am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

das ist ein wochenende weit jenseits aller planung. gestern nur und beinah ausschließlich in tangomusik gewühlt, für eine halbe stunde kurz ein bißchen nach dem motorrad gesehen. läuft schon, kein problem, ist auch fast alles in ordnung. heute dann spontan und gänzlich ungeplant mit balkonputzen angefangen. kein wunder irgendwie, bei dem wetter. morgen möchte ich da draußen frühstücken. dachte ich.

andererseits gibt es da durchaus eine nicht ganz unerhebliche liste von zu erledigenden dingen.

wunderbar

im freundes- und bekanntenkreis wie auch in der verwandtschaft häufen sich die todesfälle, die elterngeneration ist an der reihe. ein zufall, daß es bei mir, damals, so früh begonnen hat. daß ich den einen teil davon schon hinter mir habe, so lange schon. wie das klingt! aber es stimmt, irgendwie, so richtig weiß ich mitunter nichts zu sagen. wenn menschen sterben. das scheint mir so ungeheuerlich. wie eben auch normal.

das macht mich ratlos.

noch ein onkel also. der, der damals nach der beerdigung meines vaters, seines bruders den schmaus bezahlt hat. weil ich oder wer anders es nicht konnten, zu chaotisch waren die finanziellen verhältnisse. und nicht nur die. der mit meinem bruder und mir bei seinem beerdigungsmenschen saß und meinte, verbitterung in mir zu sehen, weil ich ein familiengrab in meiner geburtsstadt zu kaufen ablehnte. genau dort ist er selber nun, in diesem institut, da bin ich sicher, und wartet auf sein grab. ich aber brauche kein grab, bis heute nicht, keinen letzten ort. ich gehe ohne das, irgendwann.

der onkel also, den ich singend in erinnerung habe, vor ein paar jahren, als ich ihn das letzte mal sah. auf seiner golden hochzeit, mit brüchiger, alter stimme: es muß was wunderbares sein.

überhaupt, die männer in meiner familie. alle so sanft, wozu immer sie auch sonst noch fähig gewesen sein mögen. oder es waren, wie ich weiß, hinter den türen, den vorhängen, wer weiß. so sanft, so klug.

die hohlheiten im leben austauschen gegen etwas weiches, tragfestes, trittsicheres. wider den geschulten geist, mit dieser größe zu rechnen ist ein wagnis. darauf zu bauen, jenseits aller wiederholungen. leben.

sterben will ich dann in wien.

leben & lesen

allzulange im erledigungsmodus verharren ist auch irgendwie, naja. wenig erfolgreich und zufriedenstellend. ich fange viel an dieser tage, alles ein bißchen, und das ist ja gar nicht schlecht. das meiste davon ist wichtig, und auch so kommen dinge auf den weg. aber etwas geht dabei verloren, beweglichkeit und weite. das ist nicht gut.

das muß anders.

(lesen. oft hilft da ja lesen, wie ganz früher schon. als lesen noch lebensrettend war.)

handgewerk

von wegen selbstobservation. seit gestern drücke gern an meinen händen herum, durch die das unangenehme gefühl, schmerz kann man es nicht mehr nennen, quasi herumgeistert. heute sitzt es wieder im mittleren gelenk des linken kleinen fingern, die stelle, an der mal ein stück vom gelenk abgesplittert war, und ein winzig kleines bißchen immer noch im mittelfinger der rechten hand. das erste glied des linken zeigefingers, wo dieses gefühl gestern noch saß, fühlt sich plötzlich irgendwie beulig, knotig an. (irrationale rheumadeformationspanik?) es braucht ein paar stunden, tatsächlich, bis ich bereife, daß es eine narbe ist, die sich offensichtlich schon immer, oder zumindest sehr, sehr lange, dort befindet. wenn ich nicht nur taste, sondern auch hinsehe, dann kann ich es erkennen.

als ich daraufhin meine finger gründlich betrachte, stelle ich fest, daß nahezu an allen gelenken und knöcheln narben befinden, an einigen sogar mehrere, auch an den fingerkuppen und auf dem handrücken. (rechts auch in der handinnenseite, aber das ist eine andere geschichte.) an der rechten hand befinden sich übrigens fast ebenso viele narben wie links, obwohl ich doch grundsätzlich rechtshänderin bin und gefährliche werkzeuge überlicherweise mit dieser hand halte. sie sollte außer gefahr sein.

ich habe keine ahnung, woher das alles stammt, doch da sind allein sieben narben am linken zeigefinger. ich erinnere mich dunkel, als kind einmal mit einem holzschnitzmesser abgerutscht zu sein und es so tief in ein fingergelenk gestoßen zu haben, daß ich zunächst dachte, ich wäre bis zum knochen vorgestoßen. bilder von hühnerknochen und knorpel standen dabei vor meinen augen. kam dann aber doch nur ein pflaster drauf, und es war gut. sonst weiß ich nichts mehr, ich kann nur vermuten, daß es vor allem in der lehre und später bei sonstigen handwerksarbeiten passiert sein muß. das sind die hände einer handwerkerin, das paßt doch.

trotzdem ist es komisch, irgendwie, daß ich davon so überhaupt nichts mehr weiß. als hätte ich gekämpft, mich geprügelt mit diesen händen. und es anschließend immer sofort vergessen. vorsichtshalber.

schönheit

diese dunkle weite, die tief in meinen träumen wohnt. seit tagen schon, sie kam mit den wölfen ans licht. diese stille schönheit, im grunde unergründlich, die mich seit jeher umgibt. ich weiß. wenig ist so nah und doch so flüchtig, als wort allein unfassbar.

es ist zeit, ich werde wieder träumen.

weiterhin beißt es sporadisch ein wenig in der linken schulter, bei schnellen bewegungen oder belastungen nach hinten vor allem. die fingerknöchel wechseln sich ab mit dem zwicken, heute ist es das vordere gelenk des linken zeigefingers und, wie seit ein paar tagen schon, das zweite des rechten mittelfingers. das macht alles nichts. auch der blutdruck ist flexibel, ist mal überraschend niedrig, dann wieder gewohnt mittelprächtig. seltsamerweise fühle ich davon nichts, nur wenn es zu arg in den keller geht, so wie sonst nie, dann ist mir das unwohl. ein ganz klein wenig vielleicht, aber auch macht eigentlich nichts. irritierend dagegen ist der schmerz tief im linken ohr. gibt es rheuma im ohr? sicher nicht. vielleicht ist es das kiefergelenk, das ein gewohnt kräftiges kauen heute schwierig bis unmöglich macht?

langsam werde ich mir lästig mit dieser selbstobservation. grundsätzlich ist es mir nicht gegeben, nicht so zumindest, mir selbst derart auf der lauer zu liegen. als gäbe es da etwas zu entdecken, etwas wichtiges womöglich. nein. normalerweise dient dieses ich mir als instrument für wahrnehmung und reflektion. nur deshalb muß ich wissen, wer ich bin. und wie ich mich befinde.

viel tango gestern. viel arbeit heute. viel sonne auch. ich freue mich.

lost

es gibt sie, immer noch, dieses tage, an denen ich nicht bin, wo ich sein möchte, wo ich sein sollte. nicht dort, wo ich weiß, daß ich hingehöre. weil ich nicht darf, weil ich es nicht zugeben kann, weil ich mich nicht traue. weil ich nicht auffallen will, nicht gesehen werden. als eine, die auch irgendwo hingehört. dort, wo eigentlich andere hingehören, wo schon andere sind. vielleicht hier.

das ist die art, wie ich mich verliere, immer wieder. gestern war so ein tag.

heute ist ein anderer.

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