
wie überall am meer. (und im müll.)
frage mich, ob ich dieses mißglückte zahnarztdings irgendwann mal wieder aus dem kopf kriege. nach tagen noch, und das ist lächerlich, erwische ich mich irritiert und verzeifelt argumentierend. an schreiben ist nicht zu denken, die räume sind dicht. selbst der anstehende artikel will nicht, wie er soll. schnell mal flutschen.
was sagt das über mich? verdammt.
es ist falsch, grundfalsch, arzttermine auf diesen tagen liegen zu haben, die ohnehin mehr als durchlässig sind, ungeschützt und absturzbereit, vor den aufwachen schon. tage, die mit dem aufstehen bereits zusammenschrecken und in folge ebenso zuverlässig wie nachhaltig leicht vor sich hin zittern. es ist grundfalsch, sich an solchen tagen in die hände von ärzten, insbesondere von zahnärzten zu begeben. und ganz besonders sollte man die art arzt meiden, die erst nach zustimmung fragt und es dann nicht mitbekommt, wenn diese nicht erteilt wird.
naja, immerhin hat meiner, den ich heute zum ersten (und wohl letzten) mal sah, mich mit einem blick auf die uhr, einer wegwerfenden geste gleich, quasi aus der praxis geschmissen, ohne daß ich auch nur in die nähe einer behandlung gekommen wäre. dabei habe ich sogar – mehrfach – danach gefragt, fast wäre ich zum betteln übergegangen. ich hätte gern ein paar reparaturarbeiten erledigt gehabt, konnte aber nicht einmal in die nähe der gewünschten information darüber kommen.
sehr seltsame erfahrung. hatte ich so auch noch nicht.
manche tage sind für solche dinge nicht geeignet, für fremde menschen, mit fremder denke, die man an höchstpersönlichen dingen rühren lassen muß. ich wußte es vorher, definitiv. das ist nicht der tag, heute. überhaupt gar nicht. aber wie soll man das regeln, wenn man die termine wochen, manchmal monate im voraus zu planen hat?
ich bin keine maschine, ich weigere mich, auf die art zu funktionieren. ich sperre weder meine angst, noch meine sensibilität einfach irgendwohin weg. nein. nicht mehr.
und was die reparaturen angeht? was solls, verschoben auf nächstes jahr.
kein mensch liegt ohne schicksal in der sonne. denke ich heute, wo mein eigenes mir auf einmal so nachhaltig leicht erscheint. nach all den jahren, so wunderbar passend und gnädig fast.

fahrradflicken, der klassiker. das, was ich als kind zuerst allein zu erledigen gelernt habe. so dachte ich eben, bin aber nicht sicher, ob das stimmen kann. vermutlich habe ich schon vorher sachen zusammengeklebt oder festgenäht, irgendwie. trotzdem. ich erinnere das erlernen eines komplexen vorgangs, verbunden mit diversen kraftanstrengungen. ich erinnere so manchen fehler, den ich damals einmal oder mehrfach gemacht habe, aber jetzt nicht mehr. jetzt kann ich es.

ich kann nicht nur das loch finden und flicken, ich kann auch den fehler im system aufspüren und damit die ursache beseitigen. grünes glas diesmal, ein feiner splitter, steckte tief im mantel fest. hat sich somit erledigt. ich lasse ihn heute nicht mehr drin und lasse damit zu, daß er weitere löcher sticht, eines neben dem anderen, die dann neuer pflege bedürfen. ich suche auch nicht mehr ungeschützt, mit bloßen händen danach und reiße mir so die haut auf. ich suche mit den augen, der lesebrille neuerdings, wie ich das loch meist mit den ohren finde, mit der haut auch, gar nicht unbedingt im wasser.
wasser kommt oft ganz zuletzt, nur zur sicherheit. vielleicht. wasser ist unklar, im wasser verliert sich jede strategie. wasser ist das ende der reparatur.
im wasser beginnt die heilung.
zum ersten mal tango in der strandbar mitte, leider ziemlich verregnet. ein recht kleiner, recht grober holzboden, umgeben von ein paar tischen, ein paar treppen und einem weg am wasser. viele zuschauer überall und ein paar könnerpaare auf der tanzfläche. dazwischen irgendwo ich, darunter eher, keine besondere könnerin, traue ich mich trotzdem, ein wenig zumindest. den rest der zeit schaue auch ich.
ein tänzer ist da, der seine tänzerin anschaut, wie ein stierkämpfer seinen stier. ich weiß ja nicht.
auf dem rückweg, voll verregnet, denke ich mehrfach: was, wenn ich jetzt einen platten habe? auf dieser strecke? bei diesem regen? da möchte ich nicht gern laufen und schieben. dann habe ich plötzlich einen hinterradplatten, zum glück erst kurz vor neukölln. und zum glück nur am fahrrad, da hab ich dann morgen wieder was zum reparieren. da freue ich mich doch.
und es regnet immer noch.
befinde mich im reparatur- und sortiermodus, schaffe platz und ordnung um mich herum. systemveränderungen, so könnte man sagen, aber das ist vielleicht ein wenig viel. verschobene wertigkeiten, das paßt wohl besser. was immer mir unmittelbar erreichbar ist, muß gerade möglicherweise dran glauben.
das macht spaß, immer wieder, wenn es passiert. auch daß das küchenradio nun wieder reibungslos funktioniert, die fernsehsender sinnvoll sortiert und bücher umgeschichtet sind, diverse schrauben angezogen und scharfe kanten abgeschliffen, einge haken und ösen sitzen endlich auch wieder fest.
ich befinde mich wohl, könnte man sagen. und das ist nicht wenig, das ist viel.
die umstrukturierung meines tv-empfangsystems hat mich mit überraschend mit ganz neuen programmen zum nächtlichen herumzappen ausgestattet. dabei auch etwas, das sich sat.1 gold nennt, und offensichtlich ein ableger von sat.1 ist. jedenfalls gibt es dort längst verbrauchte talkshows in wiederholungsschleife und alte serien, zum teil sehr alte serien. so landete ich kürzlich nachts mitten in einer bonanzafolge, auf der ponderosa meiner frühen kindheit also.
little joe hatte schwierigkeiten mit seinem lieblingsgewehr, das ihm abhanden gekommen war. genaugenommen war er auf einen felsen geklettert und hatte es docht noch höher hinauf geworfen, warum auch immer. anschließend traute sich dort nicht mehr weiter hoch, soweit das dilemma. es war sehr lustig, das wiederzusehen, diese plumpe schauspielerei, die starren dialoge und die irre musik. unglaublich, beschämend schlecht, was mich damals in seinen bann gezogen, mich fasziniert und tief beschäftigt haben muß.
tatsächlich hat es meine welt geformt, zu einer zeit als ich von welt noch nichts wußte. in einer szene, in der little joe mit seinem bruder hoss nicht ritten, wie man in einer westernserie meinen könnte, sondern mit einem pferdewagen durch die prärie fuhren, kam mir weit entfernt, kaum fassbar im grunde, die erinnerung an spielszenen, die ich daraufhin entwickelt haben muß. mit spielzeugautos anstelle von kutschen, die auf den mustern des heimischen teppichs umherfahren. mit sand im sandkasten, mit grasbüscheln auf der wiese, mit steinen und stöcken und stimmen, in denen die eigenen szenen sich belebten. an die erinnere ich mich nicht. es ist die erinnerung an eine erinnerung, ein hauch nur, das ist alles.
das ist genug. die erinnerung an sein, an kindsein. die erinnerung an existenz und leben, grundlegend, wie es sich bewegt, diese unglaubliche sensation, nicht nur der körper, nicht im körper im grunde. wie sich alles bewegt, allein durch wahrnehmung und denken, durch herumspinnen und träumen. dieses innere ausweiten, ausloten, vertiefen, dessen menschen fähig sind, selbst kinder schon. gerade die kinder.
heute wird mir besonders gerne, mit großer freude mitunter, vorgeworfen, ich hätte nichts aus meinem leben gemacht, aus meiner kraft, meinem potential, aus dem, was mir geschenkt ist. ich bin nicht und war nie besonders erfolgreich, das stimmt. vermutlich, vielleicht. auf den ersten blick. ich selbst werfe mir das vor, viel zu oft womöglich, ein recht dazu habe ich nicht, ich weiß, daß ich beschenkt bin. mit der gabe, mich zu erinnern, tiefer und weiter als die meisten. ich bin ein elefant.
und ich möchte nicht tauschen mit denen, die erfolgreich sind im vergessen. niemals.
zum krönenden abschluss des tages schnell noch klebrigen sambuca über die fernbedienung gekippt. die anschließend prompt nicht mehr funktionieren wollte, mußte sie mit einer schnellen dusche, einem fön und schließlich mit einer flink durchgeführten operation retten. jetzt funktioniert sie besser als vorher. so findet der tag einen überraschen erfolgreichen abschluß.