irgendwann ende der achtizger. insgesamt sind es also geschätzt an die vierzig jahre bachmannlesen. #tddl kam ja erst später. vierzig, das ist doch beachtlich, und natürlich will und werde ich das weiterführen.
die zahl dreizehn bestärkt mich allerdings darin, ab dem kommenden jahr wohl keine reise hierher mehr anzustreben. das hat auch und vor allem finanzielle gründe, von daher bin ich fest überzeugt, dass es sich umsetzen lassen wird. meine zeit des reisens ist vorbei, so sieht es aus. das ist ein bisschen schade. ich fing gerade an, mich zu gewöhnen. immerhin habe ich diesmal noch nicht hier irgendwo hingeschrieben, was für eine schlechte reisende ich bin. einfach, wie es mir noch gar nicht eingefallen war. wirklich schade.
das ist das, strich darunter.
es ist heißt hier, wie überall in europa. meine unterkunft ist in vielerlei hinsicht großartig, die beiden fenster zur süd-west-seite verfügen über außenjalousien, die rückseitige terrasse ist gut verschattet, dahinter ist ein garten. das heißt, ich kann jetzt durchzug machen, die ganze nacht. still genug ist es auch. ich würde mir nur wünschen, irgendwo zwischen den 35 großen löffeln, messern und gabeln wenigstens einen kleinen löffel finden zu können. ach.
dass ich jetzt schon hier bin, quasi zu hause, in meiner temporären wohnung, belegt eindeutig, wie anders der bewerb inzwischen ist. damals ging gleich der eröffnungsabend bis tief in die nacht, dann drei stunden schlaf, kaum jemals mehr, und ab zu den ersten lesungen. und dann in die abende, immer weiter. auch das ist vorbei.
oder ich bin einfach alt. das leihrad, das kein e-bike ist, geht mir schon nach drei kurzen fahrten an die knie. und der lärm von all den vielen menschen hier ist anstrengend, wie aller menschenlärm, selbst im freien. immerhin kann ich deshalb jetzt in aller ruhe bloggen, der tag ist gelaufen. ich schau mir nur noch die langversion der großartigen rede zur literatur 2026 von helga schubert an.
das ist alles erstmal. bis morgen.
klagenfurt begrüßt mich mit einer recht erträgliche temparatur unter dreißig grad, dazu etwas wind und wenig später werde ich angetröpfelt. inzwischen regnet es sogar, ich öffne alle fenster, stelle durchzug her, und es wird tatsächlich ein wenig kühl.
ich freue mich auf die nacht, das wird vermutlich die letzte, einigermaßen erträgliche. obwohl die unterkunft ihrer ebenerdigkeit alle ehre macht und sich bislang tatsächlich nicht besonders aufgeheizt hat. die wohnung ist super, sicher die beste, die ich jemals hier hatte. nur das mit dem separaten schlafraum stimmt nicht, das stand allerdings auch wirklich nicht in der beschreibung. das hatte ich erfunden, wie so ne KI.
einen kleinen münchennachtrag muss ich noch machen, schließlich war ich nach langer zeit zum ersten mal wieder länger als nur eine nacht dort. und nur vom bahnhof zu den freunden laufen und am nächsten tag dann wieder zurück zum bahnhof, das zählt ja nicht.
ein bisschen kenne ich die stadt, naja, vor allem das glockenbachviertel, vor über zwanzig jahren war ich schon einmal da. keine gute erinnerung, die zu erzählen lohnt nicht. die freunde wohnen nicht weit, auch da komme ich ganz gut klar, münchen ist ja auch nicht wirklich riesig. aber münchen kennen, das tue ich natürlich nicht.
münchen sei nicht bayern, habe ich mich sagen lassen. das scheint mir zu stimmen, zumindest denke ich vor allem ans ruhrgebiet, wenn ich durch münchen laufe. das liegt an der bürgersteigpflasterung, die war in meiner geburtstadt sehr ähnlich und ist ja ganz anders in berlin. wo sie womöglich einmalig ist, ich weiß nicht genau. die menschen in münchen kommen mir ziemlich normal vor, beinah berlinerisch. (haha) so lange, bis sie sprechen, dann wird alles anders. ich glaube, ich habe vorurteile.
der verkehr ist enorm, wie überall eigentlich, und für fahrräder und fußgänger besonders schlimm. letztere werden von den ampelschaltungen derart vernachlässigt, dass eigentlich kaum jemand sie noch beachtet. so dachte ich zumindest, wenn ich als einzige in der hitze stand und wartete. nach einer weile habe ich mein verhalten angepasst, immerhin sind in münchen die straßen nicht so breit wie in berlin.
außerdem ist alles ungemein viel teurer, der kaffee, das eis, die kekse. da lobe ich mir dann doch mein berlin. allerdings gibt es auch in münchen das elend der menschen, die auf die eine oder andere art, aus dem einen oder anderen grund der straße leben. und das auch zunehmend, wie mir scheint, besonders in der gegend um das sendlinger tor. ob das zufall ist, die riesenbaustelle am bahnhof, die keine schlupflöcher mehr offen lässt. oder ob es eben so ist, dass zunehmende armut längst überall sichtbar wird. das ist ja bei mir zu hause, direkt vor meinen fenstern, nicht anders.
dazu passend, polit-influencer markus söder, der ja nicht bayer ist, sondern franke, wenn ich mich recht erinnere. er vermarktete ausgerechnet gestern (oder doch schon am sonntag?) die glorreiche vorstellung, die in deutschland wachsende armut zusätzlich noch ein klein bisschen ausquetschen zu können.
es geht um millionen. menschen!