am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

tango, drogen, arbeit

das war das wohl absolut beste tangofestival bislang, für mich zumindest. ganz anders als ich dachte, vor allem meine kondition. aber nicht nur. auch meine tangofeigheit hat abgenommen, überaus deutlich sogar. also alles gut, noch besser sogar. bestens.

damit hatte ich nicht gerechnet. wo soll das nur enden?

der erste abend danach allerdings ist nun nicht unerheblich in unkonzentration und müdigkeit versunken. beinah ein bisschen wie erschöpfung, obwohl es körperlich besser geht als im gesamten letzten jahr. dank der regelmäßig verabreichten drogen schmerzen weder die füße noch die hände, die außerdem so gut wie auf das normalmaß abgeschwollen sind. selbst früh am morgen merke ich quasi nichts mehr von der qual des gesamten frühjahrs. vielleicht die rechte schulter noch, die gelegentlich ein klein wenig piekt. und die hand mit dem karpaltunnel.

die erschöpfung wohnt also im kopf und nur dort.

das zuviel an arbeit, das ganze durcheinander darin. der trott des haltagsbüros und der gewältige übersetzungsklotz, der danach zu hause auf mich wartet. den ich endlich bewältigen muss, irgendwie, auch wenn ich noch so wenig lust darauf habe. alles überragt von dem endspurt in bezug auf den roman. der hat noch nicht begonnen, ist aber auf einmal in sicht.

das alles will gerade nicht mehr so recht zusammenfinden in mir. wenn es das denn jemals hat. kann ich mir im moment überhaupt gar nicht vorstellen, nicht einmal das.

aber toll, so alles in allem.

tango time, queer

wie jedes jahr. in ein paar atemzügen ist alles anders, die ganze stadt ist tango. am mittwoch abend ist das queertango-festival in berlin gelandet. für mich ging es donnerstag mittag los, kurz nach literatur.

und alles ist gut, alles richtig gemacht. nur einen kurs pro tag gebucht und als helfer*in keine taxitanzverpflichtungen (einspringen bei ungrader teilnehmer*innenzahl) übernommen. ein wenig angst hatte ich dennoch, das pensum, inklusive der abendlichen milongas, nach fast halbjähriger tanzuntauglichkeit nicht bestehen zu können. hat sich als ziemlich unbegründet herausgestellt, glücklicherweise. alle sich bisher einstellenden körperlichen beschwerden sind muskelkater oder altbekannte tangomiseren wie ausgeprägtes fußsohlenweh. an letzterem trägt allein das schuhwerk schuld. der nacken dagegen freut sich offensichtlich über die rotationsbewegungen der unteren körperhälfte und knirscht nur noch, schmerzt und drückt hingegen kaum, heute. überraschung.

der rest ist reine freude. wieder sind ausgezeichnete lehrer*innen angereist, allen voran tango con*fusion, mit einem ausgezeichneten, wohldurchdachten unterrichtskonzept. präzise und humorvoll.

vor allem anderen aber. ich bin entspannt, was solls. ich tanze mit menschen, die ich jahrelang nur angesehen habe. warum auch nicht. dann wieder sitze ich am rand und schaue nur. und sammle ideen und material auf dem weg, für den weg bis zum ende des romans. das auch. das ist überall.

ps: ein bisschen gehts ja noch weiter, heute und morgen. mal sehen. ob die kraft reicht.

#englreisen

freitag, samstag, sonntag. seit meiner rückkehr fast nur geschrieben oder sonstwie in literatur beschäftigt. vorbereitungen für den stipendiumsantrag zum beispiel, heute morgen gleich angegangen. und schon so gut wie erledigt, nur noch den textauszug auswählen. später dann, ein bisschen zeit ist ja noch.

das motorrad zurückgeholt. wieder einmal – wie eigentlich immer, wenn ich in klagenfurt bin – stand es vor der werkstatt herum, ohne dass es dort hätte stehen müssen. nichts ist geschehen, aber zugegeben, die anforderungen diesmal sind hart. moderne, verstellbare hebel für ein über 30 jahre altes motorrad zu suchen und zu finden, ist sicher kein vergnügen. und ich allein wäre damit heillos überfordert.

bessere hebel für meine kleinen hände gibt es also erstmal nicht. aber den händen geht es inzwischen wieder ganz gut unter der neuen medikation. ausgesprochen richtig gut sogar, bis auf ein paar ausreißer in ungünstigen momenten natürlich. wie das so ist. doch das fahren macht wieder spaß, so ist es wieder mit leichtigkeit verbunden und mit weniger angst behaftet. das habe ich erstmal ausgenutzt, zumal das wetter dazu bestens taugt. kühl ist es und windig. ein wenig feucht auch, was mir nicht behagt. aber kein regen, der war gestern und die nacht hindurch.

außerdem: kurz nach dieser sommerlichen rundreise in sachen literatur, münchen, klagenfurt, wien, habe ich gleich die nächste tour festgemacht. und erstmal eine unterkunft in wuppertal gebucht. drei tage dort, in der alten, der ersten wahlheimat, bevor es todesmutig ganz „nach hause“ geht. zur geburtstagsparty meines ältesten cousins, im august.

also schreiben in wuppertal. essen im congo. kaffee im milia. und schweben natürlich.

das hatte ich lange nicht. unsicher war ich, bis kurz vor der buchung. ob ich das überhaupt will. aber jetzt freue ich mich halb verrückt.

gegenüber von meinem schlafzimmer, in der stammkneipe auf der ecke, wird heftig gesungen, geklatscht und gejubelt. gekichert auch, gefeiert eben, in jeglicher hinsicht. es ist eine hochzeit! ich hätte es wissen können, am späten nachmittag sind sie mit einer kutsche vorgefahren. naja, vielleicht eher ein planwagen. also gar nicht so, wie die fiaker in wien, auf hochglanz poliert und ein_e kutscher_in mit melone. aber mit pferden, immerhin.

bis jetzt machen sie immer noch spaß da draußen und haben lärm dabei. ich gönn es ihnen ja, aber ich kann so nicht schlafen.

schreibzeit (25)

meistens bedeutet schreibzeit, dass ich berlin verlasse, um anderswo in ruhe zum schreiben zu finden. manchmal ist es aber anders. dann muss ich zurückkommen, um festzustellen, dass ich meinen regelmäßigen abgabetermin komplett aus den augen verloren habe. und deshalb dringend loslegen muss.

gut so. und nicht gut, der plan war anders: geldverdienen.

aber schreiben geht vor. schreiben ist arbeit. viel arbeit, doch es läuft. immerhin, bis montag sollte es einigermaßen stehen. anders geht es aber auch nicht, denn dann kommt büroarbeit und das tangofestival und so weiter. und das geldverdienen, natürlich, das übersetzen, das ebenfalls dringend ist. dafür steht ja auf dem plan.

schreibzeit, naja. das ist immer auch eine schwere zeit. es reicht eben nie.

wien zu tag, zu spät

vorgestern war es, endlich etwas kühler und wind in wien. ich hatte nur keine zeit, mich hier zu äußern. oder ich wusste nicht, was ich hier sagen sollte. es gab nichts zu sagen.

ich hatte nichts vor in wien. ich wusste nicht, was ich suche. straßenbahn bin ich gefahren, immer im kreis, um den ring, wie es dort heißt. hin und wieder bin ich ausgestiegen, eingetaucht in die kulisse des ersten bezirks, hineingelaufen. bombastisch groß ist es dort mitunter, dann wieder widerlich eng. menschen gibt es auch, einheimisch beschäftigte und touristengruppen, zwischen den mächtigen bauten und in den engen gassen.

doch das alles ist es nicht, nicht meins.

käsekrainer essen war ich dann und ein eis. nicht mehr im zentrum, sondern irgendwo, wo wien eine völlig normale stadt ist. mit menschen, die leben und arbeiten und den sommer genießen. wiener auch, vermute ich mal. wobei es um mich herum fast die ganze zeit vielsprachig klang. wie auch hier, in neukölln, wenn ich vor die tür gehe. das ist es wohl, was ich gesucht habe. etwas in der art.

und ein bißchen auch gefunden, in den knapp drei tagen. (dazu später mehr.)

gestern dann die rückreise, leicht ginverkatert. alles super, nur mein koffer ist jetzt endgültig kaputt. außerdem hat man mir unterwegs den schicken berlinaufkleber von der vorderseite gestohlen. miese menschen das.

heute ein ganz normaler tag in berlin, beinah schon wie immer. aber ich nicht so wirklich. die osteopathin meint, es wäre jetzt alles besser mittig mit mir. was immer das heißen mag. nichts schlechtes vermutlich. der kühlschrank ist wieder voll, der balkon sauber und noch mehr zeugs erledigt.

einen plan habe ich nicht.

im gegenteil, wie verloren bin ich, heute. ich weiß auch nicht. ist es das licht? es scheint mir härter in berlin. als in wien. wo ich war.

wien im abend, bei der nacht

der wettergott hat gesprochen und beschlossen, meinen ersten wienbesuch seit jahren auf den heißesten tag seit wettergedenken zu legen. den ich demzufolge nicht in der wienerwüste außer haus, sondern bei stabilen 29° innerhalb von vier wänden verbracht habe. was allerdings ohnehin mal ganz angenehm und angebracht war, eine weile ohne jeglichen menschlichen input allein am intenet zu verbringen. in der arbeit auch, der freien, nicht dem schreiben, in der am ersten des monats rechnungen zu erstellen sind. erledigt.

wien, oder aber die derzeitige ecke davon, habe ich mir also zunächst und überhaupt in dämmerung und dunkelheit erlaufen. was nicht schlecht ist, denn auch im roman laufen zwei im dunkeln in wien nach hause. allerdings nicht im hochsommer, sondern mehr so im spätherbst. doch das werde ich abstrahieren können, denke ich.

städte bei nacht sind ohnehin eine qualität für sich, im grunde beinah ein privileg der einwohner. denn sie stellen sie her, die qualitäten der nacht. es ist ihre präsenz oder nichtpräsenz, die die stimmung ausmacht. die offenen fenster, die lichter, die stimmen. die schritte auf den wegen, die geschichten, die dort liegen, die warten, überall.

und eine schande sind all die gegenden und orte der welt, die man – und mehr noch, viel mehr, frauen – bei nacht nicht begehen können. weil der mut fehlt, weil da angst ist oder wirkliche gefahr. eine wirkliche schande.

in wien ist auch entschleunigung, und das nicht nur, weil ich ohne arbeit hier bin. wenn auch nicht wirklich in urlaub, sondern immer, wie sowieso immer, in literatur. sogar recht konkret, diesmal. aber dennoch eben keine arbeit, kein pflicht. nur frei schwingends suchen und finden.

wien ist langsamer, wien verlangsamt, mich. das mag am sommer liegen, an der hitze. oder es ist einfach hier, es lebt und wohnt hier. wo wenig abseits des touristischen epizentrums, so mancher laden fixe mittagspausen einhält und im sommer wochenlang zusperrt.

heute sind es zehn grad weniger draußen, es geht ein guter wind und ich werde weiterziehen in einen anderen bezirk. sehen und lernen, wie wien so bei tag aussieht.

engl macgyver

und dann schnell mal gegoogelt, wie man rollen von rollkoffern reparieren könnte. kann man nicht. man kann sie nur tauschen, wenn sie geschraubt sind. koffer mit genieteten rollen sind schrott, da geht nix.

meiner hat verschraubte rollen, zum glück. jetzt hab ich heute nacht zwar keine neue rolle zur hand, aber weil der koffer vier rollen hat, konnte ich strategisch tauschen, damit er sich wenigstens wieder vernünftig ziehen lässt. bis berlin wird es so wohl gehen.

mit dem winzigen schweizer messer hab ich das übrigens gedreht. geht doch!

heiterer

was denkt sich die bahn dabei, ausgerechnet den von mir gebuchten zug auffallen zu lassen. ersatzlos gestrichen, einfach so? (naja, nicht einfach so, es gab schon einen grund. der zug ist halt kaputtgegangen, so die mitteilung.)

insgesamt war das heute dann schon eine ganz gehörige anstrengung, mehr als die doppelte zeit unterwegs gewesen zu sein. und gleich zu anfang die warterei. ich weiß, es gibt viele züge nach münchen, aber ich habe sicher drei oder vier ausgelassen, die schon als überfüllt vorangekündigt waren. mein gepäck zu bewältigen, war ohnehin anstrengend mit nur einer hand, einem arm. ich sehe dabei vermutlich unbeholfen aus, wenn nicht trottelig. ich bin langsam und übertreibe alles immer ein bißchen. damit niemand ernsthaft glauben kann, ich wäre wirklich so. wobei das vermutlich ein trugschluss ist. sicher sehe ich aus wie eine weißhaarige alte, körperlich eingeschränkt, was ja durchaus stimmt, aber dafür in turnschuhen. kenne ich doch, sehe ich doch selber, solche leute.

das rechte handgelenk hat die linke symptomatik im laufe des tages übrigens zunehmend übernommen. jetzt ist sie ganz dort und pocht, während die linke sich weitgehend beruhigt hat. also ein deutliches rheumaspiel, das da stattfindet. auch das ist anstrengend.

eine gesamtanstrengung, die sich jetzt gerade deutlich niederschlägt. in mir schlägt sie sich nieder, und schlägt mich nieder.

zu allem überfluss hatte ich genug zeit, um mich über mich selbst zu ärgern. warum bin ich nicht gestern schon, also am montag, nach münchen? ich hätte mir viel hetze und verumutlich auch den heutigen ärger erspart. ich hätte einen tag in münchen gehabt, und ich hätte die kaltmamsell noch angetroffen. wobei herr kaltmamsell aka herr rau mich auch ganz hervorregend versorgt hat, mit handtüchern, risotto und drei verschiedenen schokoladen. warum? ich weiß, ich wollte urlaubstage sparen, für den august im westen, zusammen mit der exfrau. aber das hätte ich ändern können, schon längst. mein kleines festangestellendasein hat für dieses jahr noch massig ulaub übrig, fast zwei drittel.

die weisheit des alters ist das alles nicht gerade.

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