raum für notizen

ins leere

17. Januar 2005 - 05:37

schreib darüber, sagt eine freundin, eine schöne geschichte. das ist mein beruf, ich weiß. aber es ist so eine sache mit den derart lebensnahen geschichten. abgesehen davon, daß sie nicht schön sind, macht man sich damit keine freunde. und selbst wenn man es schafft, die klaren linien und züge genügend zu kaschieren, daß es unverfänglich erscheint, ohne jedoch dabei den gehalt zu verramschen – eine gradwanderung, reinster hochleistungssport – selbst dann ist es wie ins leere zu lieben. schlimmer noch, denn letzteres würde lediglich simples und klares scheitern beinhalten. schreiben aber will gelingen und erfolg, in welcher form auch immer. auch öffentlichkeit, ganz ohne frage. doch das schweigen zu brechen bedeutet gewalt. ich weiß.
andererseits, realistisch betrachtet, was kann ich sonst tun?
(außer nach buddhistischen zentren in berlin suchen. auch eine art von nichts.)

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  • albannikolaiherbst:
    19. Januar 2005 - 8:25

    Wie im Eros, so kommen Sie auch in der Dichtung ohne Gewalt nicht aus, denn sie ist ein gleichermaßen fruchtbarer wie zerstörender Teil von Natur. Wer das nicht sieht und dem auch folgt, schreibt Kitsch. Deshalb sollten Sie, wenn ich das sagen darf, auch auf Risiken hin g e s t al t e n, was gestaltet werden will. Auch zu schweigen, nebenbei bemerkt, ist eine Form von Gewalt.

  • engl:
    19. Januar 2005 - 11:16

    mir ist schon klar, was sie mit ‘gewalt’ meinen. ich habe allerdings einen bleibenden konflikt mit dieser bezeichnung, obwohl mir diese macht in vielerlei ausprägung durchaus bekannt und vertraut ist. mag sein, daß es ist ein erfahrungswert ist, der destruktive teil ist ohne zweifel präsenter. nicht nur im sogenannten privaten. auch nicht nur im sogenannten politischen, historischen, … usw. schon allein das wort scheint davon geprägt zu sein.
    wie aber benennt und belebt sich der fruchtbare anteil, dieses absolut notwendige, über das reine arbeiten hinaus. ohne daß es am ende kitsch heißt, was mir nicht selten vorgehalten wird. was ich aber nicht ändern kann. pathos ist wie die klangfarbe einer stimme. ist es da, kann man es nur im zaum halten, nicht aber verleugnen.
    (persönlich finde ich im übrigen die hierarchisierung von kunst und kitsch, E und U usw. immer wieder ermüdend. es erschöpft einfach sehr, niveaukritereien, die es sicherlich gibt, als qualitätsmerkmale heranzuziehen. derzeit arbeite ich vermutlich an ‘wenig anspruchsvoller unterhaltungsware’, wenn ich diesen kategorien folge. nichtsdestotrotz ist die arbeit reichhaltig und elektrisierend. und darauf kommt es an.)
    schweigen. ja. ich weiß. so stehen die dinge gegeneinander, ohne daß es eine lösung geben könnte. des einen schweigen ist des anderen schrei. und umgekehrt. bleibt die frage nach der begegnung.