am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

zeugs

kein neues kapitel angefangen, nicht am roman geschrieben*. gestern nicht und heute nicht. stattdessen zeugs erledigt. arztzeugs vor allem, das hört einfach nicht auf.

gestern mit der exfrau getroffen. das erste mal seit wochen und boot gefahren, das war seltsam. zwischen warten und erwarten, schuld oder schuldgefühlen und erfahrung. ein bisschen reden, ein bisschen schweigen. alles ein bisschen schräg. ziemlich traurig auch, im nachhinein. die vielen missverständnisse, eines nach dem anderen. zeigt sich und keines lässt sich noch lösen.

zu spät eben. zu traurig auch jetzt.

heute stundenlang im schlafzeugs am schreibtisch gesessen und gearbeitet, endlich wieder mal. ordung in das übersetzerzeugs gebracht, das ich seit wochen zugunsten des romans vor mir herschiebe. jetzt blicke ich durch, so einigermaßen, kann einen plan machen. geld verdienen. spaß macht das aber nicht.

* ein bisschen natürlich doch am roman geschrieben. hier und da ein wort und den abschluss des nächsten kapitels. ein ganzer satz.

kapitel

wenig menschen heute. ein mal blut „spenden“, ein mal kopf „waschen“, der rest war so gut wie leer. ich bin leer, was ich als gewinn werte. gerade jetzt.

tief einatmen vor dem nächsten kapitel. dann ausatmen und nie wieder ein. so soll es eben.

alles offen

dieses wetter macht mich nicht wirklich müde, es macht mich welk, irgendwie.

die klebrige hitze im büro, zwischen ventilator und eisfach, in dem kaum noch speiseeis zu finden ist. motorradwetter ist das auch nicht, entgegen allen annahmen, nein. es ist viel zu heiß. jede fahrt wie ein saunagang. am abend der regen, oder auch die ganze nacht, der abkühlung und bewegung in die luft bringt. wie aus kübeln, mit blitzen und donner und anderenorts auch viel ärger. zugegeben.

ich lese von der empfehlung, türen und fenster zu schließen. doch ich reiße sie auf, alle. um der frische willen, der klarheit, die folgt.

und am tag darauf dann alles wieder von vorn. ja, das ist gut! das kann man machen.

tango adé?

darüber nachgedacht habe ich immer wieder mal, meistens hatte es finanzielle gründe. tango muss nicht teuer sein, aber der unterricht kostet nun mal. und er kostet zu recht. nur ein einziges mal habe ich deswegen wirklich pausieren müssen, mit einer deutlichen betonung auf pausieren. etwas anderes kam mir gar nicht in den sinn. damals.

jetzt ist es anders. bereits im zweiten halbjahr 2018 wandelte sich mein tango von kontinuiertlich zu durchlässig bis löchrig. ich weiß nicht warum, zeitenge vielleicht. das schreiben und der rest der welt. aber auch eine gewisse unlust. in diesem jahr kam dann die physische unfähigkeit hinzu. alles, was sich mir jemals zuvor schmerzhaft in den weg gestellt hat, war nichts dagegen. ohne aufrechten kopf, ohne beweglichkeit im nacken, ohne stabile schultern, ohne starke arme gibt es keinen tango. keine möglichkeit, definitiv. das habe ich erfahren, von woche zu woche über monate hinweg.

inzwischen geht es besser, so ziemlich alles. ganz okay zumindest. beinah schon könnte ich wieder menschlich sein, und werde es womöglich wirklich. es ist durchaus absehbar.

geblieben ist die unlust, die angst.

tango ist tief verbunden mit menschen, mit begegnung, mit berührung sogar, das ist unumgänglich. daran ist nicht zu rütteln, oder nur wenig, sehr wenig. genau das ist es auch, was die meisten menschen schätzen. im tanz generell, aber mehr noch, viel mehr im tango. die nähe, die umarmung, das wagnis, der moment.

mir war das immer das schwerste, ich bin ein tangofeigling.

nur um der musik willen. wegen der möglichkeit zur interpretation derselben, jetzt und hier und immer, wegen der schönheit auch. nur deshalb würde ich bleiben wollen. das mit den menschen, lernen vielleicht. obwohl die hoffnung, so wenig sie immer schon war, beinah völlig geschwunden ist. mittlerweile.

also eher kein tango. nicht mehr, auf lange sicht.

hope less

ich bin keine gute reisende, feiern ist auch nicht so mein ding. beides wird jedoch von den meisten menschen gern getan, habe ich den eindruck, und dementsprechend hoch gehalten. das allein macht mich schon zum alien.

die kleine feier gestern war dennoch richtig nett, dem anlass mehr als angemessen. klammheimlich wurde natürlich meine verlassenheit zelebriert, von mir sowieso. und auch die anwesenden gäste schienen dem thema nicht abgeneigt, der eine oder andere flotte trinkspruch zum beispiel sprach durchaus dafür. und zwang mir ein fettes grinsen ins gesicht. ebenso die blicke, wenn ich mich nicht arg getäuscht habe. obwohl diese nicht so sehr zum grinsen waren.

meine jährliche alterung und der vor einiger zeit bereits unterzeichnete agenturvertrag sind dabei im wesentlichen ebenfalls abgefeiert worden. es gab sogar ein klein wenig applaus, wenn ich mich recht erinnere. zu mehr reichte die kraft nicht, meine kraft. es gab also weder musik, noch eine*n dj und auch keine vorabexklusivlesung. obwohl das eine nette idee war.

nein, das war anders, das ist lange her.

am ende ist dann doch alles wie immer. wenn alle gegangen sind, ist meine verlassenheit grenzenlos. wenn niemand bleibt bis ganz zum schluss, wenn es endlich echt wird und wahr. aber ich habe keine ahnung. ich bin eine schlechte feiernde. niemand sollte da auf mich hören, ausgerechnet.

ich stehe allein, das ist nicht neu. ich bleibe allein, und kein mensch wird daran jemals etwas ändern. ich denke, ich bin so gemeint.

ich denke, ich lasse das jetzt einfach mal so.

#metoo today

heute erstmal bei der osteopathin gewesen, dann die halbe wohnung geputzt, dabei drei rechner geupdatet und dazwischen, beim einkaufen, überraschend nach jahrezehnten mal wieder ein #metoo-ereignis absolviert.

die leergutautomaten unten in den neukölln arcaden stehen in einem großen nebenraum. da stehe auch ich und ärgere mich, dass meine maschine in exakt dem moment den dienst quittiert hat, als ich meine quitting haben möchte. der typ mit dem bart am automaten daneben fängt daraufhin an, von weitem auf mich einzureden. was ich weitgehend ignoriere, zum supermarkteingang gehe und um behebung des dilemmas bitte. was mir auch sofort zugesagt wird.

ich gehe also zurück in den nebenraum, um dort zu warten. der typ quasselt immer noch auf mich ein, während er gleichzeitig mit einem flaschen geschäftigt ist. ich begreife, dass er mich zu beraten versucht, was denn nun zu tun sei. ich gebe ihm zu verstehen, dass alles geregelt ist. was er offensichtlich nicht begreift, denn er redet weiter. ich winke – ahnungslos – ab.

plötzlich steht er dann neben mir, eine hand auf meinem rücken, der ich mich zunächst einmal zügig entziehen muss. noch einmal erkläre ich, leicht genervt und immer noch ahnungslos, dass es nichts mehr zu tun gibt, nur noch warten. daraufhin möchte der mann plötzlich bier trinken oder kaffee, was ich – überrascht – verneine. keine zeit, sage ich auf seine prompte nachfrage. statt kein interesse, keine lust. oder überhaupt einfach noch einmal: nein!

soweit, so seltsam.

dann fällt dem kerl der blick nach unten und wieder hoch und gleich wieder runter. ich begreife, dass er meinen körper taxiert, die müden alten knochen. jung ist der typ allerdings auch nicht, sein bart ist weiß, mehr will ich gar nicht wissen. seiner mit einem mal grunzenden artikulation, seiner „anerkennend“ murmelnden stimme entnehme ich – endlich – worauf er eigentlich aus ist.

lass! es! sein! zische ich und meine seinen blick, durch mein männerhemd, das t-shirt und was weiß ich noch alles. seinen plötzlichen absturz in richtung: ficken!

ich gehe auf ihn zu. anders geht es nicht. nicht mehr rückwärts in diesem moment. außerdem, raus aus dem nebenraum, richtung hauptgang. so ist der plan. oder ist es zufall?

zeitgleich kommt der supermarktangestelle, um sich um meine pfandangelegenheit zu kümmern. zwischen den automaten kommt er heraus, also quasi aus der wand. arschloch! sage ich noch. und muss dann dem pfandmann erklären, dass er natürlich nicht gemeint ist.

summer in the city

seit sonntag ist es heiß, zu heiß. es ist sommer. tagsüber kocht mein hirn, das hilft nicht gerade bei der arbeit. welche auch immer. nachts schwitze ich in der schwüle, egal wie ich mich kleide, lagere oder wie weit ich alle fenster öffne.

eigentlich mag ich ja den sommer, aber doch nicht immer gleich so. heiß! die hände sind geschwollen, der blutdruck im keller, für meine verhältnisse. also ausnahmweise mal im unteren optimalen bereich. spät am nachmittag meist haut es mich hin, und ich schlafe wie ein stein. nackt und unansehnlich, wie es eben ist mit bald sechzig, alt und krank. danach bin ich dementsprechend verwirrt. ist es jetzt schon morgen? oder abend? und wer bin ich eigentlich?

jetzt geht gerade ein wetter draußen. der regen kühlt alles runter, wie es sich gehört.

so ist gut.

schreibzeit (24)

schreibzeit ist nicht nur anderswo, schreibzeit ist immer auch hier. schreibzeit ist ganz besonders auch hier.

heute war schreibaustauschvormittag, die so wichtige 14-tägige deadline. mein derzeitiges schreibtempo ist allein dieser, von außen vorgegebenen taktung geschuldet. dabei bin ich so tief drin, so fest verankert im text, dass mir kaum noch etwas danebengeht. auch das trägt natürlich zum zügigen vorankommen bei.

wobei zügig oder gar schnell? zirka zwanzig seiten in vier wochen scheint auf anhieb nicht so viel zu sein. wenn ich aber den gehalt des aktuellen kapitels gewichte, aus dem durchaus ein eigenes buch hätte werden könnte. dann bin ich sogleich befriedet.

das ding wird gut. und immer besser.

nach dem schreibaustauch also gleich nach hause an den schreibtisch und die aktuellen zehn seiten bereinigt. zügig. jetzt geht es an den kapitelabschluss, auch das keine ungewichtige strecke.

gleich morgen vielleicht. oder spätestens sonntag, montag.

schreibzeit (23)

zurück in der großen stadt, schon lange. gegen elf losgefahren, und noch vor eins schon alles ausgepackt und wieder eingeräumt gehabt. berlin sitzt fest in mir.

danach listen gefunden und zeugs erledigt, tatsächlich auch zwei fenster geputzt. bitte nicht falsch verstehen, saubere, klare scheiben sind überaus erfreulich. ich werde fortfahren, diese herzustellen, bis der punkt auf der liste endgültig getilgt sein kann. außerdem updates gefahren, auf drei rechnern gleichzeitig, ein übersetztes datenblatt korrekturgelesen, formulare ausgefüllt und kopien gemacht.

mit schreiben war so nicht mehr viel zu reißen.

sollte ich also noch einmal derart hadern mit einer deplazierten, viel zu kurzen, aushäusigen schreibzeit. sollte ich erneut der meinung sein, dass ich genausogut hätte zu hause bleiben können, auch weil das zum beispiel billiger ist. dann sei das hiermit wiederlegt und zu den akten gepackt.

zwar neige ich dazu, deutlich mehr zu fressen, wenn ich da so depreviert in der fremde hocke. schokolade, gummibärchen, sogar kekse und kräcker.

aber dafür schreibe ich dann auch, konsequent und ohne frage. ich überlege also, mir alsbald weitere schreibzeiten zu gönnen. (allein, das ist tatsächlich ein wenig teuer.)

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