am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

diese woche läuft alles ein bisschen besser als in der letzten. weniger schmerzen, besserer schlaf, wenn auch nicht unbedingt mehr. alles geht tiefer, ist deutlich klarer auch und gesetzter. erschöpft bin ich dennoch, das wird sich nicht so schnell legen. einen monat noch, etwas über vier wochen. ich mag mich in seitenzahlen irren, immer und immer wieder, mit jedem kapitel aus neue. über die zeit für die letzte stecke bis zum ende diskutiere ich nicht, da täusche ich mich auch nicht. hoffe ich.

heute morgen habe ich geträumt. ich weiß nicht mehr, was. ich hatte eine ahnung, den ganzen tag über. da war etwas, jenseits der erinnerung. worte dafür habe ich nicht gefunden.

außerdem illusionen. viel platz in den u-bahnen heute, mein stammcafé am nachmittag so gut wie leer. stundenlang. keine ahnung, ob das an covid-19 liegen könnte. tatsächlich?

keine illusion sind die kämpfe und kriege in der welt. dazu schlechteste politik der dümmsten, kurzsichtigsten art, für die am ende immer andere zahlen, anderwo.

mit ihren leben, auch wenn sie überleben. die kinder, die kinder.

die krönung

leipzig ist abgesagt, also doch, da kann man nix machen. traurig bin ich, das stimmt. in den letzten paar jahren war ich ja immer dort, und wenn nur für einen tag. immer! in schnee und eis und sonnenschein, in menschenmassen, einsamkeit, begeisterung und erschöpfung. ich werde es vermissen, alles. ich kenne das so gut inzwischen, sogar die wege in der stadt.

all die möglichkeiten. all die menschen, die ich sonst nirgends treffe. weil sie überall wohnen, nur nicht in berlin. und selbst, wenn sie in berlin wohnen. man sieht sich dann doch oft nur dort. leipzig ist eine schöne stadt.

vielleicht auch eine möglichkeit, denke ich immer wieder mal. wie damals, als das aus anderen gründen möglich gewesen wäre. was sich dann aber schneller zerschossen hatte, als ich die möglichkeit hatte, mich darauf auch nur einzustellen. ideen zu entwickeln und das eine oder andere wort dazu zu verlieren. keine chance!

aber wer weiß, leipzig ist ja dennoch eine schöne stadt. nur diesmal halt nicht.

was auf der anderen seite bedeutet, dass mir ab sofort vier weitere aufeinanderfolgende, erweiterte wochenenden zum schreiben zur verfügung stehen. eines mehr als gedacht. und das widerum bedeutet, dass meine chancen, das manuskript tatsächlich bis ostern fertig zu bekommen, wieder deutlich gestiegen sind. ich hatte mich schon leicht zu fürchten begonnen, nachdem das vorletzte kapitel sich unbedacht wieder einmal mehr als verdoppelt hat. und demensprechend doppelt so viel zeit beansprucht hat. und immer noch nicht so recht fertig ist.

und. und. und.

das ist ewig und alles, so scheint es mir. das ist nicht gut.

sonntag. relativ früh wach geworden, trotzdem ausreichend geschlafen, daher einigermaßen lebendig. im hirn dennoch schwach, vielleicht aufgrund der überraschend schmerzreichen vergangenen woche. erst die eine hand, dann der daumen der anderen, am freitag dann die gegenüberliegende schulter. große gelenke sind anstrengend, weil eben auch groß im schmerz. alles andere lässt sich problemlos ohne extramedikation aussitzen. schultern nicht. gestern und heute hat sich dann noch der nacken gemeldet, der den kopf nicht mehr halten wollte. ich bin etwas unsicher, ob auch das zum rheumakomplex gehört. ich vermute nicht. das ist eher der allgemeinen fehlhaltung und der lädierten nackenbandscheibe zuzuschreiben. denke ich. folge auch der schmerzerbedingten ausweichbewegungen.

egal. alles kein vergleich zu meinem zustand vor etwa einem jahr. nichts hindert mich derzeit derart nachhaltig am schlaf, dass ich am ende kaum mehr ich selbst bin. also alles gut. im moment sowieso. das ding scheint jetzt durch zu sein. was immer es war.

schreiben. war heute nicht angesagt. nur ein bisschen denken und notizen für das nächste, das letzte kapitel machen. damit da nichts verloren geht. das war alles. dann noch die beiden übersetzungen von februar durchgegangen und rausgeschickt. gleich danach die rechnung dafür fertig gemacht, zum zügigen rausschicken, morgen. ich bin ein wenig unsicher, in der firma scheint derzeit alles drunter und drüber zu gehen. seit wochen hat sich da niemand gemeldet. unschön.

leipzig. nach ein wenig hin und her in meinem kopf, entgültig dafür entschieden. mich also nicht von der aufkommenden corona-panik mitreißen lassen, obwohl ich immunsystemgedrosselt womöglich einer der risikogruppen angehöre. wer weiß das schon, egal. stattdessen einfach fröhlich im buchmessenprogramm geblättert.

bass, das auch noch. ich suche ja nach unterricht für nach dem buch. also dem manuskript, das ja zu ostern fertig sein wird. davon gehe ich aus, und dann kommt es in andere hände. erstmal. dann will ich mich mal mit diesem saiteninstrument auseinandersetzen, zumindest so ein wenig. das da seit jahren in der ecke steht. im internet schon ein wenig fündig geworden, bin gespannt.

so war das heute, an diesem sonntag. der mich trotz allem erschöpft hat. das scheint derweil meine linie.

früher frühling

draußen die sonne. sieht aus wie frühling. das ist früh, diesmal. fast so wie im westen, damals. ich schaue hoch, der blick wird weit. mir wird warm, obwohl es recht kalt ist. so ist das im frühling.

so ist es mir am liebsten.

schreibzeit (41)

das zweite von drei wochenenden daheimschreibzeit, eingebettet in alltag. mit brotbüroarbeit also, mit wäschewaschen und müll hinuntertragen, mit tangotanzen und übersetzertätigkeiten, zweitbrotberuflich. mit schmerzen auch und physiotherapie, die ebenfalls schmerzhaft ist. das alles, und was immer sonszt noch dazugehört.

mit überforderung, ständiger überforderung als einzger konstante.

ich gehe es langsam an. ich sollte das nicht, meine ressourcen neigen sich ihrem ende zu, eindeutig. ich sollte losmachen, zügig, dass ich schnell zu ende kommen. denke ich, aber das ist natürlich blödsinn. wenn die tankanzeige in den roten bereich fällt, ist es auch nicht besonders hilfreich, schneller zu fahren. eher im gegenteil, würde ich sagen. so etwas macht man, wenn man jung ist.

ich gehe es langsam an, das ist gut. fünf bis sechs stunden schlaf, wie in den letzten zwei, drei jahren, reichen nicht mehr. im moment zumindest, wo es kaum zwischenraum, leere, zeit zum atmen gibt. manchmal sitze ich da und höre musik. dann laufe ich herum, im regen, in der kälte. und höre musik. oder ich sitze im café, lausche den verschiedenen sprachen, die es hier gibt. überall ist neukölln.

dann gehe ich nach hause und fange an. zu arbeiten, zu schreiben. ich gehe es langsam an. das ist gut, denn ich bin in einer der finalen überarbeitungsphasen, vielleicht der letzten, bevor ich dann ins letzte, ins wirklich allerletzte kapitel entschlüpfen kann. so hoffe ich, doch sehr.

es ist gut, es funktioniert. aktuell braucht es nicht viel zeit, die ich am schreibtisch verbringe. oder auch nur am rechner. das kommt wieder im nächsten kapitel, morgen oder übermorgen. vielleicht. jetzt braucht es bewegung und licht, es braucht gefühl. keine storyideen also, dafür sollte ich dann doch lieber am rechner kleben. erstmal alles rausfetzen, dann mal sehen. doch jetzt braucht es konstruktion, mehr noch form und stil. konkrete umsetzung, brüche und aufbrüche. ausdruck.

ich gehe langsam, endlich. das ist es.

schreibzeit (40)

es geht ans eingemachte. die kommenden drei wochenenden, jeweils erweitert auf drei oder vier tage, habe ich mich terminfrei gemacht. und damit schreibzeittauglich für das letzte kapitel. nein, falsch, das erste, das jetzige wochende ist noch für das vorletzte kapitel.

es schreckt mich, das hier so aufzuschreiben. denn es ist so, es wird so werden. und dann bin ich allein.

ich spüre jetzt schon, wie es langsam wieder in mir aufsteigt. das eigene, das ich. wie sich die persönliche geschichte in mir behaupten will. all das, worauf es nicht ankommt beim schreiben. dinge, die so lange zur ruhe gesetzt waren. melden sich zu wort, drängen sich mir auf. ähnlich, aber anders. wer weiß, was damit passiert.

vielleicht wird es interessant. oder wichtig, für was auch immer. für ein neues buch oder für mich selbst. vielleicht beides. oder es wird verrückt, unerträglich und sinnlos. egal.

erst noch vier bis fünf wochen schreiben. fertigschreiben. dann.

ich weiß nicht

ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. wie es ist, an einem buch zu schreiben, das in so vielerlei hinsicht queer ist, dabei andererseits auch von grund auf normal. und zeitgleich über hanau zu lesen. lesen zu müssen, immer wieder.

ich weiß nicht, was los ist in dieser welt. was ich dazu sagen soll. und dann schreibe ich einfach weiter, als wäre nichts gewesen. mein ganz normales buch, damit es bald fertig ist. und wer weiß.

ich weiß nicht, ob es in zwei jahren oder so, wenn es vermutlich erscheinen wird, nicht nur noch queer sein wird. weil sowas eben nicht normal ist.

schluss jetzt, nichts

alles wird anders, immerzu. zu der schreiberschöpfung gesellt sich neuerdings eine gewisse aufgeregtheit. zunächst im text, da nähert sich der vergangenheitsstrang dem gegenwartsstrang bis auf ein paar monate. und auf einmal verwechsle ich permanent die zeitformen. ich starre bruchteilsekunden auf das wort „klang“, ohne zu verstehen. ohne zu wissen, ob es eine gültige verbform darstellt. von der bedeutung ganz zu schweigen. so lange starre ich, dass ich sie nicht nur spüre, die leere und hilflosigkeit in meinem hirn. die zeit steht, und ich kann sie für einen augenlick betrachten und studieren. die zeit und die leere.

gut, das ist das, das ist normal. irgendwie. zumindest der schreiballtag, die schreiberfahrung, die schreiberschöpfung. gleichzeitig nähert sich der text insgesamt dem jetzt. meinem jetzt, meiner wirklichkeit. wenn ich in ein paar wochen fertig sein werde, dann wird er relativ zügig gelesen und gewertet werden. von meiner privaten testleserschaft, sorgfältig zusammengestellt, wie auch in der agentur. und dann: was weiß ich!? jedenfalls wird er nicht jahrelang irgendwo einen papierstapel bilden, wie der erste roman. damals. auch an dem punkt starre ich in die leere und die zeit. und verstehe nichts.

überhaupt, dieses nichts. dieses schreiben ist mir mehr und mehr zu meiner buddistischen praxis geworden. so gesehen waren die letzten jahre ein heart-core retreat, in dem ich mich vielfältig und nachhaltig schlecht benommen habe. unaufmerksam war ich, rücksichtslos, vor allem mir selbst gegenüber, und weitgehend verwirrt. auch das ist ziemlich normal. und gut geschrieben habe ich in diesem zustand, hoffentlich.

ich weiß nicht, wo und wie ich da am ende herauskommen werde. noch kann ich nichts davon sehen, nur die angst. weil alles immer anders ist. es gibt keine garantie.

schreibzeit (39)

irre. immer wieder irre.

wenn sich nach der starre und den zweifeln an allem das material wieder öffnet und schenkt. ein zauber fast. dinge, von denen ich keine ahnung hatte, dass ich sie schreiben würde. keine taue mehr, unhandlich und schwer. stattdessen fäden, die leuchten und schwingen. sich nirgendwo festsetzen wollen und sollen. warum denn auch?

zufrieden bin ich, glücklich fast.

aber natürlich muss so manches, was sich mir gerade aufschlüsselt, noch geschrieben werden. das eine der beiden enden ist doch noch nicht ganz zu ende gebracht. heute.

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