am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

reparieren

die frau in der änderungsschneiderei, der ich soeben die motorradhose mit dem defekten reißverschluß vorgestellt habe, hat die geniale idee, nicht den ganzen reißverschluß auszutauschen, was erheblich kosten würde, sondern erstmal nur das kleine metallding, das die zinken und haken dieser verschlußart miteinander verbinden soll und in diesem fall nicht mehr tut. vielleicht funktioniert das, sagt sie. sieht ganz so aus, meint sie. kann man versuchen.

ich mag solche menschen. sehr.

passion

je später der abend, desto mehr verdichtet sich das gewaber in der rechten nebenhöhle. das macht nichts, gleich werde ich mich hinlegen und schlafen. heute noch. ich werde schnarchen, auch das macht nichts. es hört ja niemand zu. außer ich selbst, manchmal weckt mich mein eigenes schnarchen. das ist seltsam. noch seltsamer ist es allerdings, von eigenartig unkonkreten schmerzen im fuß aufzuwachen. also schmerzen im großen zeh, nur weil die bettdecke daraufliegt. weiter nichts. auch den tag über, beim laufen, hocken und sitzen, war nur noch wenig davon zu spüren. heute zumindest.

was bleibt ist die gegenwart von unsicherheit, die an sich ebenfalls nicht wirklich seltsam ist. nur unbeachtet, jahre- und jahrzehntelang. unbenannt. das wiederum ist normal. das eis, auf dem ich tanze, zwischen schönheit und zerstörung, seit jeher. und ich weiß nicht, ob ich noch hoffen soll. hoffen auf etwas, das nicht meiner erfahrung entspricht.

noch nie meiner erfahrung entsprochen hat.

antilogie

langsam scheint sich die tür zu mir wieder zu öffnen. sehr, sehr langsam. ich erkenne mich wieder.

ich gehe jetzt raus, durch den wind, um zu vergessen. alles, auch mich. das vor allem.

tango, visualisiert

so sieht es aus, wenn ich einen kugelschreiber in die hand bekomme, um damit einen tangoklassiker zu visualisieren. tanzen auf dem papier, sozusagen.

tangovisualisierung

kommentieren muß ich das wohl nicht, das ist irgendwie komisch. ich weiß. womöglich habe ich das nicht richtig verstanden. oder aber ich bin eine ziemlich schräge tangotänzerin, mag sein. eigentlich sollte es nämlich ganz anders aussehen.

das lied ist übrigens dasselbe. tja.

was macht man, wenn man nichts tun soll? sich ausruhen statt dessen, nicht denken sogar. ich weiß das gar nicht. wie geht das?

leer

ein tag voll abgründiger erschöpfung, die sich sicher nicht auf diese lächerliche erkältung zurückführen läßt. nicht nur zumindest. etwas packt mich von hinten, im nacken, drückt mich nach unten, mit dem gesicht ins land. da ist nichts, kein licht mehr, kein schatten. nur erde. etwas frißt sich durch die mitte, entleert mich, löscht mich aus. ich frage nicht. mein herz, meine angst, meine armut. das ist kein leben mehr, da ist keine luft. da ist nichts, das sich noch füllen ließe.

ist das nun gut oder nicht? und wozu ist es gut? oder nicht gut, diese bodenlosigkeit, die sich meiner bemächtigt, immer wieder in letzter zeit. das ist es, was man kranksein nennt. ja? heute ist es das. die ärztin schenkt mir ein paar tage, die ich im selben moment als gestohlen empfinde.

gestohlen? von wem? ich bin verwirrt, zu erschöpft. zu leer.

zu alt.

drücke

wenn die ohren erkältungsbedingt so zu sind, daß beim naseputzen die druckluft aus den augen schießt, muß man anschließend auch die brille putzen. hören kann man davon dann allerdings auch nicht besser. mußte ich heute schon mehrfach feststellen.

dumpf

die augen brennen und triefen, ebenso alles andere im gesicht und nicht nur das. nach jedem naseputzen sind die ohren bedrückt und taub, die glieder schmerzen vom herumliegen, doch beim herumgehen schwankt die welt beständig ein wenig. was auch nicht angenehm ist. mit dem, was wohl ein tödlicher männerschnupfen entweder schon ist oder noch werden will, kann ich wie immer nicht gut umgehen. es ist lästig und irritierend, ich möchte flüchten vor mir, dieser unsinnig zerfließenden masse. wirklich schlimm ist das nicht, nein.

dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist es mir peinlich, heute meiner aushäusigen teilzeitarbeitsstelle vorsätzlich ferngeblieben zu sein. auf der ich, mittelmäßig stimmlos, wie ich bin, absolut nichts verloren hätte. quasselstrippe, die ich dort zu sein habe, stundenlang. bereits gestern habe ich alle anrufer quasi verrotzt oder verbellt. also.

ich lerne nur langsam. über die jahre und jahrzehnte, in denen ich niemanden persönlich über meine gesundheitlichen zustände zu informieren hatte, fällt es mir nun schwer, die notwendigerweise getroffenen entscheidungen über mein krank- oder aber gesundsein vernehmbar zu verkünden. schlimmer noch: falls sich mein verschleimungszustand tiefer gräbt und in mein atmen legt, wie es üblicherweise geschieht, ich hab das ja nicht zum ersten mal, dann werde ich am montag in einer arztpraxis vorstellig werden müssen. würde ich eigentlich ja nie tun, nicht wegen solcher kleinigkeiten. aber so geht das im angestelltenleben. weiß ich ja, theoretisch.

das mit dem krankenschein habe ich bislang erst einmal im leben versucht, das war vor über dreißig jahren als ich in der lehre war. da war meine stimme total weg, kaum ein krächzen konnte ich von mir geben. und das krächzen tat weh, wie jeder einzelne atemzug, so flach und vorsichtig er auch war. insgesamt war ich nicht nur erkältet, ich war am ende meiner kräfte. ein familienumzug lag hinter mir, wochenlanges handwerken den ganzen tag, erst auf der arbeit danach in der neuen wohnung. im dekolager im lehrkaufhaus hatte ich außerdem tagelang nitrolack streichen müssen, was in einem lager ohne absauganlage damals schon nicht erlaubt gewesen sein kann. nitro macht wie trunken und die stimme hatte ich womöglich auch dabei gelassen und mir den schmerz in den atemwegen zugezogen. das alles trug ich freimütig krächzend dem mir völlig fremden arzt vor, der mir daraufhin aus welchem grund auch immer den krankenschein verweigerte. keine ahnung, was er sich dabei dachte. ob er mich für einen partyverkrächzten teenager hielt? ob er mir ankreidete, daß ich trotz meines zustandes mit dem motorrad vorgefahren war?

gut, ich hätte mit dem fahrrad fahren können oder zu fuß gehen. weit war es nicht, das weiß ich noch. ich hätte dem mann erklären können, daß es niemanden gab, der mich hätte bringen können oder wollen. aber wie hätte ich darauf kommen sollen, mit etwa neunzehn? da wußte ich noch nicht, daß menschen normalerweise andere menschen haben, die so etwas für sie tun. so stand ich also anschließend einfach wieder draußen, bei meinem motorrad, und sah zu, wie der herr doktor in seinen porsche stieg und wegfuhr. ratlos war ich, nicht einmal wütend, nur irritiert. und ging halt arbeiten am nächsten tag, schniefend und krächzend. mit neunzehn geht das.

das wird also spannend am montag, wenn ich dem prozedere womöglich eine zweite chance einräumen werden muß. wenn es bis dahin nicht längst wieder besser ist, ganz von allein. mal sehen.

noch etwas gehört wohl gelernt. da ist dieses sofa, unmittelbar hinter mir, das zum sitzen so schlecht geeignet ist, weil es ein schlafsofa ist. und ich liege so gut wie nie darauf. ob das so soll?

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