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#insight

15. Januar 2021 - 01:06

ich arbeite und arbeite und arbeite. (bürojob, übersetzen, schreibenschreibenschreiben.) mehr welt gibt es für mich nicht, und die lage spitzt sich weiter zu. es wird noch weniger werden, das ist absehbar. die freundin, die gestern auf einen whisky vorbeikam, darf das in der kommenden woche sicher nicht mehr.

damit bin ich auf unabsehbare zeit wieder allein und zu hause. auch weil ich inzwischen immer mehr vermeiden muss, die ersten lebenserfahrungen zu triggern. ich kann kaum noch halten, was dann in mir passiert. in der letzten woche habe ich die diskussion über die schulöffnungen bzw. schließungen nicht ertragen. wie schon im frühjahr schreit alles in mir: sperrt mich nicht ein mit denen, zu hause. in dieser woche ist es das homeoffice. seit mitte märz 2020 erledige ich inzwischen auch in meinem bürojob fast ausschließlich von zu hause. und alles in mir schreit: ich kann nicht mehr, ich will das nicht.

es fehlt die körperliche gegenwart anderer, nicht nur im tango. es fehlt die resonanz von menschen, nicht nur verbal. es fehlt das, was menschen starkk macht. ihre erreichbarkeit, ihr verständnis. es fehlt vertraulichkeit.

aus dem grund kann ich mich auch den abstandregeln und vielen anderen durchaus sinnvollen schutzmaßnahmen immer weniger aussetzen. weil ich die unmenschlichkeit darin nicht auf der haut spüren möchte, nicht im gesicht und nicht im blick. weil ich mich nicht daran gewöhnen möchte, an das denken, das fühlen, die not darin. auch deshalb bleibe ich übrigens zu hause, allein.

es ist wie früher. mein leben ist eine hoffnungsfreie zeit. wenn ich den blick gebe, sehe ich nichts.

es wird kein fest, wenn das alles vorbei ist. es wir ein jubel und geschrei, unerträglich laut. es wird eine dieser partys, bei der niemand wirklich glücklich ist. denn darunter wächst die qual der gemachten erfahrung, die verzweilfung über eigene sterblichkeit, die man letzten endes doch nicht überleben können wird.

nein, es wird noch anders. das ganze wird sich ausschleichen, langsam und heimlich. und niemand wird es merken. so bleibt es dann für immer.

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