ich lebe wieder, wie ich als kind gelebt habe. es gibt keine welt, und niemand ist schuld. aus dem nichts wächst ein mensch, trotz allem. vielleicht.
alle tage
give me a break
seltsamer zustand, zwischen langjähriger randfülle und plötzlicher ausgeleertheit. zeit, die keine zeit mehr ist. sondern leben, auf einmal. ich habe ein leben. ich habe auch eine wohnung, ich wohne darin. ich könnte es zumindest, und gestern habe ich es sogar für einen augenblick gespürt. dass ich wohne. und lebe, vielleicht.
das ist gut. das ist auch irgendwie unbehaglich, innen. dass ich das alles nicht mehr so recht weiß. schreiben zerstört, das ist klar. danach muss man sich wieder zusammensuchen. ich weiß.
vielleicht habe ich aber auch noch nie gewohnt. oder gelebt. oder geschrieben? vielleicht weiß ich gerade so gut wie gar nichts mehr. kann auch sein.
träumen vielleicht. ich will träumen, denn das habe ich schon. das weiß ich genau.
anders
nach einem lagen abend in der entspannten und unendlich freundlichen atmosphäre des neuen „clärchens ballhaus“ durch die letzte laue nacht nach hause radeln, und dabei wissen, dass ich nicht ich bin. dass es nicht nur die erschöpfung ist, das manuskript oder der lächerliche unfall, der mich immer noch beschäftigt. so sehr, dass ich offensichtlich nicht einmal zu vermitteln in der lage bin, was eigentlich passiert ist, was in folge immer noch passiert. oder was lange zuvor schon geschehen ist, das vor allem.
ich bin nicht ich in gegenwart anderer. da bin ich immer nur die hülle eben dieser. auch das ein grund: zu schreiben und nicht zu leben. etwas anderes bleibt ja kaum, und derzeit schon gar nicht.
ratte
ich bin selbst auch immer entsetzt, wenn ich dieses tier werde. wenn ich keinen weg mehr finde, nur in einer ecke klemme und den kampf, als wäre es der letzte, zu vermeiden versuche. weil ich ja doch ein mensch bin, am ende, und andere menschen um mich, die im zweifel mit mir nichts zu schaffen haben.
beim zahnarzt, zum beispiel. das war keine gute idee, mitten im abstandhalten. da mache ich mich doch auch so immer zum affen.
in den letzten zwei wochen habe ich übigens überall tote tiere gesehen. ein friedlicher spatz, wie schlafend, eine frisch zerfetze, sehr blutige taube und etwas nicht mehr zu identifizieredes. relativ groß mit fell, vielleicht eine kleine katze oder ein haushase.
darüber hinaus drei ratten. eine davon zermatscht, wie die taube. voller blut. die beiden anderen sehr klein und sehr heil, äußerlich betrachtet. tote ratten sehe ich sonst so gut wie nie.
jetzt frage ich mich: sterben die ratten nicht erst ganz zuletzt?
fratzen
alles ein wenig besser ist es heute, vielleicht weil am morgen ein wenig die sonne. wie gestern auch schon. sonne ist gut, sonne hilft. sonne ist leben.
was sind das für platte sprüche, denke ich gerade. bis mir die gestrige sonne einfällt. (war das gestern?) na gut, denke ich. dann eben gut. und leben.
und gehen. ja, auch das. ich gehe ja gerne, das ist teil der schreibarbeit. sehr oft jedenfalls. und das gehen, nicht das schreiben, ging heute mal wieder richtig gut. die letzten tage bin ich eher geschlichen, fast gekrochen. das war seltsam. andererseits traue ich dem braten noch nicht recht. erstmal sehen, wie es morgen geht. mit mir.
sonst nicht viel. ein leerer tag, der mich zum ende dennoch sehr erschöpft hat.
als erstes habe ich gleich heute morgen mein facebook aufgeräumt. wenn themen aus privaten gruppen auf einmal in öffentlichen threads auftauchen, mit direktem, nahezu intimen bezug auf mich, dann ist es allerhöchste zeit, mal gründlich nachzudenken. zum einem, ob ich mit menschen, die so etwas machen, vermutlich nur gedankenlos, aber egal, tatsächlich befreundeg bin. (nein!) zum zweiten, ob diese art der kommunikation grundsätzlich, wenn auch pandemiebedingt irgendwie angesagt, für mich überaupt noch aktuell ist. (nein!)
so habe ich dann einiges an meinem facebook geändert. (ja!) ein bisschen was gelöscht und gesperrt, vor allem aber im hintergrund gebastelt. heimliche regeln eingeführt, ganz allein für mich. da gibt es doch tatsächlich bei facebook einige nette funktionen, die mir bislang noch gar nie untergekommen sind. oder die ich noch nie eingesetzt habe, einsetzen musste. das ist gut zu wissen.
jetzt passt die fratze einigermaßen gut, hoffe ich.
und es ist an mir, fortan die finger von dem dreck zu lassen, wenn es um persönliches geht. vertrauen gehört da nicht hin, nicht auf facebook. dafür sind blogs.
keine ahnung, wie ich das vergessen konnte.
schreibzeit (56)
schreibzeit, das sind nicht nur meine ausflüge in die kleine stadt, die langen wochenenden zwischen den büroarbeitstagen oder die schnellen korrekturrunden nach einem achtstundentag. (letzteres ist von übel, das mache ich so gut wie nie.) schreibzeit ist viel mehr als das. keine summe, kein verlust. schreibzeit ist vor allem leben.
obwohl es sich durchaus um die gesamte zeit handelt, die vergeht, die ich lebe, während ein buch entsteht. also nicht nur die zeit, in der ich de facto am oder im text sitze, festgefahren oder in fluss. nein, absolut alle zeit. sieben jahre also, diesmal. (wobei ich gerade nicht weiß, wie ich die drei jahre totalunterbrechung werten soll.)
jetzt ist der text weg. natürlich nicht wirklich, er lauert auf diversen festplatten und anderen datenträgern. er ist ganz nah, gestern noch habe ich ihn nach tippfehlern und anderem unsinn durchsucht. etwas in mir ist irritiert, dass ich heute nicht dort eingestiegen bin. dass die menschen nicht getroffen, ihren gedanken und gesprächen nicht gelauscht habe. aber das geht nicht, es ist aus. fürs erste zumindest.
und jetzt bin ich überfressen und auf entzug zugleich. heute schon, das ist schlimm. bin ich leer, bis aufs letzte ausgeschöpft.
aber so ist das nach einer so langen schreibzeit. ach was, so ist das nach jedem text. aber die länge (der zeit und des textes) diesmal macht mir angst. die tiefe der erfahrung und die ebenso überraschende wie prägende persönliche beteiligung ganz zuletzt. damit hatte ich nicht gerechnet, das war dumm. das weiß ich besser. schon lange, schon immer. nicht erst, seit ich schreibe. leben kostet kraft. wirkliches leben, nicht nur das ableben der lebenszeit. das wäre warten, reines warten. und das liegt mir gar nicht.
der unfall vor etwas mehr als einer woche gehört auch dazu. als erste erscheinungsform der abgründigen erschöpfung, die sich in sieben jahren in mich eingeschrieben hat. kaum weiß ich, wie ich die augen offen und das hirn hochhalten soll. oder eine richtung in mein tun bringen. nun gut, so ist es schon lange, immer wieder mal. das kommt und geht, aber gerade komme ich nicht mehr darüber hinweg.
ich weiß, das liegt daran, dass die erinnerung aufgegangen ist. deshalb tobt jetzt alles wild durcheinander. so war es nie, so schnell. und die tür wird sich wohl auch nicht mehr schließen, der deckel nicht mehr fallen. das hatte ich ja gedacht, zumindest erwartet. inzwischen will ich das aber gar nicht mehr. es ist besser, das leben und alles, wenn man sich ganz zur verfügung hat. musik hören, den regen spüren, die sonne. wirklich alles.
und darüber hinaus zwischen dem, was ich lange schon weiß und was mir noch länger fast so unendlich langweilig ist. auch wenn es jetzt durch mich hindurchrast, als gäbe es kein morgen, ohne jeden sinn und zweck. in den feine ritzen, zwischen ein- und wieder ausatmen, mitunter. da sehe ich auch neues. altes im grunde, uraltes. das mir aber noch nie bewusst begegnet ist.
das wiederum ist eigentlich ganz gut.