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im bus mit dem lobo

22. Juli 2009 - 19:13

was ich an dieser unsäglichen vodafonesache nicht so recht begreife, ist die offensichtlich vorherrschende meinung, daß es tatsächlich möglich sein könnte, ein lupenreines (internet/medien)dasein zu führen. also eines, das in jeder kleinen einzelheit der wahrheit entspricht. überprüfbar natürlich und selbstverständlich ungeeigenet für den nächstbesten (kommentar)pranger. aus irgendeinem grund scheint das wichtig zu sein, für bankmanager (ackermann) und supermarktkassiererin (emmely) ebenso, wie für werbeikonen und topuploadkräfte, wie die schnutinger eine war. oder ist. möglicherweise. wahrheit ist das kredo der blogosphäre, wahrheit muß sein. nicht weniger als das.

du liebe zeit. als ob wahrheit überhaupt möglich wäre. oder auch nur nötig. das alles ist doch nicht mehr als ein spiel. und das astreine leben ohnehin eine illusion, eine hypothese vielleicht. aber machbar doch nicht, keinesfalls lebbar. weder im leben noch im netz, schon gar nicht in der werbung. werbung ist bestenfalls so etwas wie poesie, und damit lüge und wahrhaftigkeit zugleich. wenn sie denn gut ist, aber das ist sie selten. (und dieses vodafonedings schon gar nicht, besonders nicht in den details. aber das nur am rande.)

nein, ich sage jetzt hier nichts zu den angriffen, auch nicht zu den verteidigungen. und schon gar nicht zu den unzähligen kommentaren, die sich dort versammeln. soll doch jeder selber lesen, da gibt es einiges zu entdecken. und zu entlarven.

aber ja, doch, ich kenne ihn, den satz von der nichtexistenz  eines richtigen lebens im falschen. im alltag ergibt sich daraus allerdings eine frage der perspektive, denn eines ist gewiss: ein falsches leben im richtigen ist durchaus eine option. eine weitverbreitete sogar, eine alltägliche notwendigkeit sozusagen. hilfreich vor allem. unendlich hilfreich.

was soll denn ich zum beispiel tun, damit ich ehrlich, wahrhaftig und rein bleibe? im sinne des oben erwähnten kredos. was?

ich kaufe meine lebensmittel auf dem markt und im bioladen. vor allem aber beim discounter, obwohl ich um die katastrophalen arbeitsbedingungen dort weiß. ich kann meistens nicht anders, das ist meine preisklasse. so ist es eben.

mein mobiltelefonanbieter ist zum glück eher blau als rot, aber wer weiß schon, ob das wirklich ein gut ist. welchen dreck o2 wohl am stecken hat? keine ahnung, hab ich noch nicht recherchiert. oder längst wieder vergessen. außerdem blogge am heimischen bordcomputer seit jahren mithilfe von arcor, und daß das identisch mit vodafone ist, weiß ich nicht erst seit zwei wochen. und auch nicht erst, seit zensursula überall grassiert. das ist mir schon länger klar, seit etwa einem jahr ungefähr. aber ändern könnte ich an meiner zugehörigkeit zu diesem verein frühestens in zirka 18 monaten etwas. wenn ich das denn wollte, telekommunikatiorische wechsel sind ja oft mit erheblichen problemen behaftet, habe ich gehört. mit leerlauf sogar, wochenlange netzlosigkeit. und überhaupt, welcher anbieter wäre denn der wirklich koschere? gibt es da irgendwelche verläßlichen hinweise? oder etwa nicht.

so sitze also auch ich im bus mit sascha lobo. na und? dumm ist nur, daß ich nun wirklich kein geld dafür kriege. andererseits aber auch sicher keine schimpfe. oder etwa doch?


  1. Antiteilchen:

    In Teilen wird schon arg überzogen in den Kommentaren. Ich habe kein Problem damit wenn die Leute Werbung machen in ihren Blogs. Dann aber bitte deutlich herausstellen das es gerade Werbung ist und nicht so plump dumm daherkommen, wie es auf der Schnutinger-Vodafone Seite geschehen ist.

    Diese Geschichte ist nun im Internet und wird dort auch für ewig nachlesbar sein. Das ist eine harte Bestrafung für alle Beteiligten. Aber Sie haben gewusst (hoffe ich) was Sie taten als sie den Vertrag unterschrieben!

  2. engl:

    plump, na gut. vielleicht.

    aber was – außer werbung – soll das denn sein, wenn auf der vodafoneseite eine der werbeträgerinnen einen text verfaßt?

  3. Antiteilchen:

    Na, diese Werbung unten dran gehängt. Das liest sich, nach meiner Meinung, so, als ob Sie das nicht selbst geschrieben hätte. Ich kaufe ihr die Begeisterung einfach nicht ab.

  4. engl:

    das ist alles werbung, von anfang bis ende. alles, was da in dem blog erscheint. und abkaufen tu ich ihr das auch nicht, nein. na und?

    denke ich, daß klementine auf waschmittel steht und in hosenanzügen rumläuft? nö. bin ich angetan von einem billigflieger, nur weil kerner auf die plakate gedruckt wird? ausgerechnet kerner? sicher nicht. kaufe ich t-aktien, weil herr krug so schön dafür singt? auch nicht, aber manfred krug in einem tatort bleibt dennoch ein positives signal.

    werbung ist eben werbung, also meistens sehr schlecht. und schon gar nicht echt, das ist überhaupt nicht vorgesehen. was ist daran neu?

  5. Antiteilchen:

    Neu ist der Versuch sich einer Gruppe anzubiedern die Vodafone “Generation Upload” nennt. Höchst albern!

  6. ix:

    ich glaube weder dass es die vorherrschende meinung ist, noch dass es möglich ist, ein „lupenreines“ oder moralisch einwandfreies leben zu führen. ganz im gegenteil. ich finde aber auch, dass man sich über plumpe, dumme oder die wahrheit dehnende werbung aufregen dürfen sollte. und aus dieser aufregung muss man nicht zwangläufig die moralischen erhöhung des kritikers herauslesen. kann man natürlich, hat dann aber auch schnell was moralinsaures.

  7. engl:

    @ antiteilchen

    neu? sich der zielgruppe anzubiedern? aber nicht doch, das ist uralt.

    @ix

    gut zu wissen. moralfrei ist mir sehr sympatisch. ;-)

    irgendetwas stimmt dennoch nicht. zu kritisieren gibt es an dem vodadings ohne zweifel mehr als genug, da gehören dummheit und plumpheit sicher nur zu den ersten, offensichtlichen elementen. aber wahrheit und die aufrechnung derselben aus einzelnen webverlautbarungen gehört meiner meinung eben nicht dazu. lüge und konstruktion gehören zum schreiben, zum bloggen. und erst recht zu werbefiguren, daran führt kein weg vorbei.

    darüber hinaus stößt mir nicht zwingend deine kritik daran auf, sondern vielmehr ekelt mich die (all)gemeine kommentarbewegung in diesem zusammenhang.

  8. text de luxe:

    Neu ist, dass man sich gerade der Authentizität dieser Meinungsführer der kritischen Masse der “Netzgemeinde” bedienen will – wenn die Kratzer bekommt, platzt die Kampagne unweigerlich. Ist also von vornherein ein gewagtes und eigentlich nahezu unmögliches Unterfangen, Werbung mit vermeintlich Unbestechlichen machen zu wollen.

  9. engl:

    vermeindlich? vermeindlich ist gut. ;-)