am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

lazy sunday

oder vielmehr ein erschöpfter sonntag, an dem ich alles liegen lasse, egal wieviel auf der liste stehen mag.

mittags in der schaubühne zuviel über folter erfahren, die mechanismen erkannt, wiedererkannt auch, die versehentliche folter der kindheit, die intimität der gewalt, die ausweglosigkeit. oder doch nicht?

das abgründig menschliche darin. das macht müde.

ehrwürdige junglesbe

die haare sind ziemlich ab, das hab ich gestern schon verraten. das ist jetzt das zweite mal hintereinander, daß meine wunderbare friseurin, die wenig konversation mit mir versucht, dafür aber vorab immer kostenlose kopfmassagen anbietet, im endergebnis ein klein wenig danebenliegt. beim letzten mal war es gruselig, und gefühlt blieb es auch so, bis es nach unendlichen wochen endlich rausgewachsen war. (dabei muß ich zugeben, daß ich im vorfeld zugestimmt hatte, vermutlich ohne mir vorzustellen, was am ende dabei rauskommen würde.)

diesmal ist es kurz, viel kürzer als erwartet. gestern war ich darüber ein wenig traurig, heute habe ich mich mehr als nur abgefunden. es ist gut geschnitten wie immer, es zaubert, durch meine vielen kopfverwirbelungen, lustige gebilde auf mein ehrwürdiges haupt, besonders gleich nach dem aufstehen. damit kann ich leben, mich sogar daran freuen.

nur sehe ich jetzt noch jünger aus, als ich sowieso schon jung aussehe, fürchte ich. also wie eine vorwiegend weißhaarige junglesbe, quasi.

status quo

den mimosen gehts gut übrigens, allen dreien, dem ES im schlafzimmer, dem ICH im wohnbüro und  dem ÜBER-ICH auf dem balkon. muß ja auch, sind sie doch flankliert von lebensfrohen tomatenbäumen. erste ernte steht unmittelbar bevor.

und dann die vergangenen drei schmerznächte. das hilft auch nicht dabei, bis ans letzte zu gehen, offen zu bleiben und freundlich mit sich, traumgelöst und stabil zu gleichen teilen. wie es zum schreiben eben sein muß, das und noch viel mehr. schmerz steht dem im weg, stemmt sich sowieso allem leben entgegen. schmerz scheint für gar nichts gut, daher ist glück auch die abwesenheit von schmerz. so heißt es. das ist alt, ich weiß. aber es ist nicht unwahr.

andererseits ist schreiben für mich der wohl vollständigste lebenszustand. darüber geht nichts, nicht einmal die begegnung mit menschen. (obwohl ich manchmal immer noch heimlich davon träume.) da ist mir schmerz relativ egal. mit der betonung auf relativ, so realitisch bin ich schon, besser ist besser. zumindest, was die realität der physischen existenz angeht.

tango verschmerzen

tango tut weh, seit einigen tagen ganz besonders umfassend. angefangen von den füßen, beinen und hüften, über den rücken, die schultern bis in den kopf. alles vorwiegend rechts, meine grundlegende schmerzhälfte. so hängt alles zusammen im leben, ich bin eindeutig einseitig verschmerzt.

als ich das vor ein paar tagen einer ärztin erzählte, mehr so nebenbei, darum ging es eigentlich gar nicht, schloß ich mit meinen gegenwärtigen lieblingsspruch zu dem thema: ich bin eben eine alte frau. wurde mir aber nicht genehmigt und um vierzig jahre verschoben. mit neunzig vielleicht, meinte die etwa gleichaltrige frau mir gegenüber.

ich weiß ja nicht.

1,2,3 usw.

heute zum arzttermin in der nähe der ohlauer zwischen polizeihunderschaften durchgefragt und durchgebettelt, in aller eile, weil genau dieser straßenabschnitt komplett gesperrt, mit unzähligen mannschaftswagen zustellt und vergittert war. ein eher marginales problem, mit etwas bitte und danke durfte ich offiziell durch die gitter steigen. das tue ich, und das tue ich gern, den einzelnen polizisten bitte und danke sagen, wenn ich mit ihnen spreche. ich habe sie sporadisch gebraucht, die menschen mit diesem beruf, und ich bin grundsätzlich froh über die möglichkeit, sie zur hilfe zu rufen. dennoch machen sie mir auch angst, nicht nur in dieser art von massiven präsenz. auch ihre bewaffnung, ihre art zu reden mitunter, ihre ignoranz. als wäre das ein teil ihrer ausbildung. auch deshalb sage ich ihnen gerne bitte und danke. aus angst, besser ist besser.

der mensch vom labor hatte weitaus größere schwierigkeiten mit dem auto zur praxis zu gelangen. ich fürchte, er kam gar nicht durch, das bekam ich nebenbei mit. im warteraum, wo ich etwas aufgebracht und etwas gelangweilt über eine stunde lang saß, während draußen hin und wieder etwas auf- und abmarschiert wurde. eine seltsame situation, die den grund meines arztbesuchs ins rechte licht rückte. es gibt nichts zu sagen, das rheuma rührt sich aktuell nicht, die schilddrüse ist abgehakt, der blutdruck gerade heute als dynamisch flexibel, aber im durchschnitt vertretbar erkannt.

keine weiteren termine, außer die, die ich mir selber setze. das wären zwei.

tangoklops

diese tangostunden, in denen rein gar nichts funktioniert. wo ich zu anfang schon mich versehentlich im spiegel sehe, wie ich dastehe. wie ein instabiler, verkrochener kloß menschenfleisch.  (warum sind da eigentlich spiegel im tanzraum?) und dann denke ich ebenso versehentlich wie natürlich vor allem anderen vollkommen zutreffend: das da will tanzen? wozu?

da ist keine eleganz niemals, da ist immer nur schmerz. da tut erst die rechte schulter weh und wird hart, dann beiß mich etwas in den nacken und zuletzt gibt der untere rücken auf. keine drehung mehr, kein stand und keine balance. ich bin eine alte frau.

und da steh ich dann irgendwann erschöpft am rand und weiß nicht einmal mehr, wo mir der kopf steht. geschwiege denn, was meine füße machen.

diese dummen selbstverwirklichungsvorwürfe, wenn menschen einfach mal machen, was sie machen wollen oder machen müssen, ohne auf mögliche resultate zu spekulieren. und den preis dafür auch selbst tragen, mit ihrer lebenszeit, ihrer kraft oder ihrem geld. oder alles zusammen, so ist es in den meisten fällen. manchmal kann ich das kaum glauben.

ich sehe das so: ich wurde ende mai vor 51 jahren verwirklicht, inwiefern ich selbst daran beteiligt war, das muß wohl offen bleiben. doch ich habe dementsprechend diesbezüglich zur zeit keinen bedarf.

mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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