reisen verändert, so sagt man. jungen menschen wird es als wichtiger schritt angetragen, um sich befreien, um den horizont zu erweitern. das sind plattitüden, natürlich, aber dennoch stimmt es auch. das weiß sogar ich, die immer schon die inneren reise bevorzugt hat. musik und geschichten, kopfhörer und bücher. meine echten reisen waren immer klein, ich habe europa in diesem leben noch nicht verlassen. ich wüsste auch gar nicht, wie das gehen sollte.
die kurze abwesenheit diesmal hat immerhin bewirkt, dass sich für mich wie aus versehen eine gewisse nachrichtenferne eingestellt hat. nicht, dass ich nicht mehr informiert wäre. ich weiß genau, was herr lauterbach sagt und möglicherweise tut, und betrachte die beachtliche selbstdemontage der britischen regierung mit faszination und besorgnis. (es scheint sich allerdings um einen natürlichen vorgang zu handeln.) doch ich lese nicht mehr die aktuellen infektionszahlen nach, von wo auch immer, das scheint mir irrelevant. auch über die aktuellen corona-maßnahmen bin ich mir zum ersten mal völlig im unklaren. (da ich derzeit sowieso nur zuhause zu sein habe, ist das auch ziemlich egal.) die diversen kriegs- und antikriegsdiskussionen habe ich ebenfalls aus den augen verloren, die offenen briefe, die hin- und wieder hergeschrieben werden. oder abgeschrieben? aber die wichtigen bilder dazu erreichen mich durchaus.
das ist eine erleichterung, so ungefähr darf das gerne bleiben. ich wusste gar nicht mehr, wie anstrengend so etwas ist, nach ungefähr zwei jahren ohne sonderlich viel abwechsung im leben, im hirn. alles nur katastrophe. alles nur arbeit und erledigungen, bis hin zum täglichen aussortieren des email-spams routiniert.
außerdem: meine kleinen reisen wirken tiefer als es den anschein haben mag, vielleicht weil sie immer mit inneren reisen verbunden sind. abwarten!