raum für notizen

ebook bauen (4)

18. August 2012 - 00:52

ich lese die alten, wiedergefundenen schreibmaschinentexte, an die ich mich allesamt so gut wie nicht erinnere. 20, wenn nicht 25 jahre alt. die kopien sind mit büroklammern zusammengeheftet. beim abziehen sehe ich, daß sie mit der zeit nicht nur druckstellen, sondern auch rostspuren auf dem papier hinterlassen haben. zum lesen setze ich die lesebrille auf. wie grotesk. eine sehr eigenartige konfrontation mit einem anderen ich.

der erste text, stilitisch eine katastrophe, hier und da peinlich, aber insgesamt bin ich überrascht. das ist gut. das ist leicht und schwer zugleich, sogar witzig, hier und da. ich bin wirklich überrascht.

irgendjemand hat die texte offensichtlich korrekturgelesen, sie sind voller zeichen und hinweise. ich weiß nicht mehr, wer das gewesen sein könnte. der zweite text ist langweilig, aber versöhnlich. schon wieder eine überraschung. das papier riecht nach altem papier.

nicht ist peinlicher als mißglückte sexszenen. text drei hat zwei davon, zweieinhalb vielleicht. schlimm, aber der rest ist tröstlich lebendig. und da ist ein ich das irgendwie mich selbst beschreibt. wobei mir dieses selbst mir beinah autistisch vorkommt, sehr seltsam. vermutlich bin ich beides nicht, weder das ich noch das selbst. ich bin nur die, die das geschrieben hat.

text vier, ich schreibe alles klein. damals also auch schon. ich bin erleichtert. was ich beim ersten, flüchtigen durchsehen vor ein paar tagen als grobheit identifiziert habe, war offensichtlich nur eine aktuelle panik. das alles ist stilistisch nicht mehr meins, es ist alt und zum teil recht wirr. hier und da stürzt der text ins banale, dann wieder in eine worthülsenreiche dramatik. aber es ist nicht menschenleer, vor allem sind die menschen nicht leer. davor hatte ich am meisten angst.

der letzte text. darin hatte ich neulich schon geblättert. und der war es, der mich zu dieser grobheitsvermutung verleitet hat. viel sex, dementsprechend peinlich. doch wenn ich über die unzulänglichkeit der umsetzung hinaussehe, ist auch dieser text im grunde vertretbar. (steht da doch zum beispiel: Kein Schrei verläßt seinen Traum.) mehr noch, er schlägt einen erkennbaren bogen, tatsächlich, über die vergangenen jahre, jahrzehnte.

ich bin so anders, so alt, wie ich inzwischen bin. so reich und so arm. aber ich bin ein ganzes.

(keiner der texte wird in das ebook kommen. die ersten vier kommen in den koffer, der letzte auf den stapel mit den aktuellen stoffen. zur erinnerung.)

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