am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

glück & vitamin

ich muss lernen zu begreifen, dass mein leben nie in ordnung kommen kann. kein leben ist ja je in ordnung, allen plänen und vorstellungen zum trotz. ordnung ist immer illusion, doch auch das ist kein trost. der riss ist zu alt, der kleine schnitt. das wächst sich nicht aus.

das alles ist mir nicht neu, nur diese zeit. dieses warten ohne blick, dieses verkriechen. ich schaue auf den boden, sehe die hilfskonstruktionen. gehen sie spazieren, jeden tag. telefonieren sie, das ist ungefährlich. oder zoom vielleicht, skype. gibt es ja auch noch. was wären wir, in dieser lage, ohne netz.

nein, das ändert nichts. das ist, als wollte man lebensglück erzeugen: durch vitaminzufuhr.

pudding

mal eine alltagsgeschichte: der neue nachbar brauchte einen korkenzieher, gestern war das, am sonntag. deshalb kriegte ich dann heute einen schokopudding mit sahne und ein paar blaubeeren zum nachtisch, als der nachbar mir mein küchenwerkzeug zurückbrachte. und geduzt hat er mich, der junge mensch. und ich bin ja inzwischen so derart alt, dass mich das immer ein bisschen wundert, wenn das passiert. vergucken kann man sich da, das glaube ich ziemlich sicher, bei mir nicht mehr. aber gut, es war so eindeutig, dass es vermutlich nicht komisch kommen, wenn ich das auch mache, wenn ich das gespülte puddingglas zurückbringe.

irgendwann dieser tage.

#insight

dieses buch und dieses jahr, beides führt mich weit zurück, es infantilisiert mich nahezu. könnte man sagen. das eine mehr, das andere weniger produktiv. das eine wirkt auf mein denken, das andere löscht mein leben. das zusammenspiel ist kontraproduktiv. und ich bin nicht in der lage herauszufinden, was oder ob etwas davon gut sein kann. letztendlich.

als bewohnerin der alle rekorde brechenden neuköllner coronainfektionshochburg darf ich wohl in absehbarer zeit die stadt nicht mehr verlassen. um zum beispiel zuflucht in der kleinen stadt zu nehmen, keine drei kilometer hinter dem berliner stadtgrenzenschild. ich wäre dort allein, und auch hier sehe ich keine vier menschen regelmäßig und auf längere zeit. einmal die woche. darüber hinaus seit letztem märz höchstens fünf bis sieben weitere personen, privat oder sehr kurz mal im büro. doch für das, was ich nun bin, gibt es anderswo keine herberge mehr. einstweilen.

das ist wie damals. es gibt keine welt jenseits des eigenen elends. ich darf nicht, was auch immer. inzwischen begreife ich natürlich, dass ich nicht wirklich zurückmuss, dass das gar nicht geht. wo ich früher war, wo ich aufgewachsen bin. das alles gibt es nicht mehr, immerhin. oder eben nur noch in mir.

es ist erinnerung. die isolation, das immer nur selbst sein und immer alles allein bewältigen. die situation heute ist de facto nur ein abklatsch, denn jetzt gibt es ziemlich sicher eine welt. in greifbarer nähe sogar, das denke ich zumindest. wir werden sehen, irgendwann.

damals war da nichts, das ich kannte. das mir irgendwie vertraut gewesen wäre. das ist und bleibt schwer zu erklären. doch das ist es, mit dem ich spielen muss. dieser tage, dieses jahr. wie lange noch.

und wozu.

keine frage.

das leben ist niemals eine frage, noch weniger eine antwort. auch nicht das sterben, das schon gar nicht.

das versteht sich von selbst.

soul & blues

heute ist der tag der seelischen gesundheit in der welt. (na gut, eigentlich war das gestern. aber egal, ich bin ja noch wach.) deshalb keine arbeit heute, für die eigene seelische gesundheit. nur den seit monaten vor sich hin triefenden wasserhahn in der küche habe ich ausgetauscht gegen den ebenfalls schon vor monaten neu gekauften. nicht allein, übrigens. dass soll ja auch so ein aspekt der seelischen gesundheit sein, hab ich gehört. dass man nicht alles allein machen muss.

mehr war nicht. fast nicht, aber egal. es wird ja sowieso in diesem blog nicht immer alles verraten. das wär ja noch schöner.

auch das schreiben dient der seelischen gesundheit, das ist nicht neu. aber es fördert sie, indem es die seele herausfordert. was immer damit gemeint sein mag: seele. da weiß ich auch keine antwort. die ganz persönliche kapazität vielleicht. der teil, mit dem man geboren wird, und die vielen weiteren teile, die man sich unterwegs aneignet, die man entwickelt aus den gegebenheiten.

ist es die seele, mit der man das sein betrachtet, das eigene? das, was sich ganz außen, am äußersten rand der menschlichen existenz befindet? das unabänderliche, schier unverwundbare?

ich wachse mir nach, mein ganzes leben schon. wird mir ein zentner mehr aufgeladen, dann wächst meine kraft um exakt diesen zenter. wenn es ein gramm ist, dann spiele ich mit eben diesem gramm. das macht meine stärke aus, dass ich eine nachwachsende ressource bin. das macht auch meine benutzbarkeit. gerade aber scheint es anders zu sein. oder zu werden, vielleicht.

im moment wachse ich, indem ich schrumpfe. ich werfe last von mir, dadurch und spare kraft. das ist seltsam. daran muss ich mich gewöhnen, das wird wohl ein wenig dauern. es ist, als würde das denken sich drehen. und dabei doch völlig gleichbleiben. während im grunde die welt sich ändert.

seltsamerweise ist das traurig.

no harm

viele lichter überall in den fenstern gegenüber. jetzt ist sperrstunde in berlin, oder? ich meine, es hören zu können. viel menschenlärm unterwegs, ein permanentes gelaufe und gerede unter meines schlaffenster. ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. ist ja noch recht früh.

der unfall schwingt nach. so harmlos er mir zunächst erschien, entwickelt er langsam seine schlüsselkraft. auch die spontan konsultierte ärztin war schnell zur eindringlichkeit entschossen und hat mich überraschen radikal aus dem verkehr gezogen. da will ich mich fügen, denke ich. es zumindest versuchen.

heute also nichts gearbeitet. und es nicht vermisst. aber ein schlechtes gewissen, natürlich.

bremsen

ein tag pause, völlig unproduktiv. nur zeugs erledigt, das erledigt werden muss. esst den neuen herd entgegengenommen, dann das motorrad für die tüv-abnahme zum schrauber gebracht. auch wegen dem kleinen unfall gestern, also: nach feinberührung mit einem anderen fahrzeug umgefallen. nicht weiter schlimm. oder anders: ich bin wem seitlich reingefahren, der seinerseits einen abartig rasanten abbiegevorgang direkt vor meinem vorderrad inszeniert hat. gibt schöneres im leben. nach dem besuch beim schrauber noch zur physio, sonst irgendwie nix.

wenn ich mich recht erinnere.

meinen persönlichen schuldanteil an dem unfall kann ich nicht ganz von der hand weisen. ich bin einfach weitergerollt, hab das geschehen unmittelbar vor mir in aller seelenruhe betrachtet. wie in zeitlupe, ohne allerdings auch nur auch nur einmal auf die idee zu kommen, die bremse zu betätigen. sehr komisch.

eine tangofreundin predigte mir daraufhin eindringlich von erschöpfungszuständen und burnout, was ich dann heute mal ein bisschen recherchiert habe. ach ja, tatsächlich. das habe ich auch noch getan. wenig überraschend war da einiges dran. die wachsende unmöglichkeit von konzentration, wenig und noch dazu eher schlechter schlaf, zunehmende schmerzen, die nichts mit dem rheuma zu tun haben. natürlich ist auch die belastung nicht gering, einen beruf zu haben, für den ich, damit ich mir die ausübung leisten kann, einer anderen erwerbstätigkeit nachgehen muss. was dann in wenigstens zwei jahren dauerarbeit mündet. noch dazu einen beruf zu haben, der letztendlich immer tief in die eigenen abgründe führt. geschenkt. außerdem die situation seit mitte märz, die mich, ohne familie, ohne partner*in, forever, und ohne katze, selbst von meinem tangohobby weitgehend limitiert und ins schier ewige home office verbannt hat. von wo aus ich meine arbeit immer schlechter schaffe, zu absurd ist das vorgehen.

ich bin nicht mehr bei mir, ich merke es seit wochen. schon vor zwei monaten oder so, konnte ich mich kaum rühren. damals war es der körper, und ich wusste genau, dass eine woche pause es nicht gebracht hatte. jetzt ist es mein hirn, das nicht mehr will. nicht mehr bremsen, das ist fatal.

vermutlich muss ich genau die jetzt zügig finden. die bremse.

Xcuse

was für ein geschwätz gestern. was soll ich sagen? es ist schwer. offensichtlich bewege ich mich in gebieten, die fast ganz ohne sprache sind. so lange ist das her. und worte an sich sind ohnehin unzureichend, immer. einander hilflos ausgeliefert.

ich kann es nicht änderns. ich bin, wo ich bin. wenn am ende das schreiben an meinem leben hängt, davon abhängt vielleicht. dafür bin ich da.

ich werde weiter schauen, tiefer gehen. die bilder finden, die töne, den klang und die gerüche. all das, was es gab und gibt, noch vor den worten.

schaden

dieses jahr. und dieses buch. das auf einmal ist mitunter zuviel. beides zusammen legt den grund frei. den sumpf, aber nicht nur das. auch sand, schlamm und schrott wird abgeräumt. was bleibt ist der boden, auf dem ich lebe.

so klärt sich vieles. alles, so kommt es mir vor. und das ist gut, wenn nichts mehr ist. mehr als das geht kaum.

gestern nacht, so müde, dass ich mich selbst kaum mehr erkannt habe. während trump auf der anderen seite der erde das prinzip der goldenen kutsche für sich entdeckt hat, schaltete ich im zimmer das licht aus. dann lag ich im dunkel, einen moment nur, nicht mehr wach. nicht mehr ich. aber auch noch nicht ganz verloren, unter schlaf und schmerz begraben.

manches wird klar in der unschärfe zwischen den welten. so war es immer, schon als kind. menschen aus metall, wie insekten. wie soldaten mit puppenherzen. wie tot.

das ist unsinn, denke ich. das ist toll. ich bin so müde.

doch manches wird klar, auf einen schlag mitunter. in den unsinnigsten momenten auch, im müdigkeit zum beispiel. in erschöpfung. wie die tiefe furche, die eine deutliche spur durch mein leben zieht. eine grundlegende beschädigung, unverkennbar auf einmal. eine wunde, eine narbe von anfang bis jetzt.

was ich hätte sein können, ist verloren. ist früh zerstört, stattdessen bin ich anders. muss ich anders und limitiert. leben. was kein problem ist, das ist normal.

das ist auch gut jetzt. zu wissen und zu sehen, dass mein leben von grund auf und durchgehend beschädigt ist. dass sich das nicht mehr ändern und ebenso nicht leugnen lässt. obwohl ich das kaum je getan habe, denke ich. aber so klar betrachtet habe ich es dann doch auch noch nie. bislang.

die spur der vernichtung, die die gegebenheiten meines kindseins in meinem leben hinterlassen haben. eine gerade, ungebrochene kerbe. unverkennbar auf einmal.

es ist besser geworden mit den jahren, viel besser. aber es war auch viel arbeit, mit der ich mitunter auch mächtig unsinn angerichtet habe. anderen, nicht mir. unverzeihlich vielleicht. trotzdem oder gerae deshalb wird mir so manches vermultich für immer unerreichbar sein.

doch es könnte schlimmer sein. wenn ich selbst auf die art beschädigt worden wäre. das wesen, das ich bin. und das ist tatsächlich weit weniger der fall. nur mein potential in dieser welt ist mir genommen. weitgehend, nicht ganz.

oder anders gesagt: es ist durchaus schade, dass mich nie jemand beliebt hat. (auch und vor allem, weil ich mich zumeist so weit abseits von anderen menschen befinde.) aber es käme meiner vernichtung gleich, hätte ich selbst niemals geliebt. stillschweigend und ohne bedingungen auszuhandeln.

PS das alles ist ziemlich kryptisch und unklar, ich weiß. ich kann es noch nicht besser fassen. ich versuche es morgen nochmal. oder die tage.

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