am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

schreibzeit (9)

die heimatliche schreibzeit ist schwer zu fassen. ich arbeite im büro, ich arbeite zu hause, dann schreibe ich. zwischendurch baue ich ein wenig an der wohnung herum. kleinigkeiten. oder sitze ein paar stunden mit echten menschen im biergarten.

wichtig ist: ich schreibe. ich bin verbunden.

die augen offenhalten und hinsehen, das ist ohnehin etwas, was nicht zu unterschätzen ist.

die augen zu öffnen aber, wenn sie eigentlich längst geschlossen sind. reflexartig. wenn nur noch die inneren filme abspulen, als wäre das ein weg, ein ausweg. hinzusehen also, in panik, in angst, um zu sehen. was auch immer.

was zu tun ist.

das birgt in sich den grundstein der veränderung. und ist wohl das größte, was menschen einander zu schenken vermögen.

home, sweet

zurück zu hause. wie schmutzig und laut es hier ist. berlin ist voller menschen, hunde und gestank. die straßen voller autos, hektik und aggression. die nacht angereichert mit schritten und stimmen, die kommen und wieder gehen. auch an meinem schreibort waren menschen und stimmen, so nah, als würden sie in meinem zimmer stehen. aber nähe ist nicht enge. das habe ich gelernt in den letzten tagen.

hier bei mir drin ist zum glück alles ruhig. ich bin umgeben von meinen kisten und schächtelchen mit werkzeug und anderen wichtigkeiten. schönheiten auch und ideen. so kann ich arbeiten, und das will ich tun. die schreibzeit soll weitergehen. muß ja auch.

jetzt noch eine runde gehen, die letzte hier. noch einmal meinen schuhen beim quietschen zuhören. die leere und stille genießen. diesmal im pulli, das der noch zum einsatz kommt. wahnsinn.

vielleicht zum bankautomat, auf jeden fall den motorradkoffer reinholen. dann packen. dann schlafen. dann fahren.

schreibzeit (8)

am ende der schreibzeit nehme ich abschied von meinem schreibort. schwer nehme ich abschied, schwerer noch als die male zuvor. ich sitze am wasser und will nach hause, schrieb ich zu einem bild heute. was bedeutet: ich will bleiben. am wasser, im schreiben, bei mir.

das geht natürlich nicht.

die schreibzeit wird ab morgen wieder im wohnbüro stattfinden, am heimischen schreibherd. der auch nicht zu verachten ist, buchenholz und capisco. das ist doch nicht schlecht. und ich will, ich muß sie beibehalten, meine schreibzeit.

bleibt die überlegung, mir hier irgendwo dauerhaft raum zu schaffen. nicht immer nur für ein paar tage, hin und wieder einmal und dann voller schwermut. eine winzige zweitwohnung, besser arbeitswohnung. im grunde ein zimmer nur, a room of one’s own, mit duschklo und kaffeekocheecke. leer natürlich, ohne möbel, damit es werden kann, wie es sein soll. für mich.

vermutlich utopisch.

sicher unerschwinglich.

traurig.

gifted

schon seltsam. so tief ins schreiben eingetaucht, so zufrieden damit. zum ersten mal seit jahren, wenn nicht jahrzehnten wieder im wort zuhause. und dann zerreißt der rest des lebens, von einem tag auf den andere. in einem moment fast.

schreiben ist ein gift, das unmenschlich macht. oder es tun alle die, die schon immer nicht menschlich waren. obwohl ich da vermutlich von mir auf andere schließe.

ich muß mich wohl entscheiden, ob ich der mensch sein will, der ich bin, wenn ich schreibe. nein, ich muß nicht entscheiden, das versteht sich von selbst. schreiben ist mein (beinah) einziges talent. aber es wird alles ändern, wieder einmal. zurück auf anfang?

das ist der punkt, an dem mich mein alter zu quälen beginn. viel zeit ist nicht mehr. drei bücher will ich noch schaffen, mehr muß nicht.

es ist ein elend.

glücken

blöder tag, leicht verunglückt. vielleicht auch schwer, das weiß ich noch nicht.

früh aufgestanden, um nach berlin zu fahren, zur schreibgruppe. also durch aus im thema geblieben. früh losgefahren und dann dennoch zu spät gekommen. so deutlich zu spät, daß es ein wenig peinlich war. ich komme so gut wie nie zu spät, aber das glaubt mir da wohl jetzt keine mehr. letztes mal sah es ganz ähnlich aus. (war aber im grunde noch peinlicher, weil ich da schlicht und einfach zu spät losgefahren war. heute dagegen war es nur ein stau.)

dementsprechen leicht desorientert gewesen, beinah unkonzentriert. auch peinlich. andererseits ist morgens um zehn texte analysieren ohnehin nicht so mein ding, bislag lag ich da jedes mal ein klein wenig neben mir. ich bin und bleibe ein nachtschreibedenkmensch.

anschließend wurden mir noch privat ganz schlechte wetter bescheinigt. damit hatte ich nicht gerechnet, erschreckend. nun bin ich betrübt.

wetterlagen

dämmerung, aber wirklich kühl wird es hier wohl nicht. der regen ist vorbeigezogen, auch morgen scheint wenig davon in aussicht. zum glück hat meine vermieterin mir dreistufigen, künstlichen wind names „Duracraft“ zu verfügung gestellt, von dem ich gnaden- und nahtlos gebrauch mache. doch übers wetter reden gerade alle, das ist nicht besonders spannend.

ich warte noch ein wenig, dann gehe ich auf meine kleine abendliche runde durch die stille der nacht. wie gerne würde ich das jeden abend machen, aber wie soll das gehen, in neukölln. bis es dort still ist, muß ich lange warten. bis gegen vier etwa, würde ich sagen. vier uhr morgens! da schlafe selbst ich am liebsten. naja, zumindest muß ich, wenn ich gegen neun, spätestens zehn auf der arbeit sein will. auch nicht besonders spannend.

es muß sich etwas ändern. es ändert sich bereits, wie von selbst, ohne daß ich es aufhalten könnte. oder wollte. es gibt nur die möglichkeit, es zu erfassen, zu begreifen. zu verstehen, was vor sich geht. und vielleicht den weg freizumachen.

draußen ist das wetter, das klima vielleicht. das ist übel. auch innen herrscht dürre, alles zerfällt. wichtig ist nur noch das wort. das ist reduktion und konzentration, wie es mag. ich kehre zurück. im kern wohnt das kind, das ich war. und es ist groß.

das ist spannend.

jetzt, hier, dort

so sieht es aus, jetzt, auf meinem lieblingsplatz, hier, der so seltsam ist. dreieckig und voll mit großen bäumen, die in irgendwelchen reihen stehen, die man aber nicht erkennen kann. wenn man sie zu finden versucht, dann dreht sich irgendwann alles. also runde ecken oder so. das ist so unpreußisch, tief im preußenland. hier.

alles ist still, jetzt, obwohl so ziemlich mitten drin. dort.

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