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neues rechtschreibportal – werbung könnte nicht schlechter sein

23. Juli 2009 - 21:47

jetzt war ich mal einen tag nicht zugegen, habe mich weder um den vodafonequatsch noch um sonst irgendeine werbung gekümmert. da flattert mir der pr-mist doch glatt ins haus. ein grünes schulheft von pons, liniert für die erste oder zweite klasse, enthält einen rot korrigierten hsb-artikel von mir. note 3, wegen 6 fehlern, von denen 3 keine sind, sondern interpretationssache. zwei weitere sind übertragungsfehler, die einem – bei einem selbst verfaßten text – erst nach dem zweiten oder dritten lesen auffallen. weil man den text auswendig kann, nach einer weile. weil man worte liest, die nicht dastehen, weil man änderungen vergißt, die man einfach hineinliest. alle wurden von mir bereits entdeckt und nachträglich geändert, bevor mir das in einem schulheft beigebracht wurde. so ist das in (meinen) blogs, die buchstabendreher und tipfehler und aller sonstiger unsinn wird nach und nach ausgemerzt. manchmal auch nicht, wenn ich keine zeit habe. dann ist es eben so. ich rede nicht druckreif, und ich blogge nicht druckreif. die freiheit nehme ich mir. und so ungefähr wird es auch im hsb gehandhabt. (leider liest da nie jemand über meinen kram, bei anderen findet man die dreher und stolperer ja immer schneller.)

darüber hinaus verweise ich an dieser stelle gern auf die tatsache, daß im grunde jeder verdammt nochmal schreiben darf, wie er will. sogar völlig unleserlich, das ist keinesfalls verboten. die neue deutsche rechtschreibung gilt lediglich in schulen und für behörden. jeder verlag, jede zeitung und alle möglichen firmen basteln sich ihre internen hausorthographien, und das ist völlig korrekt so. ich kann gar nicht sagen, wie oft ich da elegant verdrehten bedingungen folgen muß, wenn es ums korrekturlesen geht. neulich erst: neue rechtschreibung, aber alte zeichensetzung. also gut, wenns so sein soll. dann soll es, kein problem.

ich sehe, daß es einiges an zustimmung für die aktion gibt. mir dagegen erscheint es respekt- und geschmacklos, einem erwachsenen menschen ungefragt erstklässlerschulhefte ins haus zu schicken, mit nichtssagender lehrerschönschrift versehen. und rotstift! die benotungen und bewertungen der schulzeit, das ständige in ziffern abgestempelt werden, das aussichtslose kämpfen um die richtige zahl am ende des schuljahrs, die offensichtliche unzulänglichkeit der meisten lehrer, und der unausweichliche fakt, daß man am ende doch immer selbst am pranger steht. daran möchte ich zirka 30 – 40 jahre später nicht auf diese art erinnert werden.

außerdem: gute lehrer benutzen längst kein rot mehr, soweit ich weiß, sondern grün. vielleicht auch lila, wenn das farblich besser paßt. aber niemals rot. ich korrigiere mit graphit, wenn ich per hand arbeite. und male vorwiegend fragezeichen, keine fehlermarker. und niemals noten.

denn in den fehlern, die jemand macht, genau dort leben seine möglichkeiten. das gilt ganz besonders auch für sprache. wo bewegung statt regelwerk herrscht, nirgends sonst wohnt dynamik, ist die poesie zuhause. und nicht zuletzt natürlich die macht.

aber davon hatten diese rotstiftwiderlinge ja noch nie auch nur einen hauch von ahnung.


  1. Open Source PR » Blog Archive » PONS kann’s. Gelungenes Blogger-Mailing. Note: 1-:

    […] engl@absurdum […]

  2. Niclas:

    Da hat wohl jemand die Korrektur persönlich genommen, haha :D Sorry, aber deinen Standpunkt kann ich gar nicht nachvollziehen. Es ging doch PONS höchstwahrscheinlich nicht daurm irgendjemanden zu korrigieren. Es ging wahrscheinlich um die allgemeine Aussage, dass überall Fehler drin stecken können und um Werbung für das neue OnlinePortal.
    Ob ein Lehrer heute nur noch mit Grün korrigiert, was ich stark bezweifel…, ist in diesem Zusammenhang doch sowas von irrelevant.

    Also bleib mal ganz locker…

  3. engl:

    wenn es pons nicht darum ging, jemanden zu korrigieren, dann sollten sie es vielleicht einfach nicht tun. die zielgruppe gezielt zu infantilisieren, erscheint mir jedenfall kein geeignetes mittel, um positive aufmerksamkeit zu erreichen. um so schlimmer, daß sich viele auch noch gebauchpinselt fühlen. mir ein rätsel.

    ob ich mir dieses portal trotzdem noch anschauen will, werde ich dieser tage dann mal ganz locker entscheiden.

  4. Dirk:

    Stimme Niclas zu und kann Deine Reaktion nicht ganz verstehen.
    Finde die Aktion gut gemacht, originelle Idee…

  5. Tapio Liller:

    Hm, dein Post klingt schon arg nach verletzter Eitelkeit und ein bisschen über sich selbst lachen können schadet meines Erachtens niemandem, oder?

    PONS hat ein Produkt, das Menschen bei der alltäglichen und professionellen Arbeit mit deutschen Texten helfen soll. Das auf einem ungewöhlichen Weg an die Frau und den Mann zu bringen, ist nichts Ehrenrühriges. Wenn ich deine Biografie und Website so sehe, bist du selbst professionelle Textarbeiterin und man wird dir mitnichten deine “hausorthografie” abkaufen, oder? Warum nimmst du dann nicht das Angebot an, ein neues Werkzeug für deine Arbeit zumindest mal auszuprobieren?

  6. Nina:

    Also, ich muss auch sagen, dass in deiner Entrüstung nicht nur sehr viel verletzte Eitelkeit drinsteckt, sondern es für mich sogar so klingt, als hätten sie einen ganz wunden Punkt getroffen bei dir. Kann das sein, dass du keine gute Erinnerung an diese Art der Korrekturen in der Schule hast? Für mich klang das so, als würde die ganze Wut und Hilflosigkeit, die man als Schüler den Lehrern gegenüber manchmal empfindet, wieder hochkommen.

    Ich möchte hier keine Diskussion über die Frage nach der Relevanz der Rechtschreibreform starten. Ich denke aber auch, dass wir als Schreiberlinge eine gewisse Verantwortung haben, wenn wir Texte veröffentlichen. Schließlich haben wir auch nur so die Rechtschreibung gelernt, indem wir Vorbilder hatten, deren Texte wir lesen konnten. Wenn jeder seinen Teil dazu beitrüge, dass Schüler und Behördler, ohne die Nase ständig in den Duden tauchen zu müssen,die für sie geltende Regelung en passant lernt, wäre schon viel getan.

    Ich selbst schreibe meine privaten E-Mails auch meist in gemäßigter Kleinschreibung – dafür hast du dich bei deinem Blog ja auch entschieden. Aber dass das dass heute nicht mehr daß ist und andere Kleinigkeiten, die können doch gar nicht so weh tun, dass du als Profi nicht über einem Marketinggag stehen könntest …

  7. engl:

    @ tapio liller

    meine persönliche “hausorthographie” kauft sicherlich kaum jemand, das stimmt. davon war auch war nicht die rede. ich muß mich allerdings häufig mit den richtlinien anderer beschäftigen, um korrekturen entsprechend umzusetzen. so wird ein schuh draus.

    nachdem ich inzwischen mehr über das angebot erfahren habe – nicht durch das zugeschickte heft, sondern vorwiegend durch das interview bei dir – werde ich möglicherweise tatsächlich mal reinsehen. schlechte werbung bedeutet ja nicht zwingend ein schlechtes produkt. oder umgekehrt.

  8. engl:

    @ nina

    ach, eitelkeit… da habe ich wenig grund zu. und verletzungen, die hier und da mal aufbrechen, gibt es in jedem leben. so ein grünkarierter schulheftschutzumschlag gehört dazu, das stimmt.

    es handelt sich hier aber um mein privatblog, da schreibe ich “daß”, so wie immer. ich liebe das “ß”, seine wunderbare form. die will ich, wo immer es geht. ;-)

    zum thema werbung fällt mir eine geschichte ein: ich war mal in einem kino, da kamen nach der werbung leute in den zuschauerraum und haben süßigkeiten in die menge geworfen. bananen für die affen, wie im zoo. die meisten fanden das gut und haben fröhlich gefuttert. jeder, wie er mag. aber für mich bitte keine bananen.

  9. honi soit qui mal y pons. | text de luxe:

    […] engl @ absurdum: neues rechtschreibportal – werbung könnte nicht schlechter sein […]

  10. Carola:

    Kann deinen Standpunkt absolut nachvollziehen, und bei bevormundender Werbung sehe ich glutrot.

  11. Nina:

    “Für mich bitte keine Bananen”.

    Sehr schön.

    Ich wollte dich auch nicht zum “dass” bekehren. Nicht, dass du mich falsch verstehst. Ich meinte nur, dass wenn dir das(s) angestrichen wurde, kannst du doch drüberstehen. Du weißt ja, dass es die alte Rechtschreibung ist – und darauf kommt es doch an. Und dass die Rechtschreibreform bloß der Versuch einer Normierung ist und kein Gesetz, hast du doch selbst schon herausgestellt. Ich wollte nur noch mal betonen, dass du da eigentlich cool bleiben kannst.

  12. engl:

    was die rechtschreibung angeht, da bin ich durchaus gelassen. ich mag nur nicht mit schönschreibheften beworfen werden. wenn auch gezielt, wie ich ja inzwischen gelernt habe.

  13. engl:

    @ carola

    wenigstens eine. ;-)

  14. stattkatze:

    noch eine :)

    niemand mag oberlehrer. auch keine grünen.

    sag ihnen einfach, dass ihre anführungszeichen falsch sitzen. und dass rechtschreibung auch für html-entities gilt.

    dass es nicht der blog heißt, haben sie ja offenbar inzwischen gelernt.

    und dann mach dein ding und lass alle anderen fleißbildchen gucken.

    jessas. der blogger. dein freund und umsatzhelfer. welche nische wird nun nächstes angewanzt?

  15. engl:

    die leidigen anführungszeichen, die vergesse ich auch regelmäßig zurechtzurücken. was soll ich mich da aufspielen? bin schließlich kein oberlehrer.

    ansonsten wende ich mich jetzt tatsächlich wieder den wichtigen dingen zu.

    danke.

  16. Steffi:

    Wow, der Humor hat sich hier wohl in die hinterste Ecke verkrümelt.

    “Für mich bitte keine Bananen”.
    Da entgeht Dir aber ein fabelhaftes Obst ;-)

  17. Irene:

    Meine Zustimmung, was die Infantilisierung angeht.

    Aber: Letzten Endes spielst Du ja doch mit, wenn Du Dich jetzt über die ungerechte Zensur aus der gestrengen Pons-Anstalt aufregst und Dich für Deine angeblichen Fehler rechtfertigst.

    Das Fleißbildchen ist jedenfalls ein interessantes Bild für das Verhältnis zwischen Blogs und PR…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Flei%C3%9Fbildchen

  18. engl:

    zensuren sind doch an sich ungerecht, von daher regt mich das im einzelfall nicht mehr auf. rechtfertigung war auch nicht mein ansinnen, sondern eher eine klarstellung, wie ein alltag mit sprache aussieht.

    sprache, allein darum geht es mir. diese art von “fehler” geschehen immer und überall, man macht einander darauf aufmerksam oder auch nicht, wenn es unpassend ist. in kniffeligen fällen diskutiert man das ding durch und kommt vielleicht zu einem schluß. vielleicht auch nicht. sprache ist doch nicht eindeutig, leblos oder unbeweglich.

    sprache will nicht bewertet und kategorisiert sein. festgeschrieben. sprache will leben und ist daher per se rotstiftuntauglich. alles andere ist schlicht und einfach eine beleidigung.

    (ich kann übrigens auch so richtig dumme dinger, wie man in meinem lit-blog sieht. und ausgerechnet dann braucht es monate, bis es mal wer sieht. ;-)

  19. engl:

    @ steffi

    wer sagt, daß ich bananen nicht schon einmal probiert und für ungenießbar befunden habe? ;-)

  20. Irene:

    @ engl: Ich hatte natürlich die Kampagne im Blick, weil ich über einen Link her kam und Du die Eine bist, die nicht geschmeichelt war. Aber der missionarische Umgang mit der Rechtschreibung ist schon auch interessant.

    Dass PONS auch nicht der Rechtschreibung entspricht, weil es keine Abkürzung (etwa für Penetrante Online Nachschlage Seiten) ist, sondern ein Eigenname, scheint dabei niemand zu bemerken.

  21. engl:

    die einzige bin ich sicher nicht, ich habe da noch von anderen gehört. allerdings nicht so öffentlich.