am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

muster brechen

das hat gut geklappt mit dem balkonkaffee heute morgen. war sogar ganz einfach, weil ich es gemacht habe. einfach so. muster brechen ist ein geschenk mitunter, besonders am morgen. darauf folgt dann seltsames, kein radio und kein tv* zum beispiel, stattdessen musik. oder auch lesen. bei mir zu hause komme ich so gut wie nie dazu, hier ist alles arbeit. so gut wie immer. lesen tue ich in den kalten monaten, wenn ich mit den öffentlichen zur arbeit fahre. oder irgendwo sonst, in fahrenden zügen, in cafés oder in wartezimmern auch.

heute habe ich zum kaffee auf dem balkon ein wenig gelesen. nicht, weil es nichts zu tun gegeben hätte, im gegenteil. aber weil es da war, die sonne, der kaffee, das buch, das ich auf dem rückweg aus katalonien bereits begonnen habe. es ist süffig, aber ein wenig aber auch geschwätzig. dafür habe ich keine zeit, ich überfliege die seiten, blättere mitunter zu schnell. und schäme mich dafür.

darüber hinaus war heute waschtag. das passt zwar so gar nicht zu pfingsten, dieses geistheilige des christentums, nach all dem gemetzel. andererseits sollte da natürlich so einiges wegzuwaschen sein. auch sonst habe ich hier und da ein wenig geräumt, die wohnung lichter gemacht. das gefällt mir. so sehr, dass ich kurzentschlossen eine alte pflanze erlöst habe.

in wuppertal war sie recht gut drauf, hatte wohl einen guten platz in einem wenig genutzten zimmer. dannach stand sie über zwanzig jahre hier in berlin, die ganze zeit an ein und demselben ort, der ihr nie so recht behagt hat. immer war sie im weg, ich musste sie weg- und wieder herschieben, das mochte sie gar nicht. und sie hatte nie genug licht im winter. auch nicht im letzten, als ich ihr extra eine lampe angebaut habe. das war es halt auch nicht, das war der letzte versuch.

jetzt ist sie weg, liegt im müll. ich hab das ding einfach zerschnitten, von oben angefangen bis nach unten, durch die fleischigen stengel.

ich habe meine alte pflanze getötet!

und das ist gut so, wie es jetzt ist. der raum gefällt mir deutlich besser, wenn es auch noch ungewohnt ist. der platz ist offen, es gibt wieder zeit.

das brauche ich.

* sonntagmorgen gibt es oft eine ganze reihe von literatursenden im fernseheprogramm. ja, so etwas mache ich, fernsehen, wenn es gesendet wird. ich bin echt alt.

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