am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

aus dem weg

der 2019er alltag hat mich arschkalt und steinhart erwischt. noch vor dem frühstück stapfe ich durch schneeflöckchen zur s-bahn und dann nach hause. ein wenig überrascht, auch von mir selbst. aber wenn man im weg ist, ohne das so recht zu begreifen oder auch nur rechtzeitig mitzubekommen, dann sollte man wohl besser gehen.

zügig und konsequent. sonst wird es immer nur noch schlimmer.

seife waschen

morgens immer noch schwer verschmerzt, wenn es auch nicht mehr jault und pocht in mir. es drückt also und klemmt, nur nachts bleibt dieses puckern. die tage sind deutlich besser. ich versuche, mich zu bewegen, rumsitzen und rumliegen ist nicht so angesagt. außer im wasser natürlich.

susanne in der badewanne, damit wurde ich schon als kind aufgezogen:  „ … wusch ihre seife, bis sie ganz klein war … “ (so zumindest erinnere ich es.)

natürlich passt das von grund auf nicht zu mir, die namensgebung allein. auch eine „mutti“ gab es nicht. blonde locken hingegen hatte ich tatsächlich in den ersten jahren, kaum zu glauben. außerdem ich soll immer tierisch gebrüllt haben, sobald mir wasser über den kopf kam.

malz

im bett sitzen und gemütlich in den uralten rechner tippen. (x61 mit win 10, läuft tatsächlich.) geht jetzt, weil mich jemand auf die idee gebracht hat, ein schickes rückenpolster am kopfende zu installieren. warum bin ich da eigentlich nicht früher drauf gekommen?

natürlich tut im bett sitzen und tippen dem rücken auch irgendwie weh. aber irgendwann muß man ja mal ins bett, schlafen. und  hier hocken tut anders weh als am schreibtisch, an welchem auch immer. das ist doch schon was. aber eigentlich soll ich mich trollen, als rumtrollen, in der welt. das heißt wohl spazierengehen, weder liegen noch sitzen und so. kein hocken mehr, keine erstarrungen.

das ist ja alles kein problem, das lässt sich vor allem leicht sagen. aber wie soll ich die schultern sinken lassen? nach hunderten von jahren, die last. wie nehme ich den biss aus den kiefern? mit dem ich die karren ziehe, seit jeher. wie ein getrenster gaul, ein ochse, gejocht. beides.

wie hebe ich den kopf? ohne die angst zu schüren? wenn ihr mich dann seht. triple wood. und ich euch, sowieso.

wußtet ihr das? nichts wißt ihr.

schmerzverzerrt

das wunderbar arbeitsreiche wochenende ist mir mit beginn der woche in eine schmerzeskapade eskaliert. völlig unerwartet, denke ich. aber wer weiß, vielleicht habe ich nicht gut genug hingehört. ich kenne sie doch, die schwachstelle rechts. die hand, der arm, die schulter, der nacken, der kopf. alles alles notorisch verschmerzt, sowieso. aber so etwas wie diese woche? schmerzen in schulter, nacken und rücken, dazu vorn an den schlüsselbeinen beidseitig, in der halsmuskulatur sogar, und im liegen dieses pochen im schädel, bis hin zu an- und abschwellendem rauschen in den ohren. die ganze nacht, das ist wirklich übel.

zwei tage mit schmerzmittelbedröhnt auf arbeit, ich weiß nicht, warum. im büro, wo die (relativ normale) tischhöhe einfach nicht zum (relativ normalen) stuhl passen will. entweder komme ich mit den füßen nicht ganz auf den boden oder die tischplatte zwingt meine arme, meine schultern beständig nach oben. das muß ich vor ort nochmal überdenken und überarbeiten, dringend. aber diese woche hätte ich mir die anwesenheit dort klugerweise sparen sollen. hätte vielleicht geholfen. so ist es einfach tag für tag immer schlimmer geworden.

jetzt gerade pocht es nicht mehr, zum glück. heute morgen war das noch anders. der arm ist aber immer noch nicht wieder frei. in die oberbekleidung zu kommen, war eine prozedur. mit ist, als hätte mich ein großes, böses tier in seinen fängen. deutlich spüre ich den festen druck der fangzähne, vorne und hinten. und ich dazwischen bin starr wie beton.

morgen mal zum arzt? (aber was sage ich da? wer ist dieses tier?)

2. schulddrehtag

noch vor dem frühstück mache ich fotos von menschen, die menschen filmen, die gefilmt werden. zu deisem zweck verfüge dabei über einen logenplatz im zweiten stock des angrenzenden eckhauses. unübertroffen.

die weitere verfolgung des geschehens hat mich eine weile von den anstehenden arbeiten abgehalten. zu spannend waren mir die abläufe da draußen, das zusammenspiel so vieler menschen, das mir nahezu reibungslos erschien. wie zügig da auf- und dann gleich wieder ab- oder umgebaut wurde. daß überhaupt gebaut wurde, daran hatte ich gar nicht gedacht. und wieviel gebaut werden mußte. kamerakräne, diverse lichtaufbauten, kurze schienenstrecken für kamerafahrten, mit kleinen holzklötzen stabilisiert. und so vieles mehr noch, dessen sinn sich mir nicht erschlossen hat. dazu die orgamenschen, die mit headsets, tablets und klemmbrettern durch die gegend hüpften.

das wäre etwas für mich gewesen, dachte ich nach einer weile. erst das bauen, dann das organisieren. das hätte ich machen können und gerne machen wollen. das ist auch eine art, sich durch eine geschichte zu hangeln, auf jeden fall. wenn mir sowas über den weg gelaufen würde. damals, kurz nach der lehre. dann wäre etwas aus mir geworden. wenn ich da den blick hätte heben können, über die bis dahin gemachten erfahrungen hinweg. wenn ich da schon gewußt hatte, was ich heute weiß. daß ich ein mensch bin, wie alle anderen auch. daß ich genauso funktioniere, oder es zumindest lernen könnte. irgendwie. daß mit die substanz dazu gegeben ist. wenigstens das.

wenn mir klar gewesen wäre, daß ich etwas hätte wollen dürfen. und suchen. und finden sogar.

doch da war eben nichts. damals. nichts von dem, was und wie menschen leben, hatte sich mir jemals erschlossen. das war nicht das, was ich kannte. nicht mein leben. ich hatte keine absicht, damals, nicht einmal die absicht weiterzuleben. wie hätte ich zum film wollen können? oder sonst etwas tun.

na, egal: die einzigen frauen in der filmcrew heute waren zwei schauspielerinnen, eine maskenbildnerin und eine orgafrau mit gelber leuchtweste, die offensichtlich durchaus belebte straßenkreuzung freizuhalten hatte. sonst nur männer! die übliche scheiße halt. da hätte ich vor dreißig, vierzig jahren auch so keine chance gehabt.

tango, wir müssen reden

tango ist eine komplexe angelegenheit. viel gäbe es zu sagen über körper in bewegung, über das ständige scheitern und gelingen an allem. dem eigenen körper, dem anderen, der gemeinsamen balance wie der eigenen, der musik auch. und das ist längst nicht alles. manchmal denke ich, ich sollte das tun. das alles mal aufschreiben, regelmäßig, wie in einer kolumne. (naja, mal sehen.)

vor allem, wenn ich ein wenig herumsuche, was andere so zu sagen haben. und wenn mich dann gleich beim ersten satz ein mächtiger ekel überfällt:

In sexueller Hinsicht benötigen Frauen oft etwas mehr Zeit zum Durchblick.*

was zur hölle soll das denn? lieber gerhard, unbekannterweise, was vorzugsweise so bleiben möge: vielen dank für den frühmorgendlichen kotzreiz!

(* quelle: Gerhards Tango-Report, aber achtung: der rest des textes ist auch nicht besser oder gar klüger.)

aber immerhin: auf dem weg noch ein ganz feines, ganz anderes tangoblog entdeckt. Berlin Tango Vibes kommt vergleichweise wunderbar daher, vielschichtig und persönlich, in jeder hinsicht durchdacht. natürlich besteht auch dort eine gewisse distanz zum queertango, der noch einmal so ganz anders ist. aber das macht ja nix, da gibt es dann halt einen einblick in das „normale“ tangogeschehen.

das queere liegt wohl doch an mir, vermutlich. (na, mal sehen.)

sommerzeitpro

ich mag das ja, diese zeitverwirrung. wenn der körper den ganzen tag eine andere zeit erfährt, als die uhr es vorgibt. eine woche in etwa wird das jetzt so gehen. spätestens morgen nachmittag, wenn es erst dämmert, dann dunkelt und der arbeitstag noch lange nicht zuende sein wird, werde ich es hassen. weil ich dann im dunkeln nach hause fahren werde, das mag ich gar nicht. außerdem werde ich trotzdem nur mit mühe und unter zuhilfenahme eines ziffernblatts herauskriegen, ob ich nun morgen früher oder später aufstehen muß. und dann gleich wieder vergessen.

aber so ist der winter. winter ist, was immer ist. manchmal aber ist sommer. danach dann, hoffentlich mit seiner zeit.

ich liebe diese verwirrung. und das licht, bitte das soll so.

nix da

sonntag abend, und ich wäre dann mal bereit für ein wochenende. alles fertig, naja, fast. ich hätte noch ein wenig mehr der brotübersetzungsarbeit erledigen sollen. stattdessen fast nur im roman versunken. auch gut. oder nicht?

keine ahnung. ich brauche ein wochenende, dringend und sofort. (aber das wird wohl nix.)

#unteilbar

anfang oktober 1981, auf der friedensdemo im bonner hofgarten, da war ich nicht dabei. nicht einmal daran gedacht habe ich. ich war 18 und die friedenstäubchen hatten meine vollste verachtung. zu wütend war ich, zu sehr geprügelt und geprägt von der kriegskindergeneration.

beachtlich fand ich es dennoch. 300.000 menschen sollen es damals gewesen sein, zwei jahre später, ebenfalls im oktober, noch einmal in etwa genauso viele in der menschenkette von stuttgart nach ulm.

gesten waren es über 240.000. alle bei mir in berlin, und war ich auch dort. natürlich war ich da. großartige entspannte stimmung. kein palaver, gerangel oder gepöbel, nirgends. kaum polizei sichtbar. wenn, dann schlendernd und quatschend, entspannt. dazu die sonne, die wärme, das licht.

ab jetzt heißt es wissen und glauben, daß alles unteilbar vielfältig ist. und bleibt.

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