raum für notizen

#insight

06. Juni 2020 - 23:55

das eine virus ist auf dem rückzug, hier auf jeden fall, unmittelbar um mich herum. in der großen stadt geht das leben langsam wieder los, und es ist fast, als wäre nichts gewesen. einstweilen zumindest. ganz europa scheint diesbezüglich ähnlicher stimmung zu sein, oder aber kurz davor. es wird über urlaubsreisen geredet, über wirtschaft mit WUMMS.

doch ich will nicht unken, auch mich freut das. ein wenig. nicht, dass ich mich nun überall rücksichtslos herumtreibe, selbst in meinem stammcafé war ich noch nicht. im innenraum zumindest, da weiß ich nicht so recht. die kneipe gegenüber hat wieder auf, verteilt außen tische mit abstand weit über den bürgersteig. auch das freut mich. gestern abend bin ich durch fast die gesamte neuköllner partystraße geradelt, an der ich wohne. so gut wie alles ist wieder auf, die imbisse und restaurants, die eisläden und bars, die spätis sowieso, immer. es ist wieder voll, aber nicht so überfüllt wie üblich im sommer. es gibt wohl doch noch keine gäste aus europa, scheint mir okay so. obwohl ich nicht sicher bin, ob ich derzeit vor einer bar so dicht beisammenhocken wollen würde. wohl eher nicht. aber beim friseur war ich, ein maskiertes abenteuer. und ich würde mich auch mehr freuen, wenn ich mal ein bisschen fundierte info zum thema schulen und kitas, pflegeheime und krankenhäuser, hochgefährende arbeitsbereiche usw. hören würde. ob es da überhaupt schon konzepte gibt.

ich selbst hänge mit meinem brotberufs-homeoffice auch immer noch in der luft. vor allem, weil mich noch kein konzept erreicht hat, wie das büro vor ort ab jetzt funktionieren könnte oder soll. aber das ist recht nebensächlich, es geht ja auch so. inzwischen. alles hat sich zurechtgerüttelt. die arbeitsprozesse haben sich zwar nicht verändert, aber es sind elemente hinzugekommen. dass es einen balkon gibt zum beispiel, auf den ich kurz mal rausgehen kanne. oder dass der wäscheständer neben mir steht und ich schnell mal zur abwechslung und zum denken die wäsche zusammenfalten kann. auch das radio, das vor allem.

sogar das alleinsein gefällt mir mittlerweile wieder, vielleicht sogar mehr denn je. jetzt, wo es wieder menschen gibt. ich sehe sie, ich höre sie, sie sind da.

dann ist da noch das andere virus, uralt und wohlbekannt, global vertreten natürlich. längst. eingewachsen in die menschheit, das menschsein womöglich. ein schrecklicher gedanke. niemand hat bislang ein gegenmittel gefunden, in jahrhunderten nicht, jahrtausenden vielleicht. doch jetzt, immerhin, stellt sich die gesamte vernünftige welt auf die füße und läuft und schreit und schweigt und tanzt dagegen an. das ist besser als alles, das könnte ein großes ENDLICH sein.

gut, ich gebe zu: ich war nicht unterwegs heute, nicht zur demo am alex. ich bin zu hause geblieben, obwohl ich mir den termin fix notiert hatte. wegen des ersten virus vermutlich, den es ja doch auch noch gibt. es war dann auich voll dort, habe ich später gesehen. das dachte ich mir. und menschen in massen, die kann ich sowieso schon kaum ertragen.

ich versuche es nächste woche, mal sehen. da zieht sich das ganze womöglich ein wenig, wenn auch gelaufen wird. wichtig wär es ja. und richtig.

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