am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

ausgezeichneter abschied

wieder zu hause. ein eigenartig leichter abschied diesmal, beinah banal. es ist das wasser, dieses viele wasser so nah. das wird zur entscheidung beitragen, irgendwann. ich weiß nicht, wann. ich weiß auch nicht, wie das alles zustande kommen soll. ich sehe blind.

gegen halb zwölf auf vollbepackte bike. auch das lerne ich langsam wieder, wie ein motorrad zu packen ist. obwohl das fahrgefühl natürlich ein völlig anderes ist. die wetter-app stand auf 90% regen, trotzdem bin ich todesmutig ganz ohne regenzeug gefahren. mir war so unbedingt danach, ein bisschen zu frieren. es hat dann aber gar nicht geregnet, weder auf der fahrt noch sonst. bis gerade eben, so gegen neun.

fazit: ausgezeichnetes motorradwetter!

wenig geschlafen in der letzten nacht. das kommt davon, wenn man am frühen abend so erschöpft ist, dass einfach dann schon geschlafen werden muss. stattdessen also wach gelegen, auf den regen gewartet, auf donner und blitz. es gab dann aber nur wetterleuchten und ein wenig wind. mehr nicht.

außerdem im text herumgedacht. gute ansätze, die ich hoffentlich umgesetzt bekomme. (ich notiere zu wenig, fällt mir gerade auf. die ganze zeit war es anders, da war es egal. aber jetzt ist die zeit!)

das letzte

der letzte tag sollte einer auf dem wasser sein. das immerhin ist gelungen.

von der spitze des hiesigen parks unter der glienicker brücke durch, die havel entlang, bis ich die pfaueninsel sehen konnte. für die alte frau mit dem keinen, windanfälligem boot, das auf der großen havel sicherlich ein bisschen dämlich aussieht, war das ein ganz schönes stück. ich musste ja auch wieder zurück. der trip hockt mir jetzt als sonnenbrand in der haut und als leichter stich im hirn.

dieses hin- und wieder zurückfahren, geht mir ein wenig auf den zwirn. wenigstens im kreis, das wäre schön. also dann vielleicht ganz anders im nächsten jahr: mit zelt und schlafsack usw. immer weiter von hier nach da. ist ja nicht so, dass ich all das nicht irgendwo hätte. oder mit dem motorrad irgendwo hin, und dann von dort aus die wasser erkunden, in der feldberger gegend zum beispiel. das steht eh noch aus.

das ein- und aussteigen klappt, hier zumindest, immer besser. ich verstehe das boot immer besser und richte mich danach. nasse füße kriege ich dennoch meistens, das ist wohl normal. und einen nassen arsch, wiel ich neuerdings links schiere wassermassen ins boot schaufel.

das alles ist noch ein punkt für diese gegend. dummerweise. überall sind augezeichnete einstiegspunkte in eine grandiose, schier unergründbare wasserlandschaften. von hier aus könnte ich tagestouren oder kurztrips spontan von jetzt auf gleich starten. sogar zu fuß erreichbar ist all das wasser, die in fahrradnähe habe ich noch längst nicht alle erkundet. achje …

als ich aus dem wasser kam, war der hintere fahrradreifen platt. wie schon am morgen, als beide ventile verschwunden waren. (eine parkwächterrache?) diesmal war es aber wohl der schlauch, der das anschließende schieben mit platten nicht so gut vertragen hat. also: wieder schieben und latschen in der gluthitze des mittags, noch dazu mit nassen bootsschuhen und einer einer fetten blase unter dem rechten fuß. die hatte ich extra noch nicht geöffnet, weil ich davon ausging, auch jeden fall noch mit beiden füßen im see stehen würde. so also von der ausstiegstelle bis zu den mir bekannten hiesigen fahrradläden gehumpelt, die beide nicht helfen konnten oder wollten.

anfang und ende dieser zeit hier stehen diesmal unter einem seltsamen stern.

den schlauch selbst wechseln. natürlich, zu hause kein problem. aber das motorradwerkzeug reichte nicht, und mehr habe ich nicht dabei. die hinterradmuttern sitzen so fest, nach jahren der nichtbenutzung, dass ich es improvisiert nicht losbekommen habe.

ein kraftproblem also, so ähnlich wie die wohnungstür, die ich auch nicht aufbekommen habe. obwohl ich genau den richtigen ansatz hatte.

zuletzt dann doch einen der beiden radläden überredet, das rad bis samstag wieder fit zu machen. geht in ordnung, ich hätte es sowieso in den nächsten tagen holen müssen. und dafür hier irgendwo im freien stehen lassen müssen. das hat ja schon einmal nur schlecht geklappt und mich das komplette rad gekostet. so steht das alte ding bis zur abholung immerhin sicher in einer werkstatt. hoffe ich. die bremsen kommen auch gleich dran, obwohl sich das bei der alten kiste kaum lohnt. aber bremsen sind wichtig.

nach der aktion war die luft raus. die lust auch, wie mir ein vertipper weismachen will. der geplante letzte trip in die stadt gestrichen. der körper auf einmal zerschossen, dass ich nach dem duschen für stunden geschlafen habe. alles verschlafen, die letzte zeit hier

naja, ich komme wieder. am samstag. ich muss früh hiersein, weil der radladen nur drei stunden offen ist. im grunde passt das, ich bleibe einfach den ganzen tag und tue, was ich heute nicht tun konnte. am wasser liegen, in der sonne. wenn das wetter hält. sonst in dem café sitzen, wo ich mich entschieden habe, es doch noch einmal zu versuchen mit dem romanstoff. am abend dann essen gehen im holländischen viertel.

mal sehen. alles ist ja ein mal sehen, derzeit.

gutes (altes) rad

was passiert, wenn die alte frau in der kleinen stadt auf die idee kommt, in den park zu gehen, um sterne sehen zu können, und dabei vergisst, dass auch hier die parks bei dunkelheit irgendwann geschlossen werden?

ganz einfach, die alte frau muss ungelenk über einen schulterhohen maschendrahtzaun klettern, was sie seit jahrunderten nicht gemacht hat, und die angelegenheit endet mit einer zerrissenen hose und einem kleineren, weitgehend unerheblichen blutbad.

immerhin habe ich weder die brille verloren, noch sämtliche schlüssel. und ich hatte das fahrrad mit, sodass ich im grunde nur auf einer seite klettern musste.

jetzt hab ich mich verraten.

und das rad musste ich allein im dunkeln zurücklassen. das ist das schlimmste an der sache. das ist es doch gar nicht mehr gewohnt.

ältern

noch sitze ich am bistrotisch des gemieteten erdgeschosslofts und denke über einen zweiten kaffee nach. es wird doch keine 33° heute, nur 29°, sagt die app. und es ist auch weit weniger schwül als gestern, bis jetzt zumindest.

neben der ausgiebigen schreibarbeit war ich gestern noch in der innenstadt bei einer stadtführung. keine schlösser und paläste, keine friedrichs und wilhelms, oder zumindest nur am rande, sondern hinterhöfe. architektur für kleine leute, handwerker und soldaten. pfahlbauten im brandenburger sumpf, fast wie venedig mit nicht ganz so viel wasser. es ging über das bierbrauen und den zapfenstreich, über die kirsch- und walnussbäume in den höfen, über straßenbäume auch, als schattenspender für die pferde. und dass eine absteige früher etwas gehobenes war, weil man vom pferd stieg oder aus einer kutsche.

ganz am rande ging es auch über die entstehung der brandenburgischen landschaft, flach mit unendlich viel wasser, in der letzten eiszeit. hier bin ich zu hause, dachte ich. seit ziemlich genau sechzehn jahren jetzt. ist das gut? will ich hier bleiben?

es ist das wasser, was dafür spricht. (und gegen wien.)

doch mein hirn schafft es nicht mehr, sich irgendeine art von zukunft auszudenken. die coronalage hat mir alle hoffnung auf ein leben, wie ich es will, restlos ausgestrichen. es gibt keine richtung mehr, vielleicht soll also alles bleiben, wie es ist. und langsam verrotten.

nur die arbeit, das schreiben freut mich nach wie vor. auch dass es da noch funktioniert, es sogar beinah leicht ist. bei aller anstrengung. wenn ich aber vom bildschirm aufsehe, unmittelbar. dann weiß ich nichts mehr. ich schreibe von intimität und zärtlichkeit, ich gehe noch weiter genau da hinein mit der überarbeitung. alles darin ist freiheit. das ist gut so, denke ich. aber.

ich glaube es mir nicht mehr.

wenn ich aber aufsehe, egal ob ich zurücksehe oder nach vorn oder einfach nur vor meine füße, dann ist da nichts von dem. dann ist da immer alles nur verstrickt und verfangen.

und ich darin.

ich sollte nicht jammern. weder wegen der schmerzenden paddelschultern, noch über die immer wieder schmerzende rechte hüfte, nach nur ein bisschen kräftigem radeln. das ist das alter, weiter nichts. das muss so. (und das ruft nach einem besseren rad. eines das nicht 20kg wiegt und vielleicht ein kleines bisschen elektrisch ist.) ich sollte auch nicht jetzt schon ächzen unter der vorstellung, dass ich bald schon zurückmuss in den lärm der großen stadt. es sind noch ganze drei tage.

und drei nächte. in einer von denen werde ich doch wohl noch irgendwann, irgendwo ein paar sterne finden können.

#insight

manchmal träume vor mich hin, als wäre alles wie immer. dann rede ich in meinem kopf mit menschen, die ich in echt noch nie getroffen habe. oder schon sehr lange nicht mehr.

dann fällt mir wieder ein, dass ich keine menschen mehr treffen darf. dann ist es wieder vorbei mit dem reden. dann schweige ich wieder.

so sterben in mir die welten.

nach der schreibarbeit schnell die zähne geputzt, eine hose angezogen und losgeradeln. ein ausgedehnter trip durch den bergigen teil des parks, der mir immer noch und immer wieder im ersten moment englisch vorkommt. die gebäude, auch wenn sie geziegelt sind, alse alles viel kleiner. die bäume dagegen, so groß und fremd. das ist südengland, eindeutig.

natürlich habe ich auch nach einem guten einstiegsplatz auf der anderen seite des sees geschaut. und gleich ein paar davon gefunden, allerdings ist das wasser hier fast überall zu flach. ich werde also immer probleme mit der kleinen finne haben, sobald ich mein volles gewicht in das superleichte boot werfe. dann sitze ich auf grund. also im sand, aber mal sehen.

der wetterbericht sagt, dass montag morgen ein guter paddeltag sein könnte. mein schultergürtelmuskelkater sagt das auch, obwohl es nicht so schlimm ist, wie ich gestern noch dachte. aber gut, am dienstag muss ich zurück nach berlin. das wären dann noch drei gute schreibtage, hoffe ich.

schreibzeit (48)

es ist dann diesmal doch mehr urlaub als schreibzeit, das muss ich zugeben. nach der kleinen paddelrunde heute morgen war ich derart groggy, dass danach nur wenig arbeit angesagt war. stattdessen rumliegen, immer im zielstrom des ventilators, eine kleine maschine wäsche laufen lassen, natürlich mit dem obligatorischen papiertaschentuch, menno, und zum teil sogar wegnicken vor erschöpfung.

die bootsrunde auf der nuthe war allerdings sehr bekömmlich. kein mensch auf dem wasser, nur ich. und enten, ein reiher, schillernde fliegen auf einem großen, toten fisch. bäume im wasser, an denen ich tatsächlich auch mal hängen geblieben bin mit meiner minifinne. die hätte es gar nicht gebraucht auf diesem trip, aber das weiß man ja vorher nie so richtig.

als ich gegen mittag zurück in der wohnung war, dachte ich noch: das mache ich morgen gleich wieder. dann meldete sich allerdings der schultergürtel, der nacken, der rücken. in dem bereich bin ich außerordentlich untertrainiert, und es ist nicht so, dass ich das nicht eigentlich wüsste. ich vergesse es nur gerne, glaube offensichtlich tatsächlich, dass die sauber definierten tangobeine auch so ein boot problemlos antreiben können müssten. was für ein quatsch.

also freitag oder samstag, vielleicht vom park rüber zur glienicker brücke. wenn das weter hält, es sind ja wieder gewitter versprochen. und wenn er muskelkater es zulässt. besser samstag, denke ich gerade, am freitag nachmittag habe ich eine führung gebucht, durch potsdamer hinterhöfe. ich hoffe, das wird ähnlich spannend, wie die straßenführungen in berlin. und dass das das wetter hält.

dazu kommt die hitze, am nachmittag heizt die wohnung gnadenlos hoch, dann steht die sonne stundenlang auf der gesamten front. momentan bis so ungefähr halb acht. dann erst wird es schlagartig besser.

also soviel zum thema schreiben. aber ich tue, was ich kann.

verwackelt

vor mir auf dem radweg eine frau und ein kind. sehr langsam, weil das kind mehr so wackeldradelt, obwohl es dazu eigentlich schon zu groß ist. auch das rad ist kein anfängerrad, das kind bummelt und trödelt und wackelt eben.

mir macht das nichts, ich habe urlaub, ich habe zeit. ich zockel also hinterher und schaue mir die zähe dynamik zwischen den beiden an. es ist sommer, es ist heiß. ich verstehe das.

lass mal die mal vorbei, sagt die frau schließlich zu dem kind, das mir daraufhin sofort platz macht.

und ich fahre gerne vorbei. ich habe genug gesehen und plötzlich dringend lust auf fahrtwind.

den, sagt das kind, als ich nehmen ihm in die pedale trete.

woher hat es das? was hat es gesehen? die haare an meinen beinen? die tangowadenmuskeln? meine brüste können es nicht gewesen sein, obwohl die aktuell kaum zu übersehen sind. ich trage ein ziemliches kampfgewicht mit mir herum.

nicht falsch verstehen, bitte. misgendern geht bei mir nicht, das habe ich so beschlossen, schon vor jahren, jahrzehnten. in letzter zeit wurde ich aber fast durchgehend „korrekt“, also „körperkorrekt“ einsortiert. bis neulich dann, der halbe mann.

was geht da gerade ab?

ich, gabelsbergerin*

in der stadt unten gewesen, also in potsdam. das ist etwas anderes als die kleine stadt, in der sich meine unterkunft befindet. das war mir schon immer klar, aber neulich habe ich das sogar in einem podcast bestätigt gefunden. die kleine stadt hier ist etwas ganz eigenes.

in potsdam komme ich mir schnell vor wie in einem preußischen puppenhaus. alles ist so klein und dann auf einmal so riesig, dass man kaum darüber hinwegsehen kann. als wäre das alles ein einziger showroom. schwer zu verstehen mitunter, dass es sich um eine lebendige stadt handelt, in der auch wirklich menschen leben. dabei rede ich noch nicht einmal von den vielen schlössern und parks. und im grunde kenne ich auch nur das zentrum, zwischen bahnhof und holländischem viertel. (was sich für mich aber nie so richtig holländisch anfühlt. dafür war ich wohl zu oft in holland, das erste fremde land meines lebens.) das ist nicht viel, vermute ich.

wie ich vor drei jahren auf die kleine stadt gekommen bin? keine ahnung. es sollte ein ort sein, nicht weit entfernt von berlin, mit der s-bahn erreichbar. weil mir klar war, dass sich das schreiben über jahre ziehen könnte, falls ich mich dazu durchringen würde. also sommer, winter, alle wetter. die reise sollte in keinem fall zu aufwändig sein. dass ich immer an denselben ort fahren würde, das verstand sich von selbst. auch hier habe ich keine ahnung, warum. es ist einfach so. keine umstände, stattdessen wachsende vertrautheit. aber es hätte doch auch falkensee sein können oder buch oder was-weiß-ich.

hätte es wohl nicht, denn zum einen liegt das lcb nicht weit, quasi mehr so auf dem weg. ein wahnsinnsort, die hochburg der berliner literatur. und nicht nur der, da ist man doch gern in der nähe. zum anderen ist da der name: babelsberg. da denke ich nicht an film und fernsehen, auch nicht vergnügungsparks oder elitäre unis, in deren nähe ich mich nicht einmal vorsichtig gedacht hätte. ich denke daran, dass meine erste adresse im leben die gabelsberger straße in essen war. (nicht suchen, die gibt es nicht mehr. da steht jetzt die uni. im ernst!)

ein buchstabe nur. das ist es wohl, was mich geschüttelt hat. und das habe ich nun davon, ich muss mich entscheiden. nicht jetzt, aber irgendwann in den nächsten paar jahren. ob ich tatsächlich ganz hier herziehen will. oder doch (gleich) nach wien. in den osten also oder ins ausland, das ja aber für mich kein ausland ist.

da wird mir schwindelig.

* immer schon.

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