am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

#insight

jetzt kommt er also, der nächste einschluss. oder ausschluss, ich weiß es gar nicht zu sagen. dabei knabbere ich immer noch an den auswirkungen des ersten, meine nerven und die immer wiederkehrende leere im hirn. die totale überforderung im alltag, ein tag nach dem anderen. und nichts wird besser. selbst die hände wollen nichts bauen, immerzu ist da eine latente furcht vor einer fatalen fehlleistung, die blöde folgen haben könnte. blödere als der unfall, der ja zum glück wenig (physische) folgen hatte. aber das war eben glück. eben habe ich das neune kreissägeblatt eingebaut, aber ich weiß nicht so recht. ich hoffe, ich habe das richtig gemacht.

jetzt also alles von vorne, vermutlich auf unbestimmte zeit. da mache ich mir nichts vor. gerade erst hatte ich mich wieder dazu durchgerungen, gelegentlich auszugehen, essen zum beispiel, und in sehr kleinem rahmen zu tango tanzen. sogar theater hatte ich schon fast wieder, bwz. sogar fest, ins auge gefasst. und schon geht nichts mehr von all dem.

obwohl draußen die letzten partygänger durch den regen traben, schon seit gestern. flaschen klirren, stimmen in vielen sprachen, rufen und lachen. es ist unverschämt und schön. ich möchte nicht mit ihnen gehen, das ist mir nicht zuletzt zu kalt. zu spät auch, zu laut. das war es noch nie, für mich. das nächtliche saufen und jubeln vor glück.

ich möchte anderes, leben. doch das ist nicht mehr da, nicht einmal in der nähe.

also sollte ich arbeiten, arbeiten, arbeiten, ohne unterbrechung. einfach nur arbeiten und zwischendurch versuchen zu schlafen, traumlos und willensbefreit. nichts anderes mehr, nur arbeit, sonst nichts sehen, nichts sein. so wie mein vater, ohne hoffung auf ein leben. bis es endlich vorbei ist. ab in den müll, die große blaue tüte. (sorry, das ist ein insider zwischen ihm und mir. er möge mir verzeihen.) aber ich kann gerade nicht, arbeiten.

planen und denken, strukturen schaffen und umsetzen, ich kann ja nicht einmal bauen. oder diesen text einigermaße überblicken, dieses harmosen bloggerotze. ich kann einfach nicht arbeiten.

das ist das schlimmste von allem, ausgerechnet jetzt.

er-wachsen

ich lebe wieder, wie ich als kind gelebt habe. es gibt keine welt, und niemand ist schuld. aus dem nichts wächst ein mensch, trotz allem. vielleicht.

give me a break

seltsamer zustand, zwischen langjähriger randfülle und plötzlicher ausgeleertheit. zeit, die keine zeit mehr ist. sondern leben, auf einmal. ich habe ein leben. ich habe auch eine wohnung, ich wohne darin. ich könnte es zumindest, und gestern habe ich es sogar für einen augenblick gespürt. dass ich wohne. und lebe, vielleicht.

das ist gut. das ist auch irgendwie unbehaglich, innen. dass ich das alles nicht mehr so recht weiß. schreiben zerstört, das ist klar. danach muss man sich wieder zusammensuchen. ich weiß.

vielleicht habe ich aber auch noch nie gewohnt. oder gelebt. oder geschrieben? vielleicht weiß ich gerade so gut wie gar nichts mehr. kann auch sein.

träumen vielleicht. ich will träumen, denn das habe ich schon. das weiß ich genau.

anders

nach einem lagen abend in der entspannten und unendlich freundlichen atmosphäre des neuen „clärchens ballhaus“ durch die letzte laue nacht nach hause radeln, und dabei wissen, dass ich nicht ich bin. dass es nicht nur die erschöpfung ist, das manuskript oder der lächerliche unfall, der mich immer noch beschäftigt. so sehr, dass ich offensichtlich nicht einmal zu vermitteln in der lage bin, was eigentlich passiert ist, was in folge immer noch passiert. oder was lange zuvor schon geschehen ist, das vor allem.

ich bin nicht ich in gegenwart anderer. da bin ich immer nur die hülle eben dieser. auch das ein grund: zu schreiben und nicht zu leben. etwas anderes bleibt ja kaum, und derzeit schon gar nicht.

ratte

ich bin selbst auch immer entsetzt, wenn ich dieses tier werde. wenn ich keinen weg mehr finde, nur in einer ecke klemme und den kampf, als wäre es der letzte, zu vermeiden versuche. weil ich ja doch ein mensch bin, am ende, und andere menschen um mich, die im zweifel mit mir nichts zu schaffen haben.

beim zahnarzt, zum beispiel. das war keine gute idee, mitten im abstandhalten. da mache ich mich doch auch so immer zum affen.

in den letzten zwei wochen habe ich übigens überall tote tiere gesehen. ein friedlicher spatz, wie schlafend, eine frisch zerfetze, sehr blutige taube und etwas nicht mehr zu identifizieredes. relativ groß mit fell, vielleicht eine kleine katze oder ein haushase.

darüber hinaus drei ratten. eine davon zermatscht, wie die taube. voller blut. die beiden anderen sehr klein und sehr heil, äußerlich betrachtet. tote ratten sehe ich sonst so gut wie nie.

jetzt frage ich mich: sterben die ratten nicht erst ganz zuletzt?

protokoll

ich bin ungerecht. aus der versehrtheit und der erinnerung an die ursachen ist es schwer, gerecht zu bleiben. oder gar zu sein.

das nur for the record.

nächtes jahr, irgendwann, werde ich wieder unter unversehrt firmieren. vielleicht.

oder auch nicht.

la peste

wie aus dem poetischen „in zeiten von corona“ klammheimlich das prosaische „in coronazeiten“ wurde.

fratzen

alles ein wenig besser ist es heute, vielleicht weil am morgen ein wenig die sonne. wie gestern auch schon. sonne ist gut, sonne hilft. sonne ist leben.

was sind das für platte sprüche, denke ich gerade. bis mir die gestrige sonne einfällt. (war das gestern?) na gut, denke ich. dann eben gut. und leben.

und gehen. ja, auch das. ich gehe ja gerne, das ist teil der schreibarbeit. sehr oft jedenfalls. und das gehen, nicht das schreiben, ging heute mal wieder richtig gut. die letzten tage bin ich eher geschlichen, fast gekrochen. das war seltsam. andererseits traue ich dem braten noch nicht recht. erstmal sehen, wie es morgen geht. mit mir.

sonst nicht viel. ein leerer tag, der mich zum ende dennoch sehr erschöpft hat.

als erstes habe ich gleich heute morgen mein facebook aufgeräumt. wenn themen aus privaten gruppen auf einmal in öffentlichen threads auftauchen, mit direktem, nahezu intimen bezug auf mich, dann ist es allerhöchste zeit, mal gründlich nachzudenken. zum einem, ob ich mit menschen, die so etwas machen, vermutlich nur gedankenlos, aber egal, tatsächlich befreundeg bin. (nein!) zum zweiten, ob diese art der kommunikation grundsätzlich, wenn auch pandemiebedingt irgendwie angesagt, für mich überaupt noch aktuell ist. (nein!)

so habe ich dann einiges an meinem facebook geändert. (ja!) ein bisschen was gelöscht und gesperrt, vor allem aber im hintergrund gebastelt. heimliche regeln eingeführt, ganz allein für mich. da gibt es doch tatsächlich bei facebook einige nette funktionen, die mir bislang noch gar nie untergekommen sind. oder die ich noch nie eingesetzt habe, einsetzen musste. das ist gut zu wissen.

jetzt passt die fratze einigermaßen gut, hoffe ich.

und es ist an mir, fortan die finger von dem dreck zu lassen, wenn es um persönliches geht. vertrauen gehört da nicht hin, nicht auf facebook. dafür sind blogs.

keine ahnung, wie ich das vergessen konnte.

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