am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

un-achtsam

alles ein bisschen anders in wien diesmal. ich habe zu tun, und ich mache mich heimisch. heute vormittag einen bioladen entdeckt, sehr gut ausgestattet und sehr entspanntes ambiente. überhaupt finde ich die meisten supermärkte hier ein klein wenig großzügiger gestaltet und mit gelassener belegschaft bestückt. aber das mag berlinbedingt so sein, wie ich gestern schon festgestellt habe. gleich neben dem bioladen einmal billa und nur wenig weiter ein bäcker. das ist perfekt, dabei bleibe ich. zumal ich mich für den nächsten besuch wieder in dieser wohnung eingebucht habe.

anschließend laufe ich los zu dem laden, in dem ich schon im letzten sommer eine hose gekauft habe. es ist genau derselbe grund wie damals, ich bin im berlin einfach nicht dazu gekommen, obwohl ein hosenkauf schon lange auf meiner liste steht. meine alte cordhose befindet sich kurz vor totalverfall. ich habe also etwas erdig braunes im kopf, und verlasse dann mit zwei eher grauen modellen den laden, und keine von beiden ist cord. die hätte es zwar auch gegeben, die verkäuferin wollte mich sogar mit fünf prozent stammkundinnenrabatt ködern. aber nein, drei statt eine? das geht gar nicht! außerdem war die eher winterliche cordversion ein paar meter zu lang für meine stummelbeine. aber ich komme wieder!

von da aus war es nicht weit zu diesem eso-angehauchten veggie-restaurant mit einem ausgezeichneten salat und einem noch besseren mango lassi. zwar war es zu kühl, um draußen zu sitzen, in dem recht engen außenbereich zwischen den umgebenden gebäuden. aber innen war es zunöchst auch gnaz schön. sitzen und essen und lesen. das sollte ich mir auch zu hause endlich mal angewöhnen.

dann schnappte ich ein paar gesprächfetzen vom nachbartisch auf. erst ging es um meditation und entspannung, wie wichtig das sei. dann um männer, die ärger suchen, wenn sie betrunken sind. genaugenommen um einen bestimmten mann, dessen namen ich mir nicht gemerkt habe. dann drehte sich das gespräch um arbeit und therapie, wobei ich nicht genau verstanden habe, welchen zusammenhang es da gab. oder ob es einen solchen gab. an dem punkt bin ich ausgestiegen, konnte mich endlich wieder auf meine lektüre konzentrieren.

bis ich einen halbsatz vernahm, der mich aus den wolken riss. wie man mit dem noch arbeiten könne, hörte ich. der sie doch kein mensch. zustimmung als antwort: der sei ein unmensch.

ich gestehe, ich weiß nicht, worum es ging. doch das kam nicht aufgeregt, nicht wütend oder erregt. es handelte sich um eine reine feststellung, recht kühl getroffen und einvernehmlich abgenickt. (du liebe zeit, wenn das noch in dem zusammenhang arbeit und therapie gestanden haben sollte!)

das war also ein eso-laden, voll von achtsamkeit und kosmischer liebe oder so. und mir stand der atem im genick, durch die unachtsamkeit zweier mädels am nebentisch. beinah hätte ich etwas dazu sagen müssen, aber sie standen dann auf, verließen den laden. ein glück.

anderen das menschsein abzusprechen ist ein akt der gewalt. deren ursprung vielleicht. ich weiß das, ich habe es gesehen und gespürt. früher.

jetzt habe ich abscheu!

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