am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bärchen & nerds

jetzt ist sie also da, die erste brille mit eingebauter lesevorrichtung. und es ist nicht so, wie ich gedacht hatte, nämlich daß ich mich damit endgültig uralt fühlen würde. es ist genau das gegenteil, ich fühle mich zehn jahre jünger. ich kann wieder lesen, ohne das zu lesende, sei es nun das handy, der kindle oder einfach nur papier, zuvor dämlich durch den raum zu schwenken, um die richtige leseposition in punkto abstand und licht auszumachen. arbeiten wird dadurch auch irgendwie leichter, ich muß nicht immerzu die linsen einschrauben, um die darüber dann die reine lesebrille setzen zu können. die hab ich ja nun schon länger, aber auch das ist eine nervige spielerei. und sucherei.

ganz schick ist sie eigentlich auch. dunkelgraues plastik, mit einer eingefügten hellen linie an der seite und metallbügeln. etwas eckiger und auch schmaler als die letzte, die ich hatte. die von dem geburtstagsbild.  nebenbei bemerkt habe ich neulich in diesem schwedischen klamottenladen gesehen, daß diese mittigen nerdbrillen inzwischen als aufgepustete fensterglasimitationen zu modeaccessoires mutiert sind. wow. da habe ich vor schreck gleich einen von diesen überdimensionierten fußballspielern von der decke gerissen. (echt! aus versehen natürlich.)

und jetzt sitze ich hier, freue mich und lutsche gummibärchen dazu.

das ganz besonders schöne und angenehme am älterwerden ist ja, daß sich das lernen mehr und mehr anfühlt wie ein wiedererkennen. wobei das wiedererkannte dabei nicht zwangsläufig angenehm sein muß. aber das steht auf einem anderen blatt.

macht laune

diese schwülwarmen sommertage hier in berlin, dazu unüberwindbar wechseljahre in kombination mit hormonhöchststand, das alles zusammen paßt mir gerade ganz und gar nicht zusammen. und dann muß ich gleich auch noch in die oper. so. unglaublich gut gelaunt und tiefenentspannt.

beginnender regen

als kind in einem kleinen waldstück stehen, eigentlich nur eine baumgruppe. aber beschützt sein dort, unter dem blätterdach im sommer. dann die ersten fetten platscher, vereinzelt noch, zählen und warten. schließlich getroffen werden, ganz direkt. einmal. zweimal. immer wieder. wunderbar, diese luft.

doppelknie*

gestern nachmittag ist mein rechtes knie heftig mit dem schreibtischunterbau aneinandergeraten. ein frontalzusammenstoß, sozusagen. heute tun beide knie gleich weh. ist das nun deren zwillingsnatur zuzuschreiben? oder doch dem alter der beiden?

* besser immerhin als doppelkinn.

eben todesmutig eine probepackung antifaltencreme ins gesicht geschmiert. zum ersten mal. das hat ganz schön gebrannt, war wohl vor allem alkohol und nicht die versprochenen vitamine. falten sind auch noch da. also nie wieder. so was.

altes mädchen

den ersten tag auf dem motorrad und gleich mit kaputtem linken blinker gefahren. hinten ausgerechnet, ungünstiger geht es gar nicht. diese rüpelautofahrer, die ich unterwegs wahrgenommen haben, waren also gar keine. sondern ich war die blöde motorradfahrerin, die ohne zu blinken quer durch die  fahrspuren hüpft. was ich ja niemals tun würde, viel zu gefährlich. nicht umsonst ist es mir gelungen,  seit inzwischen fast dreißig jahren jedem unfall aus dem weg zu gehen. euwas, das auf jeden fall für immer so bleiben soll. die insgesamt drei stürze reichen mir.  sich ganz allein und ohne jede fremdeinwirkung zusammen mit zirka 230 kilo maschine aufs pflaster zu schmeißen ist auch nicht gerade ein spaß. alles, was möglicherweise darüber hinaus geht, will ich persönlich gar nicht erst wissen. moment? dreißig jahre? fahre ich wirklich seit fast dreißig jahren motorrad?

immer dieses gerede von den jungen leuten, auf der re:publica zum beispiel. da waren gar nicht nur junge leute, sondern auch jede menge alte knacker, finde ich. dennoch immerzu dieses gerede: junge leute, jaja. diese ntzbewohner, eine neue welt. ich hab das verstanden, besonders bei den mädchen der G.O.W.S. (girls on web society). die meisten könnten meine töchter sein, führte mir claudia eines abends vor augen. was ich für etwa zwei bis fünf sekunden heftig verneinte. dann rechnete ich nach und kam zu dem schluß: doch. ja. locker könnte ich die mutter einer mittzwanziger mädels sein. himmel! ich wachse ins großmutteralter hinein.

dann gab mir auch noch eine kollegin aus dem kurs zu verstehen, daß graue haare gar nicht gehen. graue haare machen alt. das geht alles ein wenig durch die blume. sie meint wohl, ich solle mir die haare färben lassen, jetzt, wo sie wieder deutlich länger als ein paar millimeter sind. aber erstens sind meine grauen haare nicht grau, sondern weiß. nur um zusammenspiel mit den verbleibenden dunklen sieht es bei schlechten lichtverhältnissen vielleicht manchmal ein bißchen grau aus. und zweitens weiß ich natürlich ganz genau, daß ich auf keinen fall alt aussehe. auch nicht mit den paar weißen haaren. nein.

growing old

keine ahnung, ob mich dieses plötzlich warme wetter so müde macht, so wattig im hirn, so grundlegend unfähig. oder ob ich das einfach bin, ab sofort. ob das die 50 ist, die abgründig auf mich zurast, so scheint es mir zumindest. dabei ist das völlig übertrieben, das dauert noch etliche monde. aber die wechseljahre, davon ist kaum noch zu schwiegen. hormone sind ein mächtig ding.

nach dem kiesern, eben, habe ich mir die dicke blaue ader auf meinem linken schienbein angesehen und sie gefragt, ob sie etwa eine krampfader werden will. eine antwort habe ich nicht bekommen, statt dessen hat sie sich schleunigst zurückgezogen. schwein gehabt. aber wenn ich in den spiegel sehe, am morgen zum beispiel, betrachte ich das tiefdunkleland unter meinen augen. jedesmal. das war schon immer so, das ist nichts neues. aber das wird noch häßlich werden, sehr häßlich, sehr bald. das wird sich nicht vermeiden lassen.

was sind dagegen ein paar weiße haare?

[war das jetzt etwa ein frauenthema? – nein! das war wieder nur ich.]

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