am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

ver\reisen

was für ein ermüdender tag. diese hitze, so langsam kann ich das wirklich kaum noch begreifen. es scheint immer mehr zu werden. gestern war es heißer, ich weiß. wenn man den messungen und ziffern vertraut. aber die fahrt heute, mit einem nicht voll aber doch ziemlich bepackten motorrad hat mächtig geschlaucht. zumal die kiste mir beinah hingeknallt wäre als sie schon fast vollständig bepackt war. das übliche, eine seite des hauptständers wollte gern im boden versinken, allen kleinen pflastersteinen zum trotz. das resultat sind 250 kilo in schräglage. kein schöner anblick und auch nicht leicht zu handhaben. geflucht und geschwitzt habe ich, noch bevor es überhaupt losging.

viel vergessen habe ich. also nicht nur das eine teil, irgendeines, das man halt immer vergißt. sonst klappt es ja nicht mit dem reisen. nee, diesmal fehlen die mehrfachsteckdose, die richtigen kopfhörer (dafür andere, geht ja auch), das opinel (denn in keiner ferienwohnung sind die scharfen messer wirklich scharf) und ein paar toilettenartikel. alles nicht schlimm, kann man alles besorgen oder drauf verzichten. aber komisch ist es schon. eigentlich bin ich anders.

vor allem aber müde jetzt.

die wohnung ist wird heiß, ausgerechnet am nachmittag steht hier voll die sonne. und es gibt nichts, um sie wenigstens ein bißchen auszusperren. außer einem riesigen ventilator. das heißt: arbeiten am morgen und dann später am abend wieder. so sieht es aus. und so wie jetzt geht es.

dazwischen ist paddeln angesagt. viel trinken, wenig essen. oderirgendsowasinderrichtung.

möglichkeiten

vor zehn jahren oder so, kurz nachdem ich nach berlin gekommen bin, dachte ich eben. da hätte ich eine werkstatt mieten, ein auto kaufen und mich auf flohmärkten und bei trödelhändlern umsehen sollen. schicken schrott finden und in tolles zeug umbauen, tische, lampen, regale usw. möbel halt und dann verkaufen, das wärs gewesen. das wäre heute noch fein, eine werkstatt haben. das vor allem. und geld wär da wohl auch drin gewesen.

aber auf sowas kommt man nicht, wenn man so gar kein geld hat. nicht einmal auf die idee. und wenn, dann hätte ich mir vermutlich eingeredet, daß ich nicht ausreichend qualifiziert bin. eine dekorateurin ist ja keine schreinerin. oder? also hätte ich auch nie jemandem davon erzählt, der oder die vielleicht das hätte vorfinanzieren können, was so alles nötig gewesen wäre. und das wäre ja nicht wenig gewesen. ein unsichtbarer kreislauf, der ins nichts führt. nennt man auch armut.

heute machen das, was ich damals hätte beginnen können, alle möglichen heimbastler auf die unsinnigste art. und bilden sich was drauf ein, bloggen und twittern drüber und schreiben bücher am ende. (die ich dann übersetzen darf, immerhin.) das mit der qualifikation wäre damit also ausgehebelt, wenn nicht ohnehin. aber darum geht es gar nicht. es geht darum, einfach immer im leben zu tun, was man gut kann und gerne will. und eben das zu erkennen. ebenso zu erkennen, daß das nicht mehr funktioniert, wenn da so gut wie kein geld ist. armut macht immer auch das denken arm, die ideen und die kreativität und damit das schöpfen und schaffen. so sehr man sich dagegen wehren mag. das hätte ich nicht von mir gedacht.

heute ist alles anders, und so ist es auch gut. jetzt. denn mit der werkstattidee wäre auch gewerbe, steuern und marketing verbunden gewesen. letzteres vor allem, mächtig viel davon. und damit habe ich es ja nicht so gar nicht. schon die freiberuflichkeit verlangt mir diesbezüglich einiges ab, das mich an den rand der verzweiflung treibt, mitunter. also ist es gut, alles gut. nur ein wenig schade halt.

und überraschend, auf einmal glasklar vor sich zu sehen, was möglich gewesen wäre. (damals. und was ich wohl im moment alles übersehen mag?)

neukölln ist laut im sommer, besonders in diesem sommer. menschen schreien herum, weil sie freude haben oder streit. das geht bis spät in die nacht, in der nacht wird es sogar besonders laut. ich habe große sehnsucht nach ruhe, immer mehr eigentlich. die kommende schreibzeit wird das beinhalten. das macht mir fast angst, denn es sind nur 10 tage. und das ist nichts. das wird sie seele nur noch sehnsüchtiger machen.

aber ruhe immerhin habe ich selbst. stille und schweigen ist mir zueigen, trotz aller inneren unruhe, die ich ebenso beherberge. das geht nicht verloren, es ist mir nicht fremd.

langsamkeit dagegen? langsamkeit ist eine andere welt. meine sehnsucht danach ist aber ebenso päsent und will befriedigt werden, so fremd mir langsamkeit an sich auch ist. und sie wird bereitstehen in meinem potsdamer schreibrefugium, in allen raumecken wird sie herumlungern, auf den wegen, die ich schon ganz gut kenne, und in der luft. ob ich sie erkennen werde? oder auch nur ertragen?

wo langsamkeit doch zum schreiben gehört, ganz und gar untrennbar damit verbunden ist. (für mich zumindest. andere sind da schneller, ich weiß.) schreiben ist vertrauen in die zeit, die vergeht. und auf die momente in der zukunft, die möglichkeiten, die in diesen augenblicken darin liegen und geschöpft werden können. könnten.

jetzt: an die arbeit, die koffer anschrauben und so weiter. zeugs regeln, keine langsamkeit vorschützen.

endlich

viel zu tun, bis ich am mittwoch endlich wieder in schreibzeit gehen kann.

das boot mußte geflickt werden. tatsächlich. das soll mir erstmal wer nachmachen, so ein doch recht robustes packraft gleich bei der dritten fahrt zu perforieren. aber es war ein eisen, davor hatte man mich gewarnt. eine rostige winkeleisenstange, senkrecht am uferboden, im böschungsbewuchs versteckt. was will man da machen.

dann die beiden seitenkoffer fürs motorrad. seit über zwei monaten stehen sie hier herum, und genau so lange suche ich nach einer lösung, sie auch anzubringen. das heißt, die lösung war im grunde recht einfach, allein die umsetzung. es waren einfach die passenden eisenwarenteile nicht zu bekommen. nirgends, nicht einmal im exquisitesten fachhandel. von baumarkt ganz zu schweigen. fündig wurde ich schließlich in einem bootsgeschäft, zumindest geeignete haken gab es da. die u-form-schrauben allerdings waren tatsächlich nicht aufzutreiben, die mußte ich aus einer gewindestange selber biegen. schön sind sie nicht geworden. die schlosser haben mich damals in der lehre nicht wirklich haben wollen, obwohl die deko-auszubildenen eigentlich durch alle vorhandenen handwerke geschleust wurden. aber frauen in der schlosserei? damals wohl noch undenkbar. was ein schraubstock ist, weiß ich dennoch und besitze auch einen. mein opa hat mir das gebiet nicht vorenthalten. metall ist dennoch nicht so mein ding.

morgen dann nur noch festschrauben und gleich weiter im text. bügeln und dabei nachdenken, das hilft vielleicht weiter.

jemand im haus ist gestorben, vielleicht vor tagen schon. entdeckt wurde es erst gestern, die hitze hat dabei geholfen. ich habe nichts gemerkt, obwohl auch ich mehrfach an der tür vorbeigegangen sein muß. man wünscht es sich, das es anders wäre. daß menschen nicht einfach so sterben, während man selbst ein paar türen weiter ißt und trinkt und schlecht träumt. und dann tot sind, während man selbst trinkt und träumt und zur arbeit fährt. als wäre nichts. aber es ist so. das war mir klar als ich nachts, als die polizei den körper aus der wohnung holte, an der im treppenhaus bereitstehenden bahre vorbei einen blick in die offenstehende wohnung nicht nicht werfen konnte.

aber warum mußte ich auch noch einmal raus, um nach einem mond zu suchen, der eh nicht zu finden war. heute morgen war dann alles wieder (polizei)versiegelt.

hammerIN

guck mal, eine motorradfahrerIN. mit betonung auf dem IN, das sagt die frau zu einem kind, als sie an mir vorbeikommen. das kind, das vielleicht ein junge ist, zeigt kein interesse, will lieber gleich weiter zur kita. sein pech.

so hat es verpasst, wie die motorradfahrerIN mit einem plastikhammer ein paarmal sanft vor die vergaserbatterie schlägt, um den einen, der neuerdings sinnfrei benzin in die umwelt sabbbert, kurzentschlossen von seinem leiden zu heilen.

global

bei dem überraschenden famlientreffen vor ein paar wochen, horizontal angelegt, also die cousinen-cousin-linie, saßen dann fünf so in etwa gleichaltrige mittelalterliche menschen irgendwo am rhein beieinander, nur zwei fehlten, die beiden jüngsten. außerdem trafen fünf oder sechs oder vielleicht auch nur vier, ich weiß es so genau gar nicht, unterschiedliche staatsangehörigkeiten aufeinander, zum teil doppelt vergeben oder ganz selbstverständlich zwei davon auf eine person verteilt. und ich war die einzige deutsche. nur deutsche. seltsam.

kein baum, kein haus, aber ein boot

so ist das jetzt. ein gummiboot mit luft, eine ente. eine recht lahme, verglichen mit den schnittigen hartschalenkanus, denen man unterwegs so begegnet. aber meine ente. NTE!

eine großer vorteil ist die leichtigkeit der NTE, etwas mehr als drei kilo. wie auch ein großer nachteil, bei gegenwind zum beispiel.

(die ausfahrt fand in der feldberger seenplatte statt und die bilder hat regine von mir gemacht.)

rücksicht

kaum eine woche wieder auf dem motorrad unterwegs. und schon ärgern sie mich wieder, die unachtsam zwischen allen fahrspuren agierenden autolenker. die frau immerhin hat entschuldigend gewinkt, nachdem sie meinen weg einfach mal so gekreuzt hatte. alle anderen scheinen nicht einmal zu merken, was sie so tun. der taxifahrer zum beispiel, der erst vom straßenrand aus vor mir kreuzend auf die linke und dann unmittelbar darauf gleich wieder vor mir auf die rechte spur fahren mußte, um dort dann unvermittelt anzuhalten? keine ahnung, was der sich gedacht haben könnte. aber meckern konnte er, weil ich dann erstmal hinter ihm zum stehen kam, da der nachfolgenden verkehr nicht sonderlich gewillt war, mir ein einfädeln zu ermöglichen. besonders unberechenbar allerdings sind die, die telefonieren, ob nun mit oder ohne telefon am ohr. die in ihren businessschlachtschiffen wild gestikulierend ihrem business nachgehen, dabei einhändig durch den verkehr schlingern, nicht besonders rasant, dafür aber mit dreistester blindheit. wirklich gefährlich.

da bleibt mir wohl nichts, nur diese drei: vorsicht, übersicht und nachsicht.

in hamburg

wann immer ich in hamburg bin, ist es kalt, naß und dementsprechend häßlich. hamburg an sich ist von allen mir bekannten städten die für mich unsinnigste. so war es von anfang an, und das ist jahre her. die menschen hier stecken so selbstsicher in ihren zerknitterten regenjacken. groß sind sie, haben riesige hände und füße und mäuler. durch und durch erwachsen scheinen sie mir, wenn sie ihr allumfassendes moijn in die welt rufen. das macht mir angst, und nur deshalb muß ich wohl so maßlos übertreiben und vereinfachen.

berlin ist da von grund auf anders. die menschen zappeln herum, mal so und mal anders, als stünden sie beständig unter schwachstrom. mehr aber auch nicht. wenn es regnet stehen sie in schlappen auf der straße und wundern sich. oder sie sitzen mit schirm in der hand aufrecht auf dem rad. erwachsen ist niemand, auch die erwachsenen nicht. alle suchen und suchen nach dem, was sich mal finden oder erfinden lassen könnten. oder sie behaupten es zumindest. auch das ein klischee und daher unzutreffend.

doch was will ich hier, ausgerechnet, warum bin ich hamburg? war ich nicht ohnehin viel zu viel unterwegs in letzter zeit? der termin ist morgen erst, und es gibt nicht wirklich einen grund, gestern schon anzureisen, um heute den ganzen tag hier zu verbringen. vorbereiten können hätte ich mich auch zu hause, obwohl ich es vermutlich nicht getan hätte. noch weniger als ich hier dazu in der lage war, die fremde schwer hamburgs lag darüber. die gewissheit, daß diese stadt mich nicht einlassen wird. niemals.

und als schreibzeit? nun ja, auch das war angedacht und kann letztendlich nicht als gänzlich mißglückt bezeichnet werden. die unterkunft habe ich in vollem wissen um ihre schreibuntauglichkeit gebucht. die aus dem letzten jahr stand mir nicht mehr zur verfügung, deshalb sitze ich nun in einer art zelle, in der im grunde nur ein bett und ein fernseher platz hat. und netz natürlich. schreibarbeit unter erschwerten bedingungen, so gesehen war ich recht erfolgreich.

schreiben im öffentlichen raum. korrigiert habe ich oft außer haus, mit bleistift und papier im café. das geht. aber mit laptop? arbeit am offenen herzen der romandatei. in hamburg?

ging auch. was mich überrascht hat. wobei es ja nur überarbeitungen waren, aber egal. es war schreiben, eintauchen in das material. in die menschen, was sie tun und was sie reden. es ging gut. sehr gut sogar. vielleicht sollte ich mir in berlin genau so einen platz in einem café suchen, mit steckdose am besten, und immer wieder mal besuchen. ja?

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